Gehirnerschütterung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei einer Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) handelt es sich um ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma nach Gewalteinwirkung auf den Kopf, zum Beispiel durch einen Schlag oder einen Sturz. Eine kurze Bewusstlosigkeit, Erinnerungslücken, Erbrechen, Kopfschmerz oder Schwindel zählen zu den Hauptsymptomen.

schwindel nach stoß ‒ gehirnerschütterung
Kopfschmerzen und Schwindel nach einem Stoß oder Sturz können auf eine Gehirnerschütterung hinweisen.
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Prallt der Kopf mit großer Geschwindigkeit auf einen harten Gegenstand, kann das Gehirn gegen die Innenwand des Schädels stoßen. Kommt es dabei zu Verletzungen des Hirngewebes mit Funktionsstörungen des Gehirns, sprechen Mediziner von einer Schädel-Hirn-Verletzung oder einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT). Die häufigste Form der Schädel-Hirn-Verletzung ist die Gehirnerschütterung, ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Mediziner sprechen auch von einem SHT ersten Grades oder einer Commotio cerebri, abgeleitet aus den lateinischen Wörtern commovere (bewegen) und cerebrum (Gehirn). Schätzungen zufolge erleiden pro Jahr rund 145.000 Deutsche eine Gehirnerschütterung. Kinder sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Erwachsene: Laut Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte werden pro Jahr in Deutschland rund 580 Kinder und Jugendliche zwischen einem und 15 Jahren wegen eines Schädel-Hirn-Traumas behandelt, wobei es sich in 90 Prozent der Fälle um eine Gehirnerschütterung handelt.

Artikelinhalte im Überblick:

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Ursachen und Auslöser für eine Gehirnerschütterung

Ursache einer Gehirnerschütterung beziehungsweise eines leichten Schädel-Hirn-Traumas ist immer ein Zwischenfall, bei dem der Kopf mit großer Wucht gegen einen harten, unnachgiebigen Gegenstand oder Untergrund prallt. Die Flüssigkeit, die das Hirn umgibt, kann dann nicht mehr verhindern, dass das Gehirn gegen die Schädelinnenseite gedrückt wird. Dabei werden die empfindlichen Nervenfasern gereizt. Dies führt zu den für die Gehirnerschütterung typischen vorübergehenden Funktionsstörungen des Gehirns wie eine kurzzeitige Ohnmacht oder Gedächtnislücken.

Laut Deutscher Gesellschaft für Unfallchirurgie sind in etwa der Hälfte der Fälle Verkehrsunfälle für eine Gehirnerschütterung verantwortlich, in 20 Prozent der Fälle steckt ein Sturz dahinter. Weitere Ursachen für Unfälle mit Beteiligung des Kopfes sind beispielsweise epileptische Anfälle, Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Zudem ist das Risiko für eine Gehirnerschütterung bei bestimmten Sportarten erhöht. Dazu gehören Kampfsportarten wie Boxen, Kontaktsportarten wie Fußball und Eishockey oder Sportarten mit einem hohen Sturzrisiko wie Inline-Skating.

Dass bei Kindern Gehirnerschütterungen soviel häufiger vorkommen als bei Erwachsenen, erklären Kinderärzte unter anderem damit, dass Kinder öfter fallen und aufgrund des Größenverhältnisses zwischen Kopf und Körper ein höheres Risiko haben, mit dem Kopf aufzuschlagen. Hinzu kommt, dass der Schutzreflex, sich bei einem Sturz mit den Armen abzufangen, bei Kindern noch nicht so ausgeprägt ist und Kinder ohnehin langsamer reagieren als Erwachsene.

Symptome einer Gehirnerschütterung

Kommt es nach einem Sturz oder einem Schlag gegen den Kopf zu einer Bewusstlosigkeit von weniger als 15 Minuten oder Erinnerungslücken rund um den Zwischenfall, sind dies Symptome, die auf eine Gehirnerschütterung hindeuten. Häufig stellt sich nach dem Erwachen aus der Ohnmacht eine vorübergehende Verwirrung ein. Weitere typische Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel sowie Übelkeit und Erbrechen.

Die Symptome können sich innerhalb von etwa einer Stunde bis zu wenigen Tagen wieder zurückbilden. Bei einem Großteil der Betroffenen kommt es jedoch zum sogenannten postkommotionellen Syndrom oder posttraumatischen Syndrom. Das bedeutet, die Symptome bestehen über Wochen, manchmal Monate hinweg fort. Zu den Symptomen des postkommotionellen Syndroms  können neben Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel und Übelkeit auch Kreislaufschwäche, Reizbarkeit, Vergesslichkeit oder Konzentrationsstörungen und depressive Verstimmungen zählen. Möglich sind zudem Sehstörungen in Form eines Flimmerns vor den Augen und Lichtempfindlichkeit.

