Kopfverletzungen

Gehirnerschütterung

Bei einer Gehirnerschütterung handelt es sich um eine leichte Schädel-Hirnverletzung nach Gewalteinwirkung auf den Schädel, zum Beispiel durch einen Schlag gegen den Kopf oder einen Sturz. Es kommt zu einer vorübergehenden Hirnfunktionsstörung. Eine kurze Bewusstlosigkeit, Erinnerungslücken, Erbrechen, Kopfschmerz oder Schwindel zählen zu den Hauptsymptomen. Bei Verdacht auf Gehirnerschütterung sollte immer ein Arzt hinzugezogen werden.

Mann hat Schmerzen am Kopf
Eine Gehirnerschütterung ist eine leichte Form des Schädel-Hirn-Traumas.
(c) Stockbyte

Wenn wir mit dem Kopf irgendwo gegenstoßen, handeln wir uns nicht gleich eine Gehirnerschütterung ein. Meist passiert abgesehen von einer Beule nichts. Das Gehirn ist durch den Schädelknochen gut vor äußerer Gewalteinwirkung geschützt und von Flüssigkeit umgeben, die ruckartige Bewegungen abfängt und verhindern soll, dass das Gehirn gegen den Schädelknochen schlägt. Prallt der Kopf jedoch mit großer Geschwindigkeit auf einen harten Gegenstand, kann das Gehirn dennoch gegen die Innenwand des Schädels stoßen. Kommt es dabei zu Verletzungen des Hirngewebes mit Funktionsstörungen des Gehirns, sprechen Mediziner von einer Schädel-Hirnverletzung oder einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT).

Gehirn: Mythen und überraschende Fakten

Kinder häufiger betroffen als Erwachsene

Die häufigste Form der Schädelhirnverletzung ist die Gehirnerschütterung, ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. Mediziner sprechen auch von einer SHT ersten Grades oder einer Commotio cerebri, abgeleitet aus den lateinischen Wörtern commovere (bewegen) und celebrum (Gehirn). Etwa 80 Prozent der Patienten, die mit einem Schädel-Hirn-Trauma in eine Klinik eingewiesen werden, haben eine Gehirnerschütterung. Pro Jahr erleiden Schätzungen zufolge in Deutschland rund 145.000 Menschen eine Gehirnerschütterung, es wird von etwa 180 Fällen von 100.000 Einwohner und Jahr ausgegangen.

Auslöser sind oft Unfälle. Ein Sturz vom Fahrrad beispielsweise mit Aufprall auf den Kopf oder ein schwerer Gegenstand, der auf den Kopf fällt, können eine Gehirnerschütterung zur Folge haben. Nicht selten ist eine Gehirnerschütterung eine Sportverletzung. Bestimmte Sportarten sind mit einem erhöhten Risiko für eine Gehirnerschütterung verbunden. Neben Sportarten mit hohem Sturzrisiko wie Inline-Skating oder Radfahren sowie Kampfsport sind dies Kontaktsportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey.

Bei Kindern ist eine Gehirnerschütterung mehr als doppelt so häufig wie im Erwachsenenalter: Laut Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte werden pro Jahr in Deutschland rund 580 Kinder und Jugendliche zwischen einem und 15 Jahren wegen eines Schädel-Hirn-Traumas behandelt, wobei es sich in 90 Prozent der Fälle um eine Gehirnerschütterung handelt.

Glasgow-Koma-Skala zur Definition der SHT-Schweregrades

Die Schwere eines Schädel-Hirn-Traumas wird anhand der sogenannten Glasgow-Koma-Skala (Glasgow Coma Scale, GCS) definiert. Durch die Skala wird erfasst, ob und wann der der Patient die Augen öffnet, ob er verbal und / oder motorisch antworten kann. Die höchste mögliche Punktzahl ist 15, die dann erreicht ist, wenn der Patient die Augen von sich aus geöffnet hat, in der Lage ist, ein koordiniertes Gespräch zu führen und bei Aufforderung Bewegungen ausführen kann. Je nach Beeinträchtigung in den drei Kriterien werden weniger Punkte auf der Skala erziehlt. Öffnet der Patient beispielsweise erst die Augen, wenn er angesprochen wird, bedeutet das nur drei statt vier Punkte für das Kriterium "Augen öffnen". Eine Gehirnerschütterung beziehungsweise ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma liegt bei einem Gesamtwert zwischen 13 und 15 Punkten auf der GSC vor.

