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Adipositas: Wie gefährlich ist starkes Übergewicht?

Adipositas (Fettleibigkeit) betrifft ein Viertel aller Erwachsenen in Deutschland und kann mit schweren körperlichen und psychischen Erkrankungen einhergehen. Was unterscheidet Übergewicht und Adipositas? Welche gesundheitlichen Folgen haben die Extrakilos? Und wie lassen sie sich erfolgreich bekämpfen?

adipositas
An Gewicht und Größe, also am BMI, lässt sich feststellen, ob jemand Übergewicht hat.
© iStock.com/MicrovOne

Adipositas (Fettleibigkeit) ist eine chronische Gesundheitsstörung, die sich in einer ausgeprägten Körperfettvermehrung äußert und verschiedene Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herzkranzgefäßverkalkungen, Depressionen und bestimmte Krebsarten begünstigen kann. Starkes Übergewicht ist aufgrund seiner Folgeerkrankungen weltweit eine der häufigsten Todesursachen: Studien zufolge gehen etwa vier Millionen Sterbefälle pro Jahr auf Adipositas zurück.

Wie lassen sich Adipositas und Übergewicht berechnen?

Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten Menschen als adipös, die einen Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 haben. Der BMI ist der Quotient aus Gewicht und Körpergröße zum Quadrat (kg/m²):

Rechenbeispiel: Der BMI eines 1,70 Meter großen Menschen, der 90 Kilogramm wiegt, beträgt 31,1 kg/m². 

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      90 kg

---------------------- = 31,1 kg/m²

1,70 m x 1,70 m

Adipositas ist weltweit ein zunehmendes Problem. Laut einer 2017 im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie, für die Daten von fast 68 Millionen Kindern und Erwachsenen zwischen 1980 und 2015 analysiert wurden, hat sich der Anteil adipöser Menschen an der Weltbevölkerung in mehr als 70 Ländern verdoppelt. Die am stärksten von Adipositas betroffene Nation sind die USA.

In Deutschland haben etwa 24 Prozent der Erwachsenen einen BMI von 30 und höher. Bei Kindern und Jugendlichen liegt der Anteil bei rund sechs Prozent. Das Risiko für Übergewicht und Adipositas steigt mit zunehmendem Lebensalter.

Adipositas wird in Schweregrade unterteilt. Präadipositas ist eine Vorstufe, morbide Adipositas (auch Adipositas permagna, Adipositas Grad 3 oder krankhaftes Übergewicht genannt) geht per Definition mit einem BMI von 40 oder mehr einher. Leiden Betroffene unter chronischen Begleiterkrankungen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder Atemaussetzern im Schlaf, so wird bereits ein BMI ab 35 als morbide bezeichnet.

Kategorie

Body-Mass-Index

(BMI)

Risiko für

Begleiterkrankungen

Untergewicht < 18,5 niedrig
Normalgewicht 18,5 - 24,9 durchschnittlich

Übergewicht:

Präadipositas

Adipositas Grad 1

Adipositas Grad 2

Adipositas Grad 3

≥ 25,0

25,0 -29,9

30,0 - 34,9

35,0-39,9

≥ 40

 

gering erhöht

erhöht

hoch

sehr hoch

Der BMI ist nur ein Richtwert, der Faktoren wie Geschlecht, Alter, Ethnie, Gesundheits- und Trainingszustand sowie Statur eines Menschen nicht berücksichtigt. Beispielsweise haben Personen mit Fettpolstern im Bauchbereich (Apfeltyp) ein höheres Risiko für Herzkreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen als Menschen mit Übergewicht an Hüften, Schenkeln und Po (Birnentyp). Als kritische Grenzen beim Taillenumfang gelten 102 Zentimeter bei Männern und 88 Zentimeter bei Frauen. Mediziner verwenden als Maß das Taille-Hüfte-Verhältnis (Waist-to-Hip-Ratio, WHR), das bei Frauen unter 0,8 und bei Männern unter 0,9 liegen sollte.