Diagnose: So stellt der Arzt eine Gehirnerschütterung fest

Ein medizinischer Laie kann nicht zweifelsfrei beurteilen, ob er sich bei einem Stoß gegen den Kopf eine Gehirnerschütterung oder gar ein schlimmeres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hat. Deshalb sollte bei einer Kopfverletzung immer ein Arzt aufgesucht werden, vor allem, wenn es zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit kam oder Symptome wie Schwindel, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Selbst wenn alle Anzeichen nur auf eine Gehirnerschütterung hindeuten, kann eine schwerere Form des Schädel-Hirn-Traumas vorliegen.

Zur Diagnose der Gehirnerschütterung erhebt der Arzt zunächst den neurologischen Status. Dazu gehören unter anderem Reflexüberprüfungen, ein Gleichgewichtstest und eine Untersuchung der Pupillenreaktion. Damit schließt der Arzt neurologische Ausfallsymptome aus, die auf ein schwereres Schädel-Hirn-Trauma hindeuten könnten. Auch Blutuntersuchungen können zur Diagnose einer Gehirnerschütterung eingesetzt werden. So steigt die Konzentration des Proteins S-100B nach einer Gehirnerschütterung im Venenblut an.

Zur Klassifikation eines vorliegenden Schädel-Hirn-Traumas nutzt der Arzt die Glasgow-Koma-Skala (Glasgow Coma Scale, GCS). Die Skala erfasst, inwieweit der Betroffene in der Lage ist, seine Augen zu öffnen, zu sprechen und sich zu bewegen. Die Fähigkeiten in diesen drei Bereichen werden mit Punkten bewertet und geben so Auskunft über die Schwere des Traumas.

Eine bildgebende Untersuchung durch eine Computertomografie des Kopfes (Schädel-CT) ist Standard, wenn 13 Punkte oder weniger auf der GCS-Skala erreicht wurden. Bei einem GCS-Wert von 14 oder 15 Punkten wird ein CT nur gemacht bei:

  • fortdauerndem Kopfschmerz

  • Erbrechen

  • Alter über 60 Jahre

  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch

  • Gedächtnisausfällen (anterograde Amnesie) über mehr als 60 Minuten hinweg

  • Hinweisen für Verletzung oberhalb des Schlüsselbeins

  • einem epileptischen Anfall

In bestimmten Fällen können neben dem Schädel-CT weitere Diagnoseverfahren angewandt werden, wie beispielsweise eine Elektroenzephalographie (EEG) bei Verdacht auf epileptische Anfälle oder Bewusstseinsstörungen oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels, wenn das CT zur abschließenden Diagnose nicht ausreicht.

Therapie: So wird eine Gehirnerschütterung behandelt

Nach medizinischen Kriterien gibt es keine Unterscheidung zwischen leichter und schwerer Gehirnerschütterung – jede Gehirnerschütterung ist immer ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma und wird als solches je nach Ausprägung der Symptome behandelt.

Steht die Diagnose Gehirnerschütterung, besteht die Therapie in erster Linie aus körperlicher und geistiger Schonung. Zumindest die ersten 24 Stunden sollten Betroffene im Bett verbringen. Besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Komplikationen nach einer Gehirnerschütterung, wird der Arzt eine Beobachtung im Krankenhaus über 24 Stunden anordnen, im Einzelfall auch länger. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Betroffene über 60 Jahre alt ist, besonders heftigen und anhaltenden Kopfschmerz oder längere Gedächtnislücken hat. Hat ein unklarer Unfallhergang oder Autounfall die Gehirnerschütterung verursacht, ist das ebenfalls ein Grund für eine stationäre Aufnahme zur Beobachtung.

Darf der Betroffene nach Hause gehen, sollte er sich trotzdem konsequent Ruhe gönnen. Dazu gehört auch, sich in den ersten Tagen von Bildschirmen fernzuhalten. Das Gehirn sollte möglichst wenige Reize verarbeiten müssen. In einen Bildschirm zu schauen, kann nach einer Gehirnerschütterung die Kopfschmerzen verstärken und schlimmstenfalls Krämpfe auslösen.

Bei Vorliegen eines postkommotionellen Syndroms gehört neben der körperlichen und geistigen Schonung die gezielte Linderung der Symptome zur Therapie der Gehirnerschütterung. Kopfschmerzen können medikamentös behandelt werden. Geeignet sind dazu beispielsweise Schmerzmittel mit dem Wirkstoffe Paracetamol. Wirkstoffe, die blutverdünnend wirken und die Blutgerinnung verzögern wie beispielsweise Acetysalicylsäure oder Diclofenac, können ab dem dritten Tag nach Entstehen der Gehirnerschütterung eingesetzt werden; vorher ist die Gefahr einer Blutung zu groß.


Nackenschmerzen werden in erster Linie physiotherapeutisch behandelt. Auch Kälte- oder Wärmepackungen können Linderung bringen. Zur medikamentösen Behandlung werden Muskelrelaxantien empfohlen. Das sind Medikamente, die eine vorübergehende Entspannung der Muskulatur bewirken. Gemäß Leitlinie kommen zum Beispiel die Wirkstoffe Tolperison, Tetrazepam oder Tizanidin in Frage.

