Magengeschwür: Symptome und Behandlung des Ulcus ventriculi

Die Ursachen für ein Magengeschwür sind vielfältig: Von übermäßigem Alkoholgenuss über das Bakterium Helicobacter pylori bis hin zu Stress. Unbehandelt greift der Ulcus ventriculi tiefe Schichten des Magens an und verursacht Symptome wie Schmerzen, Sodbrennen oder Übelkeit. Was gegen ein Magengeschwür hilft.

Frau mit Magenschmerzen
Ursache eines Magengeschwürs ist oft das Bakterium Helicobacter pylori.
© iStock.com/AndreyPopov

Das Magengeschwür (Ulcus ventriculi) gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Magens in Deutschland. Ärzte schätzen, dass fünf bis zehn Prozent der Menschen über 50 Jahre daran leiden. Männer entwickeln ein Geschwür häufiger als Frauen. Anfangs verläuft die Krankheit oft ohne Symptome und bleibt deshalb unbemerkt. Später verspüren Patienten Schmerzen im Oberbauch, ein Druck- und Völlegefühl sowie Übelkeit und Erbrechen.

Die Beschwerden entstehen durch eine Wunde in der Schleimhaut, die den Magen von innen auskleidet und normalerweise vor der aggressiven Magensäure schützt. Entzündungen greifen die Schleimhaut an und zerstören sie schrittweise. So geht dem Geschwür in der Regel eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) voraus.

Das tut dem Magen gut – und das gar nicht

Was sind Symptome für ein Magengeschwür?

Vor allem zu Beginn verspüren viele Patienten keine Beschwerden und nehmen das Ulcus ventriculi nicht wahr. Es kann sich aber durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • Appetitlosigkeit, Abneigung gegenüber bestimmten Speisen
  • Blähungen, veränderte Stuhlgewohnheiten
  • dumpfe, bohrende Schmerzen im Oberbauch
  • Druckgefühl in der Magengegend
  • Sodbrennen, saures Aufstoßen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Völlegefühl, vor allem nach dem Essen

Oft vertragen Patienten Alkohol oder gebratene, stark gewürzte Speisen nicht. Diese Lebensmittel kurbeln die Säureproduktion des Magens an und verstärken die Schmerzen noch.

Sodbrennen: Tipps und sanfte Hausmittel

Helicobacter pylori: Häufig Ursache für Magengeschwür

Lange Zeit gingen Ärzte davon aus, dass die Ursachen eines Magengeschwürs ein Zuviel an Stress, Kaffee, Rauchen und Junkfood wären. Erst Mitte der 1980er Jahre entdeckten zwei Wissenschaftler einen weiteren, häufigen Verursacher des Ulcus ventriculi: das Bakterium Helicobacter pylori.

Im Magen-Darm-Trakt der meisten Menschen mit Ulcus ventriculi lässt sich Helicobacter pylori nachweisen. Das Bakterium verursacht eine Entzündung der Magenschleimhaut, die ohne Behandlung immer weiter fortschreitet. Auch die Produktion der Magensäure nimmt zu, die bei der Entwicklung des Magengeschwürs eine zentrale Rolle einnimmt.

Risikofaktoren für ein Magengeschwür

  • Alkohol

  • Entzündungshemmende Schmerzmittel: Wer langfristig Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac einnimmt, besitzt ein erhöhtes Risiko.

  • genetische Faktoren: Die Krankheit häuft sich in manchen Familien.

  • Rauchen (Nikotin)

  • psychische Belastungen: Stress verstärkt die Produktion der Magensäure, die wiederum die empfindliche Magenschleimhaut angreift.

  • Operationen, Unfälle oder schwere Verbrennungen können ein "Stressulcus" nach sich ziehen.

Diagnose per Magenspiegelung

Am Anfang der Diagnose steht das Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem er nach Krankengeschichte und Beschwerden fragt (Anamnese). Auch der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle.

Folgende Fragen an den Patienten liefern erste Hinweise auf einen Ulcus ventriculi:

  • Unter welchen Beschwerden leiden Sie und seit wann? Schmerzen im Oberbauch, Völlegefühl oder Übelkeit?

  • Rauchen Sie, und wenn ja: wie viel und seit wann?

  • Wie schätzen Sie Ihren Alkoholkonsum ein? Trinken Sie täglich oder gelegentlich Alkohol, welche alkoholischen Getränke konsumieren Sie bevorzugt?

  • Leiden Sie unter bestimmten Grunderkrankungen, zum Beispiel Rheuma oder Gelenkentzündung (Arthritis)?

  • Nehmen Sie regelmäßig entzündungshemmende Schmerzmittel ein, zum Beispiel Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen?

  • Erleben Sie häufiger starken Stress in Beruf und Alltag?

  • Gibt es Magengeschwüre in Ihrer Familie?

