Erkrankungen während der Schwangerschaft

HELLP-Syndrom: Schwerste Form der Präeklampsie

Schwangerschaftsvergiftung: lebensgefährlich für Mutter und Kind

Unter dem HELLP-Syndrom versteht man die schwerste Form der Präeklampsie, einer nur in der Schwangerschaft auftretenden Erkrankung. Neben Bluthochdruck und erhöhten Eiweißwerten im Urin treten vor allem schwere Störungen von Leberfunktion und Blutgerinnung auf.

Schwanger-ab-40-ein-Nachteil
Beim HELLP-Syndrom müssen nicht alle Symptome auftreten.
Getty Images/Hemera

Das HELLP-Syndrom ist eine besonders schwere und komplizierte Form der Präeklampsie. Diese Erkrankung, auch Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung genannt, tritt  bei etwa 10 Prozent der Schwangerschaften auf. Hauptsymptome sind hoher Blutdruck und ein erhöhter Eiweißwert im Urin.

Blutbild: Wichtige Werte und was sie bedeuten

Ebenso tritt das  HELLP-Syndrom meist im letzten Drittel der Schwangerschaft auf. Der Name leitet sich von den englischen Begriffen für die hauptsächlichen Symptome ab:

  • H für Hämolysis = Auflösung der roten Blutkörperchen und Blutzerfall
  • EL für elevated Liver Enzymes = dies bezeichnet erhöhte Leberwerte
  • LP low Platelet Count = dies bedeutet, dass die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) niedrig ist.

Erste Anzeichen für das HELLP-Syndrom sind heftige Schmerzen im rechten Oberbauch, Schwellungen in Armen, Beinen und im Gesicht, ein stark erhöhter Blutdruck und eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß im Urin. Auch Übelkeit, Sehstörungen und eine gelbe Hautfärbung können Warnsignale für ein HELLP-Syndrom sein.

Bei der Blutuntersuchung im Labor werden erhöhte Leberwerte und eine niedrige Zahl der Thrombozyten im Blut festgestellt. Das Fibrinogen, ein weiterer Gerinnungsfaktor, ist ebenfalls niedriger als normal. Dadurch kommt es zu Störungen in der Blutgerinnung.

Schnelle Therapie beim HELLP-Syndrom nötig

Ein HELLP-Syndrom kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. Deshalb ist die Erkrankung für die Mutter lebensgefährlich. Wird sie nicht rechtzeitig behandelt, können schwere Komplikationen auftreten. Schädigungen der Gefäße,  Hirnblutungen, Lungenödeme, Blutungen in der Leber, Leberrisse oder eine  vorzeitige Ablösung der Plazenta können für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein.

Da die Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) in ihrem Verlauf schwer einzuschätzen und zu kontrollieren ist, wird zur Therapie die Schwangerschaft beendet und die Geburt eingeleitet. Das Kind kommt dann entweder auf natürlichem Wege oder durch Kaiserschnitt zur Welt. Wird das HELLP-Syndrom vor der 32. Schwangerschaftswoche festgestellt, muss die Schwangere ins Krankenhaus und intensiv überwacht werden.

Regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen helfen, Präeklampsie früh zu entdecken

Das HELLP-Syndrom ist tückisch. Es können alle oder nur einige Symptome auftreten. Zudem klagen viele Frauen im Laufe einer Schwangerschaft über erste Krankheitsanzeichen, ohne dass sich daraus eine schwere Komplikationen wie eine Schwangerschaftsvergiftung entwickelt.  Das macht die Erkrankung tückisch. Regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen in der Schwangerschaft, bei denen auch Blutdruck, Gewicht und Eiweiss im Urin kontrolliert werden, helfen dabei, das HELLP-Syndrom frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

HELLP-Syndrom: Symptome

Das HELLP-Syndom kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. Für Mutter und Kind kann dieser Zustand lebensbedrohlich werden. Tritt während einer Schwangerschaft, besonders im letzten Drittel, eines der Symptome auf, sollte die Schwangere recht schnell einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen. Dort werden weitere diagnostische und therapeutische eingeleitet.

Erste Anzeichen für ein HELLP-Syndrom können sein:

  • heftige Schmerzen im rechten Oberbauch. Jede Berührung dieses Bereiches wird als sehr schmerzhaft empfunden
  • plötzlich auftretende starke Schwellungen an Armen und Beinen und im Gesicht
  • allgemeines, sehr rasch zunehmendes Krankheitsgefühl
  • Übelkeit, zum Teil mit Erbrechen, welches an eine Magen-Darm-Grippe erinnert
  • Sehstörungen
  • stark erhöhter Blutdruck (höher als 190/110 mmHg)
  • erhöhte Eiweißausscheidung im Urin

Das Schwierige beim HELLP-Syndrom ist, dass bestimmte Symptome nur leicht ausgeprägt sein oder ganz fehlen können. Außerdem klagen viele Frauen während der Schwangerschaft über Übelkeit, Erbrechen und Schwellungen an Armen oder Beinen. Sicherheit, ob ein HELLP-Syndrom vorliegt, geben nur Laboruntersuchungen. Bei einem entsprechenden Verdacht werden zur Diagnose die Leberwerte und die Gerinnungsparameter untersucht.

HELLP-Syndrom: Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung eines HELLP-Syndrom während der Schwangerschaft sind nicht bekannt. Es gibt jedoch Hinweise, dass bestehende Krankheiten im Zusammenhang mit dem HELLP-Syndrom stehen.

Risikofaktoren für eine Schwangerschaftsvergiftung

Dazu gehören unter anderem

  • chronischem Bluthochdruck
  • Hepatitis-Erkrankung
  • genetischne Einflüsse
  • Störungen im Immunsystem
  • Neigung zu Thrombose (Bildung von Blutgerinseln)

Eine weitere Theorie geht davon aus, dass ein hormonelles Ungleichgewicht zum HELPP-Syndrom führt. Bei der Blutgerinnung wirken die körpereigenen Stoffe Thromboxan A und Prostaglandin E mit.  Beide Hormone gehören zu den Prostaglandinen und sind sogenannte Gewebehormone, die im Prinzip von allen Zellen des Körpers gebildet werden können. Thromboxan A fördert die Blutgerinnung und verengt die Blutgefäße,  Prostaglandin E hingegen erweitert die Blutgefäße und hemmt die Blutgerinnung. Ist das Verhältnis der beiden Hormone gestört, so kommt es zu Veränderungen der Blutgerinnung.

Blutgerinnung massiv gestört

Als Folge davon kommt es beim HELLP-Syndrom zu Verkrampfungen der Blutgefäße, die zu Verletzungen der inneren Gefäßwand führen. Dadurch werden die Blutzellen, vor allem die roten Blutkörperchen und die Blutplättchen (Thrombozyten), geschädigt. In den Gefäßen lagert sich der Gerinnungsfaktor Fibrin ab, die Thrombozyten verklumpen. Die Zahl der funktionsfähigen Thrombozyten im Blut nimmt ab. Die Gerinnung des Blutes wird so massiv gestört. Auch die Leber wird durch die Verkrampfung der Gefäße geschädigt. Die Gefäßschädigungen führen zu Blutungen und zum Absterben von Gewebebereichen.

Das Leben der werdenden Mutter und ihrem ungeborenen Kind ist durch das HELLP-Syndrom stark gefährdet, eine schnelle und sichere Diagnose und muss folgen.

HELLP-Syndrom: Diagnose

Bei einem Verdacht auf ein HELLP-Syndrom wird die Schwangere sofort in die Klinik eingewiesen. Mit der rechtzeitigen Einweisung steht und fällt die Früherkennung eines HELLP-Syndroms.

Zur Diagnose wird die Schwangere zur Krankengeschichte  (Anamnese) befragt. Dadurch kann sich der behandelnde Arzt ein Bild über bestehende Erkrankungen wie chronischer Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Nierenerkrankung sowie eine familiäre Vorbelastung machen. Auch Risikofaktoren wie eine junge Erstgebärende, ein hohes Alter der Schwangeren, eine Mehrlingsschwangerschaft, oder eine Hormonbehandlung bei Eierstockzysten können medizinisch eine Rolle beim HELLP-Syndrom spielen.

Enge zeitliche Kontrolle der Werte

Sicherheit, ob ein HELLP-Syndrom vorliegt, geben nur Laboruntersuchungen. Bei einem entsprechenden Verdacht werden zur Diagnose die Leberwerte und die Gerinnungsparameter untersucht.

Während des stationären Aufenthalt im Krankenhaus werden eine Reihe von Untersuchungen teilweise in recht engen zeitlichen Abständen durchgeführt, um den Verlauf des HELLP-Syndroms kontrollieren zu können und bei Bedarf weitere Behandlungen einzuleiten.

Dazu gehören die Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter. Je nach Befund wird diese Sonographie täglich bis wöchentlich wiederholt.

Weitere Diagnosemethoden beim HELLP-Syndrom sind:

  • Blutdruckmessung, eventuell mit fortlaufender Aufzeichnung der Messwerte über 24 Stunden
     
  • Urinuntersuchungen: Eiweiß im 24-Stunden-Sammelurin, Kreatinin-Bestimmung; beide Werte geben Auskunft über die Nierenfunktion.
     
  • Laboruntersuchungen (ein- bis zweimal täglich): Elektrolyte (Salze wie Natrium und Kalium), Nieren- und Leberwerte, Blutbild (dabei werden die Blutkörperchen mikroskopisch untersucht), Hämatokrit (gibt Auskunft über den Anteil der roten Blutkörperchen am Blutvolumen), Harnsäure, Gerinnungsstatus (Untersuchung der Funktion des Blutgerinnungssystems)
     
  • Kontrolle der Thrombozytenzahl (Anzahl der Blutplättchen) alle zwei bis vier Stunden

Ab der 34. Schwangerschaftswoche wird außerdem dreimal täglich ein CTG (Cardiotokogramm) angefertigt. Dabei werden die Herztätigkeit des ungeborenen Kindes und die Wehentätigkeit der Schwangeren überwacht und aufgezeichnet

HELLP-Syndrom: Therapie

Die Behandlung des HELLP-Syndroms richtet sich danach, wie weit die Schwangerschaft schon fortgeschritten ist. Nach der 34. Woche wird die Geburt eingeleitet. Vor der 32. Woche wird die Entbindung so lange wie möglich hinausgezögert. Die geschieht, damit die Lungen des Kindes noch im Mutterleib ausreifen können. Gleichzeitig versucht man, durch Medikamente den Blutdruck und die Blutgerinnung bei der werdenden Mutter zu normalisieren.

Die Senkung des Blutdrucks darf nicht zu schnell erfolgen, um die Durchblutung der Plazenta nicht zu gefährden und erfolgt immer unter CTG-Kontrolle. Dabei werden in einem sogenannten Wehenschreiber (Cardiotokogramm)  gleichzeitig die Herztätigkeit des Kindes und mögliche Wehen der Mutter aufgezeichnet und überwacht.

Leben von Mutter und Kind wird überwacht

Voraussetzung für die Hinauszögerung der Entbindung ist allerdings, dass sich Blutdruck, Leberwerte und Blutgerinnungswerte stabilisieren. Mit jedem weiteren Schwangerschaftstag reifen die Lungen des ungeborenen Kindes weiter aus. Seine Überlebenschancen steigen erheblich. Eine zusätzliche Behandlung mit Kortikoiden, also Kortison oder kortisonähnlichen Medikamenten, fördert die Lungenreifung des Ungeborenen. Ein solches abwartendes Verhalten findet immer unter intensiver Überwachung statt und ist nur gerechtfertigt, wenn der Zustand der Mutter und des Kindes stabil ist und die Ärzte schnell eingreifen können.

Nur eine leichte Schwangerschaftsvergiftung: was dann?

Wenn Symptome des HELLP-Syndroms nur leicht ausgeprägt sind und sich die Labor-Werte im vertretbaren Rahmen bewegen, können die Ärzte auch abwarten. Eine nur geringe Störung der Blutgerinnung beziehungsweise ein erhöhter Blutdruck können durchaus mit Medikamenten behandelt werden, ohne dass die Geburt eingeleitet werden muss. Allerdings müssen dann die mütterlichen Blutwerte und ihr Blutdruck streng und engmaschig kontrolliert werden.

Ist die Schwangerschaft schon über die 32. bis 34. Woche hinaus, wird die Geburt eingeleitet. Nötig ist dies auch, wenn sich die  Symptome der Schwangerschaftsvergiftung verschlimmern: die Leberwerte steigen an, die Zahl der Blutplättchen sinkt unter 40.000/Mikroliter Blut,  Schmerzen im Oberbauch nehmen zu. Die Geburt kann je nach Zustand der Frau und des ungeborenen Kindes auf natürlichem Wege erfolgen oder es wird ein Kaiserschnitt durchgeführt.

HELLP-Syndrom: Vorbeugen

Heute werden bei den Vorsorge-Untersuchungen während der Schwangerschaft Körpergewicht, Blutdruck und Eiweiß im Urin routinemäßig kontrolliert. Das HELLP-Syndrom kann sich jedoch sehr schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln. Deshalb ist es wichtig, dass die Schwangere die möglichen kennt und sich von ihrem Gynäkologen aufklären lässt. Die Termine der Vorsorgeuntersuchungen sollten nicht versäumt werden, auch wenn es der werdenden Mutter gut geht.

Treten Schmerzen im Oberbauch, plötzliche und starke Schwellungen auf, sollte ein Gynäkologe den Anzeichen recht schnell auf den Grund gehen, um eine Schwangerschaftsvergiftung ausschließen oder früh erkennen zu können. Bei Verdacht auf das HELLP-Syndrom sollten die Blutwerte sofort untersucht werden. Nur Leberwerte und die Gerinnungsparameter des Blutes weisen sicher auf diese schwere Form der Präeklampsie hin.

Warnsingnal fürs HELLP-Syndrom: erhöhter Blutdruck

Ist während der Schwangerschaft der Blutdruck bereits erhöht, sollten die vom Arzt empfohlenen Maßnahmen unbedingt eingehalten werden. Dazu gehören Schonung, Vermeidung von körperlicher Belastung, eventuell Bettruhe, Verzicht auf Alkohol und Nikotin, eventuell leichte blutdrucksenkende Medikamente. Reichen diese Schritte nicht aus, um den Blutdruck zu senken oder wenigstens zu stabilisieren, muss auch über einen Aufenthalt im Krankenhaus nachgedacht werden.

Auch Mittel zur Entwässerung, eine salz- und flüssigkeitsarme Ernährung sollten Schwangere mit Blutdruckproblemen meiden. Durch den Wasserentzug wird das Blut zusätzlich eingedickt und kann noch schlechter fließen. Dadurch steigt der Blutdruck weiter an.

Angst vor einer weiteren Schwangerschaft braucht keine Frau mit einem HELLP-Syndrom haben, denn die Gefahr der Wiederholung ist mit zweieinhalb Prozent sehr gering.

Autor:
Letzte Aktualisierung:11. März 2015
Quellen: Berufsverband der Frauenärzte, Online-Information auf Frauenärzte im Netz zum HELLP-Syndrom und Präeklampsie http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_praeeklampsie-krankheitsbild_881.html#HELLP (abgerufen 01/2014) Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen: Diagnostik und Therapie, AWMF Registernummer 015 - 018, Stand 12/2013

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang