Brustschmerzen (Thoraxschmerzen)

Als Thoraxschmerz (Brustschmerz) werden alle Schmerzen im Bereich des Brustkorbs (Thorax) bezeichnet, unabhängig von der Schmerzursache, der Art der Schmerzen und ihrem Entstehungsort. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine ganze Reihe von verschiedenen Schmerzzuständen.

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Unter Brustschmerzen verstehen Mediziner ein Schmerzempfinden innerhalb des Brutkorbs, das Symptom eines Herzinfarkts oder einer Lungenerkrankung sein kann. Ein Schmerzen des Brustgewebes ist damit nicht gemeint.
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Der Mediziner unterscheidet den Brustschmerz, also den Schmerz in der Brust, von Schmerzen in den Brüsten, also dem Muskel-, Fett- und Drüsengewebe an der Außenseite des Brustkorbs. Dies werden als Schmerzen und Spannungsgefühle in der Brust der weiblichen Brust, die aber auch beim Mann auftreten können.

Brustschmerzen (Thoraxschmerzen) können nach verschiedenen Kriterien beschrieben werden:

  • nach dem Ort der Schmerzen: Sie können über der Brust, am Rücken oder in den Seiten auftreten
  • nach der Ausbreitung: Tritt der Schmerz an einer klar zu nennenden Stelle auf (lokalisiert) oder lässt sich seine Ausbreitung nur schwer beschreiben? Letzteres wird als diffuser Schmerz bezeichnet
  • nach dem Schmerzcharakter: Ist der Schmerz stechend, dumpf oder brennend?
  • nach dem zeitlichen Auftreten: Es kann sich um andauernde Schmerzen oder nur zeitweilig auftretende Schmerzen handeln
  • nach den Umständen unter denen sie auftreten: Sie können zum Beispiel atemabhängig oder von einer bestimmten Körperhaltung abhängig sein oder bei Belastung auftreten
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Brustschmerz (Thoraxschmerzen) kann sehr vielgestaltig sein. Der unterschiedliche Schmerzcharakter und die verschiedenen Lokalisationen geben Hinweise auf die Ursache des Schmerzes.

Schmerzen im Brustbereich können Symptom für Erkrankung sein

Die Diagnose Brustschmerzen gibt es nicht, denn eine Diagnose ist erst dann gestellt, wenn die vorhandenen Symptome einer sie verursachenden Erkrankung zugeordnet werden konnten. Thoraxschmerz ist wie jeder andere Schmerz keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom (Beschwerde) mit verschiedenen möglichen Ursachen. Bei zahlreichen Erkrankungen des Herzens, der Lunge, der Speiseröhre, von Knochen oder Muskeln können Schmerzen im Bereich des Brustkorbs als Symptom auftreten. Entscheidend ist, dass bei dem Symptom Thoraxschmerz die Ursache gesucht und gefunden wird, denn neben harmlosen Ursachen können sich auch bedrohliche Erkrankungen, zum Beispiel ein Herzinfarkt, dahinter verbergen.

Typische Symptome sind nicht in jedem Fall vorhanden, daher ist empfehlenswert bei Schmerzen im Brustbereich einen möglichen Infarkt zu berücksichtigen und besser schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen.

Symptom Brustschmerzen

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Brustschmerz wird meist als stechend und lokalisiert wahrgenommen.
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Das Symptom Brustschmerzen tritt bei den verschiedenen Krankheitsbildern in ganz unterschiedlicher Art und Weise auf und gibt dem Arzt wichtige Hinweise auf die verursachende Erkrankung

Thoraxschmerzen (Brustschmerz) durch Erkrankungen des Brustfells und Herzbeutels

Der Brustschmerz (Thoraxschmerz) bei Erkrankungen des Brustfells (pleuraler Schmerz) wird meist als stechend und lokalisiert wahrgenommen. Er nimmt bei tiefer Atmung durch den vermehrten Zug am Brustfell zu und bei flacher Atmung ab. Aus diesem Grund atmet der Betroffene möglichst flach und vorsichtig (Schonatmung). Weil jeder Atemzug als schmerzhaft empfunden und daher nur flach geatmet wird, kommt es zu Luftnot. Beim Husten und Schnäuzen erhöht sich der Druck im Brustkorb und der Schmerz ist besonders heftig. Das zeitliche Auftreten des Schmerzes kann Hinweise auf die verschiedenen Krankheitsbilder des Brustfells geben. So tritt der Schmerz beim Pneumothorax ganz plötzlich und heftig auf, weil es ganz plötzlich zu dem verursachende Riss im Brustfell kommt, durch den die Luft in den Spalt im Brustfell gelangt. Akut auftretender und zunehmender Schmerz wird bei einer Lungenembolie oder einer Lungenentzündung mit Beteiligung des Rippenfells (Pleuropneumonie) beobachtet. Beginnt der Schmerz allmählich und steigert sich oder tritt als Dauerschmerz auf, kann das für einen bösartigen Tumor sprechen.

Bei einer Perikarditis (Herzbeutelentzündung) ist oft das Rippenfell mitbeteiligt und der Schmerz äußert sich wie bei anderen Erkrankungen des Rippenfells. Der Schmerz kann im Liegen und in Linksseitenlage verstärkt sein. Aufsetzen und Rechtsseitenlage verschaffen häufig Erleichterung.

Thoraxschmerz durch Erkrankungen der Brustwand

Brustwandschmerzen sind durch einen scharfen, stechenden Thoraxschmerz (Brustschmerz) charakterisiert, der typischerweise durch Druck von außen ausgelöst werden kann. Der Schmerz ist in der Regel nicht atemabhängig, aber eventuell lageabhängig. Das heißt, er nimmt in bestimmten Körperpositionen zu oder ab. Häufig besteht eine lokale Rötung oder Überwärmung über der betreffenden Stelle. Dieser Schmerz kann von Knochen, Gelenken, Knorpel oder Muskeln ausgehen.

Bei manchen Erkrankungen verlaufen die Schmerzen ringförmig um eine Brustkorbhälfte. Ursachen dieser Schmerzen können die Gürtelrose (Herpes zoster) im Brustkorbbereich sein oder eine Interkostalneuralgie, bei der die Nerven Schmerz verursachen, die zwischen den Rippen verlaufen. Als weitere Ursache ist das BWS- beziehungsweise HWS-Syndrom zu nennen, bei dem Nerven beim Austritt aus der Brust- beziehungsweise Hals-Wirbelsäule durch krankhafte Prozesse, zum Beispiel knöcherne Veränderungen, eingeengt werden.

Auch anatomische Varianten (zum Beispiel eine zusätzliche Rippe im Halsbereich, sogenannte Halsrippe) können Druck auf Nerven und Gefäße ausüben und zu Angina pectoris-ähnlichen Schmerzen im Bereich des oberen Brustkorbs und beider Arme führen. Der Schmerz beim Schulter-Arm-Syndrom strahlt von der Schulter in den Arm aus und ist meist lageabhängig.

Brustschmerz durch Tumore

Bösartige Tumoren, die in der Lungenspitze liegen (sogenannte Pancoast-Tumoren) können in die Umgebung der Lunge wachsen und Nerven in der Schulterregion zerstören. Typisch ist dabei das sogenannte Horner-Syndrom mit Miosis (Pupillenverengung), Ptosis (Herabhängen des Oberlids), Enophtalmus (Zurücksinken des Augapfels) auf der betroffenen Seite.

Brustschmerz durch eine Tracheobronchitis

Bei einer Tracheobronchitis (Entzündung der Luftröhre und der großen Bronchien) ist der Schmerz meist direkt hinter dem Brustbein lokalisiert, vor allem das Husten wird als besonders schmerzhaft empfunden.

