Herzmuskelentzündung: Symptome, Diagnose und Behandlung

Was als Erkältung oder Magen-Darm-Infekt beginnt, kann sich zu einer gefährlichen Erkrankung entwickeln, wenn die Entzündung auf den Herzmuskel übergreift. Was lässt sich vorbeugend tun, wie sehen Symptome, Diagnostik und Behandlung einer Herzmuskelentzündung aus?

Kranker Mann im Bett wird von Frau betreut
Die Symptome einer Herzmuskelentzündung: Schmerzen in der Brust und allgemeine Schwäche, mitunter auch Fieber
© iSock.com/Paul Bradbury

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) ist gefährlich, da sie die Leistungskraft des Herzmuskels schwächt und damit die Durchblutung der Organsysteme beeinträchtigen kann. Sie kann zudem zu Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen. Geht die Entzündung auch auf den das Herz umgebenden Herzbeutel (Perikard) über, so liegt eine Perikarditis oder genauer eine Perimyokarditis vor.

Artikelinhalte im Überblick:

Myokarditis: Warum die Herzmuskelentzündung heimtückisch ist

Dr. Heart / Expertenteam

Auslöser und Ursachen einer Herzmuskelentzündung

Grundsätzlich wird zwischen einer infektiösen und einer nicht-infektiösen Herzmuskelentzündung unterschieden. Erstere wird durch Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten ausgelöst, letztere durch Autoimmunprozesse, Bestrahlung oder Giftstoffe.

Infektiöse Herzmuskelentzündung

Die Herzmuskelentzündung kann durch eine Infektion mit Viren verursacht werden, wobei sich offenbar bestimmte Viren bevorzugt im Bereich des Herzmuskels anheften. Bekannt ist dies zum Beispiel für die sogenannten Coxsackie-B-Viren und weitere Enteroviren – diese Erreger werden für rund 50 Prozent der infektiösen Herzmuskelentzündungen in Europa und den USA verantwortlich gemacht. Allerdings können auch Influenza-Viren, die allgemein als Erreger der Grippe gelten, eine Myokarditis hervorrufen. Ursache der Erkrankung können ferner Zytomegalieviren sowie Adeno- und Epstein-Barr-Viren und das Parvovirus B19 sein. Dabei handelt es sich um den Erreger der Ringelröteln, der in den vergangenen Jahren zunehmend als Infektionserreger bei einer Herzmuskelentzündung nachgewiesen wird.

Obwohl die Zahl der potenziell infrage kommenden Bakterien groß ist, ist eine bakteriell verursachte Herzmuskelentzündung in unseren Breitengraden eher selten. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass in seltenen Fällen die von Zecken übertragene Borreliose eine Herzmuskelentzündung auslösen kann. Die Erkrankung geht auf das Bakterium Borrelia burgdorferi zurück, das mit dem Zeckenbiss in die Blutbahn gelangt und auch den Herzmuskel befallen kann. Die Myokarditis wird dann als Lyme-Karditis bezeichnet.

Theoretisch können auch Parasiten den Herzmuskel befallen und eine Herzmuskelentzündung hervorrufen. Dies ist beispielsweise bei der sogenannten Chagas-Krankheit der Fall, die vor allem in Mittel- und Südamerika vorkommt. In unseren Breitengraden sind Herzmuskelentzündungen durch Parasiten sehr selten. Auch eine Herzmuskelentzündung durch Pilze kommt nur sehr selten vor und betrifft praktisch nur Menschen mit schwerer Immunschwäche.

Nicht-infektiöse Herzmuskelentzündung

Erkrankungen des Immunsystems, bei denen sich Immunzellen gegen körpereigene Strukturen richten (Autoimmunerkrankungen), gehen üblicherweise mit entzündlichen Prozessen einher, die unter Umständen auch auf den Herzmuskel übergehen können. Gut dokumentiert ist das für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, also für die sogenannte Colitis ulcerosa und den Morbus Crohn. Auch bei rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis kann es neben den Entzündungsreaktionen im Gelenk zur Entzündung des Herzmuskels kommen. Weitere Autoimmunerkrankungen, bei denen in einzelnen Fällen eine Beteiligung des Herzmuskels beobachtet wurde, sind die systemische Sklerose, eine Erkrankung, die durch gravierende Hautveränderungen gekennzeichnet ist, sowie der Lupus erythematodes, eine Störung mit Immunreaktionen gegen verschiedene Bestandteile körpereigener Zellen.

Die toxische Form der Herzmuskelentzündung wird durch Giftstoffe (Toxine) hervorgerufen. Dazu gehören in erster Linie Alkohol sowie Schwermetalle. Auch Chemikalien und Medikamente können in seltenen Fällen eine Myokarditis verursachen.

Auch die Strahlentherapie im Rahmen der Behandlung von Krebserkrankungen kann die Ursache einer Herzmuskelentzündung sein.

Symptome einer Herzmuskelentzündung

Die Symptome, mit denen sich die Herzmuskelentzündung bemerkbar macht, sind unterschiedlich und hängen direkt vom Verlauf und von der Schwere der Erkrankung ab. Sie kann vollkommen ohne Symptome verlaufen und dadurch völlig unbemerkt bleiben oder – bei chronischem Verlauf – in einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) münden.

Die akute Myokarditis macht sich oft mit akuten Schmerzen im Brustraum bemerkbar, die nicht selten zunächst an eine Angina Pectoris (Brustenge) oder einen Herzinfarkt denken lassen. Ebenso oft äußert sich eine Herzmuskelentzündung anfangs durch Unregelmäßigkeiten im Herzschlag, viele empfinden sich als körperlich schwächer als zuvor. Da eine Herzmuskelentzündung oft im Nachgang einer Erkältung auftritt, wird diese Schwäche oft fehlgedeutet.

In der Mehrzahl der Fälle aber stehen Symptome der sich aus der Entzündung ergebenden Herzschwäche im Vordergrund. Dazu gehören ein Nachlassen der körperlichen Belastbarkeit eventuell bis hin zu einer ausgeprägten körperlichen Schwäche, ein beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Fieber, Atemnot, Herzklopfen und Schwindel. Die einzelnen Symptome können isoliert oder auch in unterschiedlicher Konstellation kombiniert miteinander auftreten.

Bei chronischem Verlauf zeigt sich oft eine leicht bläuliche Verfärbung von Haut und Schleimhäuten, insbesondere der Lippen (Zyanose). