Herzenge und Brustbeklemmung

Angina pectoris: Symptome erkennen und richtig handeln

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Unter Angina pectoris, umgangssprachlich auch als Herzenge oder Brustbeklemmung bezeichnet, verstehen Fachleute ein plötzlich auftretendes Engegefühl in der Brust. Ursache sind Durchblutungsstörungen des Herzens. Wie gefährlich sind die Brustschmerzen und wie ist die Lebenserwartung bei Brustenge?

Angina pectoris: Mann fasst sich ans Herz
© Getty Images/damircudic

Kurzübersicht: Angina pectoris

Definition: Angina pectoris ist das zentrale Symptom der koronaren Herzkrankheit, bei welcher die das Herz versorgenden Blutgefäße (Herzkranzarterien) in der Regel durch Arteriosklerose verengt sind. Infolge wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Anzeichen: Angina pectoris äußert sich durch Brustenge sowie plötzlich einsetzende Schmerzen hinter dem Brustkorb. In der Regel tritt die Herzbeklemmung plötzlich in Anfällen auf und hält nur wenige Minuten an. Im Falle der stabilen Form kommen die Symptome bei körperlicher Anstrengung vor. Bei der instabilen Angina pectoris kann ein Anfall auch in Ruhe auftreten.

Behandlung: Die Herzprobleme werden zunächst versucht, medikamentös zu behandeln. In schweren Fällen kann eine Operation notwendig seiin, bei der die Blutversorgung des Herzens etwa durch einen Bypass oder einer Ballondilatation wieder sichergestellt wird.

Artikelinhalte im Überblick:

Herzinfarkt: Symptome erkennen, Leben retten

Was ist Angina pectoris?

Angina pectoris (seltener Stenokardie) bezeichnet ein häufig auftretendes Symptom, der Koronaren Herzkrankheit (KHK), welcher in der Regel eine Arteriosklerose zugrunde liegt. Dabei kommt es zu einer Verengung der Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen. Infolge erhält dieser insbesondere bei körperlicher Belastung zu wenig Sauerstoff.

Der Begriff Angina pectoris stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt Brustenge (Angina = Enge, pectus = Brust).

Angina pectoris äußert sich durch plötzlich auftretende, dumpfe Schmerzen im Brustraum, die ein Engegefühl in der Brust erzeugen und mit Atemnot einhergehen. Auslöser der Angina pectoris, die auch als Herzenge oder Brustbeklemmung bezeichnet wird, sind Durchblutungsstörung des Herzens.

Formen: Stabile und instabile Angina pectoris

Es gibt verschiedene Formen der Angina Pectoris. Fachleute unterscheiden zwischen einer stabilen und einer instabilen Angina pectoris.

  • Von einer stabilen Angina pectoris ist die Rede, wenn die Beschwerden nicht im Ruhezustand auftreten, sondern wiederholt in etwa gleicher Intensität durch Stress oder Anstrengung ausgelöst werden. Auch Kälte und schwere Mahlzeiten können einen Beschwerdeanfall mit Brustenge auslösen.

  • Eine instabile Angina pectoris liegt vor, wenn die Beschwerden an Intensität und Dauer zunehmen oder auch bereits in Ruheposition auftreten. Grundsätzlich wird bei erstmaligem Auftreten der Beschwerden ebenfalls von einer instabilen Form gesprochen. Eine instabile Angina pectoris kann einen Herzinfarkt ankündigen und sollte deshalb Anlass sein, umgehend ärztlichen Rat einzuholen. Die instabile Form zählt mit dem Herzinfarkt und dem plötzlichen Herztod zu den lebensbedrohlichen Phasen der koronaren Herzkrankheit, welche auch als akutes Koronarsyndrom zusammengefasst werden.

Vier Schweregrade

Laut einer Einteilung der kanadischen kardiovaskulären Gesellschaft (Canadian Cardiovascular Society) lässt sich die Angina pectoris zudem anhand der Beschwerdeintensität und -häufigkeit in vier unterschiedliche Schweregrade einteilen.

