Gefährliche Tochtergeschwülste

Metastasen: Wenn Krebszellen auf Wanderschaft gehen

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Metastasen sind Ableger bösartiger Tumoren, die über die Blut- oder Lymphbahn in andere Organe gelangt sind und dort gesunde Zellen schädigen. Umgangssprachlich wird oft gesagt, der Krebs habe „gestreut“. Wie Metastasen entstehen und welche Organe besonders oft betroffen sind, lesen Sie hier.

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© Getty Images/SDI Productions

Kurzübersicht: Häufige Fragen und Antworten

Was bedeutet es, wenn man Metastasen hat? Treten Metastasen auf, hat sich der Krebs von seinem Ursprungsort auf andere Teile des Körpers ausgebreitet, was die Behandlung erschwert.

Wie lange lebt man bei Metastasen? Die Lebenserwartung bei Metastasen variiert stark, ist aber meist verkürzt und hängt von der Krebsart, der Anzahl und Lage der Metastasen sowie den individuellen Umständen ab.

Was ist das Gefährliche an Metastasen? Sie sind gefährlich, weil sie in lebenswichtige Organe eindringen, deren Funktion beeinträchtigen und die Behandlung erschweren.

Sind Metastasen und Tumore das Gleiche? Nein, Tumore sind einzelne Krebsgeschwülste, während Metastasen Tochtergeschwülste sind, die sich vom Tumor auf andere Körperregionen ausbreiten.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was sind Metastasen?

Krebszellen neigen dazu, sich aus ihrem Zellverband zu lösen und über Blut- und Lymphgefäße auf Wanderschaft zu gehen. Sie gelangen so in andere Organe, vermehren sich dort und bilden gleichartige Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen. Dieser Prozess, der als Metastasierung bezeichnet wird, ist ein Kennzeichen bösartiger Krebserkrankungen.

Das Tückische ist, dass Metastasen zunächst keine körperlichen Symptome verursachen. Dennoch schädigen sie das gesunde Gewebe an ihrem neuen Standort und begünstigen so das Fortschreiten der Krebserkrankung.

Warum manche Krebszellen den Ursprungstumor (Primärtumor) verlassen und wann sie beginnen, sich auszubreiten, ist bis heute nur zum Teil geklärt.

Wie entstehen Metastasen?

Normalerweise bleiben gesunde Zellen im Körper an ihrem vorgesehenen Ort. Bei Krebszellen ist das anders. Sie können ihre Eigenschaften verändern und auf Wanderschaft gehen. Dazu ändern sie ihre Struktur, lösen sich vom ursprünglichen Gewebeverband und trennen die Verbindungen zu den Nachbarzellen. Anschließend wandern die Krebszellen in nahe gelegene Blut- oder Lymphgefäße.

Dort schützen sie sich unter anderem vor dem Immunsystem, indem sie sich mit Blutplättchen umgeben. Um aus der Blutbahn in neues Gewebe zu gelangen, locken sie Immunzellen an, die die Gefäßwände durchlässiger machen. Im neuen Gewebe passen sich die Krebszellen an die neuen Bedingungen an. Sie ändern erneut ihre Eigenschaften, um sich wieder teilen und einen Gewebeverband bilden zu können. Für ihr Wachstum benötigen die Krebszellen eine stabile Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Daher regen sie die Bildung neuer Blutgefäße an, um dies sicherzustellen.

Ob und wie schnell sich Metastasen bilden, ist unterschiedlich und kann von der Krebsart abhängen. Sie können gar nicht oder erst in einer späten Krankheitsphase entstehen. Bei manchen Krebserkrankungen kann die Metastasierung auch parallel zur Krebsentwicklung geschehen. Aber auch Jahre nach einer überstandenen Krebserkrankung können sich noch Metastasen entwickeln.

Welche Art von Metastasen gibt es und wo entstehen sie?

Je nach Entstehungsort werden Metastasen in drei Gruppen eingeteilt:

  • Lokale Metastasen: Sie entstehen in direkter Nähe zum ursprünglichen Tumor.

  • Lymphknotenmetastasen: Sie werden auch als regionäre Metastasen bezeichnet und entstehen, wenn Tumorzellen in die umliegenden Lymphknoten gelangen und sich dort Tochtergeschwülste bilden.

  • Fernmetastasen: Sie entstehen, wenn Krebszellen in weiter entferntes Gewebe gelangen und sich dort ansiedeln. Bei Darmkrebs bilden sich zum Beispiel häufig Metastasen in der Leber und der Lunge.

Grundsätzlich können Tumoren in alle Gewebe streuen. Bei vielen Krebserkrankungen gibt es allerdings Organe und Regionen, in denen Tumore bevorzugt Absiedlungen bilden. Die häufigsten Zielorgane sind Lunge, Leber, Knochen und Gehirn. Das liegt daran, dass diese Organe gut durchblutet sind und eine geeignete Umgebung für das Wachstum von Tumorzellen bieten. Je nach Krebserkrankung gibt es meist unterschiedliche Zielorgane für die Metastasenbildung.

  • Brustkrebs: benachbarte Lymphknoten, Knochen, Lunge, Leber, Haut, Gehirn
  • Darmkrebs: Leber, Lunge, Bauchfell
  • Prostatakrebs: benachbarte Lymphknoten, Knochen
  • Lungenkrebs: Gehirn, Knochen, Leber, Nebennieren

Wohin Tumoren metastasieren, ist auch abhängig von der Art des Transportweges. Zellen können wie folgt wandern:

  • Über die Lymphe (lymphogen): Metastasen lassen sich dann meist in nahe gelegenen Lymphknoten lokalisieren. Die Zellen können aber auch weiter ins Blut und andere Organe gelangen, da das Lymphsystem über die großen Venen mit der Blutbahn verbunden ist.

