Erkrankungen während der Schwangerschaft

HELLP-Syndrom: Schwere Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie)

Das HELLP-Syndrom ist die schwerste Form der Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie). Die Erkrankung stellt eine lebensbedrohliche Gefahr für Mutter und Kind dar. Welche Anzeichen sich bemerkbar machen und wie schwangere Frauen im Fall der Fälle reagieren müssen.

HELLP-Syndrom
Das HELLP-Syndrom entsteht meist aus einer Schwangerschaftsvergiftung heraus.
Getty Images/Hemera

Das HELLP-Syndrom entwickelt sich in den meisten Fällen aus einer Präeklampsie heraus – und ist eine sehr ernste Form dieser, im Volksmund auch als Schwangerschaftsvergiftung bekannten, Erkrankung. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, welche Ursachen dafür verantwortlich sind, jedoch entsteht eine Präeklampsie ausschließlich in der Schwangerschaft (Gestose).

Was ist eine Schwangerschaftsvergiftung?

Eine Schwangerschaftsvergiftung tritt bei fünf bis sieben Prozent der Schwangeren auf. 50 Prozent der Frauen, die unter schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck leiden, entwickeln diese Erkrankung. Neben dem erhöhten Blutdruck sind Eiweißausscheidungen im Urin ein weiteres Hauptsymptom.

Zudem klagen viele Betroffene über Wassereinlagerungen (Ödeme) in Beinen, Füßen und im Gesicht, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Augenflimmern und Schwierigkeiten beim Wasserlassen.

Treten entsprechende Symptome auf, sollte unverzüglich der Arzt kontaktiert werden. Unbehandelt kann eine Schwangerschaftsvergiftung zu einer Eklampsie führen - das ist ein lebensbedrohlicher Krampfanfall, der heute bei guter Schwangerschaftsvorsorge in Industrieländern nur noch sehr selten vorkommt.

Leidet die Schwangere unter einer schweren Schwangerschaftsvergiftung, wird ab der 34. Schwangerschaftswoche zu einer möglichst raschen Entbindung geraten, nach abgeschlossener 37. Schwangerschaftswoche wird sie indiziert. Bei einer milden Form der Schwangerschaftsvergiftung ist das Vorgehen vom Schwangerschaftsalter sowie dem Zustand von Mutter und Kind abhängig.

Eine Schwangerschaftsvergiftung erfordert immer eine engmaschige Überwachung. Denn in ihrer schwersten Ausprägung kann sie sich zum sogenannten HELLP-Syndrom entwickeln.

Was ist das HELLP-Syndrom?

Rund 20 Prozent der Schwangeren, die an einer schweren Form der Schwangerschaftsvergiftung leiden, entwickeln das HELLP-Snydrom – meist um die 32. Schwangerschaftswoche herum, in einigen „frühen“ Fällen auch schon zwischen der 18. und 27. Schwangerschaftswoche.

Der Name leitet sich von den englischen Begriffen für die hauptsächlichen Symptome ab:

  • H für Hämolysis = Auflösung der roten Blutkörperchen und Blutzerfall
  • EL für elevated Liver Enzymes = dies bezeichnet erhöhte Leberwerte
  • LP low Platelet Count = dies bedeutet, dass die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) niedrig ist.

Diese entsprechenden Blut- und Leberwerte werden bei Laboruntersuchungen ermittelt. Besteht tatsächlich eine Erkrankung, kann es zu einer Schädigung der Leber und zu Blutgerinnungsstörungen kommen. Für Mutter und Kind eine lebensbedrohliche Situation!

Starke Oberbauchschmerzen gehören zu den Hauptsymptomen. Erste Anzeichen für das HELLP-Syndrom sind außerdem Schwellungen in Armen, Beinen und im Gesicht, ein stark erhöhter Blutdruck und eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß im Urin. Auch Übelkeit, Sehstörungen und eine gelbe Hautfärbung können Warnsignale für ein HELLP-Syndrom sein. In 15 Prozent der Fälle tritt es auch ohne Bluthochdruck oder Eiweißausscheidungen auf.

