Helicobacter pylori – Mitbewohner im Magen

Magengeschwür: Symptome und Behandlung des Ulcus ventriculi

Im Magen mancher Menschen lebt ein ungebetener Gast: Das Bakterium Helicobacter pylori. In vielen Fällen ist es für das Magengeschwür verantwortlich. Aber auch ein Übermaß an Magensäure, Alkohol, Nikotin und Stress schädigen die Magenschleimhaut und begünstigen ein Ulcus ventriculi. Ohne Behandlung greift die Entzündung auf tiefere Schichten des Magens über und verursacht erhebliche Schmerzen, Sodbrennen oder Übelkeit. Beseitigen Ärzte den Helicobacter und drosseln die Magensäureproduktion medikamentös, heilt das Magengeschwür wieder gut aus.

Frau mit Magenschmerzen
Ursache eines Magengeschwürs ist oft das Bakterium Helicobacter pylori.
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Jahrelang unterlag die Medizin einem Irrtum: Wer viel Stress hatte, literweise Kaffee trank, rauchte und sich von Junkfood ernährte, der galt als typisches Opfer eines Magengeschwürs. Erst Mitte der 1980er Jahre entdeckten zwei Wissenschaftler den wahren Verursacher des schmerzhaften Leidens: ein Bakterium namens Helicobacter pylori. Auch eine erhöhte Magensäureproduktion oder die Einnahme entzündungshemmender Schmerzmittel kommen als Auslöser in Frage. Übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen und Stress begünstigen die Krankheit.

Die Beschwerden entstehen durch eine Wunde in der Schleimhaut, die den Magen von innen auskleidet und normalerweise vor den aggressiven Verdauungssäften schützt. Entzündungen greifen die Schleimhaut an und zerstören sie schrittweise. So geht dem Geschwür in der Regel eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) voraus. Behandeln Ärzte dieses Anfangsstadium nicht, breitet sie sich auf tiefere Schichten der Magenwand und die Muskelschicht aus. Medizinisch heißt das Leiden Ulcus ventriculi oder einfach nur Ulcus.

Das tut dem Magen gut – und das gar nicht

Das Ulcus gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Magens in Deutschland. Ärzte schätzen, dass fünf bis zehn Prozent der Menschen über 50 Jahre daran leiden. Etwa 50 von 100.000 Menschen erkranken jedes Jahr neu daran. Männer entwickeln es häufiger als Frauen. Meist tritt es nach dem 40. Lebensjahr auf.

Anfangs verläuft die Krankheit oft ohne Symptome und bleibt deshalb unbemerkt. Später verspüren Patienten Schmerzen im Oberbauch, ein Druck- und Völlegefühl sowie Übelkeit und Erbrechen. Das Ulcus sollte immer ein Arzt behandeln, damit es sich nicht von der Schleimhaut in tiefere Schichten ausbreitet. Wirksam sind Antibiotika gegen den Helicobacter und Medikamente, die die Produktion der Magensäure bremsen.

Schmerzen, Drücken, Brennen nach dem Essen: Symptome des Ulcus ventriculi

Einige Patienten verspüren keinerlei Beschwerden und nehmen das Ulcus nicht wahr. Es kann sich aber durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • dumpfe, bohrende Schmerzen im Oberbauch
  • Druckgefühl in der Magengegend
  • Völlegefühl, vor allem nach dem Essen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit, Abneigung gegenüber bestimmten Speisen
  • Blähungen, veränderte Stuhlgewohnheiten
  • saures Aufstoßen, Sodbrennen

Oft vertragen Patienten Alkohol oder gebratene, stark gewürzte Speisen nicht. Diese Lebensmittel kurbeln die Säureproduktion des Magens an und verstärken die Schmerzen noch. Wer solche Symptome zeigt, der sucht am besten einen Arzt auf. Er findet heraus, ob ein Geschwür entsteht und geht den Ursachen auf den Grund.

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Helicobacter pylori: Bakterium schuld an Magengeschwür

Im Magen-Darm-Trakt der meisten Menschen mit Ulcus ventriculi lässt sich der Helicobacter pylori nachweisen. Etwa 70 Prozent der Fälle gehen auf sein Konto. Das Bakterium verursacht eine Entzündung der Magenschleimhaut, die ohne Behandlung immer weiter fortschreitet. Auch die Produktion der Magensäure nimmt zu, die bei der Entwicklung des Ulcus eine zentrale Rolle einnimmt. Die aggressive Säure greift die Magenwand an, wenn die schützende Schleimschicht immer weiter in Mitleidenschaft gezogen wird.

Das sind die Risikofaktoren:

  • entzündungshemmende Schmerzmittel: Wer langfristig Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac einnimmt, besitzt ein erhöhtes Risiko.

  • Alkohol

  • Rauchen (Nikotin)

  • psychische Belastungen wie Stress: Er verstärkt die Produktion der Magensäure, die wiederum die empfindliche Magenschleimhaut angreift.

  • genetische Faktoren: Die Krankheit häuft sich in manchen Familien.

  • Operationen, Unfälle oder schwere Verbrennungen können ein "Stressulcus" nach sich ziehen.

Ärzte haben verschiedene Möglichkeiten, um das Magengeschwür aufzuspüren. Wichtige Hinweise geben zum Beispiel die Lebensgewohnheiten eines Patienten.

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Diagnose per Magenspiegelung

Am Anfang der Diagnose steht das Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem er nach Krankengeschichte und Beschwerden fragt (Anamnese). Auch der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle.

Folgende Fragen an den Patienten liefern erste Hinweise auf einen Ulcus:

  • Unter welchen Beschwerden leiden Sie und seit wann? Schmerzen im Oberbauch, Völlegefühl oder Übelkeit? Die Art und Häufigkeit der Schmerzen sowie der Zeitabstand zu den Mahlzeiten geben oft erste Hinweise.

  • Rauchen Sie, und wenn ja: wie viel und seit wann?

  • Wie schätzen Sie Ihren Alkoholkonsum ein? (ehrlich antworten!): Trinken Sie täglich oder gelegentlich Alkohol, welche alkoholischen Getränke konsumieren Sie bevorzugt?

  • Leiden Sie unter bestimmten Grunderkrankungen, zum Beispiel Rheuma oder Gelenkentzündung (Arthritis)?

  • Nehmen Sie deshalb regelmäßig entzündungshemmende Schmerzmittel ein, zum Beispiel Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen?

  • Erleben Sie häufiger in Beruf und Alltag starken Stress?

  • Gibt es Magengeschwüre in Ihrer Familie?

Die Antworten helfen dem Arzt bei der Einschätzung, ob den Beschwerden ein Ulcus zugrunde liegen könnte.

Magenspiegelung – der Blick in den Verdauungstrakt

Hat sich der Verdacht erhärtet, folgt eine Magenspiegelung (Gastroskopie). Der richtige Ansprechpartner für die Magenspiegelung ist ein Facharzt für Innere Erkrankungen (Internist) oder ein Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologe). Dabei untersucht der Arzt meist nicht nur den Magen, sondern wirft zudem einen Blick auf die Speiseröhre und den Zwölffingerdarm.

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Mittels Gastroskopie lässt sich ein Geschwür nachweisen und dessen Ausmaß sichtbar machen. Gleichzeitig können Ärzte bei der Spiegelung eine Gewebeprobe (Biopsie) der Magenschleimhaut entnehmen. So lässt sich feststellen, ob das Bakterium Helicobacter pylori der Verursacher ist. Auch zeigt die Gewebeprobe, ob die Magenschleimhaut gutartig verändert ist oder Magenkrebs (Magenkarzinom) vorliegt.

Ein Ulcus sollten Patienten immer behandeln lassen, sonst frisst es sich immer tiefer in die Magenschichten – im schlimmsten Fall droht ein Magendurchbruch, der lebensgefährlich ist.

Wie wird man ein Magengeschwür los? Behandlung

Die Therapie hängt von der Ursache ab. Es gibt heute je nach Ursache verschiedene Möglichkeiten, die Erkrankung zu behandeln. Manchmal setzen Ärzte mit ihren Therapien auch an unterschiedlichen Stellen an.

Antibiotika gegen den Helicobacter

Das Bakterium Helicobacter pylori ist der häufigste Auslöser eines Magengeschwürs. Dagegen setzen Ärzte Antibiotika ein, um die Bakterien restlos zu beseitigen (Eradikationstherapie). Meist kombinieren sie mehrere Antibiotika miteinander, um die Wirksamkeit der Behandlung zu erhöhen. Die Antibiotikatherapie dauert meist etwa sieben Tage.

