Dialyse: Das geschieht bei der Blutwäsche

Die Dialyse ist ein medizinisches Verfahren, das bei Nierenversagen zum Einsatz kommt. Dabei übernimmt eine künstliche Niere die Aufgabe des geschädigten Organs, schädliche Stoffe aus dem Blut zu filtern. Neben einer Nierentransplantation ist diese Form der Blutwäsche die einzige Möglichkeit, im Falle eines Nierenversagens eine tödliche innere Vergiftung (Urämie) zu verhindern.

Dialyse
Bei der Hämodialyse werden die Betroffenen mehrfach in der Woche an ein Dialysegerät angeschlossen, bei der Peritonealdialyse erfolgt die Blutreinigung innerhalb des Körpers.
© iStock.com/Wavebreakmedia

Die Dialyse (griech. dialysis = Auflösung, Trennung) wird umgangssprachlich auch Blutwäsche genannt. Das Verfahren zur Blutreinigung kommt bei akutem oder chronischem Nierenversagen zum Einsatz. Laut Deutscher Nierenstiftung haben vier bis sechs Millionen Menschen in Deutschland eine eingeschränkte Nierenfunktion. Bleibt diese unbehandelt, kann sich eine chronische Nierenschwäche entwickeln, die bei mehr als 15.000 Menschen pro Jahr zum endgültigen Nierenversagen führt. Aktuell sind daher mehr als 100.000 Menschen in Deutschland auf ein sogenanntes Nierenersatzverfahren angewiesen: Sie leben mit der Dialyse oder einer transplantierten Niere.

Artikelinhalte im Überblick:

Freunde und Feinde der kranken Niere

Indikationen: Wann ist eine Dialyse notwendig?

Die Dialyse wird immer dann nötig, wenn die Niere ihre eigentliche Arbeit nicht mehr leisten kann – nämlich die beim Stoffwechsel anfallenden Substanzen, Giftstoffe und das überschüssige Wasser aus dem Blut zu filtern, sodass diese über den Urin ausgeschieden werden können. Ist die Nierenfunktion nicht mehr in ausreichendem Maße gegeben, wird der Körper praktisch vergiftet.

Auslöser für ein Versagen der Nieren können verschiedenste erworbene oder angeborene Krankheiten sein. Am häufigsten sind Diabetes mellitus und/oder Bluthochdruck. Daneben können auch entzündliche Nierenerkrankungen oder die übermäßige Einnahme bestimmter Schmerzmittel das Nierengewebe allmählich zerstören. Auch wiederkehrende Entzündungen des Nierenbeckens können dauerhafte Schäden verursachen. In all diesen Fällen verschlechtert sich die Leistung der Niere über Jahre immer mehr. In Abhängigkeit von Blutwerten und Allgemeinzustand des Betroffenen wird die Dialyse in diesen Fällen als Langzeitbehandlung eingesetzt.

Bei akutem Nierenversagen durch Unfall, Trauma oder eine Operation oder bei einer Vergiftung mit dialysefähige Substanzen wird eine Dialyse auch als Akut-Therapie eingesetzt.

Ablauf und Durchführung der Dialyse

Bei der Dialyse wird das Blut mithilfe von halbdurchlässigen (semipermeablen) Membranen gereinigt: Die beim Stoffwechsel anfallenden Produkte werden durch die Poren dieser Membran gefiltert. Die Poren müssen so groß sein, dass kleinmolekulare Substanzen wie Elektrolyte, Harnstoff und Kreatinin hindurchpassen. Substanzen hingegen, die aus großen Molekülen bestehen, wie Eiweiße, Fette und Blutzellen sollen möglichst nicht durch die Poren passen, um dem Körper erhalten zu bleiben.

Es gibt zwei verschiedene Arten der Dialyse, die sich hinsichtlich des Ortes der Blutwäsche unterschieden: die Dialyse außerhalb und die Dialyse innerhalb des Körpers. Für jeden Betroffenen muss individuell entschieden werden, welche Methode am besten geeignet ist.

Hämodialyse

In über 80 Prozent der Fälle kommt eine Blutwäsche außerhalb des Körpers (extrakorporal) zum Einsatz. Für diese sogenannte Hämodialyse ist ein spezieller Gefäßzugang nötig, ein sogenannter Shunt, der zuvor in einer kleinen Operation dauerhaft angelegt wird. Eignen sich die Venen nicht, können auch Kunststoffprothesen eingesetzt werden.