Gehirnerschütterung ohne neurologische Ausfälle

Weitere typische Merkmale kommen hinzu. Dazu gehören eine kurze Bewusstlosigkeit von unter 15 Minuten und Erinnerungslücken rund um den Zwischenfall, der zur Gehirnerschütterung geführt hat, die einen Zeitraum von weniger als 24 Stunden umfassen. Außerdem sind bei einer Gehirnerschütterung in der Regel keine neurologischen Ausfälle wie beispielsweise Sprachstörungen zu beobachten, und bei einer Computertomographie (CT) des Schädels sind keine Schädigungen und Veränderungen des Hirngewebes nachweisbar.

Bei Kopfverletzung zum Arzt!

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Ein medizinischer Laie kann nicht zweifelsfrei beurteilen, ob er sich bei einem Stoß gegen den Kopf eine Gehirnerschütterung oder gar ein schlimmeres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hat. Deshalb sollten Sie bei einer Kopfverletzung immer einen Arzt aufsuchen, vor allem, wenn es zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit kam oder Sie Symptome wie Schwindel, Überkeit und Erbrechen feststellen. Selbst wenn alle Anzeichen auf eine Gehirnerschütterung hindeuten, kann trotzdem eine schwerere Form des Schädel-Hirn-Traumas vorliegen. Je nach persönlichen Risiken kann der untersuchende Arzt deshalb  einen mindestens 24-stündigen Krankenhausaufenthalt zur Beobachtung für nötig halten.

Nehmen Sie eine Gehirnerschütterung nicht auf die leichte Schulter und gönnen Sie sich Ruhe. Der Begriff verharmlost die Tatsache, dass es sich im Prinzip im eine Gehirnverletzung handelt. Zwar heilt diese in der Regel ohne große Folgen ab. Neuere Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass vor allem häufigere Gehirnerschütterungen langfristig Spuren hinterlassen und die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen könnten.

Diese Symptome sprechen für eine Gehirnerschütterung

Einer Gehirnerschütterung beziehungsweise einem leichten Schädel-Hirn-Trauma (SHT) geht immer ein stumpfer Schlag gegen den Kopf oder ein Aufprall mit dem Kopf bei einem Sturz voraus. Kommt es nach einem derartigen Zwischenfall zu einer kurzen Bewusstlosigkeit von weniger als 15 Minuten oder Erinnerungslücken für den Zeitraum kurz vor dem Zwischenfall, die sich auch bis kurz nach dem Zwischenfall ausdehnen können, sind dies Symptome, die auf eine Gehirnerschütterung hindeuten. Häufig stellt sich nach dem Erwachen aus der Ohnmacht eine vorübergehende Verwirrung ein. Weitere typische Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel sowie Übelkeit und Erbrechen.

Postkommotionelles Syndrom: Anzeichen bestehen fort

Die Symptome können sich innerhalb von etwa einer Stunde bis zu wenigen Tagen wieder zurückbilden. Bei einem Großteil der Patienten, die eine Gehirnerschütterung erlitten haben, kommt es jedoch zum so genannten postkommotionellen Syndrom oder posttraumatischen Syndrom. Das bedeutet, die Symptome bestehen über Wochen, manchmal Monate hinweg fort. Zu den Symptomen des postkommotionellen Syndroms  können neben Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel und Übelkeit auch Kreislaufschwäche, Reizbarkeit, Vergesslichkeit oder Konzentrationsstörungen und depressive Verstimmungen zählen. Möglich sind zudem Sehstörungen in Form eines Flimmerns vor den Augen und Lichtempfindlichkeit.