Die Antworten helfen dem Arzt bei der Einschätzung, ob den Beschwerden ein Magengeschwür zugrunde liegen könnte.

Magenspiegelung bei Ulcus ventriculi

Hat sich der Verdacht erhärtet, folgt eine Magenspiegelung (Gastroskopie). Der richtige Ansprechpartner für die Magenspiegelung ist ein Facharzt für Innere Medizin (Internist) oder ein Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologe). Mittels Gastroskopie lässt sich ein Geschwür nachweisen und dessen Ausmaß sichtbar machen. Gleichzeitig können Ärzte bei der Spiegelung eine Gewebeprobe (Biopsie) der Magenschleimhaut entnehmen. So lässt sich feststellen, ob das Bakterium Helicobacter pylori der Verursacher ist. Auch zeigt die Gewebeprobe, ob die Magenschleimhaut verändert ist und Magenkrebs (Magenkarzinom) vorliegt.

Behandlung: Welche Antibiotika bei Magengeschwür?

Das Bakterium Helicobacter pylori ist der häufigste Auslöser eines Magengeschwürs. Dagegen setzen Ärzte Antibiotika und Protonpumpeninhibitoren ein, um die Bakterien restlos zu beseitigen (Eradikationstherapie). Dafür kombinieren sie meist mehrere Antibiotika (Clarithromycin, Metronidazol, Levofloxacin, Tetracyclin und Amoxicillin) miteinander, um die Wirksamkeit der Behandlung zu erhöhen. Die Antibiotikatherapie dauert in der Regel sieben bis zehn Tage.

Ob die Antibiotikabehandlung erfolgreich war und alle Bakterien abgetötet wurden, kontrollieren Ärzte anhand eines speziellen Atemtests, dem 13C-Harnstoff-Atemtest. Der Patient nimmt Harnstoff zu sich, dessen Bausteine (Kohlenstoffatome) speziell markiert wurden. Später lassen sich diese von normalem Harnstoff mit Hilfe bestimmter Messgeräte unterscheiden. Helicobacter pylori setzt den Harnstoff im Rahmen seines Stoffwechsels in das Gas Kohlendioxid um. Dieses lässt sich in der Atemluft nachweisen. Findet sich markiertes Kohlendioxid im Atem des Patienten, beherbergt er immer noch Helicobacter pylori und muss erneut behandelt werden.

Mit Medikamenten die Magensäureproduktion drosseln

Neuere Medikamente setzen direkt an der Produktion der Magensäure an und vermindern sie. Für Patienten mit Ulcus ventriculi sind sie heute die Arzneien der ersten Wahl.

  • Protonenpumpenhemmer (PPI): Sie drosseln die Aktivität eines bestimmten Enzyms in der Magenschleimhaut, das für die Magensäureproduktion zuständig ist. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Pantoprazol und Omeprazol. In niedrigen Dosierungen sind Protonenpumpenhemmer heute auch rezeptfrei in der Apotheke oder im Internetversandhandel erhältlich. Sie gehören zu den am häufigsten eingenommenen Arzneimitteln. Dennoch sollten Patienten die Magensäureblocker nicht auf eigene Faust, sondern immer in Absprache mit dem Arzt anwenden.

  • H2-Antihistaminika (H2-Rezeptor-Blocker): Die Medikamente blockieren die Andockstellen des Botenstoffs Histamin. Dieser ist an der Produktion und Freisetzung der Magensäure beteiligt. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Cimetidin und Ranitidin. H2-Antihistaminika lassen sich auch mit Protonenpumpenhemmern kombinieren.

Antazida neutralisieren die Magensäure

Schon lange sind Medikamente auf dem Markt, die Magensäure binden und neutralisieren, sogenannte Antazida. Sie hemmen aber nicht die Produktion der Magensäure. In der Ulcus-Behandlung haben sie aufgrund der neueren Medikamente an Bedeutung verloren und kommen nur noch selten zum Einsatz. Ein Beispiel für Antazida ist der Wirkstoff Sucralfat.

  • zum Ratgeber über Durchfall

    Durchfall zählt neben Verstopfung und Blähungen zu den häufigsten Verdauungsproblemen. Was am besten gegen Durchfall  hilft

Das können Patienten selbst gegen ein Magengeschwür tun

Magenschmerzen sollten nicht mit Schmerzmitteln behandelt werden, denn sie verschlimmern ein vorhandenes Magengeschwür vielleicht. Besser sind pflanzliche Mittel wie eine Rollkur mit Kamillentee (Tee trinken, hinlegen, einwirken lassen, dann langsam herumrollen), um die Magenschmerzen zu lindern. Auch Fenchel und Anis wirken beruhigend und schmerzlindernd auf den Magen.

Durch den Lebensstil lassen sich viele Beschwerden verhindern. Beispiele sind:

  • Auf den Alkoholkonsum achten, nur mäßig Alkohol trinken und das auch nicht an allen Tagen der Woche.

  • Kaffee nur in Maßen trinken, er reizt den Magen.

  • Nicht rauchen

  • Magenfreundlich essen: Speisen wählen, die gut verträglich sind und den Magen nicht belasten. Auf fettreiche Speisen besser verzichten.

  • Stress vermeiden! Wer häufig unter Stress leidet, versucht es mit einer Entspannungstechnik. Wirksam im Kampf gegen Stress sind Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.

50+ Lebensmittel mit Heilkraft

Falls die Beschwerden nach mehreren Wochen nicht nachlassen, ist eine erneute Magenspiegelung ratsam. Ein Magengeschwür, das sich nicht mit Medikamenten ausreichend behandeln lässt oder droht ein Magendurchbruch, müssen Ärzte eventuell operieren. Dabei entfernen sie einen Teil des Magens. Die Operation ist allerdings heute nur noch selten nötig, weil die Medikamente meist ausreichend wirksam sind.

Verlauf des Magengeschwürs: Bei Komplikationen schnell zum Arzt

Prinzipiell kann ein Ulcus ventriculi auch ohne Behandlung abheilen, es dauert dann aber zwei bis drei Monate. Die Therapie mit Säureblockern und Antibiotika verkürzt die Heilungsdauer erheblich. Das Geschwür am Magen bessert sich meist nach einigen Wochen deutlich, wenn es ausreichend behandelt wird und der Patient einen magenschonenden Lebensstil pflegt. Die Dauer der Heilung hängt von der Größe und Tiefe des Ulcus und vom Lebensstil ab. Viel Stress, Ärger und Unruhe erschweren die Heilung

Komplikationen durch das Ulcus

Ohne ausreichende Behandlung kann das Ulcus ventriculi Blutungen verursachen (Ulcus-Blutung). Bei einer leichten Blutung ist Blut im Stuhl nachweisbar. Ist die Blutung ausgeprägt, erbrechen Patienten Mageninhalt, der optisch wie Kaffeesatz aussieht. Der Stuhl kann dann die Farbe von Teer annehmen. Es besteht Verblutungsgefahr! Ein Patient muss sich sofort in einer Klinik behandeln lassen, in der Ärzte die Blutung stoppen.

Stuhlgang: Das verraten Ihnen Farbe und Konsistenz

Das Ulcus entwickelt sich oft am Magenausgang (Pylorus) beim Übergang in den Darm. An dieser Stelle kann die Schleimhaut anschwellen und den Magenausgang verengen. Mediziner bezeichnen diese Verengung als Pylorusstenose. Außerdem kann ein unbehandeltes Geschwür durchbrechen (Magenperforation). Dann gelangt Mageninhalt in den Bauchraum. Bei einem Magendurchbruch fühlt sich der Bauch bretthart an und die Patienten leiden unter sehr starken Oberbauchschmerzen. Ein durchbrochenes Ulcus ist immer ein Fall für den Notarzt!

Breitet sich das Geschwür vom Magen auf benachbarte Organe aus, etwa die Bauchspeicheldrüse, Milz oder Leber, kann es mit diesen Organen "verkleben".  Ein Patient muss schnellstmöglich ein Krankenhaus oder einen Arzt aufsuchen.

Magengeschwür vorbeugen – die besten Tipps

Wer einen empfindlichen Magen hat, verzichtet besser auf Nikotin, Alkohol, sehr scharfe Speisen und bestimmte Medikamente. Wer langfristig Schmerzmittel aufgrund einer Krankheit einnehmen muss, achtet darauf,  dass sie nicht die Magenschleimhaut angreifen.

Einige Tipps bei Magenproblemen:

  • Lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt essen, statt eine große Mahlzeit, die den Magen belastet.

  • Essen nicht hastig in der Mittagspause herunter schlingen, besser für das Essen Zeit nehmen und die Mahlzeit genießen.

  • Schonkost ist kein Muss, aber jeder Betroffene sollte probieren, welche Lebensmittel ihm gut bekommen. Fettreiche, gebratene, stark gewürzte und blähende (Hülsenfrüchte) Nahrungsmittel besser nur in Maßen genießen.

  • Viel Obst und Gemüse essen. Letzteres am besten schonend zubereiten, etwa durch Dünsten.

  • Öfter Fisch als Fleisch wählen. Wer gern Fleisch isst, greift besser zu fettarmen Sorten, zum Beispiel Geflügel (Hähnchen, Pute).

  • Ausreichend bewegen! Denn körperliche Aktivität bringt die Verdauung in Schwung.

  • Häufiger zwischendurch entspannen, denn Stress malträtiert den Magen.

  • Alkohol und Koffein in Maßen

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Artikel zum Thema
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2012/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Gong Verlag GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.lifeline.de

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.