  • Grad I: Die Beschwerden treten nur bei schwerer körperlicher Belastung auf.

  • Grad II: Bei normaler körperlicher Belastung kommt es zu einer geringen Beeinträchtigung.

  • Grad III: Bei normaler körperlicher Belastung kommt es zu einer erheblichen Beeinträchtigung.

  • Grad IV: Bereits bei geringer körperlicher Belastung oder in Ruhe kommt es zu Beschwerden (instabile Angina pectoris)

Angina pectoris: Symptome in der Regel eindeutig

Angina pectoris äußert sich durch ein Engegefühl in der Brust mit dumpfem Brustschmerz, oft begleitet von Atemnot und Erstickungsgefühlen. Bei Angina pectoris oder Herzenge treten plötzlich Schmerzen am Brustbein oder in der linken Brustseite auf, die meist nur wenige Minuten andauern. Die Schmerzen können in den linken Arm, den Unterkiefer, Hals oder Oberbauch ausstrahlen. Hinzu kommen Beklemmungsgefühle bis hin zur Todesangst.

Die Intensität der Beschwerden hängt vom Schweregrad der Angina pectoris ab. Der Schmerzcharakter ist häufig bei allen Anfällen gleich. Treten die Anfälle ausschließlich bei Anstrengungen auf, wird dies als Belastungsangina bezeichnet. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung treten die Symptome bereits ohne körperliche Belastung auf. Dann wird von der Ruheangina gesprochen.

Angina pectoris bei Frauen oft atypisch

Angina pectoris kann in manchen Fällen auch anders in Erscheinung treten. Bei Frauen, sehr alten Menschen oder Personen mit Diabetes mellitus kann sich die Herzenge etwa durch Übelkeit und Brennen in der Magengegend äußern. Zudem ist eine starke Erschöpfung möglich.

Angina pectoris: Ursachen und Risikofaktoren

Die bedeutendste Ursache für das Entstehen der Angina pectoris ist die Arteriosklerose (Arterienverkalkung) in den Blutgefäßen, die den Herzmuskel versorgen. Dabei lagern sich an der Innenseite der Gefäße Blutfette und andere Stoffe ab. So kommt es auf Dauer zu chronisch fortschreitenden Veränderungen an den Gefäßwänden.

Die betroffenen Arterien verengen sich, verlieren ihre Elastizität und sauerstoffreiches Blut kann nicht mehr ungehindert ins Herz fließen. Arteriosklerotische Verengungen der Herzkranzgefäße oder der Koronararterien, so der medizinische Fachbegriff, sind kennzeichnend für die Koronare Herzkrankheit (KHK). Deren Hauptsymptom ist das Beschwerdebild der Angina pectoris.

Verschlimmerung im Winter

Als Auslöser für schmerzende Angina-pectoris-Anfälle kommen körperliche Belastungen, schwere Mahlzeiten, Stress und Aufregung infrage. Doch auch winterliche Minustemperaturen können für Menschen mit einer Angina pectoris schwerwiegende Auswirkungen haben. Denn die Kälte kann zu einer starken Verengung der Blutgefäße führen. Das Herz muss daraufhin gegen einen stärkeren Widerstand anpumpen. Bei einer bestehenden Angina pectoris oder anderen Herzkrankheiten kann das Herz hierbei überlastet werden.

Risikofaktoren lassen sich durch einen gesunden Lebensstil reduzieren

Für die Entstehung von Arteriosklerose an den Herzkranzgefäßen und Angina pectoris gibt es einige Risikofaktoren, darunter:

  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • familiäre Vorbelastung (gehäufte Herzerkrankungen in der Familie)
  • Übergewicht
  • hohe Cholesterinwerte (insbesondere erhöhtes LDL-Cholesterin)
  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • hohes Alter

Darüber hinaus sind Männer oftmals früher von den Gefäßproblemen betroffen als Frauen. Das Risiko für Frauen steigt nach der Menopause, da der Körper dann weniger Östrogene produziert, welche die Blutgefäße schützen.

Wie wird Angina pectoris diagnostiziert?

Ob es sich bei Beschwerden wie plötzlich auftretendem Brustschmerz und Engegefühl um eine Angina pectoris handelt, sollten Betroffene ärztlich abklären lassen. Zur Diagnose kommen verschiedene Verfahren infrage.

Zunächst erfolgt eine ausführliche Befragung (Anamnese). Dabei werden die Art und Häufigkeit der Schmerzattacken beurteilt. Fragen nach Vorerkrankungen sowie bekannten Herzkrankheiten in der Familie dienen dazu, die individuellen Risikofaktoren abzuklären.

Es folgt eine körperliche Untersuchung, eine Blutdruckmessung sowie eine Blutabnahme. Im Labor können dann Entzündungswerte erhoben sowie Herzinfarkt-Marker bestimmt werden.

Zur Einschätzung des Krankheitsbildes werden weitere diagnostische Mittel eingesetzt, darunter:

  • Belastungs-EKG: Beim Belastungs-EKG: Ablauf, Dauer und Auswertung werden alle elektrischen Aktivitäten des Herzens während einer körperlichen Belastung aufgezeichnet. Das Elektrokardiogramm kann wertvolle Hinweise zur Sauerstoffversorgung des Herzmuskels geben.

  • Langzeit-EKG: Bei einem Langzeit-EKG wird die Herztätigkeit 24 Stunden hinweg gemessen. Die Aufzeichnungen werden später ausgewertet. Das Langzeit-EKG deckt Durchblutungsstörungen des Herzmuskels unter alltäglichen Bedingungen auf.

  • Ultraschall (Echokardiographie): Die Echokardiographie (Herzecho) macht Narben am Herzen mit Ultraschallwellen sichtbar. Durchblutungsstörungen können mittels Stressechographie (Echografie unter Belastung) festgestellt werden.

  • weitere bildgebende Verfahren: Die Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie CT) stellt das Herz sehr genau dar. Oft wird zur Abklärung einer Angina pectoris ein Stress-MRT durchgeführt: Dafür wird ein Kontrastmittel gespritzt und Medikamente verabreicht. Sie können eine verstärkte Herztätigkeit auslösen und somit Belastung simulieren.

Therapie: Wie wird Angina pectoris behandelt?

Ziel der Behandlung bei Angina Pectoris ist es, schwere Anfälle sowie einen zukünftigen Herzinfarkt zu verhindern. Die Therapie der Angina pectoris ist von ihrem Schweregrad abhängig.

Erste Hilfe bei instabiler Angina pectoris

Im Falle einer instabilen Angina pectoris, also einem Anfall in Ruhe oder dem ersten Anfall von Brustenge, ist in jedem Fall der Notruf zu tätigen: Das Herzinfarkt-Risiko ist groß.

Bis zum Eintreffen der medizinischen Rettungskräfte können einige Maßnahmen helfen, die Beschwerden zu lindern und das Herz zu schützen:

  • eng sitzende Kleidungsstücke (Hosen, Gürtel, enge Knöpfe) lockern
  • Oberkörper hochlagern
  • betroffene Person beruhigen und nicht alleine lassen
  • frische Luft in den Raum lassen (Lüften)

In der Regel werden zunächst Medikamente verschrieben, die den Sauerstoffbedarf des Herzens verringern oder den Blutzufluss zum Herzen verbessern. Zudem kommen Blutdrucksenker sowie Medikamente gegen hohe Cholesterinwerte zum Einsatz.

Mögliche Medikamente bei Angina pectoris sind:

  • Nitrate: Nitrate wie Nitroglycerin weiten die Blutgefäße und ermöglichen so eine bessere Durchblutung. Sie werden etwa als Spray oder Kapsel bei einem akuten Anfall verabreicht. Bei häufigen Anfällen können Nitropräparate jedoch ihre Wirkung verlieren. Eine lebensbedrohliche Wechselwirkung besteht zwischen Potenzmitteln wie Phosphodiesterase-5-Hemmern und Nitropräparaten: Der Blutdruck kann gefährlich abfallen.

  • Betablocker: Sie senken den Blutdruck und den Sauerstoffbedarf des Herzens.

  • Kalziumantagonisten (Kalziumkanalblocker): Diese weiten die Gefäße, senken dadurch den Blutdruck und verbessern den Blutzufluss zum Herzen. Hierzu zählt beispielsweise Amlodipin.

  • Acetylsalicylsäure: Das Blut wird durch ihre Einnahme "verdünnt". Dies erschwert die Entstehung von Blutgerinnseln.

  • Statine: Bei erhöhten Cholesterinwerten werden Statine eingesetzt. Sie senken den Cholesterinspiegel im Blut und somit das Risiko für ein Fortschreiten der Arterienverkalkung der Herzkranzgefäße.

Daneben ist die zuverlässige Behandlung und Einstellung des Blutzuckerspiegel im Falle von Diabetes mellitus wichtig, um eine voranschreitende Schädigung der Blutgefäße zu verhindern.

Operation in schweren Fällen notwendig

In einem späteren Stadium werden häufig operative Eingriffe notwendig, um die Beschwerden der Angina pectoris zu lindern und weitere Folgeerkrankungen zu verhindern. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn eine Behandlung mit Medikamenten die Beschwerden nicht oder kaum noch beheben kann.

Infrage kommen etwa eine Bypass-Operation oder eine Koronarangioplastie. Bei einer Bypass-Operation werden die verengten Herzgefäße künstlich überbrückt. Hierzu werden meist körpereigene Gefäße der Patient*innen verwendet. Die perkutane transluminale Koronarangioplastie ist dazu geeignet, kleine Gefäßverengungen aufzuweiten. Hierzu führen Ärzt*innen einen Ballonkatheter, einen sehr dünnen Schlauch aus Kunststoff, durch die Arterie. An der verengten Stelle wird der Ballon aufgeblasen und das Gefäß so geweitet. Um es dauerhaft weit zu halten, ist es in der Regel nötig einen Stent einzusetzen. Dabei handelt es sich um ein feines Metallgerüst.

Beide Eingriffe können den Blutfluss zum Herzen wieder gewährleisten. Allerdings lässt sich durch keines der Verfahren das weitere Verkalken der Arterien stoppen. Ein gesunder Lebensstil ist wichtig, um ein Fortschreiten der Erkrankung und weitere Engstellen zu vermeiden.

Verlauf: Lebenserwartung bei Angina pectoris

Der Verlauf der Angina pectoris hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem davon, wie weit die KHK fortgeschritten ist, ob es sich um eine stabile oder instabile Form handelt und inwieweit ein gesunder Lebensstil umgesetzt wird, um ein Fortschreiten der arteriosklerotischen Veränderungen zu verhindern.

Je früher die Behandlung einsetzt, desto eher lassen sich schwerwiegende Folgen wie ein Herzinfarkt vermeiden. Um die Lebenserwartung zu erhöhen, ist es wichtig, dass Patient*innen:

  • regelmäßig kardiologische Kontrolluntersuchungen wahrnehmen,
  • nicht rauchen,
  • wenig Alkohol trinken,
  • sich regelmäßig bewegen,
  • Übergewicht abbauen
  • und ihre Medikamente wie verordnet einnehmen.

Darüber hinaus kann es helfen, Stress zu reduzieren und Entspannungstechniken einzuüben. Stress belastet das Herz und treibt den Blutdruck in die Höhe.

Lässt sich Angina pectoris vorbeugen?

Neben einem gesunden Lebensstil sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig, um Herzprobleme rechtzeitig zu erkennen.

Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben ab dem Alter von 35 Jahren im dreijährigen Turnus Anspruch auf eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung. Ziel dieser Untersuchungen ist es, häufig auftretende Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Denn wenn Risikofaktoren für Herzkrankheiten rechtzeitig identifiziert werden, können früh weitere Untersuchungen oder Behandlungen veranlasst werden. So lassen sich schädliche Folgen für die eigene Gesundheit abwenden oder verringern.

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