Virusinfektion

Zytomegalie: gefährliche Infektion in der Schwangerschaft

Eine Infektion mit dem Zytomegalievirus (CMV) während der Schwangerschaft ist für das Ungeborene lebensbedrohlich. Wer sonst noch gefährdet ist, welche Symptome auf Zytomegalie hindeuten und wie eine Ansteckung vermieden werden kann

Schwangere Frau mit Zytomegalie
Manchmal zeigt sich eine Zytomegalie in der Schwangerschaft mit grippeähnlichen Symptomen.
© iStock.com/vadimguzhva

Zytomegalie ist eigentlich eine harmlose Infektionskrankheit. Bei Kindern und Erwachsenen mit einem intakten Immunsystem verläuft sie meist symptomlos. Während der Schwangerschaft kann eine Infektion mit dem Zytomegalievirus allerdings sehr gefährlich für das ungeborene Baby werden. Auch bei immungeschwächten Personen ist ein lebensbedrohlicher Verlauf möglich. Alles über Symptome, Behandlung und wie sich eine Infektion mit dem Zytomegalievirus vermeiden lässt.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist Zytomegalie?

Zytomegalie (auch Cytomegalie, früher Einschlusskörperchenkrankheit) ist die häufigste Infektionskrankheit bei ungeborenen und neugeborenen Babys. Sie gilt als Hauptursache für nicht vererbte Schädigungen wie geistige Behinderung oder Hörstörungen.

Gefährdet sind bei einer Ansteckung mit dem Zytomegalievirus nicht nur Ungeborene und Babys, sondern auch Personen, deren Immunsystem stark geschwächt ist, etwa HIV-Infizierte oder Transplantationspatienten. Bei ihnen kann eine Infektion zu schweren Komplikationen wie einer Gehirn- oder Lungenentzündung führen.

Für gesunde, immunkompetente Menschen ist eine Infektion mit dem Zytomegalievirus ungefährlich. In den allermeisten Fällen treten bei diesen höchstens leichte grippeähnliche Symptome auf.

Ursache und Ansteckungswege bei Zytomegalie

Ausgelöst wird die Krankheit durch das Zytomegalievirus (kurz CMV). In der Medizin wird auch die Abkürzung HCMV für Humanes Zytomegalievirus verwendet. CMV gehört zur Familie der humanen Herpesviren (HHV-5) und verbleibt wie alle Herpesviren nach erfolgter Ansteckung lebenslang im Körper. Dadurch kann das Virus jederzeit reaktiviert werden und zu einem erneuten Ausbruch der Krankheit führen. Auch wenn ein Zytomegalieausbruch meist symptomlos bleibt, wird der Infizierte zum Virusausscheider und ist für andere Menschen potenziell ansteckend. Das humane Zytomegalievirus ist weltweit stark verbreitet. Etwa 90 Prozent aller Menschen tragen es in sich.

Ansteckung über alle Körperflüssigkeiten möglich

Eine Ansteckung kann über nahezu alle Körperflüssigkeiten erfolgen: Blut, Speichel, Tränenflüssigkeit, Muttermilch, Urin und auch das Sperma von Erkrankten sind infektiös. Allerdings muss der Kontakt relativ eng sein. Entsprechend kann das Virus durch Geschlechtsverkehr, Bluttransfusionen oder durch Küssen und Schmusen mit dem eigenen Kind oder beim Stillen des Babys übertragen werden. Außerdem ist das Virus plazentagängig, das heißt, es kann während der Schwangerschaft von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden.

Lange Inkubationszeit

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) liegt bei Zytomegalie zwischen drei und zwölf Wochen, meistens treten die ersten Symptome nach vier bis sechs Wochen auf.

Zytomegalie in der Schwangerschaft

Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts von 2014 hat ergeben, dass nur 47 Prozent aller schwangeren Frauen Antikörper gegen das Zytomegalievirus vorweisen. Für diese Frauen und ihre Kinder hat eine Reaktivierung des Virus normalerweise keine Folgen. Kommt es während einer Schwangerschaft allerdings zur Erstinfektion, ist das für das Ungeborene potenziell lebensbedrohlich.

Besonders gefährlich ist eine Infektion während des ersten Schwangerschaftsdrittels (Trimesters). Dann kann es zu schweren Schäden bis hin zum Absterben des Fetus und zum Schwangerschaftsabort kommen. Allerdings liegt in dieser Zeit die Wahrscheinlichkeit der Übertragung auf den Fetus nur bei etwa 30 bis 40 Prozent. Mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft wird die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung des Kindes zwar höher, dafür ist das Risiko für Schäden deutlich geringer. Experten gehen davon aus, dass von 1.000 Schwangerschaften etwa ein bis zwei Kinder bleibende Schäden aufgrund einer CMV-Infektion haben.