Kinder können mit Verhaltensänderungen reagieren

Bei Kindern gehören gelegentlich Verhaltensänderungen zu den möglichen Anzeichen eines leichten Schädel-Hirn-Traumas. Wird beispielsweise ein lebhaftes Kind plötzlich still und in sich gekehrt nach einer Kopfverletzung, kann dies Symptom einer Gehirnerschütterung sein.

Symptome für höhergradige Schädel-Hirntraumen

Höhergradige Schädel-Hirntraumen haben ähnliche Symptome, aber ausgeprägter, und es kommen meist weitere Beschwerden hinzu. Dauert die Bewusstlosigkeit länger als 15 Minuten an oder umfasst die Gedächtnislücke einen längeren Zeitraum als 24 Stunden, sind dies Warnzeichen für eine schwereres Schädel-Hirn-Trauma, besonders wenn weitere Symptome hinzukommen wie Sprach- und Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen. Unterschiedlich große Pupillen und Krämpfe sind ein Hinweis auf Blutungen im Gehirn. Treten derartige Symptome zeitverzögert auf, nachdem bereits eine Gehirnerschütterung diagnostiziert wurde, sollte sofort ein Arzt kontaktiert werden.

Ursachen und Auslöser für ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma

Ursache einer Gehirnerschütterung beziehungsweise eines leichten Schädel-Hirn-Traumas ist immer ein Zwischenfall, bei dem der Kopf mit großer Wucht gegen einen harten, unnachgiebigen Gegenstand oder Untergrund prallt. Die Flüssigkeit, die das Hirn umgibt, kann dann nicht mehr verhindern, dass das Gehirn gegen die Schädelinnenseite gedrückt wird. Dabei werden die empfindlichen Nervenfasern gereizt. Dies führt zu den für die Gehirnerschütterung typischen vorübergehenden Funktionsstörungen des Gehirns wie eine kurzzeitige Ohnmacht oder Gedächtnislücken.

Häufige Ursachen für Schädel-Hirn-Traumata

Auslöser eines Schädel-Hirn-Traumas sind laut der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie etwa zur Hälfte Verkehrsunfälle, gefolgt von Stürzen, die für 20 Prozent der Fälle verantwortlich sind.  Weitere Ursachen für Unfälle mit Beteiligung des Kopfes, die zu einer Gehirnerschütterung oder einem schwereren Schädel-Hirn-Trauma führen können, sind beispielsweise epileptische Anfälle, Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Zudem ist das Risiko für eine Gehirnerschütterung bei bestimmten Sportarten erhöht. Dazu gehören Kampfsportarten wie Boxen, wo der Knock-out des Gegners Ziel ist, oder Kontaktsportarten wie Fußball, wo ein Kopfballduell im Zusammenkrachen der Spielerköpfe enden kann.

Warum Kinder häufiger betroffen sind

Dass bei Kindern Gehirnerschütterungen so viel häufiger vorkommen als bei Erwachsenen, erklären Kinderärzte unter anderem damit, dass Kinder öfter fallen und aufgrund des Größenverhältnisses zwischen Kopf und Körper ein höheres Risiko haben, mit dem Kopf aufzuschlagen, da dieser im Verhältnis deutlich schwerer ist als bei einem Erwachsenen: Währen bei einem Kind der Kopf etwa ein Sechstel des Körpergewichts ausmacht, ist es bei einem Erwachsenen nur noch ein Dreißigstel. Hinzu kommt, dass der Schutzreflex, sich bei Sturz mit den Armen abzufangen, bei Kindern noch nicht so ausgeprägt ist und Kinder ohnehin langsamer reagieren als Erwachsene.

Diagnose: So stellt der Arzt eine Gehirnerschütterung fest

Zur Diagnose der Gehirnerschütterung beziehungsweise eines leichten Schädel-Hirn-Traumas erhebt der Arzt zunächst den Neurologischen Status. Darunter ist eine Neurologische Untersuchung zu verstehen. Dazu gehören unter anderem Reflexüberprüfungen, ein Gleichgewichtstest  und eine Untersuchung der Pupillenreaktion, um nur einige Beispiele zu nennen. Der Arzt versucht damit vor allem, neurologische Ausfallsymptome auszuschließen, die auf ein schwereres Schädel-Hirn-Trauma hindeuten könnten.