Gesonderte Berechnungsgrundlagen existieren für Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen, weil diese sich noch im Wachstum befinden: Hier werden die Werte für Körpergröße und Gewicht in eine Wachstumskurve eingetragen, die auch Alter und Geschlecht berücksichtigt.

Um das individuelle Gesundheitsrisiko eines adipösen Menschen einschätzen zu können, sind verschiedene medizinische Untersuchungen notwendig.

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Ursachen: Was kann Übergewicht und Adipositas auslösen?

Jeder Mensch hat einen individuellen Grundumsatz. So wird der Energiebedarf des Körpers im Ruhezustand bezeichnet, der unter anderem von Gewicht, Muskeldichte und Stoffwechselaktivität abhängig ist. Allgemein werden Übergewicht und Adipositas durch eine Dysbalance von Energiezufuhr und -verbrauch verursacht: Wenn der Körper langfristig mehr Energie (Kalorien) aufnimmt, als er umsetzt, kann sich verstärkt Körperfett bilden.

Die Ursachen für Übergewicht und Adipositas sind vielfältig. Als besondere Risikofaktoren gelten unter anderem:

  • Genetische Ursachen (familiäre Veranlagung): Kinder mit stark übergewichtigen Eltern haben ein deutlich erhöhtes Adipositas-Risiko. Zwillingsstudien legen nahe, dass die Anfälligkeit für Fettleibigkeit in 40 bis 70 Prozent aller Fälle genetisch bedingt ist. Insgesamt sind heute circa 100 Gene identifiziert, die einen Einfluss auf den BMI haben. Kinder neigen eher zu Adipositas, wenn sie ein sehr niedriges oder sehr hohes Geburtsgewicht hatten oder ihre Mutter in der Schwangerschaft stark zugenommen hat.

  • Ungesunde Ernährung: Eine unausgewogene, zucker- und fettreiche Kost kann auf Dauer zu Gewichtsproblemen führen. Auch der hohe Konsum zuckerhaltiger Getränke wird mit einem erhöhten Adipositasrisiko in Verbindung gebracht.

  • Bewegungsmangel: Eine sitzende Tätigkeit, bewegungsarme Freizeitaktivitäten sowie Verletzungen, Krankheiten oder Behinderungen, die die Motorik einschränken, reduzieren den Grundumsatz.

  • Zu wenig Schlaf: Studien zeigen, dass bereits eine schlaflose Nacht eine ungünstige Umstellung des Energiestoff­wechsels zufolge haben können. Schlafmangel führt in den Muskelzellen zu einem reduzierten Glukose- und einem erhöhten Proteinverbrauch.

  • Stress: Die Ausschüttung von Cortisol führt zu verstärktem Appetit.

  • Sozialer Status: Mangelnde Bildung und ein niedriges Einkommen sind Studien zufolge eine Barriere für Präventionsmaßnahmen gegen Übergewicht.

  • Stimmungsschwankungen und Depressionen: Psychische Probleme gehen oft mit einer verstärkten Nahrungsaufnahme zur Stimmungsregulierung und mangelnder Bewegung einher. Oft wird Menschen mit Fettleibigkeit unterstellt, sie seien willensschwach und faul. Solch eine Stigmatisierung kann zu depressiven und anderen psychosomatischen Störungen führen, die wiederum oft mit einer vermehrten Nahrungsaufnahme reguliert werden. Es besteht die Gefahr einer Abwärtsspirale.

  • Essstörungen: Eine Störung des Essverhaltens (beispielsweise regelmäßige Essattacken oder nächtliches Essen) kann langfristig zu starkem Übergewicht führen.

  • Ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln: Es ist evolutionär im Menschen angelegt, sich Reserven anzulegen – also zu essen, wenn Nahrung vorhanden ist. Ein immer verfügbares Angebot an Essen kann so zum Problem werden.

  • Arzneimittel: Die Einnahme verschiedener Medikamente, zum Beispiel Antiepileptika, Antidepressiva, Antidiabetika, Betablocker, Glukokortikoide, Neuroleptika und hormonelle Verhütungsmittel, kann aus unterschiedlichen Gründen eine Gewichtszunahme mit sich bringen.