Thoraxschmerz durch Erkrankungen von Herz und Gefäßen

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Der Schmerz bei einer Minderversorgung des Herzmuskels mit Blut (koronare Herzkrankheit oder Herzinfarkt) wird vom Betroffenen oft als Enge- oder Druckgefühl hinter dem Brustbein oder über dem Herzen (linke Brustkorbseite) beschrieben. Dieser Schmerz wird auch als Angina pectoris bezeichnet. Typisch ist die Schmerzausstrahlung in den Hals, Unterkiefer, den Oberbauch und in den linken Arm. Ausgelöst werden die Schmerzen oft durch körperliche Belastung. Bei einem Herzinfarkt oder einer Aortendissektion (Einriss der inneren Schicht der Gefäßwand der Hauptschlagader Aorta) sind die Schmerzen besonders heftig und werden als lebensbedrohend empfunden (sogenannter Vernichtungsschmerz). Sie sind häufig von vegetativen Reaktionen, wie Schwitzen, Übelkeit oder Erbrechen begleitet. Während bei der Angina pectoris (Brustschmerz bei koronarer Herzkrankheit) der Schmerz in der Regel auf körperliche Entlastung und Medikamentengabe, wie beispielsweise Nitroglycerin-Spray, innerhalb von wenigen Minuten anspricht, ist das beim Herzinfarkt nicht der Fall. Der Schmerz bei der Aortendissektion tritt eventuell als wandernder Schmerz auf. Je nach Lokalisation des Einrisses besteht er im Rücken oder hinter dem Brustbein.

Brustschmerz durch akute Lungenembolie

Ähnlich wie beim Herzinfarkt ist der Schmerz bei einer akuten Lungenembolie; auch hier wird der Schmerz vom Patienten häufig als Vernichtungsschmerz beschrieben. Bei chronischer Belastung der rechten Herzkammer (Cor pulmonale), etwa infolge einer pulmonalen Hypertonie (Bluthochdruck in den Lungengefäßen), tritt der Schmerz eher belastungsabhängig auf, ähnlich wie bei der Angina pectoris.

Brustschmerz durch Erkrankungen von Speiseröhre und Bauchorganen

Der Thoraxschmerz bei Erkrankungen der Speiseröhre tritt im Hals und im Bereich des Brustbeins auf und kann von dem Thoraxschmerz bei einer koronaren Herzerkrankung nicht zu unterscheiden sein. Er kann von Sodbrennen begleitet sein und tritt oft in fester Beziehung zu den Mahlzeiten und im Liegen auf. Bei Motilitätsstörungen der Speiseröhre (Bewegungsstörungen mit Krämpfen der Speiseröhre) wird der Betroffene meist auch über Schluckstörungen klagen.

Als projizierter Schmerz wird Thoraxschmerz bezeichnet, der durch Erkrankungen innerer Organe verursacht und auf der Haut empfunden wird. Der Grund dafür liegt darin, dass viele der aus der Wirbelsäule austretenden Nerven (Spinalnerven) sowohl innere Organe als auch Hautzonen im Bereich von Brustkorb und Bauch versorgen. Es kann dann zu einer wechselseitigen Beeinflussung verschiedener Anteile eines Spinalnervs kommen.

Es ist nicht falsch zu sagen, dass die Nervenfasern mitleiden, die ein Hautareal versorgen, wenn das von den entsprechenden Spinalnerven ebenfalls innervierte Organ erkrankt ist. So können bei Erkrankungen im Bauchraum Schmerzen im Brustkorbbereich auftreten, die dann häufig von Übelkeit und Erbrechen begleitet sind. Meist klagt der Betroffene aber nicht nur über Thoraxschmerzen, sondern zusätzlich über Bauchschmerzen.

Die Ursachen von Brustschmerz

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Es gibt ausgesprochen viele Erkrankungen, bei denen Brustschmerzen auftreten können.
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Brustschmerz (Thoraxschmerz) wird im Allgemeinen ausgelöst durch krankhafte Veränderungen der Brustwand, des Herzens, der Lunge oder durch Erkrankungen von Magen oder Darm sowie durch psychosomatische und andere Erkrankungen

Es gibt ausgesprochen viele Erkrankungen, bei denen Brustschmerzen auftreten können. Das liegt zum einen daran, dass sich im Brustkorb viele Organe befinden, deren Erkrankung Schmerzen verursachen können. Zum anderen können auch Erkrankungen von Organen außerhalb des Brustkorbs, etwa im Bauchraum, Schmerzen auslösen, die im Brustkorb empfunden werden. Man spricht dann vom projizierten Schmerz, weil der Schmerz an eine andere Stelle verlagert (projiziert) wird als den eigentlichen Entstehungsort. Diese Schmerzprojektion auf den Brustkorb ist besonders typisch für die Organe des Bauchraums, zum Beispiel bei Erkrankungen der Gallenblase oder beim Magengeschwür. Bestimmte Erkrankungen kommen als Ursache für Thoraxschmerz allerdings wesentlich häufiger als andere vor.

Grundsätzlich können die Ursachen nach dem auslösenden Organ beziehungsweise den auslösenden anatomischen Strukturen in sechs verschiedene Gruppen eingeordnet werden:

  • Thoraxwandschmerzen
  • Herzerkrankungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Lungenerkrankungen
  • Psychosomatische Schmerzsyndrome
  • andere Erkrankungen

Thoraxschmerzen bei Lungenerkrankungen

Lungenerkrankungen verursachen nicht so häufig Brustschmerz (Thoraxschmerz), denn das Lungengewebe selbst ist nicht schmerzempfindlich.

Nur bestimmte Anteile der Lunge sind schmerzempfindlich, so dass Lungenerkrankungen – abhängig davon, welche Strukturen betroffen sind – sowohl schmerzfrei als auch sehr schmerzhaft verlaufen können. Grundsätzlich sind Anteile des Brustfells, die Luftröhre und die großen Bronchien sowie die großen Lungengefäße schmerzempfindlich. Die übrigen Anteile der Lunge, so das Lungengewebe an sich, sind vollkommen schmerzunempfindlich. Eine ausgedehnte Lungenentzündung, die nur das Lungengewebe in Mitleidenschaft zieht, kann daher vollkommen schmerzlos sein, während eine vergleichsweise kleine Rippenfellentzündung heftige Schmerzen verursachen kann, weil das Rippenfell gut mit schmerzleitenden Nerven versorgt ist. Grundsätzlich können die folgenden Lungenerkrankungen Thoraxschmerz auslösen, sie müssen aber nicht zu Schmerzen führen:

  • akute Lungenembolie
  • pulmonale Hypertonie
  • Infektiöse Lungenerkrankungen (zum Beispiel tracheobronchitis)
  • Bronchialkarzinom
  • Pneumothorax

Erkrankungen im Bereich des Brustkorbs

Die Knochen und Muskeln des Brustkorbs sind die häufigste Ursache für Thoraxschmerzen.

Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts

Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sind die zweithäufigste Ursache für Brustschmerz (Thoraxschmerz); Entzündungen der Speiseröhre stehen hier an erster Stelle.

Am häufigsten lösen Erkrankungen der Speiseröhre einen brennenden Schmerz hinter dem Brustbein aus, der zunächst nicht von Herzschmerzen zu unterscheiden sein kann. Dabei können alle Entzündungen der Speiseröhre diese Schmerzen auslösen. Solche Entzündungen der Speiseröhre sind zum Beispiel die Refluxkrankheit, bei der zurückfließender, saurer Magensaft die Speiseröhre schädigt, oder eine Infektion der Speiseröhre.

Seltenere Ursachen für Thoraxschmerzen sind ein Magen- oder Zwölffingerdarm-Geschwür, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) oder eine Gallenkolik.

Als Mediastinitis wird eine Entzündung des Mediastinums (Raum zwischen den beiden Lungenflügeln hinter dem Brustbein) bezeichnet. Sie kann beispielsweise durch eine Verletzung der Speiseröhre (zum Beispiel bei einem Speiseröhrentumor) entstehen.

Brustschmerz (Thoraxschmerz) durch Herzerkrankungen

Zu den gefährlichsten Ursachen von Brustschmerz (Thoraxschmerz) gehören der Herzinfarkt und Erkrankungen der Hauptschlagader.

Eine Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff durch eine Verengung der Herzkranzgefäße verursacht den als Angina pectoris bezeichneten Schmerz. Dieser ist typischerweise hinter dem Brustbein als brennender oder drückender Schmerz lokalisiert, der durch körperliche Belastung oder Aufregungen ausgelöst oder verschlimmert wird. Kommt es zum Verschluss eines Astes der Herzkranzgefäße, entsteht ein Herzinfarkt mit Absterben von Herzmuskelgewebe, der sehr starke Schmerzen im Brustkorb auslösen kann.