Einordnung des Schädel-Hirn-Traumas auf der GCS-Skala

Zur Klassifikation eines vorliegenden Schädel-Hirn-Traumas nutzt der Arzt die Glasgow-Koma-Skala (Glasgow Coma Scale, GCS). Die Skala erfasst, in wie weit der Patient in der Lage ist, seine Augen zu öffnen, zu sprechen und sich zu bewegen. Die Fähigkeiten in diesen drei Bereichen werden mit Punkten bewertet.  Kann der Verunglückte beispielsweise klar und zusammenhängend sprechen, werden fünf Punkte erreicht, äußert er sich verwirrt, vier Punkte, bringt er nur einzelne Worte hervor, drei Punkte und so fort. Die erreichten Punkte in jedem der drei Bereiche werden addiert, wobei 15 Punkte auf der GCS-Skala der beste Wert ist. Bei 15 bis 13 erreichten Punkten gehen Ärzte von einer Gehirnerschütterung aus, werden weniger Punkte erreicht, liegt ein höhergradiges Schädel-Hirn-Trauma vor.

Bestandteil der Diagnose einer Gehirnerschütterung ist zudem die Untersuchung auf weitere Verletzungen hin. Dabei wird der arzt besonderes Augenmerk auf die Halswirbelsäule legen.

CT bei 13 GCS-Punkten und weniger

Eine bildgebende Untersuchung durch eine Computertomographiedes Kopfes (Schädel-CT) ist Standard, wenn 13 Punkte oder weniger auf der GCS-Skala erreicht wurden. Das Verfahren mach Blutungen oder Gewebeschädigungen sichtbar, die eine notoperation erforderlich machen würden. Bei einem GCS-Wert von 14 oder 15 Punkten hängt es von bestimmten Risikofaktoren ab, ob ein Schädel-CT gemacht wird.

Weitere Kriterien für ein Schädel-CT

In der Leitlinie "Leichtes Schädel-Hirn-Trauma" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wird dazu auf zwei Kriterienkatologe verwiesen. Demnach ist ein Schädel-CT bei einer Gehirnerschütterung mit einem GCS-Wert von 15 Punkten angezeigt bei

  • fortdauerndem Kopfschmerz
  • Erbrechen
  • Alter über 60 Jahre
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch
  • Gedächtnisausfällen (anterograde Amnesie) über mehr als 60 Minuten hinweg
  • Hinweisen für Verletzung oberhalb des Schlüsselbeins
  • einem epileptischen Anfall.

Kriterien, die ein hohes Risiko für einen neurochirurgischen Eingriff bedeuten und deshalb ein CT trotz GCS-Werten zwischen 15 und 13 nötiig machen, sind beispielsweise Hinweise auf einen Schädel-Basis-Bruch oder ein gefährlicher Verletzungsmechanismus wie beispielsweise ein Sturz aus eine Höhe von mehr als einem Meter.

In bestimmten Fällen können neben dem Schädel-CT weitere Diagnoseverfahren angewandt werden wie beispielsweise eine Elektronzephalografie(EEG) bei Verdacht auf epileptische Anfälle oder Bewusstseinsstörungen oder eine Magnetresonanztomografie des Schädels, wenn das CT zur abschließenden Diagnose nicht ausreicht.

Bluttest zur Diagnose der Gehirnerschütterung

Blutuntersuchungen können ebenfalls zur Diagnose der Gehirnerschütterung eingesetzt werden. So steigt die Konzentration des Proteins S-100B nach einer Gehirnerschütterung im Venenblut an - ein Umstand, den Forscher unter anderem des Klinikums der Universität München derzeit nutzen, um einen Schnelltest für verletzte Sportler zu entwickeln. Voraussetzung für den künftigen Schnelltest auf Gehirnerschütterung am Spielfeldrand ist allerdings, dass für jeden Spieler der individuelle normale Wert des Biomarkers bekannt ist.