  • Stoffwechselstörungen: Schilddrüsenerkrankungen (zum Beispiel eine Unterfunktion) oder andere Störungen des Stoffwechsels (etwa ein erhöhter Cortisolspiegel), sind ebenfalls mögliche Auslöser von Fettleibigkeit.

  • Schwangerschaft: Eine Schwangerschaft kann die Ess- und Bewegungsgewohnheiten durcheinanderbringen. Frauen, die während einer Schwangerschaft übermäßig zunehmen, haben nach der Geburt eher Probleme damit, abzunehmen.

  • Rauchentwöhnung: Nikotin erhöht den Grundumsatz des Stoffwechsels um etwa 200 Kilokalorien täglich und hemmt den Appetit. Nach dem Rauchstopp normalisiert sich der Stoffwechsel, weshalb es oft zur leichten Gewichtszunahme kommt. Problematisch ist es, wenn Süßigkeiten, Softdrinks und Snacks zur Ersatzbefriedigung werden.

Symptome: Mit welchen Folgeerkrankungen geht Adipositas einher?

Bislang ist Adipositas im deutschen Gesundheitssystem nicht als eigenständige Erkrankung anerkannt. Fest steht aber, dass Menschen mit einem BMI von 30 oder höher eine geringere Lebenserwartung haben als Normalgewichtige: Statistisch kann ein BMI von 30 bis 35 das Leben um bis zu vier Jahre verkürzen, bei einem BMI von 40 bis 45 sind es bis zu zehn Jahre. Mit steigendem Körpergewicht wächst das Risiko für teilweise gefährliche Begleit- oder Folgeerkrankungen, die oft schleichend beginnen.

Häufig kommen Störungen des Stoffwechsels vor, die die Wirkung von Insulin im Körper schwächen (Insulinresistenz) und damit Typ-2-Diabetes auslösen können. Auch Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Arterienverkalkung, Fettleber, Fettstoffwechselstörungen und Schlafapnoe (Atemaussetzer) können Folgen von Adipositas sein. Diese wiederum sind oft Auslöser für Schlaganfälle, Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Mit Adipositas in Verbindung gebracht werden zudem Hormonstörungen, Unfruchtbarkeit, chronische Entzündungen, bestimmte Krebsarten (zum Beispiel Tumoren der Gebärmutterschleimhaut, der Gallenblase und der Nieren), Demenz, Gicht, Blutgerinnungsstörungen sowie Erkrankungen des Verdauungstraktes, der Nieren, der Blase und des Bewegungsapparates (beispielsweise Arthrose).

Das Unfall- und Operationsrisiko ist bei Menschen mit Adipositas ebenfalls deutlich erhöht. Viele Betroffene empfinden ihr Gewicht als starke Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität und entwickeln psychosomatische Störungen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Erster Ansprechpartner bei Adipositas ist der Hausarzt. Er prüft nicht nur den allgemeinen Gesundheitszustand, bestimmt den BMI und gegebenenfalls Hüft- und Taillenumfang, sondern veranlasst meist auch eine Blut- und Urinprobe, um relevante Laborwerte bestimmen zu können.

Zur Anamnese gehört das Abfragen von Krankheitsgeschichte und Lebensstil. Wichtig sind Gewichtsverlauf, Diätversuche, familiäre Vorbelastungen, Risiken für Begleiterkrankungen (beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems), Bewegungspensum, Ernährungsgewohnheiten, familiäres und berufliches Umfeld und psychisches Befinden.

Elektrokardiographie (EKG, Messung der Herzstromkurve), Ergometrie (Belastungs-EKG), Echokardiografie (Ultraschalluntersuchung des Herzens), Langzeit-Blutdruckmessung, Oberbauchsonografie (Ultraschall) und Schlafapnoe-Screening (bei dem nach nächtlichen Atemaussetzern gefahndet wird) können ebenfalls wichtige Untersuchungen sein. Bei Bedarf überweist der Hausarzt an die zuständigen Fachärzte oder empfiehlt eine Ernährungs-Ambulanz beziehungsweise eine Adipositas-Klinik.

