Gehirnerschütterung: Ursachen, Symptome und Behandlung

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Bei einer Gehirnerschütterung handelt es sich um ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma nach Gewalteinwirkung auf den Kopf, zum Beispiel durch einen Schlag oder einen Sturz. Kopfschmerzen und Schwindel sind meist die Folge. Erfahren Sie mehr zu den Symptomen und was im Falle einer Gehirnerschütterung zu tun ist.

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© Getty Images/SbytovaMN

Schätzungen zufolge erleiden pro Jahr rund 320.000 Deutsche eine Schädel-Hirn-Verletzung. In etwa 91 Prozent der Fälle liegt eine leichte Form, also eine Gehirnerschütterung, vor. Kinder sind besonders häufig betroffen: Pro Jahr werden in Deutschland rund 580 von 100.000 Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahre wegen eines Schädel-Hirn-Traumas behandelt, wobei es sich in 90 Prozent der Fälle um eine Gehirnerschütterung handelt.

Artikelinhalte im Überblick:

Gehirn: Mythen und überraschende Fakten

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Eine Gehirnerschütterung entsteht häufig infolge eines Unfalls, zum Beispiel bei einem Sturz vom Fahrrad. Prallt der Kopf mit großer Geschwindigkeit auf einen harten Gegenstand, stößt das Gehirn gegen die Innenwand des Schädels. Kommt es dabei zu Verletzungen des Hirngewebes mit Funktionsstörungen des Gehirns, sprechen Fachleute von einer Schädel-Hirn-Verletzung oder einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT). Die häufigste Form der Schädel-Hirn-Verletzung ist die Gehirnerschütterung, ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma. In der Medizin ist auch von einem SHT ersten Grades oder einer Commotio cerebri die Rede. Der Fachbegriff wird aus den lateinischen Wörtern commovere (bewegen) und cerebrum (Gehirn) abgeleitet.

Ursachen und Auslöser für eine Gehirnerschütterung

Eine Gehirnerschütterung wird verursacht, wenn der Kopf mit großer Wucht gegen einen harten, unnachgiebigen Gegenstand oder Untergrund prallt. Das passiert beispielsweise bei

  • einem Sturz (etwa von der Treppe),
  • einem Schlag gegen den Kopf sowie
  • einem Verkehrsunfall.

Die Flüssigkeit, die das Hirn umgibt, kann dann nicht mehr verhindern, dass das Gehirn beim Aufprall gegen die Schädelinnenseite gedrückt wird. Dabei werden die empfindlichen Nervenfasern gereizt. Dies führt zu den typischen vorübergehenden Funktionsstörungen des Gehirns, beispielsweise eine kurzzeitige Ohnmacht oder Gedächtnislücken. Schädelknochen und die äußere Kopfhaut müssen dabei nicht sichtbar verletzt sein.

Weitere Ursachen für Traumata mit Beteiligung des Kopfes sind beispielsweise epileptische Anfälle sowie Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Zudem ist das Risiko für eine Gehirnerschütterung bei bestimmten Sportarten erhöht. Dazu gehören Kampfsportarten wie Boxen, Kontaktsportarten wie Fußball und Eishockey oder Sportarten mit einem hohen Sturzrisiko, etwa Inline-Skating.

Gehirnerschütterung bei Kindern besonders häufig

Dass bei Kindern Gehirnerschütterungen häufiger vorkommen als bei Erwachsenen, erklären Fachleute unter anderem damit, dass Kinder öfter stürzen und aufgrund des Größenverhältnisses zwischen Kopf und Körper ein höheres Risiko haben, mit dem Kopf aufzuschlagen. Hinzu kommt, dass der Schutzreflex, sich beim Hinfallen mit den Armen abzufangen, bei Kindern noch nicht so ausgeprägt ist und Kinder ohnehin langsamer reagieren als Erwachsene.

Symptome einer Gehirnerschütterung

Typische Anzeichen einer Gehirnerschütterung sind:

Die Symptome treten meist kurz nach dem Unfall auf, können sich aber auch erst sechs bis zwölf Stunden später entwickeln. Da bei Kopfverletzungen die Gefahr besteht, erneut das Bewusstsein zu verlieren, sollten Betroffene bis zum Eintreffen der*des Notärztin*Notarztes überwacht werden.