Schnelle Therapie beim HELLP-Syndrom nötig

Das HELLP-Syndrom kann sich (meist aus einer Schwangerschaftsvergiftung heraus) in kürzester Zeit entwickeln und sich sogar innerhalb von einer Stunde voll ausprägen. Wird es nicht rechtzeitig behandelt, können schwere Komplikationen auftreten. Deshalb ist diese Erkrankung lebensgefährlich!

Die Leber der Mutter kann in Mitleidenschaft gezogen werden und Hirnödme im Zentralnervensystem auftreten. Aufgrund einer mangelnden Durchblutung der Plazenta kann es beim Ungeborenen außerdem zu einer Mangelversorgung mit Sauerstoff und dadurch zu einer Entwicklungsverzögerung kommen. Daher wird beim HELLP-Syndrom abhängig von Schwangerschaftsalter, Ausmaß der Beschwerden und Laborwerten die Geburt eingeleitet oder die Schwangerschaft durch einen Kaiserschnitt beendet.

Schwangerschaftsvergiftung und HELLP-Syndrom frühzeitig erkennen

Das HELLP-Syndrom ist tückisch. Es können alle oder nur einige Symptome auftreten. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft, bei denen auch Blutdruck, Gewicht und Eiweiß im Urin kontrolliert werden, helfen dabei, das HELLP-Syndrom frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

HELLP-Syndrom: Symptome

Das HELLP-Syndom kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. Für Mutter und Kind kann dieser Zustand lebensbedrohlich werden. Tritt während einer Schwangerschaft, besonders im letzten Drittel, eines der Symptome auf, sollte die Schwangere einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen. Dort werden weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen eingeleitet.

Anzeichen fürs HELLP-Syndrom

  • heftige Schmerzen im rechten Oberbauch. Jede Berührung dieses Bereiches wird als sehr schmerzhaft empfunden
  • schnelle Gewichtszunahme (mehr als 500 Gramm pro Woche)
  • plötzlich auftretende starke Wassereinlagerungen an Armen und Beinen und im Gesicht
  • allgemeines, sehr rasch zunehmendes Krankheitsgefühl
  • Übelkeit, zum Teil mit Erbrechen, welches an eine Magen-Darm-Grippe erinnert
  • Sehstörungen
  • stark erhöhter Blutdruck (über 140/90 mmHg)
  • erhöhte Eiweißausscheidung im Urin (über 0,3 g/l)

Sicherheit, ob ein HELLP-Syndrom vorliegt, geben nur Laboruntersuchungen. Bei einem entsprechenden Verdacht werden zur Diagnose die Leberwerte und die Gerinnungsparameter untersucht.

HELLP-Syndrom: Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung eines HELLP-Syndrom während der Schwangerschaft sind nicht bekannt. Es gibt jedoch Hinweise, dass bestehende Krankheiten im Zusammenhang mit dem HELLP-Syndrom stehen.

Risikofaktoren für Schwangerschaftsvergiftung und HELLP-Syndrom

  • sehr junge Mütter
  • Frauen ab 35 Jahren
  • genetische Vorbelastungen
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Diabetes mellitus
  • Nierenleiden
  • Adipositas
  • chronischer Bluthochdruck
  • Hepatitis-Erkrankung
  • Störungen im Immunsystem
  • Neigung zu Thrombose (Bildung von Blutgerinseln)

Eine weitere Theorie geht davon aus, dass ein hormonelles Ungleichgewicht zum HELLP-Syndrom führt. Bei der Blutgerinnung wirken die körpereigenen Stoffe Thromboxan A und Prostaglandin E mit. Beide Hormone gehören zu den Prostaglandinen und sind sogenannte Gewebehormone, die im Prinzip von allen Zellen des Körpers gebildet werden können. Thromboxan A fördert die Blutgerinnung und verengt die Blutgefäße, Prostaglandin E hingegen erweitert die Blutgefäße und hemmt die Blutgerinnung. Ist das Verhältnis der beiden Hormone gestört, so entstehen Veränderungen bei der Blutgerinnung.