Durch diesen Shunt werden pro Minute zwischen 200 und 300 Milliliter Blut mittels einer Pumpe in einen Filter mit einer Membran geführt. Auf der einen Seite der Membran strömt das Blut entlang, auf der anderen fließt in entgegengesetzter Richtung eine genau dosierte salzhaltige Flüssigkeit, das Dialysat. Zwischen den beiden Seiten der Membran besteht ein Konzentrationsunterschied, da im noch ungereinigten Blut die Stoffwechselprodukte in hoher Konzentration vorhanden sind. Diese diffundieren entlang des Konzentrationsgefälles durch die Membranporen zur Gegenseite, zum Dialysat, sodass allmählich ein Konzentrationsausgleich zwischen beiden Seiten stattfindet. Da das Blut unter einem höheren Druck als das Dialysat steht, gelangt durch Filtration auch überschüssiges Wasser von der Blut- auf die Dialysatseite. Das gereinigte Blut gelangt dann über eine zweite Kanüle im Shunt in den Körper des Betroffenen zurück.

Die Hämodialyse findet in den meisten Fällen dreimal pro Woche für jeweils drei bis fünf Stunden statt. Es hat sich herausgestellt, dass häufigeres Dialysieren günstiger für den Körper ist. Viele Dialysezentren bieten inzwischen die Behandlung zu verschiedenen Tageszeiten, einige sogar über Nacht an, um auf spezielle Bedürfnisse ihrer Patienten im Arbeits- und Lebensalltag Rücksicht zu nehmen.

Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)

Grundsätzlich ist auch eine Dialyse möglich, die im Innern des Körpers selbst durchgeführt wird. Bei dieser Methode dient das Bauchfell (Peritoneum) als halbdurchlässige Filtermembran, die Bauchhöhle wird als Behältnis für das Dialysat genutzt. Der Austausch zwischen Blut und Dialysat findet über die kleinsten Blutgefäße im Bauchfell, die sogenannten Kapillaren, statt.

Der Betroffene muss zu Beginn jeder Behandlung mithilfe eines Katheters das Dialysat in die Bauchhöhle einführen. Bei der kontinuierlichen Peritonealdialyse, die praktisch ununterbrochen stattfindet, wird das Dialysat alle vier bis sechs Stunden, das heißt vier- bis fünfmal pro Tag mit frischer Flüssigkeit ausgetauscht. Die sogenannte intermittierende Peritonealdialyse hingegen wird nur nachts durchgeführt, sodass die Betroffenen tagsüber weniger eingeschränkt sind.

Die Peritonealdialyse ist schonender als die Hämodialyse, giftige Substanzen werden kontinuierlich ausgeleitet. Das Verfahren ist  jedoch nicht so effektiv und eignet sich nicht für Menschen, bei denen stark entgiftet werden muss.

Die Methode der Peritonealdialyse kann zu Hause als Heimdialyse durchgeführt werden. Hierfür müssen spezielle hygienische Anforderungen erfüllt sein (ein eigener Raum für die Dialyse, größtmögliche Sauberkeit im Umgang mit den Geräten), weil ansonsten eine hohe Infektionsgefahr besteht. Die Heimdialyse ermöglicht den Betroffenen ein großes Maß an persönlicher Freiheit, da er nicht mehrfach pro Woche an die Blutwäsche angeschlossen werden muss und im Alltag kaum eingeschränkt ist. Sie erfordert jedoch auch die aktive Mitarbeit und Eigenverantwortung.

Nebenwirkungen und Risiken der Dialyse

Die Dialyse an sich ist – bis auf das Installieren des Shunts – völlig schmerzfrei. Meist bessert sich das körperliche Befinden der Dialysepatienten recht schnell. Trotzdem ist jede Dialyse eine erhebliche Belastung für den Körper. Nebenwirkungen sind zum Beispiel:

Diese Nebenwirkungen sind durch Medikamente jedoch gut behandelbar.

