Schwerer Brechdurchfall

Infektion mit Rotavirus: Babys mit Impfung schützen

Rotaviren sind hochansteckend und führen zu schweren Magen-Darm-Erkrankungen vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern. Was im Ernstfall hilft und wie man vorbeugen kann, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

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Da Babys besonders oft und heftig vom Rotavirus betroffen sind, empfiehlt die STIKO die Impfung zwischen der 6. und 12. Lebenswoche
(c) iStockphoto/guvendemir

Das Rotavirus ist die häufigste Ursache für schwere Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern. Weltweit verursachen die Rotaviren die meisten Durchfallerkrankungen. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sterben jedes Jahr weltweit rund eine halbe Million Kinder unter fünf Jahren an einer Rotaviren-Infektion. Todesfälle treten dabei vorwiegend in Dritte-Welt-Ländern auf.

In den westlichen Industrieländern erkranken aufgrund fehlender Immunität am häufigsten Babys und Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis zu zwei Jahren am Rotavirus. Die Rotavirus-Infektion ist wie andere ansteckende Magen-Darm-Erkrankungen (Norovirus, Ruhr) in Deutschland meldepflichtig.

Rotaviren durch Desinfektion nur schwer zu bekämpfen

Seinen Namen hat das Rotavirus von der runden, radähnlichen Form, die es unter dem Elektronenmikroskop zeigt. Es gibt unterschiedliche Typen des Erregers (Serotypen oder Stämme), die gleichzeitig auftreten. Die Verbreitung dieser Rotavirus-Typen kann sich von Jahr zu Jahr verändern. Die meisten Erkrankungen in Deutschland werden durch fünf Stämme verursacht. Das Rotavirus ist sehr umweltresistent und widerstandsfähig gegen Hygienemaßnahmen wie Händewaschen oder Desinfektion.

Der Erreger tritt gehäuft in den Wintermonaten auf. Die Hauptsaison beginnt im Oktober, die meisten Fälle werden in den Monaten Februar bis April gemeldet.

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Wie verbreitet sich das Rotavirus?

Das Rotavirus ist  hochansteckend – er kann sehr leicht übertragen werden. Bereits kleinste Virusmengen reichen aus, um ein Kind zu infizieren. Kinder, die die Erreger in sich tragen, scheiden diese in hoher Konzentration mit dem Stuhl oder Erbrochenen aus. Die Verbreitung der Rotaviren erfolgt dann von Kind zu Kind über verschmutzte Hände oder Gegenstände. Die Viren können auch durch kontaminiertes Wasser und Lebensmittel übertragen werden.

Bei Neugeborenen und Kleinkindern ist das Rotavirus die Hauptursache für einen Magen-Darm-Infekt. Wenn ein Kind erkrankt ist, kann es leicht auch andere Familienmitglieder anstecken. Ältere und immungeschwächte Menschen sind dabei besonders gefährdet.

Wer kann sich anstecken?

Bis zum dritten Lebensjahr steckt sich fast jedes Kind mit dem Rotavirus an, wobei der Schweregrad sehr unterschiedlich sein kann. Bei Säuglingen zwischen einem und zwölf Monaten werden in der Regel die schwersten Folgen, zum Beispiel Krankenhauseinweisungen, beobachtet. Jährlich werden in Deutschland viele Zehntausende Babys mit einer Rotavirus-Infektion im Krankenhaus behandelt. Bis zum zweiten Lebensjahr haben die meisten Kleinkinder durch Ansteckungen eine Immunität gegen verschiedene Rotaviren-Typen erworben. Auch Jugendliche und Erwachsene können sich noch mit dem Rotavirus anstecken. Ab dem 60. Lebensjahr nimmt das Erkrankungsrisiko wieder zu.

Wie erkennt man, dass es Rotaviren sind?

Eine Rotavirus-Infektion sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Sie verläuft oft schwerer als andere Durchfallerkrankungen. Babys und Kleinkinder können dabei schnell viel Körperflüssigkeit verlieren. Deshalb ist es  wichtig, die Symptome einer Rotavirus-Infektion zu kennen, um im Ernstfall schnell handeln und das Ansteckungsrisiko minimieren zu können.

Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Tage, danach setzen die Symptome rasch und heftig ein. Die wesentlichen Anzeichen sind:

Vor allem bei Babys und kleinen Kindern sind die Symptome stark ausgeprägt: Sie leiden an bis zu 20 Brechdurchfall-Attacken am Tag. Dadurch kann es schnell zur Austrocknung des Körpers kommen. Erste Anzeichen hierfür sind Schwindel und Kopfschmerzen, es droht ein Kreislaufkollaps. Die schnell einsetzende Dehydrierung kann unbehandelt zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.