Gegen Übelkeit und Erbrechen helfen sogenannte Antiemetika. Bei häufigem Erbrechen sollten verlorene Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzt werden. Das ist besonders bei Kindern wichtig.

Oft kommt es auch zu Schwindel. Hier können bestimmte Übungen wie zum Beispiel das Lagerungsmanöver nach Semont und/oder das selbstständige Lagerungstraining nach Brandt und Daroff Besserung bringen.

Psychische und neurologische Symptome wie eine depressive Verstimmung oder Konzentrationsstörungen sind am besten mit allgemeinen therapeutischen Maßnahmen wie einem geregelten Tagesablauf mit ausreichend Schlaf und Bewegung, dem Verzicht auf Kaffee, Alkohol und Zigaretten und, wenn nötig, einer Psychotherapie in den Griff zu bekommen.

Gehirnerschütterung: Verlauf

Der Verlauf einer Gehirnerschütterung ist unterschiedlich und hängt mit davon ab, ob es zuvor bereits schon einmal zu einem leichten Schädel-Hirn-Trauma gekommen ist: Dann ist das Risiko für einen schlechteren Verlauf erhöht. Hat der Betroffene Glück, bilden sich die Symptome innerhalb weniger Tage zurück, wobei körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen und Erbrechen in der Regel früher nachlassen als kognitive Beschwerden wie Konzentrationsstörungen. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz ist nach ein bis zwei Wochen möglich, wobei der Heilungsprozess bei Frauen in der Regel länger dauert als bei Männern.

Es kann sich jedoch ein postkommotionelles Syndrom (posttraumatisches Syndrom) entwickeln. Das bedeutet, dass Beschwerden wie Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel und Übelkeit, Kreislaufschwäche, Reizbarkeit, Vergesslichkeit oder Konzentrationsstörungen sowie depressive Verstimmungen über Wochen, manchmal Monate hinweg fortbestehen. In den meisten Fällen sind die Patienten nach spätestens drei Monaten beschwerdefrei. Halten die Beschwerden länger als drei bis sechs Monate an, sprechen Mediziner von einem chronischen postkommotionellen Syndrom oder posttraumatischen Syndrom. In etwa 15 Prozent der Fälle bestehen die Symptome auch noch nach einem Jahr und länger.

Neuere Studien legen nahe, dass eine Gehirnerschütterung langfristige Auswirkung auf die kognitiven Fähigkeiten hat, auch wenn diese in einfachen Tests nicht nachweisbar sind. Vor allem häufige Gehirnerschütterungen scheinen zudem das Risiko für Parkinson und Demenzerkrankungen wie Alzheimer erhöhen.

Vorbeugung einer Gehirnerschütterung

Eine Gehirnerschütterung ist Folge eines Unfalls oder Angriffs und damit nicht vorhersehbar oder durch Präventionmaßnahmen zu verhindern. Das Vorbeugen einer Gehirnerschütterung besteht daher in allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehört in erster Linie das Tragen eines Schutzhelms bei Sportarten, die eine gewisse Sturzgefahr bergen.

Wer bereits eine Gehirnerschütterung hatte, sollte diese unbedingt auskurieren. Gerade im Profisport ist dies ein Problem, wenn in Wettkampfsituationen eine Auszeit unmöglich erscheint. Auch Kinder sind manchmal schwer davon abzuhalten, möglichst schnell wieder ihrem Lieblingssport nachzugehen. Fakt ist aber: In den ersten sieben bis zehn Tagen nach einer Gehirnerschütterung ist das Risiko für ein erneutes leichtes Schädel-Hirn-Trauma erhöht. Das liegt unter anderem daran, dass ein viel geringerer Stoß gegen den Kopf nötig ist, um eine erneute Gehirnerschütterung auszulösen, wenn bereits ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma vorliegt. Ein weiterer Grund wird in dem verringerten Reaktionsvermögen nach einer Gehirnerschütterung vermutet.

Um einer erneuten Gehirnerschütterung vorzubeugen, sind sportliche Aktivitäten oder sturzgefährliche Aktionen strikt zu vermeiden, bis der Betroffene keine Symptome mehr spürt. Danach sollten körperliche Aktivitäten allmählich gesteigert werden.

Kinder sind besonders gefährdet, ein Schädel-Hirn-Trauma zu erleiden. Um Stürzen vorzubeugen, empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte neben dem Tragen eines Schutzhelms

  • Kinder im Auto nur in einem passenden Kindersitz mitzunehmen,

  • mögliche Gefahrenquellen wie Treppen und Balkone abzusichern und Regale und Fernseher kippsicher aufzustellen,

  • Säuglinge nie unbeobachtet auf der Wickelkommode liegen zu lassen,

  • für rutschfeste Socken oder Hausschuhe zu sorgen,

  • Spiel- und Klettergerüste im Garten nur auf weichem Boden und nicht zu nah aneinander aufzustellen und

  • Kinder erst ab dem Grundschulalter in Hochbetten schlafen zu lassen.

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