CMV-Infektion durch Stillen

Bei Frauen, die bereits einmal eine Zytomegalieinfektion durchgemacht haben, ist das Virus zu 95 Prozent in der Muttermilch nachweisbar und kann beim Stillen auf das Kind übertragen werden.

Gefährdet sind vor allem Frühgeborene, insbesondere, wenn sie vor der 33. Schwangerschaftswoche oder mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm geboren wurden. Bei ihnen können als Komplikationen eine Leberentzündung (Hepatitis), eine Lungenentzündung (Pneumonie) oder Einblutungen in die Haut (Petechien) auftreten. Bei unreifen Frühchen muss die Muttermilch deshalb vorsorglich pasteurisiert werden, um Krankheitsviren abzutöten.

Für reife, gesunde Neugeborene ist eine Infektion mit dem Zytomegalievirus normalerweise keine Gefahr. Eine Infektion mit CMV verläuft bei ihnen fast immer symptom- und komplikationslos.

Zytomegalie bei Immunsuppression

Eine Immunsuppression ist eine Schwächung oder Unterdrückung der Abwehrkräfte, beispielsweise verursacht durch eine angeborene oder erworbene Abwehrschwäche, etwa bei HIV-Infektionen. Auch bei Patienten, die eine Organtransplantation oder Knochenmarkspende bekommen, muss das eigene Immunsystem unterdrückt werden, um ein Abstoßen des Fremdorgans zu verhindern. Sowohl eine Erstinfektion wie auch eine Reaktivierung des Zytomegalievirus sind für diese Personen extrem gefährlich.

Symptome einer HIV-Infektion

Symptome bei Zytomegalie

Eine Infektion mit dem Zytomegalievirus verläuft bei etwa 90 Prozent der Betroffenen asymptomatisch, also ohne typische Symptome. Die restlichen zehn Prozent zeigen unspezifische, grippeähnliche Symptome wie:

Differentialdiagnostisch ist an einen grippalen Infekt oder an infektiöse Mononukleose zu denken.


Symptome in der Schwangerschaft

Auch die meisten Schwangeren mit einem intakten Immunsystem zeigen keine Symptome oder nur sehr geringe Beschwerden. Bei etwa einem Fünftel der Schwangeren treten die genannten grippeähnlichen Anzeichen auf. Bei Verdacht auf eine Erstinfektion in der Schwangerschaft, beispielsweise wenn die Schwangere unter Husten leidet, wird ein CMV-Test empfohlen.

Symptome bei abwehrgeschwächten Personen

Menschen ohne intaktes Immunsystem erkranken an einer CMV-Infektion häufig schwer. Die Krankheit zeigt sich bei ihnen unter anderem mit diesen Symptomen:

Häufig kommt es bei ihnen dabei auch zu schweren Komplikationen wie:

Diagnose: Zytomegalie durch Antikörperbestimmung

Bei Verdacht auf eine Ansteckung mit CMV wird eine Antikörperbestimmung herangezogen, um die Infektion zu bestätigen. Bei Schwangeren werden die Antikörper im Serum (Blut) erhoben. Beim ungeborenen Kind kann der Test durch eine Bestimmung der Antikörper im Fruchtwasser erfolgen. Ansonsten können auch Gewebezellen im Harn zur Diagnose herangezogen werden, beispielsweise bei Säuglingen. Dort zeigen sich dann die typischen Einschlusskörperchen, auch Eulenaugenzellen genannt.

CMV-Test bei Schwangeren

Schwangere mit unsicherem Immunstatus können vor einer geplanten Schwangerschaft oder nach Feststellen der Schwangerschaft einen Test auf Zytomegalie durchführen. Allerdings gehört dieser Test nicht zu den normalen Leistungen der Mutterschaftsvorsorge und wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Die Kosten liegen bei etwa 15 Euro.

Was sagt der CMV-Test aus?

Ergibt der Test, dass die Schwangere über keine Antikörper verfügt, sollte sie über mögliche Hygienepräventivmaßnahmen aufgeklärt werden, insbesondere dann, wenn sie zu Kleinkindern unter drei Jahren Kontakt hat. Eine vorsorgliche antivirale Therapie ist nicht sinnvoll.

Deutet der CMV-Test auf eine kürzlich erfolgte Neuinfektion hin, sollte die Entwicklung des Ungeborenen per Ultraschall besonders sorgfältig überwacht werden und eventuell eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) erfolgen.

Therapie und Prophylaxe bei Zytomegalie

Bei Kindern und Erwachsenen mit einem gesunden Immunsystem wird eine CMV-Infektion nicht behandelt. Bei immungeschwächten Personen hat sich bei gefährlichen Virusinfektionen die Behandlung oder gegebenenfalls auch vorsorgliche Gabe (Prophylaxe) mit antiviralen Medikamenten, sogenannten Virostatika, bewährt. Sie senken die Viruslast, indem sie eine Vermehrung der Viren im Körper hemmen. Antibiotika sind hingegen bei viralen Infektionen vollkommen unwirksam.