Als Folge davon kommt es beim HELLP-Syndrom zu Verkrampfungen der Blutgefäße, die zu Verletzungen der inneren Gefäßwand führen. Dadurch werden die Blutzellen, vor allem die roten Blutkörperchen und die Blutplättchen (Thrombozyten), geschädigt. In den Gefäßen lagert sich der Gerinnungsfaktor Fibrin ab, die Thrombozyten verklumpen. Die Zahl der funktionsfähigen Thrombozyten im Blut nimmt ab. Die Gerinnung des Blutes wird so massiv gestört. Auch die Leber wird durch die Verkrampfung der Gefäße geschädigt. Die Gefäßschädigungen führen zu Blutungen und zum Absterben von Gewebebereichen.

HELLP-Syndrom: Diagnose

Bei einem Verdacht auf ein HELLP-Syndrom wird die Schwangere sofort in die Klinik eingewiesen. Mit der rechtzeitigen Einweisung steht und fällt die Früherkennung eines HELLP-Syndroms.

Zur Diagnose wird die Schwangere zur Krankengeschichte (Anamnese) befragt. Dadurch kann sich der behandelnde Arzt ein Bild über bestehende Erkrankungen wie chronischer Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Nierenerkrankung sowie eine familiäre Vorbelastung machen.

Engmaschige Kontrolle bei HELLP-Syndrom-Diagnose

Während des stationären Aufenthalt im Krankenhaus werden eine Reihe von Untersuchungen teilweise in recht engen zeitlichen Abständen durchgeführt, um den Verlauf des HELLP-Syndroms kontrollieren zu können und bei Bedarf weitere Behandlungen einzuleiten. Dazu gehören die Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter. Je nach Befund wird diese Sonographie täglich bis wöchentlich wiederholt.

Weitere Diagnosemethoden beim HELLP-Syndrom sind:

  • Blutdruckmessung, eventuell mit fortlaufender Aufzeichnung der Messwerte über 24 Stunden
  • Urinuntersuchungen: Eiweiß im 24-Stunden-Sammelurin, Kreatinin-Bestimmung; beide Werte geben Auskunft über die Nierenfunktion.
  • Laboruntersuchungen (ein- bis zweimal täglich): Elektrolyte (Salze wie Natrium und Kalium), Nieren- und Leberwerte, Blutbild (dabei werden die Blutkörperchen mikroskopisch untersucht), Hämatokrit (gibt Auskunft über den Anteil der roten Blutkörperchen am Blutvolumen), Harnsäure, Gerinnungsstatus (Untersuchung der Funktion des Blutgerinnungssystems) 
  • Kontrolle der Thrombozytenzahl (Anzahl der Blutplättchen) alle zwei bis vier Stunden

Ab der 34. Schwangerschaftswoche wird außerdem dreimal täglich ein CTG (Cardiotokogramm) angefertigt. Dabei werden die Herztätigkeit des ungeborenen Kindes und die Wehentätigkeit der Schwangeren überwacht und aufgezeichnet.

HELLP-Syndrom: Therapie

Die Behandlung des HELLP-Syndroms richtet sich danach, wie weit die Schwangerschaft schon fortgeschritten ist. Nach der 34. Woche wird die Geburt eingeleitet. Vor der 32. Woche wird die Entbindung versucht herauszuzögern. Die geschieht, damit die Lungen des Kindes noch im Mutterleib ausreifen können. Gleichzeitig versucht man, durch Medikamente den Blutdruck und die Blutgerinnung bei der werdenden Mutter zu normalisieren.

Die Senkung des Blutdrucks darf nicht zu schnell erfolgen, um die Durchblutung der Plazenta nicht zu gefährden und geschieht immer unter CTG-Kontrolle. Dabei werden in einem sogenannten Wehenschreiber gleichzeitig die Herztätigkeit des Kindes und mögliche Wehen der Mutter aufgezeichnet und überwacht.