Ähnlich heftige Beschwerden verursacht die Aortendissektion, die allerdings wesentlich seltener ist als ein Herzinfarkt. Hierbei kommt es zu einem Einriss der innersten Schicht der Hauptschlagader des Körpers (die Aorta).

Auch Herzklappenerkrankungen (meist Aorten- oder Mitralstenose = Verengung der Aortenklappe oder der Mitralklappe im Herzen) oder Entzündungen des Herzmuskels oder des Herzbeutels (zum Beispiel im Rahmen einer Viruserkrankung) können die Ursache für herzbedingte Brustschmerzen sein. Bei den Herzklappenerkrankungen kann es durch den fortschreitenden Krankheitsprozess zu Folgeerscheinungen kommen, die Thoraxschmerzen verursachen können, zum Beispiel eine mangelnde Blutversorgung des Herzens oder ein Bluthochdruck in den Lungen. Bei Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Herzbeutels (Perikarditis) sind die Schmerzen durch die Entzündung bedingt.

Psychosomatische Schmerzsyndrome

Die psychosomatischen Schmerzsyndrome sind zwar nicht gefährlich, können bei den Betroffenen aber sehr große Angst auslösen.

Psychosomatische Schmerzsyndrome können sich als "Herzneurose" oder im Rahmen einer Panikattacke mit Brustschmerz (Thoraxschmerz) äußern. Bei der Herzneurose kann der Betroffene überzeugt sein, an einer bedrohlichen Erkrankung des Herzens zu leiden. Panikattacken können häufig zumindest mit einem Engegefühl in der Brust, aber auch Thoraxschmerzen einhergehen. Auch im Rahmen einer Depression können Brustschmerzen als ein mögliches Symptom auftreten. Die Diagnose eines psychosomatischen Schmerzsyndroms kann erst nach Ausschluss aller möglichen organischen Ursachen gestellt werden.

Die Diagnose von Brustschmerz

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Ein Belastungs-EKG kann Aufschluss darüber geben, ob sich hinter dem Brustschmerz ein Herzleiden verbirgt.
Getty Images/Polka Dot RF

Wie bei jedem Schmerzsymptom wird der Arzt den Patienten auch beim Brustschmerz besonders ausführlich zu den Eigenschaften des Schmerzes befragen. Die wichtigsten Fragen dazu lauten: Wo? Wie? Wann?

Krankengeschichte (Anamnese) und körperliche Untersuchung bei Brustschmerz

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt nach Hinweisen suchen, welche die Verdachtsdiagnosen bestätigen oder zumindest die Zahl möglicher Ursachen weiter einengen. Beim Betrachten und Abtasten des Brustkorbs fallen eventuell vorhandene Schmerzpunkte, Schwellungen, Rötungen oder Fehlstellungen auf. Besonderes Augenmerk wird der Arzt auf die Kreislauffunktionen, nämlich Blässe, Puls, Blutdruck, Herztöne und das Abhören (Auskultation) der Lunge sowie auf die Untersuchung des Oberbauchs richten.

Weitere Untersuchungen

Bei Brustschmerz (Thoraxschmerz) werden fast immer eine Röntgenaufnahme und eine Blutuntersuchung sinnvoll sein. Die Röntgenaufnahme des Thorax liefert viele wertvolle Hinweise. Sie zeigt Veränderungen bei Erkrankungen der Lunge, des Rippenfells, der Brustwand (vor allem der Knochen) und bei vielen Herzerkrankungen, allerdings nicht unbedingt beim Herzinfarkt. Ein EKG (Elektrokardiogramm, Herzstromkurve) kann erste Hinweise auf einen Herzinfarkt geben.

Besteht auch nur der geringste Verdacht auf einen Herzinfarkt, sollten im Blut die Herzenzyme bestimmt werden.

Abgrenzung der möglichen Ursachen von Thoraxschmerzen

Hinter dem Symptom Thoraxschmerz verbergen sich verschiedene Krankheitsbilder. Oft geben die Vorgeschichte und die Begleitsymptome wichtige Hinweise auf das eigentliche Krankheitsbild. Manchmal stellt sich die Ursache aber auch erst im weiteren Verlauf heraus.

Die Krankheitsbilder, die mit Thoraxschmerz einhergehen können, sind mannigfaltig. Harmlose und bedrohliche Erkrankungen können sich ganz ähnlich äußern, und der Schmerz kann sich auch beim gleichen Krankheitsbild bei verschiedenen Patienten unterschiedlich äußern. Aus diesen Gründen ist Brustschmerz (Thoraxschmerz) immer eine Herausforderung für den behandelnden Arzt. Häufig kann die Ursache nicht sofort eindeutig zugeordnet werden, und es gilt, zunächst nur die bedrohlichen Krankheitsbilder auszuschließen.

  • Brustschmerz (Thoraxschmerz) kann mit Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl verbunden sein.
  • Zusätzlich zum Thoraxschmerz tritt bei verschiedenen Erkrankungen Luftnot auf.
  • Tumoren und entzündliche Erkrankungen können mit Gewichtsverlust verbunden sein.
  • Übelkeit und Erbrechen sind weitere zusätzliche Symptome, die bei Thoraxschmerzen auftreten können.

Die Reihenfolge weiterer Untersuchungen bei Thoraxschmerz und die Auswahl richten sich nach den Ergebnissen der Anamnese (Vorgeschichte) und den Befunden der körperlichen Untersuchung.

Bildgebende Untersuchungsmethoden

Ein weiteres bildgebendes Verfahren neben der Röntgenaufnahme des Thorax ist die Computertomographie. Durch sie erfolgt die Röntgendarstellung des Brustkorbs oder des Oberbauchs in feinen Schichten.

Die Echokardiographie wird auch eingesetzt bei Anhaltspunkten für eine Herzklappenerkrankung, einen Herzinfarkt, eine koronare Herzkrankheit (Verengungen der Herzkranzgefäße), eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Perikarditis (Herzbeutelentzündung) oder eine Lungenembolie.

Bei Anhaltspunkten für eine koronare Herzkrankheit (Verengungen der Herzkranzgefäße) sind EKG, Echokardiographie und Belastungs-EKG (Aufzeichnung eines EKGs unter definierter körperlicher Belastung) als zusätzliche Untersuchungen von Bedeutung.

Die Bronchoskopie (Lungenspiegelung) ist nur gelegentlich hilfreich bei der Abklärung von Thoraxschmerzen, nämlich dann, wenn eine Entzündung der Luftröhre und Bronchien (Tracheobronchitis) vermutet wird.

Besteht der Verdacht, dass die Speiseröhre Ursprung der Schmerzen ist, so ist eine Speiseröhren- und Magenspiegelung (Oesophago-Gastroskopie) notwendig, mit deren Hilfe auch die Schleimhaut der Speiseröhre beurteilt wird und Proben entnommen werden können.

Die Therapie bei Brustschmerzen

Herz-Katheter
Eine Untersuchung mittels Herzkatheter kann mehr Aufschluss über die Ursache von Brustschmerzen geben. Dafür wir ein langer Draht über eine arterielles Gefäß in der Leiste oder am Unterarm zu Diagnose und Therapiezwecken bis in das Herz vorgeschoben.
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Die Behandlung von Brustschmerz (Thoraxschmerz) richtet sich nach der Ursache. Ist die Ursache bekannt, wird die Grunderkrankung durch gezielte Maßnahmen behandelt. Die Schmerzen können (eventuell zusätzlich) durch Gabe von Schmerzmitteln gelindert werden.

Einige Beispiele für die Behandlung der Ursachen bei Brustschmerz: Bei Infekten durch Bakterien, also zum Beispiel bei der Lungenentzündung, werden Antibiotika eingesetzt. Ein Herzinfarkt oder eine Lungenembolie werden mit der Gabe von blutgerinnungshemmenden Medikamenten, wie zum Beispiel Heparin behandelt: Damit lässt sich verhindern, dass sich noch weitere Blutgerinnsel an dasjenige anlagern, welches die Lungenembolie oder den Herzinfarkt verursacht hat. Der Schmerz bei Verengungen der Herzkranzgefäße spricht gut auf gefäßerweiternde Substanzen an, wie beispielsweise Nitrate. Diese können als Spray oder Zerbeißkapseln sehr einfach verabreicht werden und führen in der Regel zu einer raschen Schmerzlinderung.

Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie können bei bösartigen Erkrankungen angezeigt sein. Schmerzen in der Speiseröhre, die durch den Rückfluss von Magensaft bedingt sind, werden mit speziellen Medikamenten behandelt (Protonenpumpenhemmern, zum Beispiel Omeprazol). Die Protonenpumpenhemmer unterdrücken sehr wirkungsvoll die Säureproduktion im Magen, sodass kein saurer Magensaft mehr die Speiseröhre angreift und die Entzündung der Speiseröhre ausheilen kann. Ein größerer Pneumothorax (Luft im Rippenfellspalt durch Einriss im Lungenfell mit resultierendem Kollaps der Lunge) muss durch eine Drainage behandelt werden. Dabei wird von außen ein Schlauch in den lufthaltigen Rippenfellraum eingeführt, um die Luft wieder abzusaugen, was einige Tage dauern kann.

Schmerzen im Thorax

Mit der erfolgreichen Behandlung der ursächlichen Erkrankung wird in der Regel auch der Brustschmerz (Thoraxschmerz) günstig beeinflusst. Lässt sich die Grunderkrankung nicht oder nicht schnell genug behandeln, werden Schmerzmittel (Analgetika) eingesetzt, die jedoch nur gegen das Symptom (Thorax-)Schmerz wirken. Man bezeichnet diese Art der Therapie daher auch als symptomatische Behandlung, da sie sich nicht auf den Verlauf der zugrundeliegenden Erkrankung auswirkt. Dabei kommen peripher (am Schmerzort) und zentral (im Gehirn) angreifende Substanzen zum Einsatz, die auch miteinander kombiniert werden.

Die peripher wirksamen Substanzen werden auch kleine Analgetika oder Antirheumatika genannt; Antirheumatika deshalb, weil sie auch entzündungshemmend wirken und daher eine große Rolle in der Behandlung des Rheumas spielen. Sie wirken ähnlich wie Acetylsalicylsäure und weitere Wirkstoffe, zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac. Diese Medikamente werden vor allem bei Schmerzen, die von Knochen, Gelenken, Muskeln oder Sehnen ausgehen, also bei Thoraxwandschmerzen, eingesetzt. Da in diesen Fällen häufig auch ein nichtinfektiöser, entzündlicher Prozess vorliegt oder vermutet wird, ist die Gabe dieser Mittel besonders sinnvoll. Sie haben allerdings den Nachteil, dass sie bei längerer Einnahme die Magenschleimhaut und auch die Nieren schädigen können. Eine andere bekannte schmerzlindernde Substanz, die auch bei Kindern eingesetzt wird, ist Paracetamol. Das Paracetamol ist ebenfalls ein peripher wirksames Schmerzmittel, das im Prinzip bei allen leichteren bis mittelstarken Schmerzen gegeben werden kann. Im Gegensatz zur Acetylsalicylsäure ist es aber nicht entzündungshemmend. Der Vorteil von Paracetamol ist, dass es keine Schäden am Magen verursacht.

Sind die Schmerzen zu stark für peripher wirkende Analgetika, kann die Wirkung von Acetylsalicylsäure oder Paracetamol durch kleine Mengen von zentral wirksamen Schmerzmitteln, den Morphinen oder Opiaten, verstärkt werden. Sie unterdrücken sehr wirksam die Schmerzweiterleitung im Rückenmark und zusätzlich die Schmerzwahrnehmung im Gehirn. Bei starken bis stärksten Schmerzen kann und sollte auf sie nicht verzichtet werden, etwa beim Herzinfarkt, der Aortendissektion, der akuten Lungenembolie oder bei Tumorschmerzen.

Brustschmerz vorbeugen

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    Ob Rückenleid, Gelenkschmerz oder Kopfweh: Dr. Alexandra Mayer beantwortet Ihnen alle Fragen rund um Schmerzen und Schmerztherapie

Eine gesunde Lebensweise sieht folgendermaßen aus: ausgewogene Ernährung, Normalgewicht, regelmäßige Bewegung, Verzicht auf Nikotin und Alkohol nur in Maßen. Wer so lebt, beugt nicht nur Infekten, sondern auch Herzkrankheiten vor, die Brustschmerz auslösen können.

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 14. Januar 2015
Durch: Andreas Gill / Lifeline

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