  • Über das Blut (hämatogen): Krebszellen gelangen über die tumorversorgenden Blutgefäße in die Blutbahn und bilden dann meist in nahen Organen Tochtergeschwülste. Das vom Darm kommende Blut fließt meist zuerst in die Leber, weshalb bei Darmkrebs häufig in der Leber Metastasen gefunden werden.

  • Über eine Körperhöhle (kavitär): Tumore im Bauchraum streuen oft auch in benachbarte Regionen wie das Bauchfell, ohne in die Blut- oder Lymphbahn zu gelangen.

Symptome von Metastasen

Metastasen entwickeln sich unbemerkt und verursachen lange keine Beschwerden. Manchmal sind die Beschwerden auch so uncharakteristisch, dass sie von Betroffenen als harmlos eingestuft werden. Treten Symptome auf, variieren diese stark je nach dem betroffenen Organ und dem Ausmaß der Metastasenbildung. Mögliche Symptome der verschiedenen Metastasen:

Lebermetastasen:

Hirnmetastasen:

  • Starke und anhaltende Kopfschmerzen
  • Neurologische Symptome wie Lähmungen in bestimmten Körperteilen, Sprachstörungen, Sehstörungen
  • Veränderungen in der Persönlichkeit oder im Verhalten
  • Krampfanfälle
  • Müdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen

Lungenmetastasen:

Knochenmetastasen:

  • Starke Knochenschmerzen
  • Erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche
  • Neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Empfindungsstörungen, vor allem bei Metastasen in der Wirbelsäule

Diagnose: Wie Metastasen erkannt werden

Ob bei Betroffenen nach Metastasen gesucht wird, hängt vom Stadium der Erkrankung und der Art des diagnostizierten Krebses ab. Veränderungen der Blutwerte oder plötzlich auftretende Beschwerden können Anlass sein, gezielt nach Metastasen zu suchen. Dazu eignen sich vor allem bildgebende Verfahren wie:

Je nach betroffenem Organ werden unterschiedliche Untersuchungsmethoden eingesetzt. Bei Verdacht auf Metastasen an der Leber wird häufig ein Ultraschall durchgeführt, während bei Hirnmetastasen die Computertomographie oder die Magnetresonanztomographie empfohlen werden. Ziel aller Untersuchungen ist es, festzustellen, ob und wie viele Metastasen sich in einem bestimmten Organ gebildet haben, wie groß sie sind, wo sie genau liegen und ob es weitere Metastasen außerhalb des betroffenen Organs gibt.

Therapie: Sind Metastasen heilbar?

Treten Metastasen auf, ist der Krebs häufig schon fortgeschritten. Meistens gibt es bei der Behandlung dann kein Standardverfahren. Der*die behandelnde Onkologe*Onkologin stimmt die Therapie in so einem Fall individuell mit dem*der betroffenen Patienten*Patientin ab. Grundsätzlich gibt es bei Metastasen verschiedene Therapieverfahren, die zur Verfügung stehen. In der Regel werden sie ähnlich wie der Primärtumor selbst behandelt, mit:

  • Systemischen Therapien wie Chemotherapie
  • Bestrahlung
  • Immuntherapie
  • Operation

Am häufigsten kommen sogenannte systemische Therapien zum Einsatz. Dazu zählen Chemotherapie, Hormontherapie, Immuntherapie oder Behandlungen mit zielgerichteten Medikamenten. Diese Therapien wirken im gesamten Körper und können alle Metastasen gleichzeitig bekämpfen.

Wenige oder einzelne Metastasen können durch Operation oder Bestrahlung behandelt werden. Auch mit lokalen Verfahren wie etwa mit großer Hitze (Thermoablation) oder extremer Kälte (Kryotherapie) lassen sich einzelne Metastasen zerstören.

Ist eine Heilung nicht mehr möglich, wird eine palliative Therapie angewendet. Diese zielt darauf ab, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und Symptome mit Medikamenten zu lindern, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Prognose: Was bedeuten Metastasen für Betroffene?

Treten Lymphknotenmetastasen in der direkten Umgebung des Primärtumors auf, ist das nicht zwingend ein Hinweis für eine fortgeschrittene Erkrankung. Dies kann bei vielen Krebserkrankungen geschehen und wird als Lymphknotenbefall bezeichnet. In vielen Fällen ist der Krebs dann noch heilbar.

Fernmetastasen sind hingegen ein Zeichen, dass die Krebserkrankung bereits fortgeschritten ist. Die Behandlung wird dadurch deutlich komplexer. Während ein primärer Tumor gezielt durch Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie behandelt werden kann, erfordert die Behandlung von Metastasen eine umfassendere Herangehensweise, die oftmals eine Kombination aus verschiedenen Therapien beinhaltet. Ob die Erkrankung dadurch aufgehalten werden kann, ist oft ungewiss.

Metastasen verschlechtern in der Regel die Prognose und verringern die Überlebenschancen der Betroffenen. Das gilt besonders, wenn mehrere Organe befallen sind oder Metastasen so ungünstig liegen, dass sie nicht behandelt werden können. Nebenwirkungen der Therapie und die körperliche Belastung durch die Krankheit schwächen den Körper zusätzlich und können den Allgemeinzustand beeinträchtigen. Dennoch können moderne Therapien das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. In vielen Fällen liegt der Fokus deshalb darauf, mit der Behandlung Symptome zu lindern und den Betroffenen so viel Lebenszeit wie möglich zu schenken.

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