Ob die Antibiotikabehandlung erfolgreich war und alle Bakterien abgetötet wurden, kontrollieren Ärzte anhand eines speziellen Tests, dem 13C-Harnstoff-Atemtest. Der Patient nimmt Harnstoff zu sich, dessen Bausteine (Kohlenstoffatome) speziell markiert wurden. Später lassen sich diese von normalem Harnstoff mit Hilfe bestimmter Messgeräte unterscheiden. Helicobacter pylori setzt den Harnstoff im Rahmen seines Stoffwechsels in das Gas Kohlendioxid um. Dieses lässt sich in der Atemluft nachweisen. Findet sich markiertes Kohlendioxid im Atem des Patienten, beherbergt er immer noch Helicobacter pylori und muss sich erneut behandeln lassen.

Mit Medikamenten die Magensäureproduktion drosseln

Neuere Medikamente setzen direkt an der Produktion der Magensäure an und vermindern sie. Für Patienten mit Ulcus sind sie heute die Arzneien der ersten Wahl.

  • Protonenpumpenhemmer: Sie drosseln die Aktivität eines bestimmten Enzyms in der Magenschleimhaut, das für die Magensäureproduktion zuständig ist. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Pantoprazol und Omeprazol. In niedrigen Dosierungen sind Protonenpumpenhemmer heute auch rezeptfrei in der Apotheke oder im Internetversandhandel erhältlich. Sie gehören zu den am häufigsten eingenommenen Arzneimitteln. Dennoch sollten Patienten die Magensäureblocker nicht auf eigene Faust, sondern immer in Absprache mit dem Arzt anwenden.

  • H2-Antihistaminika (H2-Rezeptor-Blocker): Die Medikamente blockieren die Andockstellen des Botenstoffs Histamin. Dieser ist an der Produktion und Freisetzung der Magensäure beteiligt. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Cimetidin und Ranitidin. H2-Antihistaminika lassen sich auch mit Protonenpumpenhemmern kombinieren.

Bestimmte Medikamente neutralisieren die Magensäure

Schon lange sind Medikamente auf dem Markt, die Magensäure binden und neutralisieren, sogenannte Antazida. Sie hemmen aber nicht die Produktion der Magensäure. In der Ulcus-Behandlung haben sie aufgrund der neueren Medikamente an Bedeutung verloren und kommen nur noch selten zum Einsatz. Ein Beispiel für Antazida ist der Wirkstoff Sucralfat.

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Magenschmerzen sollten nicht mit Schmerzmitteln behandelt werden, denn sie verschlimmern ein vorhandenes Magengeschwür vielleicht. Besser sind pflanzliche Mittel wie eine Rollkur mit Kamillentee (Tee trinken, hinlegen, einwirken lassen, dann langsam herumrollen), um die Magenschmerzen zu lindern. Auch Fenchel und Anis wirken beruhigend und schmerzlindernd auf den Magen.

Das können Patienten selbst gegen ein Magengeschwür tun

Durch den Lebensstil lassen sich viele Beschwerden verhindern. Beispiele sind:

  • Auf den Alkoholkonsum achten, nur mäßig Alkohol trinken und das auch nicht an allen Tagen der Woche. Häufiger Alkoholpausen einlegen, wenn möglich besser ganz auf Alkohol verzichten, um den Magen nicht zu strapazieren.

  • Kaffee nur in Maßen trinken, er reizt den Magen.

  • Nicht rauchen: Ein Rauchstopp hilft dem gesamten Körper!

  • Magenfreundlich essen: Speisen wählen, die gut verträglich sind und den Magen nicht belasten. Auf fettreiche Speisen wie Fastfood, Schweinshaxen oder Pommes verzichten.

  • Stress vermeiden! Wer häufig unter Stress leidet, versucht es mit einer Entspannungstechnik. Wirksam im Kampf gegen Stress sind Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.

50+ Lebensmittel mit Heilkraft

Falls die Beschwerden nach mehreren Wochen nicht nachlassen, ist eine erneute Magenspiegelung ratsam. Ein Ulcus, das sich nicht mit Medikamenten ausreichend behandeln lässt, müssen Ärzte eventuell operieren. Dabei entfernen sie einen Teil des Magens. Die Operation ist allerdings heute nur noch selten nötig, weil die Medikamente meist ausreichend wirksam sind.

