Angststörung: Leben mit der Angst?

Angst gehört zum Leben und ist manchmal unvermeidlich und notwendig, denn sie schützt uns auch. Zur Krankheit wird Angst, wenn sie unangemessen stark ist, zu oft und zu lange auftritt, mit Kontrollverlusten oder Zwangshandlungen verbunden ist, starken Leidensdruck verursacht und dazu führt, dass man den Auslösern aus dem Weg geht. Doch eine Angststörung lässt sich behandeln.

angststoerung
Angststörungen schränken die Lebensqualität der Betroffenen sehr stark ein, lassen sich aber gut behandeln.
© iStock.com/ViktorCap

Angst gehört zum Leben und ist manchmal unvermeidlich und notwendig, denn sie schützt uns auch. Zur Krankheit wird Angst, wenn sie unangemessen stark ist, zu oft und zu lange auftritt, mit Kontrollverlusten oder Zwangshandlungen verbunden ist, starken Leidensdruck verursacht und dazu führt, dass man den Auslösern aus dem Weg geht. Doch eine Angststörung lässt sich behandeln. 

Bis zu 20 Prozent der Menschen leiden unter einer Angststörung. Damit ist sie bei Frauen noch vor Depressionen die häufigste psychische Erkrankung. Bei Männern kommt sie an zweiter Stelle nach der Alkoholerkrankung. Am weitesten verbreitet sind folgende Angststörungen: 

  • generalisierte Angststörung/generalisierte Angsterkrankung (GAE) 
  • Panikstörungen 
  • soziale Phobie (Angst vor Menschen) 
  • spezifische Phobie (Angst vor Spinnen, engen Räumen, Flugangst und ähnliche Ängste)

Im Überblick:

Behandlung von Depressionen: Hilfen & Tipps

 

Was versteht man unter einer Angststörung? 

Eine bereits lange bestehende Angststörung führt dazu, dass Betroffene sich zurückziehen und Situationen meiden, die ihnen Angst machen. Durch den Rückzug aus dem sozialen und öffentlichen Leben führt nicht selten zu Isolation, die zu einer Depression führen kann, weshalb eine Angststörung unbedingt behandelt werden sollte. Bei der generalisierten Angststörung besteht die Angst unspezifisch vor allen möglichen Situationen, die auftreten könnten. Dabei treten tatsächlich körperliche und psychische Angstsymptome, wie Herzrasen oder Schweißausbrüche, auf.

Welche Ursachen stecken hinter einer Angststörung?

Die Ursachen sind weitgehend noch immer ungeklärt. Klar ist aber, dass es einerseits körperliche und anderseits psychische Ursachen für Angststörungen gibt. Außerdem können bestimmte Medikamente, wie sie etwa bei der Parkinson- Erkrankung oft gegeben werden, sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch zu Wahnvorstellungen und Angststörungen führen, da diese Substanzen Einfluss auf den Hirnstoffwechsel nehmen. 

Zu den körperlichen Ursachen zählen: 

  • Lebensbedrohliche Diagnosen und Erkrankungen: Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen oder Asthma können eine starke Angst auslösen, die in einer Angststörungen mündet 
  • Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson 
  • Schilddrüsenerkankungen mit sehr starker Überfunktion (Hyperthyreose) 
  • Psychische Ursachen  

Heute weiß man, dass die Angststörungen wie viele psychische Erkrankungen ein ähnliches Erklärungsmodell haben: Es kommen biologische, biografische und psychosoziale Faktoren zu verschiedenen Zeitpunkten des Lebens unterschiedlich stark zum Tragen. Erst in ihrem Zusammenspiel jedoch wird die Psyche anfällig für Belastungen, und Angststörungen wie eine generalisierte Angsterkrankung (GAE) können entstehen. 