Therapie: Wie die Gehirnerschütterung behandelt wird

Nach medizinischen Kriterien gibt es keine Unterscheidung zwischen "leichter" und schwerer Gehirnerschütterung - jede gehirnerschütterung ist immer ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma und wird als solches je nach Ausprägung der Symptome behandelt.

Steht die Diagnose Gehirnerschütterung beziehungsweise leichtes Schädel-Hirn-Trauma, besteht die Therapie in erster Linie aus körperlicher und geistiger Schonung. Zumindest die ersten 24 Stunden sollten Betroffene im Bett verbringen. Besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Komplikationen nach einer Gehirnerschütterung, wird der Arzt eine Beobachtung im Krankenhaus über 24 Stunden anordnen, im Einzelfall auch länger.

Risikopatienten zur Beobachtung ins Krankenhaus

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Patient über 60 Jahre alt ist, besonders heftigen und anhaltenden Kopfschmerz oder längere Gedächtnislücken hat. Hat ein unklarer Unfallhergang oder Autounfall die Gehirnerschütterung verursacht, ist das ebenfalls ein Grund für eine stationäre Aufnahme zur Beobachtung.

Darf der Betroffene nach Hause gehen, sollte er sich trotzdem konsequent Ruhe gönnen. Dazu gehört auch, sich in den ersten Tagen von Bildschirmen fern zu halten. Das Gehirn sollte möglichst wenige Reize verarbeiten müssen. In einen Bildschirm zu schauen, kann nach einer Gehirnerschütterung die Kopfschmerzen verstärken und schlimmstenfalls Krämpfe auslösen.

Therapeutische Bedeutung der Ruhe belegt

Wie wichtig diese an sich simple Maßnahme zur Therapie der Gehirnerschütterung ist, zeigt eine US-amerikanische Studie, die 2012 veröffentlicht wurde.  Die Ärzte hatten 49 Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einer Gehirnerschütterung strikte Schonung verordnet. Mindestens eine Woche lang mussten sie beispielsweise auf Handys, Computer, Bücher und jede Form von Sport verzichten und sollten auch keine Ausflüge machen oder Freunde besuchen beziehungsweise Besuche empfangen. Fernsehen war entweder ganz verboten oder eingeschränkt erlaubt. Insgesamt sollten sie jede Anstrengung meiden und viel schlafen und ruhen.

Die Symptome besserten sich nach einer Woche deutlich, und neurologische Tests zeigten ebenfalls deutlich bessere Werte. Das galt auch für Jugendliche, bei denen der Unfall, der zur Gehirnerschütterung geführt hatte, schon Wochen oder Monate zurück lag und die zu Behandlungsbeginn noch unter Symptomen litten. Weiteres Ergebnis dieser Studie war, dass eine Woche Ruhe zumindest bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht ausreichen, um ihre volle Leistungsfähigkeit wieder zu erreichen. Dazu war bei den meisten eine zweiwöchige Ruhezeit notwendig. Allerdings gehen Mediziner generell davon aus, dass bei Kindern und Jugendlichen, deren Gehirn noch in der Entwicklungsphase ist.

Medikamente und Physiotherapie gegen Symptome der Gehirnerschütterung

Neben der körperlichen und geistigen Schonung gehört die gezielte Linderung der Symptome zur Therapie der Gehirnerschütterung bei Vorliegen eines postkommotionellen Syndroms, also bei länger anhaltenden Symptomen. Kopfschmerzen können medikamentös behandelt werden. Geeignet sind dazu beispielsweise Schmerzmittel mit dem Wirkstoffen Paracetamol. Wirkstoffe, die blutverdünnend wirken und die Blutgerinnung verzögern wie beispielsweise Acetysalicylsäure oder Diclofenac, können ab dem dritten Tag nach Entstehen der Gehirnerschütterung eingesetzt werden; vorher ist die Gefahr einer Blutung zu groß.