Eine häufige Komplikation der Hämodialyse ist eine Infektion oder Verstopfung des Shunts. Die Gefahr für Infektionen mit Bakterien ist sehr hoch, da der Gefäßzugang (Shunt) bei jeder Dialyse mit jeweils zwei Kanülen punktiert werden muss. Infolge solcher Infektionen können sich Blutgerinnsel (Thrombosen) bilden, die das Gefäß verschließen und damit für die Dialyse unbrauchbar machen. Der Shunt muss dann durch einen kleinen operativen Eingriff wieder durchgängig gemacht werden.

Darüber hinaus besteht bei einer Hämodialyse eine allgemein erhöhte Infektionsgefahr, da Blut in die Dialysemaschine hinein- und wieder zurückgeleitet wird. Um Infektionen mit Hepatitis B, Hepatitis C und HIV vorzubeugen, herrschen in den Dialysezentren strengste Hygienevorschriften für die Reinigung der Dialysegeräte. Betroffene mit Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV dialysieren an einer eigenen Dialysemaschine, die ausschließlich für sie verwendet wird. Zusätzlich wird allen Dialysepatienten eine aktive Schutzimpfung gegen Hepatitis B empfohlen.

Die Bauchfelldialyse ähnelt der Funktion der Niere, sie entwässert den Körper schonender und kontinuierlich. Deshalb sind die Nebenwirkungen und Risiken bei der Peritoneladialyse geringer, wenn die entsprechenden Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Die häufigste Komplikation bei der Peritonealdialyse ist eine Infektion des Bauchfells, eine sogenannte Peritonitis. Dabei gelangen Bakterien über den Katheter in die Bauchhöhle. Dies kann sich zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln, ist aber bei rechtzeitiger Gabe von Antibiotika meist gut behandelbar.

Ernährung bei Dialyse

Viele Komplikationen, die bei Dialysepatienten auftreten, stehen im Zusammenhang mit der Ernährung. So sammeln sich zwischen den einzelnen Behandlungssitzungen infolge der fehlenden Ausscheidung über die Nieren Stoffwechselprodukte an, die gefährlich werden können. Ein Beispiel ist Kalium. Es wird vor allem über Obst und Gemüse aufgenommen und führt in hoher Konzentration zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen. Jeder Dialysepatient bekommt deshalb einen individuellen Ernährungsplan, mit dessen Hilfe entsprechende Komplikationen vermieden werden sollen.

Dosenobst oder gekochtes Gemüse, an sich die ungesündere, weil vitaminärmere Variante, ist beispielsweise im Fall einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz frischem Obst und Rohkost vorzuziehen, da durch das Kochen der Kaliumgehalt sinkt. Bestimmte, sehr kaliumhaltige Sorten wie Bananen sollten bei einer Niereninsuffizienz ganz weggelassen werden.

Zu den phosphatreichen und/oder kaliumreichen Lebensmittel gehören auch Nüsse, Trockenobst, Hülsenfrüchte, Vollkornbrot, aber auch Fertigprodukte, bestimmte Käse- und Wurstwaren – sie gehören für Menschen unter Dialyse nicht auf den Speiseplan.

Prinzipiell sollten Dialysepatienten sich eiweißreich ernähren, auf salzarme Speisen achten und grundsätzlich ihr Gewicht im Blick haben. Auch eine Kontrolle der Flüssigkeitsaufnahme zwischen den Dialysebehandlungen ist unumgänglich, um eine Überwässerung des Körpers zu vermeiden. Dies spielt vor allem dann eine Rolle, wenn die Nieren kaum noch Urin ausscheiden. Eine Überwässerung kann zu hohem Blutdruck und Wasserstau in der Lunge, einem sogenannten Lungenödem, führen.

Dialyse Lebensqualität und Lebenserwartung

Die Lebensqualität von Dialysepatienten ist individuell sehr unterschiedlich und von der Grunderkrankung sowie dem Allgemeinzustand des Betreffenden abhängig. Bei konsequenter Einhaltung der Ernährungs- und Hygieneregeln sowie einer konsequenten Einnahme erforderlicher Medikamente kann eine aktive Teilnahme am Alltag auch unter Dialyse möglich sein.

Es gibt Menschen, die seit mehr als 40 Jahren dialysiert werden, andere warten seit Jahren auf eine Spenderniere. Jüngere Nierenkranke haben jedoch keine volle Lebenserwartung.

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