Eine generalisierte Angsterkrankung (GAE) kann nicht auf eine einzelne, eindeutige Ursache zurückgeführt werden. Es wirken verschiedene Faktoren zusammen. Dennoch ist über die Entstehungsgeschichte der Erkrankung wenig bekannt, da sie weder an regelhafte Auslöser (wie bei den spezifischen Phobien) gebunden noch durch dominierende überfallartige Panikattacken (wie bei der Panikstörung) charakterisiert ist. Folgende Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen: 

  • erbliche/genetische Faktoren: Angststörungen treten familiär gehäuft auf; vermutet wird das Zusammenspiel bestimmter Gene 
  • neurobiologische Faktoren: bei Angststörungen sind im Gehirn die Botenstoffe (Neurotransmitter) Serotonin, Noradrenalin oder Gamma-Aminobuttersäure (GABA) nicht im Gleichgewicht; außerdem sind Hirnareale, die für die Gefühle zuständig sind, bei Betroffenen verändert 
  • traumatische Kindheitserlebnisse (physische oder psychische Gewalt, sexueller Missbrauch), aber auch langanhaltende und stressreiche Belastungen und belastende LebenssituationenEs gibt verschiedene Erklärungsmodelle für die Entstehung von Angsterkrankungen. 

Symptome und Formen einer Angststörung

Die Symptome der unterschiedlichen Angststörungen sind sehr ähnlich. Das Symptome Angst ist dabei erstmal nicht krankhaft, denn jeder Mensch kennt es. Erst wenn es ein gewisses Maß übersteigt und den Menschen einschränkt, weil die Gedanken immerzu um die Ängste kreisen, handelt es sich um eine Angststörung.

Was gibt es für Angststörungen?

  • Panikstörung: Plötzlich auftretende Angstanfälle (Panikattacken) mir Herzrasen, Schweißausbruch, Atemnot, Engegefühl, ...gekennzeichnet von Todesangst und Gefühl des Kontrollverlusts; treten plötzlich auf und nehmen etwa zehn Minuten an Stärke zu; oft verbunden mit Agoraphobie
  • Agoraphobie (Angst vor Menschenmengen und engen Räumen) mit/ohne Panikstörung: Bei Agoraphobie mit Panikstörung besteht die Angst vor Räumen, in denen die Flucht im Fall einer Panikattacke erschwert wäre; Angstanfälle sind am häufigsten vor Menschenmengen, engen Räumen wie Aufzügen oder öffentlichen Verkehrsmitteln; Angst wird weniger, wenn jemand dabei ist
  • Generalisierte Angststörung/generalisierte Angsterkrankung (GAE): körperliche Symptome der Angst: Zittern, Herzrasen, Schwindel, Muskelverkrampfung kombiniert mit Nervosität, Konzentrationsprobleme und anderen psychischen Symptomen; Auftreten als unterschwelliger Dauerzustand, nicht als Anfall
  • Soziale Phobie: Angst vor Kontakt mit Menschen, wie Amtsgänge, Reden vor anderen Menschen, Gespräch mit dem Chef, ...; Angst sich dabei zu blamieren oder von anderen negativ bewertet zu werden
  • Spezifische Phobie: Angst vor konkreten Dingen oder Situationen, wie Höhenangst, Flugangst, Spinnenangst – beziehen sich meist auf ursprüngliche Ängste aus der Natur
  • Mischform Angst und depressive Störung: Kombination von Angst und Depression, wobei beides nur in der schwachen Form besteht; ansonsten bestehen Angststörung und Depression nebeneinander

Wie wird eine Angststörung diagnostiziert?

Vermutlich jeder zehnte Patient in einer allgemeinärztlichen Praxis leidet an einer generalisierten Angsterkrankung. Der typische Angstpatient kommt in der Regel zunächst wegen anderer Beschwerden, wie beispielsweise Schlafstörungen, wodurch die Angststörung oft nicht direkt erkannt wird.

Betroffene, die typische, ausgeprägte Symptome an sich feststellen oder sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen, sollten sich nicht scheuen, sich dem Hausarzt anzuvertrauen. Dieser kann bei Bedarf eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen.

Im persönlichen Gespräch und wird die Krankheitsgeschichte erfragt und Fragen zur persönlichen Situation gestellt. Standardisierte Fragebögen helfen dabei, die Schwere der Angststörung einzuschätzen. Daran schließt sich eine körperliche Untersuchung mit Bestimmung von Blutwerten, ein EKG und eine Schilddrüsendiagnostik an. Gegebenenfalls müssen körperliche Ursachen für die Symptome, wie eine koronare Herzerkrankung oder Asthma bronchiale, ausgeschlossen werden. Die Beurteilung der diagnostizierten Angststörung erfolgt anhand der ICD-10- und DSM IV-Diagnosekriterien.

Therapie einer Angststörung

Der betroffene Mensch soll über die verschiedenen Möglichkeiten zur Behandlung seiner Angststörung aufgeklärt werden und gemeinsam mit dem Arzt entscheiden, was für ihn in Frage kommt. Generell stehen die Pharmokotherapie mit Medikamenten und die Psychotherapie zur Verfügung. Die jeweilige Art der Behandlung sowie der in Frage kommenden Medikamente unterscheidet sich je nach Angststörung.

Für alle Angststörungen gilt jedoch, dass in Bezug auf die Psychotherapie die erste Wahl die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist. Sollte diese sich als nicht wirksam zeigen, kann eine psychodynamische Psychotherapie erfolgen. Ausnahme sind hierbei die spezifischen Phobien, denn bei ihnen ist eine KVT mit Expostionstherapie sinnvoll, um die spezifische, irrationale Angst zu überwinden.

Als Medikamente werden auch bei den Angststörungen Antidepressiva eingesetzt. Häufig verwendete Wirkstoffgruppen sind SSRI (Escitalopram, Paroxetrin, Sertralin), SNRI (Venlafaxin) und trizyklische Antidepressiva (Clomipramin, Opipramol). Auch hier bilden die spezifischen Phobien eine Ausnahme, da bei ihnen keine medikamentöse Behandlugn in den Leitlinien vorgesehen ist.

Als weitere Maßnahme wird bei Angststörungen das Besuchen einer Selbsthilfegruppe und für die Angheörigen einer Abgehörigengruppe empfohlen. Bei einer Panikstörung und Agoraphobie wird zusätzlich dreimal pro Woche ein Ausdauertraining empfohlen.

Regeln zum Umgang mit der Angst

Es gibt Merksätze, die sich im Umgang mit Angstsituationen bewährt haben. Sie lassen sich unabhängig von Behandlungsverfahren jederzeit anwenden.
In allen Bereichen unseres Lebens heißt der erfolgreichste Weg zum Erlernen von Neuem: Wir müssen uns der Situation aussetzen. Das gilt auch für die Bewältigung der Angst. Diese Regeln sollen daran erinnern, dass Menschen mit einer Angststörung wiederholt die Erfahrung machen müssen, dass die Angst nicht zur Katastrophe wird.

  1. Angstgefühle und dabei auftretende körperliche Symptome sind verstärkte normale Stressreaktionen.
  2. Angstreaktionen sind nicht schädlich für die Gesundheit.
  3. Verstärken Sie Angstreaktionen nicht durch Furcht erregende Fantasievorstellungen.
  4. Bleiben Sie in der Realität, beobachten und beschreiben Sie innerlich, was um Sie herum wirklich geschieht.
  5. Bleiben Sie in der Situation, bis die Angst vorüber ist.
  6. Beobachten Sie, wie die Angst von allein wieder abnimmt.
  7. Vermeiden Sie keine Angstsituationen!
  8. Setzen Sie sich allen Situationen aus, die Ihnen Angst machen.
  9. Seien Sie stolz auf kleine Erfolge, auch die ganz kleinen!
  10. Nehmen Sie sich in Angstsituationen Zeit.

Angststörungen und Rückfällen vorbeugen

Bei allen psychischen Erkrankungen gelingt eine effektive Rückfall-Prophylaxe meist nur unter der Kombination von Sozio-, Psychopharmaka- und Psychotherapie. Ein kombiniertes Behandlungskonzept trägt bei einer generalisierten Angsterkrankung und anderen Angststörungen also grundlegend dazu bei, die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern.

Die generalisierte Angsterkrankung verläuft eher chronisch. Das Risiko, einen Rückfall zu erleiden, ist für den einzelnen Menschen dennoch unterschiedlich. Insofern sind neben der akuten Besserung auch die langfristige Wirksamkeit und Symptomlinderung wichtige Therapieziele. Menschen, die sich einer kognitiven Verhaltenstherapie unterziehen, fühlen sich nach der Beendigung tendenziell besser. Auch die aktive Teilnahme der Angehörigen an der Therapie ist sinnvoll und beugt weiteren Rückfällen vor. Nach einer erfolgreichen psychotherapeutoschen Behandlung einer Angststörung stehen die Betroffenen vor der schwierigen Aufgabe, ihr Leben und ihre Beziehungen neu ordnen zu müssen. Hier kann wiederum ein entsprechendes psychotherapeutisches Angebot eine wichtige Hilfestellung sein.

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