Verlauf des Magengeschwürs: Bei Komplikationen schnell zum Arzt

Prinzipiell kann ein Ulcus ventriculi auch ohne Behandlung abheilen, es dauert dann aber zwei bis drei Monate. Die Therapie mit Säureblockern und Antibiotika verkürzt die Heilungsdauer erheblich. Das Geschwür am Magen bessert sich meist nach einigen Wochen deutlich, wenn es ausreichend behandelt wird und der Patient einen magenschonenden Lebensstil pflegt. Eventuell sollten Betroffene nach sechs Wochen eine erneute Magenspiegelung durchführen lassen, um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen. Der Arzt sieht, ob das Geschwür abgeheilt ist. Die Dauer der Heilung hängt von der Größe und Tiefe des Ulcus und vom Lebensstil ab. Viel Stress, Ärger und Unruhe erschweren die Heilung

Komplikationen durch das Ulcus

Ohne ausreichende Behandlung kann das Ulcus Blutungen verursachen (Ulcus-Blutung). Bei einer leichten Blutung ist Blut im Stuhl nachweisbar. Ist die Blutung ausgeprägt, erbrechen Patienten Mageninhalt, der optisch wie Kaffeesatz aussieht. Der Stuhl kann dann die Farbe von Teer annehmen. Es besteht Verblutungsgefahr! Ein Patient muss sich sofort in einer Klinik behandeln lassen, in der Ärzte die Blutung stoppen.

Stuhlgang: Das verraten Ihnen Farbe und Konsistenz

Das Ulcus entwickelt sich oft am Magenausgang (Pylorus) beim Übergang in den Darm. An dieser Stelle kann die Schleimhaut anschwellen und den Magenausgang verengen. Mediziner bezeichnen diese Verengung als Pylorusstenose. Außerdem kann ein unbehandeltes Geschwür durchbrechen (Magenperforation). Dann gelangt Mageninhalt in den Bauchraum. Bei einem Magendurchbruch fühlt sich der Bauch bretthart an und die Patienten leiden unter sehr starken Oberbauchschmerzen. Ein durchbrochenes Ulcus ist immer ein Fall für den Notarzt!

Breitet sich das Geschwür vom Magen auf benachbarte Organe aus, etwa die Bauchspeicheldrüse, Milz oder Leber, kann es mit diesen Organen "verkleben".  Ein Patient muss schnellstmöglich ein Krankenhaus oder einen Arzt aufsuchen.

Magengeschwür vorbeugen – die besten Tipps

Wer einen empfindlichen Magen hat, verzichtet besser auf Nikotin, Alkohol, sehr scharfe Speisen und bestimmte Medikamente. Wer langfristig Schmerzmittel aufgrund einer Krankheit einnehmen muss, achtet darauf,  dass sie nicht die Magenschleimhaut angreifen.

Einige Tipps bei Magenproblemen:

  • Lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt essen, statt eine große Mahlzeit, die den Magen belastet.

  • Essen nicht hastig in der Mittagspause herunter schlingen, besser für das Essen Zeit nehmen und die Mahlzeit genießen.

  • Schonkost ist kein Muss, aber jeder Betroffene sollte probieren, welche Lebensmittel ihm gut bekommen. Fettreiche, gebratene, stark gewürzte und blähende (Hülsenfrüchte) Nahrungsmittel besser nur in Maßen genießen.

  • Viel Obst und Gemüse essen. Letzteres am besten schonend zubereiten, etwa durch Dünsten.

  • Öfter Fisch als Fleisch wählen. Wer gern Fleisch isst, greift besser zu fettarmen Sorten, zum Beispiel Geflügel (Hähnchen, Pute).

  • Ausreichend bewegen! Denn körperliche Aktivität bringt die Verdauung in Schwung.

  • Häufiger zwischendurch entspannen, denn Stress malträtiert den Magen.

  • Alkohol und Koffein in Maßen

Vorsicht! Versteckter Alkohol in Lebensmitteln

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Oktober 2017
Quellen: S2k-Leitlinie "Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit", gültig bis 2020; Internisten im Netz, www.internisten-im-netz (Abruf: 1.6.2017); Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), www.gesundheitsinformation.de (Abruf: 1.6.2017); Gerd Herold (Hrsg.): Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2005

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