Was tun bei Zytomegalieinfektion in der Schwangerschaft?

Wurde eine Erstinfektion mit CMV in der Schwangerschaft nachgewiesen, wird die Möglichkeit einer Therapie mit Virostatika erwogen. Allerdings ist diese Behandlung nur empfehlenswert, wenn auch eine Infektion des Babys diagnostiziert wurde, da die Wirkstoffe starke Nebenwirkungen haben können. Die gleiche Therapie kann auch bei einer Infektion des Babys während der Geburt oder kurz danach erfolgen. Virostatika gelten in diesen Fällen aber als "Off-Label-Behandlungen": Sie sind von Krankenkassen nicht zugelassen und müssen selbst bezahlt werden. Sie sollten außerdem nur nach strengster Indikation eingesetzt werden.

Zytomegaliebehandlung bei immunsuppressiven Personen

Im Falle einer akuten CMV-Infektion werden Virostatika bei immungeschwächten Personen hochdosiert über mindestens drei Wochen und bei Bedarf auch länger verabreicht. Manchmal ist auch eine lebenslange Behandlung mit niedrig dosierten antiviralen Medikamenten nötig.

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Zytomegalie: Verlauf, Komplikationen und Prognose

In den meisten Fällen verläuft eine Infektion mit CMV sowohl bei kleinen Kindern wie auch bei Erwachsenen völlig harmlos. Komplikationen treten überwiegend bei Ungeborenen oder Neugeborenen auf, die noch keinen Immunschutz haben, oder bei Personen, deren Immunschutz herabgesetzt oder gar nicht vorhanden ist.

Komplikationen bei CMV-Infektion in der Schwangerschaft

Die überwiegende Mehrheit der Kinder, die sich im Mutterleib infiziert haben, kommt gesund auf die Welt. Nur etwa zehn Prozent zeigen bei der Geburt Symptome wie:

  • Mangelgeburt, Unreife des Kindes

  • Störungen am zentralen Nervensystem, Hydrozephalus ("Wasserkopf"), verkleinerter Schädelumfang, Verkalkungen des Gehirns

  • verzögerte geistige Entwicklung

  • Entzündungen des Auges, Netzhautentzündung (Retinitis)

  • Lungenentzündung (Pneumonie)

  • Leberentzündung (Hepatitis), Gelbsucht (Ikterus), Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie)

  • Anämie

Mögliche Spätfolgen einer CMV-Infektion

Sprachverzögerungen, kognitive Störungen oder Probleme mit dem Gehör zeigen sich bei Kindern häufig erst mit dem Schuleintritt. Dann werden sie aber selten als mögliche Spätfolgen einer vorgeburtlichen CMV-Infektion erkannt. Mögliche Folgen sind:

  • Hörschäden bis hin zur Taubheit
  • Sehschäden bis hin zum Erblinden
  • psychomotorische Retardierung
  • verzögertes Wachstum
  • Lernschwierigkeiten (Intelligenzdefizite)
  • Zahndefekte

Die häufigste Komplikation ist eine Hörschädigung. Deshalb sollte bei bekannter vorgeburtlicher CMV-Infektion das Gehör des Kindes regelmäßig getestet werden.

Zytomegalie vorbeugen: Ansteckung vermeiden

Bisher gibt es keine wirksame Impfung gegen CMV. Schwangere und andere gefährdete Personen können die Ansteckungsgefahr durch einfache Hygieneregeln deutlich verringern. Wichtig sind diese Regeln insbesondere im Umgang mit Kleinkindern, da hier unbemerkt große Mengen an Viren über Speichel oder Urin übertragen werden können.

Hygieneregeln für Schwangere zur Vermeidung einer CMV-Infektion

  • Kleinkinder (auch die eigenen) möglichst nicht auf den Mund küssen

  • Schnuller nicht in den Mund nehmen oder ablecken

  • Essensreste von Kleinkindern nicht verzehren

  • Keine gebrauchten Gläser, Tassen oder Besteck von Kindern benutzen

  • Nach dem Windelwechseln, Füttern, Naseputzen oder Berühren von stark eingespeicheltem Spielzeug die Hände waschen

Händewaschen mit warmem Wasser und Seife

Das Zytomegalievirus ist nicht besonders resistent. Normales Händewaschen oder auch das Reinigen von Flächen mit warmem Wasser und Seife ist ausreichend. Eine gesonderte Desinfektion muss nicht erfolgen.

Beschäftigungsverbot für Schwangere

Für Schwangere, die noch keine CMV-Infektion durchgemacht haben, gilt ein Beschäftigungsverbot in Betreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren. Das betrifft vor allem Erzieherinnen in Kinderkrippen, Kitas und Kindergärten. Auch bei älteren, beispielsweise behinderten Kindern sollten Schwangere nicht die Windeln wechseln oder den Toilettengang betreuen.

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