Voraussetzung für die Hinauszögerung der Entbindung ist allerdings, dass sich Blutdruck, Leberwerte und Blutgerinnungswerte stabilisieren. Mit jedem weiteren Schwangerschaftstag reifen die Lungen des ungeborenen Kindes weiter aus. Seine Überlebenschancen steigen erheblich. Ein solches abwartendes Verhalten findet immer unter intensiver Überwachung statt und ist nur gerechtfertigt, wenn der Zustand der Mutter und des Kindes stabil ist und die Ärzte schnell eingreifen können.

Spätfolgen des HELLP-Syndroms

Das Leben der werdenden Mutter und das ihres ungeborenen Kindes ist durch das HELLP-Syndrom stark gefährdet, eine schnelle und sichere Diagnose muss folgen. So können rechtzeitig Maßnahmen eingeleitet und auch Spätfolgen wie Leberschäden vermieden werden.

Was passiert bei einer leichten Schwangerschaftsvergiftung?

Wenn Symptome einer Schwangerschaftsvergiftung nur leicht ausgeprägt sind und sich die Laborwerte im vertretbaren Rahmen bewegen, können die Ärzte auch abwarten. Eine nur geringe Störung der Blutgerinnung beziehungsweise ein erhöhter Blutdruck können durchaus mit Medikamenten behandelt werden, ohne dass die Geburt umgehend eingeleitet werden muss. Allerdings müssen dann die mütterlichen Blutwerte und ihr Blutdruck streng und engmaschig kontrolliert werden.

Ist die Schwangerschaft schon über die 34. Woche hinaus, wird die Geburt eingeleitet. Nötig ist dies auch, wenn sich die  Symptome der Schwangerschaftsvergiftung verschlimmern: die Leberwerte steigen an, die Zahl der Blutplättchen sinkt unter 40.000/Mikroliter Blut, Schmerzen im Oberbauch nehmen zu. Die Geburt kann je nach Zustand der Frau und des ungeborenen Kindes auf natürlichem Wege erfolgen oder es wird ein Kaiserschnitt durchgeführt.

HELLP-Syndrom: Vorbeugen

Heute werden bei den Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft Körpergewicht, Blutdruck und Eiweiß im Urin routinemäßig kontrolliert. Das HELLP-Syndrom kann sich jedoch sehr schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln. Deshalb ist es wichtig, dass die Schwangere die möglichen Symptome und Anzeichen kennt und sich von ihrem Gynäkologen aufklären lässt. Die Termine der Vorsorgeuntersuchungen sollten nicht versäumt werden, auch wenn es der werdenden Mutter gut geht.

Treten Schmerzen im Oberbauch, plötzliche und starke Schwellungen auf, sollte ein Gynäkologe den Anzeichen auf den Grund gehen, um eine Schwangerschaftsvergiftung ausschließen oder früh zu erkennen. Bei Verdacht auf das HELLP-Syndrom sollten die Blutwerte sofort untersucht werden.

Warnsingnal fürs HELLP-Syndrom: erhöhter Blutdruck

Ist während der Schwangerschaft der Blutdruck bereits erhöht, sollten die vom Arzt empfohlenen Maßnahmen unbedingt eingehalten werden. Dazu gehören Schonung, Vermeidung von körperlicher Belastung, eventuell Bettruhe, Verzicht auf Alkohol und Nikotin, eventuell leichte blutdrucksenkende Medikamente. Reichen diese Schritte nicht aus, um den Blutdruck zu senken oder wenigstens zu stabilisieren, muss auch über einen Aufenthalt im Krankenhaus nachgedacht werden.

Auch Mittel zur Entwässerung, eine salz- und flüssigkeitsarme Ernährung sollten Schwangere mit Blutdruckproblemen meiden. Durch den Wasserentzug wird das Blut zusätzlich eingedickt und kann noch schlechter fließen - der Blutdruck steigt weiter an.

Ist in der ersten Schwangerschaft das HELLP-Syndrom aufgetreten, liegt das Wiederholungsrisiko zwischen zwei und 19 Prozent. Laut einer deutschlandweiten Studie beträgt es 12,8 Prozent. Erneut schwangere Frauen werden deshalb zur Sicherheit nach den Kriterien einer Risikoschwangerschaft überwacht.

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