Nackenschmerzen werden in erster Linie physiotherapeutisch mit bestimmten Bewegungsübungen behandelt. Auch Kälte- oder Wärmepackungen können Linderung bringen. Zur medikamentösen Behandlung werden Muskelrelaxantien empfohlen. Das sind Substanzen, die eine vorübergehende Entspannung der Skelettmuskulatur bewirken. Gemäß Leitlinie kommen zum Beispiel die Wirkstoffe Tolperison, Tetrazepam oder Tizanidin in Frage.

Bei Erbrechen verlorene Flüssigkeit ausgleichen

Gegen Übelkeit und Erbrechen helfen so genannte Antiemetika, wobei der Wirkstoff Metoclopramid, der lange als Mittel der Wahl galt, wegen möglicher Nebenwirkungen in höheren Dosen nicht mehr erhältlich ist.  Bei häufigem Erbrechen sollten dadurch verlorene Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzt werden. Das ist bei Kindern besonders wichtig.

Oft kommt es auch zu Schwindel. Hier können bestimmte Übungen wie zum Beispiel das Lagerungsmanöver nach Semont und/oder das selbstständige Lagerungstraining nach Brandt und Daroff Besserung bringen.

Gesund leben hilft Psyche und Konzentration

Psychische und neurologische Symptome wie eine depressive Verstimmung oder Konzentrationsstörungen sind am besten mit allgemeinen therapeutischen Maßnahmen wie einem geregelten Tagesablauf mit ausreichend Schlaf und Bewegung, dem Verzicht auf Kaffee, Alkohol und Zigaretten und, wenn nötig, einer Physiotherapie in den Griff zu bekommen. Mediziner sprechen hier auch von roborierenden Maßnahmen zur Therapie der Gehirnerschütterung.

Mit dieser Behandlung sollten sich die Symptome der Gehirnerschütterung bereits nach drei Tagen zurückbilden. Bestimmte Symptome können jedoch noch viel länger Beschwerden machen. Mediziner sprechen dann von einem postkommotionelles Syndrom (posttraumatisches Syndrom). Früher galten Gehirnerschütterungen als harmlos, heute geht man jedoch davon aus, dass jede Gehirnerschütterung Folgeschäden am Hirn verursachen kann und langfristig die kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit oder den Gleichgewichtssinn beeinflusst. Die Behandlung dieser Folgeschäden ist umso langwieriger.

Gehirnerschütterung: Verlauf

Der Verlauf einer Gehirnerschütterung ist unterschiedlich und hängt mit davon ab, ob es bereits zuvor schon einmal zu einem leichten Schädel-Hirn-Trauma gekommen ist: Dann ist das Risiko für einen schlechteren Verlauf erhöht. Hat der der Betroffene Glück, bilden sich die Symptome innerhalb weniger Tage zurück, wobei somatische Beschwerden wie Kopfschmerzen und Erbrechen in der Regel früher nachlassen als kognitive Beschwerden wie Konzentrationsstörungen. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz ist nach ein bis zwei Wochen möglich, wobei der Heilungsprozess bei Frauen länger dauert als bei Männern.

Nach spätestens drei Monaten beschwerdefrei

Es kann sich jedoch ein postkommotionelles Syndrom (posttraumatisches Syndrom) entwickeln. Das bedeutet, dass Beschwerden wie Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel und Übelkeit, Kreislaufschwäche, Reizbarkeit, Vergesslichkeit oder Konzentrationsstörungen sowie depressive Verstimmungen über Wochen, manchmal Monate hinweg fortbestehen. In den meisten Fällen sind die Patienten nach spätesten drei Monaten beschwerdefrei.

Halten die Beschwerden länger als drei bis sechs Monate an, sprechen Mediziner von einem chronischen  postkommotionellen Syndrom oder posttraumatischen Syndrom. In etwa 15 Prozent der Fälle bestehen die Symptome auch noch nach einem Jahr und länger.

Hirn leidet unter jedem Schlag

Lange Zeit gingen Mediziner davon aus, dass eine Gehirnerschütterung ohne Komplikationen völlig folgenlos abheilt. Neuere Studien legen aber nahe, dass eine Gehirnerschütterung doch langfristige Auswirkung auf die kognitiven Fähigkeiten hat, auch wenn diese in einfachen Tests nicht nachweisbar sind. In einer 2012 veröffentlichten US-amerikanischen Studie hatten Wissenschaftler 90 College-Studenten einer Elektroenzephalografie (EEG) unterzogen, während die Probanden Denksport-Aufgaben lösten.