Therapie: Was tun bei Adipositas?

Als medizinisch behandlungsbedürftig gilt Übergewicht ab Adipositas Grad 1. Liegen chronische Erkrankungen, andere körperliche Begleiterscheinungen und Risiken oder ein starker Leidensdruck vor, so kann eine Therapie auch schon bei einer Präadipositas notwendig sein.

Behandlungsziel ist eine langsame Gewichtsreduktion (keine Radikaldiät) mit anschließender Stabilisierung des Idealgewichts. Frisch diagnostizierte Typ-2-Diabetiker erreichen oft allein durch Abbau des Übergewichts wieder normale Blutzuckerwerte.

Wichtig ist eine realistische, auf eventuelle Begleiterkrankungen abgestimmte Zielsetzung des Abnehmprogramms. Als Faustregel für die Höhe der Gewichtsreduktion innerhalb eines Zeitraumes von sechs bis zwölf Monaten gelten folgende Empfehlungen:

  • BMI 25 bis 35 kg/m²: mehr als fünf Prozent des Ausgangsgewichts
  • BMI > 35 kg/m²: mehr als zehn Prozent des Ausgangsgewichts

Während einer Schwangerschaft und bei Suchtproblemen darf keine Adipositastherapie gestartet werden.

Basistherapie bei Adipositas: Was gehört dazu?

Eine konservative Therapie gegen Adipositas stützt sich auf drei Komponenten, die miteinander kombiniert werden sollten, um die Wirksamkeit zu erhöhen:

  • Ernährungstherapie: Reduktion der Kalorienaufnahme (circa minus 500 Kilokalorien täglich), beispielsweise durch weniger Zucker, Kohlenhydrate und Fett.

  • Bewegungstherapie: Empfohlen werden 30 bis 60 Minuten Ausdauersport an drei bis fünf Tagen pro Woche (ärztliche Empfehlung und Kontrolle). Ab Adipositas Grad 2 sollten Sportarten bevorzugt werden, die die Gelenke schonen (Schwimmen, Aqua-Gymnastik). Zusätzlich ist es wichtig, viel Bewegung (Treppensteigen, zügiges Gehen) in den Alltag zu integrieren.

  • Verhaltenstherapie (Psychotherapie): Ziel ist eine kognitive Umstrukturierung (schädliche Verhaltensweisen und Denkmuster werden durch positive ersetzt). Im geschützten Rahmen werden zum Beispiel langfristige Strategien im Umgang mit Nahrungsmitteln, zur Selbstbeobachtung und -kontrolle und für zwischenmenschliche Konflikte erlernt.

Bei der Auswahl von konservativen Abnehmprogrammen sollte auf einen wissenschaftlichen Wirknachweis geachtet werden, da es auf diesem Gebiet viele kommerziell getriebene Anbieter gibt. Laut dem Deutschem Netzwerk Adipositas (D.N.A.) berücksichtigt eine seriöse Basistherapie gegen Adipositas die folgende Punkte:

  • Die Therapie sollte langfristig angelegt sein und mindestens ein Jahr dauern.
  • (Ernährungs-)Mediziner, Diättherapeut (Ernährungsberater), Sport- beziehungsweise Physiotherapeut sowie Psychologe (Pädagoge) sollten interdisziplinär zusammenarbeiten.
  • Das Programm sollte wissenschaftlich begleitet werden.
  • Die Behandlung darf keine kommerzielle Abnehmprodukte voraussetzen.

Menschen mit Adipositas, die von Familie, Partner und Freunden unterstützt werden, sind Studien zufolge beim langfristigen Abnehmen erfolgreicher.

Adipositas-Medikamente: Wann ist der Einsatz sinnvoll?