Diagnose: So wird eine Gehirnerschütterung festgestellt

Eine Kopfverletzung sollte immer ärztlich untersucht werden, vor allem, wenn es zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit kam oder Symptome wie Schwindel, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Nach einer ausführlichen Befragung zu Beschwerden und dem Unfallhergang erfolgt eine körperliche Untersuchung. Dazu gehören unter anderem

  • Reflexüberprüfungen,
  • ein Gleichgewichtstest und
  • eine Untersuchung der Pupillenreaktion.

Ziel dieser Tests ist es, neurologische Ausfallsymptome auszuschließen, die auf ein schwereres Schädel-Hirn-Trauma hindeuten könnten.

Ob eine Gehirnerschütterung vorliegt, lässt sich zudem mit einem Bluttest feststellen. Die Konzentration des Proteins S-100B steigt nach einer Gehirnerschütterung im Venenblut an.

Glasgow-Koma-Skala

Zur Klassifikation eines vorliegenden Schädel-Hirn-Traumas nutzen Fachleute die Glasgow-Koma-Skala (Glasgow Coma Scale, GCS). Die Skala erfasst, inwieweit der*die Betroffene in der Lage ist, die Augen zu öffnen, zu sprechen und sich zu bewegen. Die Fähigkeiten in diesen drei Bereichen werden mit Punkten bewertet und geben so Auskunft über die Schwere des Traumas.

Bildgebende Verfahren

Je nach Schwere der Verletzungen können weitere Untersuchungen zum Einsatz kommen. Bei Kopfverletzungen gehört meist eine Computertomografie des Kopfes (Schädel-CT) zum Standard. In bestimmten Fällen werden zudem eine Elektroenzephalografie (EEG) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Schädels veranlasst, um detaillierte Bilder vom Gehirn zu erhalten.

Behandlung einer Gehirnerschütterung: Ruhe und Symptomlinderung

Bei einer Gehirnerschütterung besteht die Therapie in erster Linie aus körperlicher und geistiger Schonung. Dabei kann auch kurzzeitige Bettruhe sinnvoll sein. Besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Komplikationen nach einer Gehirnerschütterung (etwa einer Hirnblutung), wird eine Beobachtung im Krankenhaus über 24 Stunden angeordnet – im Einzelfall auch länger. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der*die Patient*in über 60 Jahre alt ist oder besonders heftigen und anhaltenden Kopfschmerz oder längere Gedächtnislücken hat.

Darf der*die Betroffene nach Hause gehen, sollte er*sie sich trotzdem konsequent Ruhe gönnen. Dazu gehört auch, sich in den ersten Tagen von Bildschirmen fernzuhalten. Das Gehirn sollte möglichst wenige Reize verarbeiten müssen. In einen Bildschirm zu schauen, kann nach einer Gehirnerschütterung die Kopfschmerzen verstärken und schlimmstenfalls Krämpfe auslösen.

Linderung von Symptomen einer Gehirnerschütterung

Zur Linderung einzelner Symptome infolge einer Gehirnerschütterung stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung:

  • Kopfschmerzen: Sie können beispielsweise mit Schmerzmitteln, die den Wirkstoff Paracetamol enthalten, behandelt werden. Wirkstoffe, die blutverdünnend wirken und die Blutgerinnung verzögern, wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac, sollten hingegen nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden.

  • Nackenschmerzen: Diese werden in erster Linie physiotherapeutisch behandelt. Auch Kälte- oder Wärmepackungen können Linderung bringen. Zur medikamentösen Behandlung werden Muskelrelaxantien empfohlen. Das sind Medikamente, die eine vorübergehende Entspannung der Muskulatur bewirken.

  • Übelkeit und Erbrechen: Dagegen helfen sogenannte Antiemetika. Bei häufigem Erbrechen sollten verlorene Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzt werden. Das ist besonders bei Kindern wichtig.

Gehirnerschütterung: Verlauf und Prognose

Der Verlauf einer Gehirnerschütterung ist unterschiedlich und hängt mit davon ab, ob es zuvor schon einmal zu einem leichten Schädel-Hirn-Trauma gekommen ist: Dann ist das Risiko für einen schlechteren Verlauf erhöht. Die Heilungsdauer einer Gehirnerschütterung kann zwischen mehreren Tagen und einigen Wochen variieren, wobei körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen in der Regel früher nachlassen als neurologische Störungen. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz ist nach ein bis zwei Wochen möglich.

Postkommotionelles Syndrom: Wenn die Symptome länger andauern

Es kann sich ein postkommotionelles Syndrom (posttraumatisches Syndrom) entwickeln. Das bedeutet, dass Beschwerden wie Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel und Übelkeit, Kreislaufschwäche, Reizbarkeit, Vergesslichkeit oder Konzentrationsstörungen sowie depressive Verstimmungen über Wochen, manchmal Monate hinweg fortbestehen. Zusätzlich können Beschwerden wie Fatigue, Schlafstörungen oder Ängstlichkeit auftreten. In den meisten Fällen sind Patient*innen nach spätestens drei Monaten beschwerdefrei. Halten die Beschwerden länger als drei bis sechs Monate an, sprechen Mediziner*innen von einem chronischen postkommotionellen Syndrom oder posttraumatischen Syndrom. In etwa 15 Prozent der Fälle bestehen die Symptome auch noch nach einem Jahr und länger.

Neuere Studien legen nahe, dass eine Gehirnerschütterung langfristige Auswirkung auf die kognitiven Fähigkeiten hat. Häufige Gehirnerschütterungen scheinen zudem das Risiko für Parkinson und Demenzerkrankungen wie Alzheimer zu erhöhen.

Vorbeugung einer Gehirnerschütterung

Eine Gehirnerschütterung ist Folge eines Unfalls oder Angriffs und damit nicht vorhersehbar oder durch Präventionsmaßnahmen zu verhindern. Das Vorbeugen einer Gehirnerschütterung besteht daher in allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen.

Wer bereits eine Gehirnerschütterung hatte, sollte diese unbedingt auskurieren. Gerade im Profisport ist dies ein Problem, wenn in Wettkampfsituationen eine Auszeit unmöglich erscheint. Auch Kinder sind manchmal schwer davon abzuhalten, möglichst schnell wieder ihrem Lieblingssport nachzugehen. Fakt ist aber: In den ersten sieben bis zehn Tagen nach einer Gehirnerschütterung ist das Risiko für ein erneutes leichtes Schädel-Hirn-Trauma erhöht. Das liegt unter anderem daran, dass ein viel geringerer Stoß gegen den Kopf nötig ist, um eine erneute Gehirnerschütterung auszulösen, wenn bereits ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma vorliegt. Ein weiterer Grund wird in dem verringerten Reaktionsvermögen nach einer Gehirnerschütterung vermutet.

Um einer erneuten Gehirnerschütterung vorzubeugen, sind sportliche Aktivitäten oder sturzgefährdende Aktionen strikt zu vermeiden, bis der*die Betroffene keine Symptome mehr spürt. Danach sollten körperliche Aktivitäten allmählich gesteigert werden.

Gehirnerschütterung vorbeugen: Tipps für Eltern

Kinder sind besonders gefährdet, ein Schädel-Hirn-Trauma zu erleiden. Um Stürzen vorzubeugen, sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden:

  • Kinder sollten im Auto nur in einem passenden Kindersitz mitgenommen werden.

  • Mögliche Gefahrenquellen wie Treppen und Balkone sind abzusichern und Regale und Fernseher sollten kippsicher aufgestellt werden.

  • Säuglinge dürfen nie unbeobachtet auf der Wickelkommode liegen gelassen werden.

  • Eltern sollten für rutschfeste Socken oder Hausschuhe sorgen.

  • Spiel- und Klettergerüste im Garten sollten nur auf weichem Boden und nicht zu nah aneinander aufgestellt werden.

  • Kinder sollten erst ab dem Grundschulalter in Hochbetten schlafen.

  • Kinder unter 12 Jahren sollten auf Kopfbälle verzichten.

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