Die Schwere einer Infektion mit dem Rotavirus ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Magen-Darm-Erkrankungen, die durch Rotaviren verursacht werden, dauern rund vier bis sieben Tage und damit weitaus länger als andere Durchfallerkrankungen. Auch wird viel häufiger Erbrechen beobachtet. Bei Erwachsenen verläuft eine Rotavirus-Infektion meist leichter. Ab dem 60. Lebensjahr müssen jedoch rund 35 Prozent der Erkrankten im Krankenhaus behandelt werden.

Die wichtigsten Impfungen

Behandlung bei Rotavirus-Infektion

Zurzeit gibt es keine spezielle auf den Virus ausgelegte Behandlungsmöglichkeit und auch kein antivirales Mittel. Antibiotika helfen – wie auch bei allen Virusinfektionen – nicht. Mittel, welche die Darmtätigkeit einschränken, sollten ebenfalls nicht verabreicht werden, da damit die Ausscheidung der Erreger behindert wird.

Bei einer Infektion mit Rotaviren ist es äußerst wichtig, den akuten Verlust von Körperflüssigkeiten und Elektrolyten von Beginn an auszugleichen. Betroffene sollten viel trinken, zum Beispiel ungesüßte Tees, Wasser, fettarme Brühe oder spezielle Elektrolyt-Lösungen aus der Apotheke. Ungeeignet sind kohlesäurehaltige Mineralwässer, Limonaden oder Milchgetränke.

Schwere Brech-Durchfälle gerade bei Babys können durch den großen Flüssigkeitsverlust schnell lebensbedrohlich werden und müssen deshalb im Krankenhaus behandelt werden. Dort bekommen die kleinen Patienten Nähr- und Elektrolyt-Lösungen über Infusionen verabreicht.

Bei einem leichten Verlauf können mit dem Rotavirus infizierte Kinder daheim betreut werden. Dabei ist auf strenge Hygienemaßnahmen zu achten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Isolierung des kranken Kindes
  • Tragen von Schutzhandschuhen beim Reinigen von Gegenständen, die mit Exkrementen oder Erbrochenem in Kontakt gekommen sind
  • Desinfektion von Flächen und Gegenständen (Türgriffe, Toiletten) mit antiviralen Mitteln
  • konsequentes, gründliches Händewaschen, insbesondere vor der Zubereitung von Lebensmitteln und nach Toilettengängen

Rotaviren sind hochansteckend und häufig resistent gegen Hygienemaßnahmen und Desinfektion. Das macht die Pflege eines erkrankten Kindes oder Erwachsenen zuhause schwierig. Trotz der Vorsichtsmaßnahmen muss man damit rechnen, dass es zur Ansteckung mit dem Rotavirus innerhalb der Familie kommen kann.

Ist die Impfung gegen das Rotavirus für Babys sinnvoll?

Im August 2013 hat die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut (RKI) die Impfung gegen Rotaviren in den Impfkalender aufgenommen und empfiehlt somit präventiv die Immunisierung für alle Kinder bis zu einem halben Jahr. Für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt es keine Impfung gegen Rotaviren. Zugelassen für die Impfung sind in Deutschland zwei Lebend-Impfstoffe, die abgeschwächte Rotaviren enthalten. Beide Präparate sind Schluckimpfungen gegen das Rotavirus. Die Rotaviren-Impfung wird von den Krankenkassen bezahlt.

Je nachdem, welches Serum verabreicht wird, sind zwei oder drei Teilimpfungen mit einem Mindestabstand von vier Wochen nötig. Die Stiko empfiehlt, die Impfserie sehr zeitig zu beginnen – im Alter von sechs bis zwölf Wochen. Dann ist die Impfung gegen Rotaviren idealerweise bis zur 16. oder der 22. Lebenswoche abgeschlossen. Denn je früher ein ungeimpftes Baby eine Rotavirus-Infektion durchmachen muss, desto schwerer ist ihr Verlauf. 

Die Impfung gegen Rotaviren kann mit anderen Standard-Impfungen kombiniert werden. Experten gehen davon aus, dass nach der Grundimmunisierung der Schutz für zwei bis drei Jahre anhält.

Als Nebenwirkung der Impfung kann es in sehr seltenen Fällen (ein bis zwei von 100.000 geimpften Kindern) zu einer sogenannten Invagination (Darmeinstülpung) kommen, die früh erkannt gut behandelt werden kann. Sollten bei geimpften Babys nach der Impfung blutiger Stuhl, starkes Erbrechen und Bauchschmerzen zusammen mit einem schrillen Geschrei auftreten, sollten Eltern einen Arzt aufsuchen und auf die vorangegangene Impfung gegen Rotaviren hinweisen.

Autor:
Letzte Aktualisierung:04. April 2018
Letzte Änderung durch: Miriam Funk

Quellen: Online-Informationen des Robert Koch Instituts zu Rotaviren: www.rki.de/DE/ (Abruf: April 2018); Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/rotaviren/ (Abruf: April 2018)

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