Wird mit Ernährungsumstellung, Bewegungs- und Verhaltenstherapie keine relevante Gewichtsabnahme erreicht (innerhalb von sechs Monaten Verlust von weniger als fünf Prozent des ursprünglichen Gewichts), so besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, das Programm durch die Einnahme von Medikamenten zu ergänzen.

In Deutschland (Stand März 2019) sind dafür die Wirkstoffe Liraglutid, Naltrexon/Bupropion und Orlistat zugelassen, wovon bislang nur Orlistat, das die Resorption von Fett aus dem Darm hemmt, in der Adipositas-Leitlinie empfohlen wird. Eine medikamentöse Therapie sollte nur dann weiterverfolgt werden, wenn der Anwender in den ersten vier Wochen nach Start mindestens zwei Kilogramm verliert.

Nahrungsergänzungsmittel, die nach Angaben der Hersteller beim Abnehmen helfen sollen, sind in vielen Fällen unwirksam. Hochriskant ist es, für eine Gewichtsreduktion Arzneimittel einzunehmen, die zur Behandlung anderer Beschwerden vorgesehen sind, zum Beispiel Aufputsch-, Entwässerungs- oder Hormonpräparate.

Adipositas-Chirurgie: Welche Methoden und Risiken gibt es?

Bei Adipositas Grad 2 und Grad 3 kann ein chirurgischer Eingriff gegen das starke Übergewicht in Betracht gezogen werden. Voraussetzungen dafür sind, dass:

  • die konservative Therapie nicht zu einer relevanten Gewichtsreduktion geführt hat (innerhalb von sechs Monaten Verlust von weniger als zehn Prozent des ursprünglichen Gewichts)

  • der Betroffene unter schweren Adipositas-Begleiterkrankungen leidet und

  • zu einer dauerhaften Ernährungsumstellung bereit ist.

Als besonders etabliert in der Adipositas-Chirurgie (auch Metabolische oder Bariatrische Chirurgie) gelten die folgenden OP-Verfahren:

  • Magenband: Um den oberen Teil des Magens wird ein (Silikon-)Band gelegt. Ist der abgeteilte Teil gefüllt, tritt ein Sättigungsgefühl ein. Die OP ist reversibel und das Magenband kann über einen Schlauch, der mit einer unter der Haut platzierten Flüssigkeitskammer verbunden ist, unterschiedlich lang eingestellt werden.

  • Schlauchmagen: Bei dieser OP werden etwa 70 Prozent des Magens entfernt, sodass der verbliebene Magen wie eine Fortsetzung der Speiseröhre aussieht und rasch gefüllt ist. Weil bei dem Eingriff auch Magenzellen entfernt werden, die hungerauslösende Hormone produzieren, sinkt zusätzlich der Appetit.

  • Magenbypass: Die Chirurgen bilden einen kleinen Vormagen, der nur etwa 30 Milliliter aufnehmen kann. Eine angeheftete Dünndarmschlinge sorgt dafür, dass die Verdauungssäfte aus Bauchspeicheldrüse und Galle erst im unteren Teil des Dünndarms zugeleitet werden, da diese für eine Aufnahme der enthaltenen Nährstoffe ins Blut notwendig sind. Nach dem Eingriff müssen lebenslang Vitamin- und Mineralstoffsupplemente eingenommen werden.

Adipositas-Operationen haben nicht unerhebliche Risiken: Zum einen kann es wie bei jedem anderen chirurgischen Eingriff zu Komplikationen kommen, zum anderen besteht bei Magenverkleinerungen und -bypässen die Gefahr von Nährstoffmängeln, Osteoporose, Verdauungsproblemen, Unverträglichkeiten und Figurproblemen (Hautüberschuss). Aus körperlichen können sich langfristig auch psychische Probleme ergeben.

Um die Risiken zu minimieren, sollte für einen chirurgischen Eingriff ein zertifiziertes Adipositas-Zentrum gewählt werden. Zudem ist eine dauerhafte Nachsorge wichtig für den OP-Erfolg und die Sicherung des Gesundheitszustandes des Operierten.

Gibt es Alternativen zur Adipositas-Chirurgie?