Die Forscher konnten nachweisen, dass diejenigen Studenten, die zuvor schon mindestens einmal eine Gehirnerschütterung erlitten hatten, größere Schwierigkeiten hatten, in unerwarteten Situationen ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren. Sie reagierten öfter falsch und konnten ihre Fehler schlechter erkennen. Auch bei Gleichgewichtstests schnitten Studenten mit zurückliegendem leichten Schädel-Hirn-Trauma deutlich schlechter ab als ihre Kommilitonen, die noch keine größeren Schläge gegen den Schädel hatten verkraften müssen.

Höheres Risiko für Demenz und Parkinson

Studien weisen zudem darauf hin, dass vor allem häufige Gehirnerschütterungen das Risiko für Parkinson und Demenzerkrankungen wie Alzheimer erhöhen.

Gehirnerschütterung: Vorbeugen

Einer Gehirnerschütterung ist Folge eines Unfalls oder Angriffs und damit nicht vorhersehbar oder durch Präventionmaßnahmen wie eine Impfung zu verhindern. Das Vorbeugen des leichten Schädel-Hin-Traumas wie generell einer Kopfverletzung besteht daher in allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehört in erster Linie das Tragen eines Schutzhelms bei Sportarten, die eine gewisse Sturzgefahr bergen, wie beispielsweise Rad fahren, Reiten, Inline-Skating oder Ski fahren und Snowboarden.

Risiko für erneute Gehirnerschütterung vermeiden

Wer bereits eine Gehirnerschütterung hatte, sollte diese auskurieren. Gerade im Profisport ist dies ein Problem, wenn in Wettkampfsituationen eine Auszeit unmöglich erscheint. Auch Kinder sind manchmal schwer davon abzuhalten, möglichst schnell ihrem Lieblingssport wieder nachzugehen. Fakt ist aber: In den ersten sieben bis zehn Tagen nach einer Gehirnerschütterung ist das Risiko für ein erbeutes leichtes Schädel-Hirn-Trauma erhöht. Das liegt unter anderem daran, dass ein viel geringerer Stoß gegen den Kopf nötig ist, um eine erneute Gehirnerschütterung auszulösen, wenn bereits ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma vorliegt. Ein weiterer Grund wird in dem verringerten Reaktionsvermögen nach einer Gehirnerschütterung vermutet.

Um einer erneuten Gehirnerschütterung vorzubeugen, sind also sportliche Aktivitäten oder sturzgefährliche Aktionen strikt zu vermeiden, bis der Betroffene keine Symptome mehr spürt. Danach sollte körperliche Aktivitäten allmählich gesteigert werden.

Gehirnerschütterung bei Kindern vorbeugen

Kinder sind besonders gefährdet, ein Schädel-Hirn-Trauma zu erleiden. Um Stürzen vorzubeugen, empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte neben dem Tragen eines Schutzhelms bei gefährlichen Sportarten,

  • Kinder im Auto nur in einem passenden Kindersitz mitzunehmen,
  • mögliche Gefahrenquellen wie Treppen und Balkone abzusichern, wenn Kleinkinder betreut werden, und Regale und Fernseher kippsicher aufzustellen,
  • Säuglinge nie unbeobachtet auf der Wickelkommode liegen zu lassen,
  • für rutschfeste Socken oder Hausschuhe zu sorgen,
  • Spiel- und Klettergerüste im Garten nur auf weichem Boden und nicht zu nah aneinander aufzustellen und
  • Kinder erst ab dem Grundschulalter in Hochbetten schlafen zu lassen.

Großen und kleinen Sportlern sei zudem Fairplay zum Vorbeugen der Gehirnerschütterung ans Herz gelegt: So manche Verletzung bei Mannschaftssportarten geht auf ein böses Foul zurück.

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