Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Koronare Herzkrankheit (KHK): Symptome erkennen, Lebenserwartung erhöhen

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Die Koronare Herzkrankheit ist eine weit verbreitete Herz-Kreislauf-Erkrankung, die zum Herzinfarkt führen kann. Sie zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Welche Symptome sind typisch, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wie lässt sich die Lebenserwartung steigern?

Koronare Herzkrankheit: KHK
© Getty Images/EmirMemedovski

Kurzübersicht: Koronare Herzkrankheit (KHK)

Definition: Bei der Koronaren Herzkrankheit sind die Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose verengt. Infolge wird der Herzmuskel vor allem bei Anstrengung nicht ausreichend durchblutet.

Symptome: Hauptsymptom sind Angina pectoris (Brustenge) und stechende Schmerzen in der Brust bei Belastung, später auch in Ruhe.

Ursachen: Ursächlich für die verengten Gefäße sind arteriosklerotische Ablagerungen. Sie werden etwa durch ein hohes Lebensalter, genetische Faktoren und einen ungesunden Lebensstil begünstigt.

Behandlung: Die KHK wird mit Medikamenten behandelt, die etwa den Blutdruck senken, das Herz schonen und das Blut verdünnen. Außerdem kann eine Operation helfen. Betroffene sollten zudem einen gesunden Lebensstil fokussieren.

Prognose und Folgen: Werden die Risikofaktoren reduziert und die KHK behandelt, können Betroffene oftmals ein langes Leben führen. Unbehandelt verschlimmert sich die Krankheit. Folgen sind etwa eine Herzschwäche, ein Herzinfarkt oder der plötzliche Herztod.

Im Überblick:

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Was ist die Koronare Herzkrankheit?

Das Herz pumpt Blut durch den Körper, um die verschiedenen Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Seine leistungsfähigen Herzmuskelzellen benötigen dabei selbst jede Menge Energie und Sauerstoff: Die Durchblutung wird durch die sogenannten Herzkranzgefäße (Koronararterien) sichergestellt.

Bei der Koronaren Herzkrankheit, kurz KHK, kommt es durch Arteriosklerose (Arterienverkalkung) zu einer einer zunehmenden Verengung der Herzkranzgefäße. Infolge wird das Herz insbesondere bei Anstrengung nicht mehr ausreichend durchblutet. Die Durchblutungsstörung des Herzens wird auch als Ischämische Herzkrankheit (IHK) bezeichnet.

Häufigkeit der KHK

Die KHK ist die häufigste Herzerkrankung weltweit. Rund sechs Prozent der Frauen und zwölf Prozent der Männer erkranken im Laufe ihres Lebens. Das Risiko steigt dabei mit zunehmendem Alter.

Seit einigen Jahren sinken die Zahlen der Todesfälle bei der Erkrankung – meist durch einen daraus folgenden Herzinfarkt – jedoch stetig. Dies liegt vermutlich an Verbesserungen des Lebensstils nach Diagnosestellung und einer fortgeschrittenen medizinischen Versorgung.

Koronare Herzkrankheit: Symptome der KHK

Die KHK verläuft im Frühstadium symptomlos. Erst wenn die arteriosklerotischen Gefäßveränderungen so weit fortgeschritten sind, dass der Blutfluss um 50 Prozent vermindert ist, können bei starker Anstrengung, die mit erhöhtem Sauerstoffbedarf des Herzens einhergeht, erste Symptome auftreten.

Hauptsymptom der Koronaren Herzkrankheit ist Angina pectoris: Darunter werden ein Engegefühl in der Brust beziehungsweise starke Schmerzen links im Brustkorb verstanden. Die Brustschmerzen können in den linken Arm, den Hals, den Unterkiefer oder den Oberbauch ausstrahlen und werden meist von Atemnot, einem Druck- oder Beklemmungsgefühl bis hin zu Todesangst begleitet.

Die Beschwerden halten in der Regel sekunden- bis minutenlang an. Meist klingen sie ab, sobald die Anstrengung vorüber ist und der Körper wieder zur Ruhe kommt.

Tritt die Angina pectoris nur unter Belastung auf, ist von einer stabilen Angina pectoris die Rede. Kommt es jedoch plötzlich ohne Auslöser oder in Ruhe zu den Beschwerden, sprechen Fachleute von einer instabilen Angina pectoris. Sie ist ein medizinischer Notfall und kann einen Herzinfarkt ankündigen. Gemeinsam mit diesem zählt die instabile Brustenge zum akuten Koronarsyndrom.

Weitere mögliche Symptome der KHK sind:

Beschwerdegrad je nach Krankheitsstadium

Je nachdem, wann die Symptome auftreten, wird die Erkrankung in verschiedene Schweregrade eingeteilt:

  • Grad 1: Keine Symptome
  • Grad 2: Symptome bei stärkerer körperlicher Belastung
  • Grad 3: Symptome bei leichter körperlicher Belastung
  • Grad 4: Symptome in Ruhe

KHK kann symptomlos verlaufen

Die Erkrankung kann auch ohne oder mit untypischen Symptomen verlaufen. Dies ist wie auch beim Herzinfarkt häufig bei Frauen der Fall. So können Atemnot bei Anstrengung oder nur ein leichtes Beklemmungsgefühl die einzigen Hinweise auf eine KHK sein. Vor allem bei Menschen mit Diabetes mellitus kann die Koronare Herzkrankheit ohne weitere Anzeichen auftreten. Hier besteht die Gefahr, dass die KHK erst festgestellt wird, wenn es bereits zu schweren Herzrhythmusstörungen oder zum Herzinfarkt gekommen ist.

Ursachen: Wie entsteht eine Koronare Herzkrankheit?

Die Koronare Herzkrankheit entsteht durch arteriosklerotische Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen. Dabei setzen sich Ablagerungen, sogenannte Plaques, in den Gefäßinnenwänden ab, wodurch sich die Gefäße verengen und deren Elastizität abnimmt. Infolge verringert sich die Durchblutung.

Das Risiko für die Arteriosklerose im Herzen steigt mit zunehmendem Lebensalter. Außerdem kommen Herzprobleme wie die KHK, Herzinfarkte und Schlaganfälle in Familien gehäuft vor: Genetische Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Faktoren, die das Auftreten der Erkrankung begünstigen können:

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Diagnose: Wie wird die koronare Herzkrankheit festgestellt?

Betroffene werden oftmals aufgrund der Brustschmerzen in ihrer hausärztlichen Praxis vorstellig. Bei Verdacht auf eine Koronare Herzkrankheit erfolgt zunächst eine gründliche Anamnese. Dabei werden Vorerkrankungen und mögliche Risikofaktoren erfragt. Zur Diagnosefindung gehört auch eine psychosoziale Diagnostik, um Depressionen oder andere psychische Erkrankungen zu erkennen, die den Verlauf und die Bereitschaft, bei der Therapie mitzuwirken, beeinflussen können.

In der Regel folgt eine körperliche Untersuchung, bei der das Gewicht sowie der Blutdruck gemessen und das Herz sowie Lunge abgehört (Auskultation) werden. Der Gefäßstatus lässt sich erheben, indem der Puls an verschiedenen Körperstellen wie den Füßen getastet wird.

Die meisten Ärzt*innen ordnen bei Verdacht auf eine KHK eine Blutuntersuchung im Labor an. Dabei wird das Blut auf Entzündungs- und Herzinfarktsmarker untersucht. Außerdem lassen sich Blutfette und der Blutzuckerwert bestimmen.

Weiterhin sehen die Leitlinien folgende Untersuchungen bei Verdacht auf KHK vor:

Die Untersuchung mit dem Herzkatheter kann im wachen Zustand oder unter Betäubung stattfinden. Bei der Angiografie wird ein dünner Draht über die Leistengegend über eine Arterie bis zum Herzen geschoben. Durch Röntgenstrahlung und Kontrastmittel lassen sich die verstopften Gefäße sichtbar machen. In einigen Fällen können die Engpässe direkt behandelt werden.

Therapie der Koronaren Herzkrankheit

Eine Koronare Herzkrankheit ist wie die meist zugrunde liegende Arteriosklerose nicht heilbar. Sie lässt sich aber gut behandeln, sodass eine mit gesunden Menschen vergleichbare Lebenserwartung und -qualität erreicht werden kann. Die Therapie richtet sich dabei immer nach dem Stadium der Erkrankung.

Vorrangig sollten Patient*innen mögliche Risikofaktoren meiden und ihren Lebensstil anpassen. So können ein Fortschreiten der Erkrankung eingedämmt und schweren Folgen verhindert werden. Wichtig sind dabei:

  • Rauchstopp
  • regelmäßige Bewegung
  • salz- und fettarme Ernährung
  • Abbau von Übergewicht

Es gibt auch spezielle Herzsportgruppen, um moderat mit Bewegungstraining unter Kontrolle des Herzens zu beginnen. Informationen über Herzsportgruppen finden sich bei der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e. V. der jeweiligen Bundesländer.

Welche Medikamente bei KHK?

Außerdem können Medikamente verschrieben werden. Zur Therapie werden mehrere Wirkstoffgruppen kombiniert:

  • Plättchenhemmer, beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Statine (positive Auswirkung auf Blutfettwerte)
  • Betablocker (zur Blutdrucksenkung und Verlangsamung des Herzschlags, um das Herz zu schonen)

Durch wissenschaftliche Studien ist belegt, dass diese Medikamente die Sterblichkeit und das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls deutlich senken.

Die Beschwerden eines Angina-pectoris-Anfalls lassen sich mit sogenannten Nitraten behandeln, welche kurzfristig die Gefäße erweitern und die Schmerzen lindern.

Operation bei KHK

Bei etwa einem Drittel der Betroffenen erzielt die medikamentöse Behandlung keine Besserung der Beschwerden. Dann ist möglicherweise eine Operation sinnvoll. Um herauszufinden, welche Therapieoption am besten geeignet ist, wird zuvor eine Herzkatheter-Untersuchung empfohlen. Möglich sind etwa:

  • Stentimplantation: Bei einem Stent handelt es sich um ein feines Metallgerüst, welches ein verengtes Gefäß weit halten kann. Zum Einsatz der Gefäßstütze wird ein Katheter – ein feiner Kunststoffschlauch – von der Leiste oder vom Arm aus durch die Arterien bis zur verengten Stelle geschoben. An der Spitze des Katheters befindet sich ein winziger Ballon in einem Stent. An der Engstelle wird der Ballon aufgeblasen und die Verengung geweitet. Der Stent dehnt sich dabei aus und wird in der Arterie eingesetzt, um zu verhindern, dass sich die geweitete Stelle in der Arterie wieder zusammenzieht.

  • Bypass-Operation: Können Engstellen in einer Koronararterie nicht mehr aufgedehnt werden oder sind mehrere Herzkranzgefäße von solchen Stenosen betroffen, stellt die Bypass-Operation eine Therapiemöglichkeit dar. Dabei werden die verengten Herzgefäße künstlich überbrückt und umgangen. Zur Überbrückung werden körpereigene Gefäße des Betroffenen, zum Beispiel Unterschenkelvenen oder Kunststoffgefäße verwendet. Der Eingriff kann minimalinvasiv erfolgen, manchmal ist jedoch auch eine große Operation am offenen Herzen notwendig.

Verlauf, Prognose und Lebenserwartung bei KHK

Für den Verlauf und die Prognose der Lebenserwartung bei der Koronaren Herzkrankheit sind verschiedene Faktoren ausschlaggebend. Zum einen ist entscheidend, wann die Krankheit diagnostiziert und Therapiemaßnahmen eingeleitet wurden. Zum anderen ist relevant, wie die Therapiemaßnahmen eingehalten werden, also ob eine Anpassung des Lebensstils erfolgt und Medikamente wie ASS regelmäßig eingenommen werden. Zudem spielt der allgemeine Gesundheitszustand des Betroffenen eine wichtige Rolle.

Ohne Therapie und Umstellung des Lebensstils ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die KHK durch die fortschreitende Arteriosklerose im Laufe der Zeit verschlechtert und es zu einer

  • einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche),
  • einem Herzinfarkt,
  • schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen oder
  • dem plötzlichen Herztod

kommt. Deshalb sollten regelmäßig kardiologische Kontrolluntersuchungen wahrgenommen werden.

Betroffene, die ihre Medikamente wie verordnet einnehmen und ihre Ernährungsgewohnheiten anpassen sowie für ausreichend Bewegung sorgen, können in der Regel trotz KHK von einer guten Lebensqualität und einer normalen Lebenserwartung ausgehen.

Koronare Herzkrankheit: So lässt sich vorbeugen

Das Risiko, eine Koronare Herzkrankheit zu entwickeln, lässt sich durch einfache Maßnahmen reduzieren. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung. Ein Nikotinverzicht ist ebenfalls zu empfehlen.

Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben ab einem Alter von 35 Jahren im dreijährigen Turnus Anspruch auf eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung. Ziel dieser Untersuchungen ist es, häufig auftretende Krankheiten und Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen.

Werden die Koronare Herzkrankheit oder ihre Risikofaktoren frühzeitig erkannt, lassen sich schädliche Folgen für die Gesundheit verringern oder abwenden.

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