Ein Verfahren, das keine chirurgische Veränderung mit sich bringt, aber einen ähnlichen Effekt wie eine Magenverkleinerung erzielen kann, ist der Magenballon: Mit einem Endoskop wird ein Ballon durch den Mund in den Magen eingeführt, der mit steriler Kochsalzlösung gefüllt ist und damit einen Teil des Magenvolumens ausfüllt, was zu einem vorzeitigen Sättigungsgefühl führt. Die Behandlung mit dem Magenballon ist bereits bei Präadipositas zugelassen. Weil der Ballon nur für sechs (in neuerer Variante auch für zwölf) Monate im Magen verbleibt, ist es wichtig, dass sich der Patient in dieser Zeit eine gesündere Ernährungs- und Lebensweise aneignet. Andernfalls ist eine erneute Gewichtszunahme nach Entfernen des Magenballons wahrscheinlich.

Die Wirkweise eines Magenschrittmachers basiert auf der Tatsache, dass stark übergewichtige Menschen meist eine verstärkte Magentätigkeit mit rascher Entleerung haben, was zu mehr Hunger und höherer Kalorienaufnahme führt. Mittels Endoskop werden Sensoren in der Magenwand befestigt, die von einem Computer (unter der Haut) gesteuert werden. So kann unter anderem das vegetative Nervensystem mit elektrischen Impulsen stimuliert werden, damit sich die Magenaktivität normalisiert.

Wie verläuft Adipositas?

Eine Adipositas beginnt häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter und verstärkt sich dann ohne erfolgreiche Behandlung mit den Jahren (Jo-Jo-Effekt). Welche Begleiterkrankungen auftreten, ist abhängig von Ausmaß und Dauerhaftigkeit des Übergewichts. Durch ihr hohes Gewicht haben viele Betroffene Gelenkschmerzen, sodass die Beweglichkeit leidet. Auch Kurzatmigkeit und Schweißausbrüche sind übliche Symptome.

Je stärker das Übergewicht eines Menschen, desto schwieriger ist es, dagegen anzugehen und desto höher ist das Risiko für die Entwicklung eines sogenannten Metabolischen (stoffwechselbedingten) Syndroms, unter dem die Gesamtheit der Symptome und Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall verstanden wird.

Je höher der BMI, desto kürzer ist statistisch die Lebenserwartung eines Menschen mit Übergewicht. Da es schwer ist, in Eigenregie gegen die Pfunde anzukämpfen, ist ärztliche und therapeutische Unterstützung beim Abnehmen essenziell. 

Wie lässt sich Übergewicht vorbeugen?

Eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung, kombiniert mit viel Bewegung und Sport ist die beste Prävention gegen Adipositas. Es kann hilfreich sein, ein Ernährungs- und Bewegungstagebuch zu führen und das Körpergewicht in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

Der Speiseplan sollte reich an frischen, nähr- und ballaststoffreichen Nahrungsmitteln wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukten und arm an hochgradig verarbeiteten, zuckerreichen, und stark gewürzten Produkten wie Wurst, Chips, Schokoriegeln, Süßigkeiten, Fertiggerichten, Fastfood und Weißmehl-Backwaren sein. Es ist ratsam, tierische Produkte in Maßen zu genießen und bei der Versorgung mit Fetten auf pflanzliche Herkunft zu setzen.

Wer zusätzlich viel trinkt (mindestens 1,5 Liter pro Tag) und dabei vorrangig auf Wasser oder ungesüßten Kräutertee zurückgreift, macht alles richtig.

Damit das Bewegungspensum ausreichend ist, empfiehlt es sich, möglichst viele Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen und die Ausdauer zu trainieren.

Studien weisen darauf hin, dass schwangere Frauen, die auf eine moderate Gewichtszunahme achten, sich vollwertig, nährstoffreich und zuckerarm ernähren und bei Vorliegen eines Schwangerschaftsdiabetes die entsprechenden Ernährungsregeln einhalten, ihr Kind vor späterem Übergewicht und Adipositas schützen.

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