Symptome A - Z

Erbrechen

Per Definition versteht man unter Erbrechen (Emesis bzw. Vomitus) das plötzliche Entleeren von Mageninhalt (seltener: Dünndarminhalt, Galle) durch den Mund („sich übergeben“). Erbrechen kann zunächst als natürliche Schutzreaktion des Körpers z.B. gegenüber verdorbenen Nahrungsmitteln, unverträglichen Medikamenten oder auch eines übermäßigen Konsums von Alkohol sein.

Erbrechen
Übelkeit und Brechreiz können, müssen dem Erbrechen aber nicht vorangehen.
Getty Images/BananaStock RF

Darüber hinaus ist das Erbrechen häufig auch Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung (z.B. Magenschleimhautentzündung) oder Infektion. Sollte das Erbrechen länger anhalten, gilt es, einen Arzt aufzusuchen.

  • zum Symptom-Check

    Fieber, Schmerzen, Atemnot: Suchen Sie gezielt nach Symptomen und deren möglichen Auslösern

Kennzeichnend für Erbrechen ist, dass Mageninhalt und eventuell Inhalt des oberen Dünndarms schwallartig hervorgewürgt wird. Übelkeit und Brechreiz können, müssen dem Erbrechen aber nicht vorangehen. Erbrechen kann sowohl akut als Reaktion auf eine neu eingetretene Erkrankung auftreten, z.B. bei einem Magen-Darm-Infekt, als auch chronisches Symptom bei längerfristigen Gesundheitsproblemen wie z.B. wiederkehrender Migräne oder auch einer chronischen Magenschleimhautentzündung (Gastritis) sein.

Erbrechen unterliegt zumeist nicht der willentlichen Kontrolle. Nur bei wenigen Erkrankungen wie z.B. Essstörungen  , Bulimie (Ess-Brech-Sucht) wird Erbrechen bewusst herbeigeführt, beispielsweise durch Reizen der Hinterwand des Rachens.

Mögliche Komplikationen

Durch den Verlust des sauren Mageninhalts kann es infolge wiederholten Erbrechens zur Störung des Säure-Basen- und des Salzhaushalts im Körper kommen. Betroffen ist davon oftmals besonders der Kaliumgehalt von Blut und Geweben. Korrekte Kaliumkonzentrationen im Körper sind die Voraussetzung für eine ungestörte Herztätigkeit. Schweres anhaltendes Erbrechen kann daher unter Umständen lebensbedrohliche Herz-Kreislaufstörungen verursachen.

Eine andere Komplikation, die sich langfristig aus häufigem Erbrechen ergeben kann, sind Risse in der Speiseröhrenschleimhaut (Mallory-Weiss-Syndrom), die unter Umständen gefährliche Blutungen nach sich ziehen.

Gelangt Erbrochenes über die Atemwege in die Lunge (eine sog. Aspiration), kommt es in der Folge oft zu schweren Entzündungen. Akute Lebensgefahr durch Erbrechen besteht bei Bewusstlosen. Verlegt das Erbrochene die Atemwege, drohen die Betroffenen binnen kürzester Zeit zu ersticken. Bewusstlose sollten deshalb in stabiler Seitenlage gelagert werden, in der Erbrochenes aus dem Mund und Rachen von selbst nach außen abfließt.

Spezielle Formen des Erbrechens sind

  • Schwangerschaftserbrechen (Emesis gravidarum)
  • das Bluterbrechen (Hämatemesis), etwa bei einem blutenden Magengeschwür
  • das Koterbrechen (Miserere oder Kopremesis), etwa bei einem Darmverschluss
  • das Erbrechen von Galle

Erbrechen: Ursachen

Bei Erbrechenhandelt es sich primär um einen Schutzreflex des Körpers – schließlich können auf diese Weise zum Beispiel Krankheitserreger oder schädliche Nahrungsmittel wieder aus dem Körper herausbefördert werden. Darüber hinaus gibt es aber zahlreiche weitere Einflüsse, die auch außerhalb des Magen-Darm-Bereichs zu suchen sind.

Mögliche Ursachen für Erbrechen im Magen-Darm-Bereich:

Störungen der Hirn- und Sinnesfunktion als Auslöser von Erbrechen:

Stoffwechselstörungen bzw. hormonelle Faktoren als Ursache für Erbrechen

Medikamente, Drogen und weitere Einflüsse, die Erbrechen begünstigen können:

  • Brechmittel (Apomorphin u.a.)
  • Narkose (z.B. bei einem operativen Eingriff)
  • Unterschiedliche Medikamente (z.B. Antibiotika, Zytostatika) – die Nebenwirkung wird in der Regel im Beipackzettel aufgeführt
  • Vergiftung mit dem Herzmedikament Digitalis
  • Drogenmissbrauch (Alkohol, einige Halluzinogene, Ecstasy u.a.)
  • Bestrahlung in der Krebstherapie
  • Verstrahlung durch Unfall
  • Schwermetallvergiftung

Psychische und psychosomatische Erkrankungen, bei denen Erbrechen eine Rolle spielen kann:

Erbrechen: Diagnose

Wenn Erbrechen auftritt, gilt es bei der Diagnosestellung, die zahlreichen möglichen Ursachen des Symptoms Erbrechen zu berücksichtigen. Wichtig ist dabei vor allem, das Erbrechen im Zusammenhang mit anderen vorhandenen oder fehlenden Symptomen zu bewerten. Dabei spielen das Arztgespräch und die körperliche Untersuchung die entscheidende Rolle.

Insbesondere bei über mehrere Tage hinweg anhaltendem bzw. heftigem Erbrechen, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Dies gilt vor allem auch dann, wenn:

  • zusätzliche Symptome wie Fieber, Durchfall oder auch Kopfschmerzen auftreten

  • sich der Betroffene zuvor im Ausland aufgehalten hat

  • das Erbrochene auffallen verfärbt ist (z.B. gelblich bei Galle oder schwarz-braun bei Kot)

  • dem Erbrechen ein Sturz auf den Kopf vorangegangen ist (ggf. Gehirnerschütterung)

  • es sich bei den Betroffenen um ältere Menschen oder Kinder handelt, da hier die Gefahr ernsthafter Kreislaufprobleme erhöht ist

Die Ursache eines Erbrechens kann meist nur der Arzt feststellen. Dabei spielen Hinweise aus der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung oft die entscheidende Rolle. So können beispielsweise ein plötzlicher Beginn des Erbrechens und Erkrankungsfälle im persönlichen Umfeld auf eine ansteckende Krankheit als Ursache hinweisen. Eine Umstellung von Medikamenten kurz vor Beginn des Erbrechens legt einen Zusammenhang mit einem der neuen Arzneimittel nahe.

Die weiteren, gezielten Diagnosemaßnahmen orientieren sich dementsprechend an der vermuteten Ursache des Erbrechens. Typischerweise kommen dabei Diagnosetechniken wie Blutanalysen, bildgebende Untersuchungen mittels Ultraschall, Röntgenstrahlen oder Magnetfeldern sowie Spiegelungen des Magens und/oder des Darms zur Anwendung.

Erbrechen: Therapie

Ist die Ursache des Erbrechens bekannt, sollte diese möglichst gezielt behandelt werden. So muss etwa ein stark überhöhter Zuckerspiegel durch Insulin normalisiert und ein Darmverschluss durch sofortige Operation behoben werden.

Grundsätzlich sind die durch Erbrechen resultierenden Störungen im Salz- und Wasserhaushalt möglichst umgehen auszugleichen. Das kann entweder über geeignete Getränke, Elektrolytlösungen oder, in schwereren Fällen, durch Infusionen geschehen.

Um Erbrechen rein symptomatisch zu behandeln, stehen verschiedene Medikamente als auch Hausmittel zur Verfügung.

Zu den bewährten Hausmitteln bei Erbrechen zählen vor allem der Verzicht auf feste Nahrung, eine fettarme Schonkost sowie die vorübergehende Ernährung über Tees und Brühe. Dabei ist zu gewährleisten, dass nicht nur Flüssigkeit den Organismus erreicht, sondern auch genügend Mineralstoffe (etwa als fettarme Brühe) in der Kost enthalten sind, um den Salzverlust auszugleichen. Kohlensäure und den Magen belastende Getränke sollten gemieden werden, insb. Cola, Alkohol und Kaffee. Fruchtsäfte sind nur in kleinen Mengen geeignet, da die enthaltenden Fruchtsäuren den Magen-Darm-Trakt belasten können.

Ist eine Reise- oder Seekrankheit die Ursache des Erbrechens, bietet sich die Behandlung mit Reisetabletten, -kaugummis, oder -pflastern an, die in Apotheken frei verkäuflich sind. Diese Medikamente (sog. H1-Antihistaminika) unterdrücken den Brechreiz im Gehirn, verursachen oft aber eine gewisse Müdigkeit. Die Behandlung muss in der Regel vorbeugend erfolgen. Die Medikamente sollten also bereits vor Beginn der Reise eingenommen oder angewendet werden.

Geht das Erbrechen auf eine Chemotherapie oder Bestrahlung bei Krebs zurück, wird heutzutage zumeist auf sog. 5-HT3-Antagonisten („Setrone“) oder das Kortisonpräparat Dexamethason zurückgegriffen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 15. Oktober 2011
Quellen: Scorza K, et al. Evaluation of nausea and vomiting. Am Fam Physician. 2007; 76: 76-84. URL: http://www.aafp.org/afp/2007/0701/p76.pdf Singleton G. Integrative management of nausea and vomiting. Aust Fam Physician. 2007; 36: 733-4. URL: http://www.racgp.org.au/afp/200709/200709singleton.pdf Siegenthaler W (Hrsg.), et al. Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 16. Auflage, Stuttgart, New York 1988.

Meistgeklickt zum Thema
Druck im Kopf – was sind die Ursachen?
Häufig von Spannungskopfschmerzen begleitet

Wenn im Kopf immer wieder ein Druckgefühl herrscht, verunsichert das zutiefst. Welche Krankheiten dahinterstecken können mehr...

Zunge: Was Belag und Farbe bedeuten
Symptome

Gelber Belag, Furchen und Himbeerzunge: typische Krankheitsanzeichen auf der Zunge mehr...

Ischiasschmerzen (Ischialgie/Lumboischialgie)
Symptome von A bis Z

Woher Ischiasschmerzen kommen und wie Sie sie loswerden mehr...

Symptome
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang