Wenn Alkohol zur Sucht wird

Alkoholismus: Wege aus der Alkoholsucht

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Alkoholismus ist die häufigste Sucht in Deutschland. Wie der Weg aus dem Teufelskreis gelingt und alles über Symptome, Ursachen und Therapie der Alkoholsucht.

Paar trinkt Rotwein
Alkoholismus ist eine Suchterkrankung, bei der Betroffene zu viel Alkohol trinken.
© iStock.com/skynesher

Alkoholismus, auch Alkoholkrankheit oder Alkoholsucht genannt, bezeichnet den schädlichen Gebrauch und die Abhängigkeit von Alkohol. Alkohol ist ein weitverbreitetes Suchtmittel: Mehr als 7,4 Millionen Deutsche konsumieren die laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Höchstmenge an Alkohol.

Je höher der Alkoholanteil im Körper ist, desto stärker zeigen sich Störungen in Koordination, Bewegungen und Sprache. Bei besonders hohen Konzentrationen kommt es zur Alkoholvergiftung mit Koma und Atemstillstand.

Artikelinhalte im Überblick:

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Ursachen von Alkoholismus

Die grundlegende Ursache für Alkoholismus ist übermäßiger Konsum von alkoholischen Getränken. Am häufigsten werden Bier, Wein, Spirituosen und Mischgetränke konsumiert. Das Risiko für Alkoholismus steigt mit zunehmendem Alkoholkonsum.

Um das Risiko der Alkoholsucht besser einordnen zu können, eignen sich die vier Konsumklassen:

  • Risikoarmer Konsum: bis 40 g (Männer), 20 g (Frauen) Reinalkohol täglich

  • Riskanter Konsum: 40-60 g (Männer), 20-40 g (Frauen) Reinalkohol täglich

  • Gefährlicher Konsum: 60-120 g (Männer), 40-80 g (Frauen) Reinalkohol täglich

  • Hochkonsum: mehr als 120 g (Männer), 80 g (Frauen) Reinalkohol täglich

In einem kleinen Glas Bier (0,33 Liter) sind etwa 13 g Alkohol enthalten, ein Glas Wein (0,2 Liter) enthält durchschnittlich 16 g Alkohol.

Vom Alkoholgenuss zum Alkoholismus

Die Grenzen zwischen Alkoholgenuss und Alkoholismus (Alkoholkrankheit) sind fließend. Großen Einfluss auf die Entstehung von Alkoholsucht haben die Trinksitten in einer Gesellschaft. Auch das Trinkverhalten innerhalb der Familie oder im Freundeskreis spielt vor allem bei Jugendlichen eine wichtige Rolle für den Umgang mit Alkohol.

Psychische Faktoren können ebenfalls zu Alkoholismus beitragen. Um Situationen und Gefühlslagen erträglicher zu machen, wird häufig Alkohol benutzt. Die daraus resultierende Konditionierung führt langfristig zur Abhängigkeit.

Auch genetische Faktoren werden als Mitverursacher der Alkoholkrankheit diskutiert. So treten Fälle von Alkoholsucht  in manchen Familien gehäuft auf. Bisher konnte jedoch lediglich die Alkoholdehydrogenase, die den Alkoholstoffwechsel kontrolliert, identifiziert werden.

Alkohol: Gesund oder ungesund?

Dr. Heart / Expertenteam

Symptome von Alkoholismus

Alkoholismus ist eine Suchterkrankung, die von typischen Suchtmerkmalen gekennzeichnet ist. Insbesondere sind dies der Zwang oder der unwiderstehliche Wunsch, Alkohol zu konsumieren, Gewöhnung an immer größere Mengen Alkohol und Entzugserscheinungen wie Zittern bei Abstinenz.

Trotz gesundheitlicher und sozialer Konsequenzen wird weiter Alkohol getrunken, andere Interessengebiete werden zugunsten des Alkoholkonsums immer mehr verringert. Das Trinkverhalten bei Alkoholsucht ist jedoch sehr unterschiedlich und lässt sich nach Jellinek in fünf Typen einteilen:

  • Alphatrinker: Alkohol wird nicht unkontrolliert, aber undiszipliniert getrunken und dient der Erleichterung von Konflikten. Eine Abhängigkeit zeigt sich nur psychisch.

  • Betatrinker: Auch hier findet kein Kontrollverlust statt, Alkohol wird aus Anpassung und Gewohnheit und zu bestimmten Anlässen konsumiert. Es besteht keine Abhängigkeit.

  • Gammatrinker: Es besteht zunächst eine psychische, später auch eine physische Abhängigkeit. Beim Trinken kommt es zu Kontrollverlust, immer größere Mengen Alkohol werden konsumiert.

  • Deltatrinker: Es besteht kein Kontrollverlust, allerdings sind Alkoholabstinenz-Phasen nicht mehr möglich. Der Alkoholrausch ist nicht besonders stark, findet aber regelmäßig statt.

  • Epsilontrinker: Alkohol wird exzessiv und dauerhaft konsumiert, es kommt zu Kontrollverlust, wochen- und monatelanger Alkoholrausch ist möglich.

Das familiäre und soziale Umfeld reagiert ebenfalls auf Alkoholsucht: Es kommt zu Isolation und Ausgrenzung und zunehmenden Konflikten. Übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich immer schädlich aus. Während des Alkoholrauschs kommt es aufgrund der Koordinationsstörungen zu erhöhter Unfallgefahr. Bei exzessivem Trinken können Organe beschädigt werden, im schlimmsten Fall droht eine Alkoholvergiftung.


Alkoholbedingte Lebererkrankung und andere Folgen

Im fortgeschrittenen Stadium der Alkoholsucht zeigen sich Symptome der Organschädigungen. Sie werden in der Regel im Rahmen einer ausführlichen körperlichen Untersuchung festgestellt.

Zu den Folgekrankheiten von Alkoholismus zählen:

Diagnose von Alkoholismus

Der Verdacht auf Alkoholismus kommt meist aufgrund der äußerlich sichtbaren Zeichen auf. Neben den Auswirkungen auf das soziale Leben und die Umwelt sind dies der typische Alkoholgeruch sowie ständige Anzeichen auf einen Alkoholrausch. Im Gespräch mit dem Arzt über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) zeigen sich zudem weitere Hinweise:

  • Hautveränderungen (Rötungen, Gefäßspinnen)
  • Händezittern (Tremor)
  • Gangunsicherheit
  • Vermehrte Schweißbildung (vor allem feuchte Hände)
  • Leistungsminderung
  • Verminderte sexuelle Lust, Impotenz

Zudem können verschiedene Fragebögen bei der Diagnose von Alkoholsucht hilfreich sein. Ein weitverbreitetes Instrument ist der CAGE-Fragebogen, der nur aus vier Fragen besteht:

  • Cut down: Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, Sie müssten weniger Alkohol trinken?

  • Annoyed: Haben Sie sich schon einmal darüber geärgert, dass andere Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?

  • Guilt feelings: Haben Sie sich schon einmal schlecht oder schuldig wegen Ihres Trinkverhaltens gefühlt?

  • Eye-opener: Brauchen Sie morgens Alkohol, um leistungsfähig zu werden, Ihre Nerven zu beruhigen oder Ihren Kater zu mindern?

Alkoholentzug: Behandlung von Alkoholismus

Es ist empfehlenswert, die Behandlung der Alkoholkrankheit mit einem Alkoholentzug zu beginnen. Die Maßnahmen können stationär oder zu Hause durchgeführt werden. Da es zunächst zu einer Entgiftung mit möglichen unerwünschten Begleiterscheinungen (Alkoholentzugssyndrom) wie Krämpfen, schweren Depressionen oder Kreislaufstörungen kommen kann, ist es ratsam, den Alkoholentzug unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen. In zahlreichen Suchtkliniken werden entsprechende Maßnahmen angeboten.

Die körperlichen Symptome des Alkoholentzugssyndroms sind in der Regel nach einigen Tagen verschwunden, während die psychischen über einen weitaus längeren Zeitraum fortbestehen. Es besteht lebenslang die Möglichkeit eines Rückfalls in den Alkoholismus.

Phase der Entwöhnung beim Alkoholentzug

Unmittelbar an den Entzug schließt sich die Entwöhnung an. In dieser Zeit gilt es, die psychische Abhängigkeit zu überwinden oder zumindest in den Griff zu bekommen. Die Entwöhnung wird häufig zunächst in einer speziellen Einrichtung und anschließend in Form einer psychotherapeutischen Begleitung im Alltag durchgeführt. Bei einem Aufenthalt in einer Klinik ist die Rückfallquote niedriger als bei der Entwöhnung zu Hause.

Um eine Alkohol-Abstinenz zu erreichen, ist es ratsam, sich eine langfristige Begleitung zu sichern. Dabei hilft eine Psychotherapie oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe. An zahlreichen Gruppen nehmen Alkoholiker und Angehörige gemeinsam teil. Die bekannteste Selbsthilfegruppe sind die Anonymen Alkoholiker (AA).

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Die Prognose von Alkoholsucht ist in hohem Maße abhängig von sozialen und psychologischen Faktoren. Vor allem ein stabiles soziales Umfeld und die Trennung vom alten "Trinkumfeld" sind wichtige Faktoren für eine gute Prognose.

Wie kann man Alkoholismus vorbeugen?

Die sicherste Vorbeugung gegen Alkoholismus ist kontrolliertes Trinken oder Abstinenz. Vor allem Jugendliche, die regelmäßig oder exzessiv Alkohol trinken, sind gefährdet. Wer trinkt, um Probleme zu vergessen oder Konflikten zu entgehen, steigert sein Risiko, an Alkoholismus zu erkranken, erheblich. Besonders, wenn innerhalb der Familie schon Menschen an der Alkoholkrankheit leiden, ist es ratsam, besonders zurückhaltend mit Alkohol umzugehen.

Mehr zum Thema Alkoholsucht von der BZgA "Kenn dein Limit"

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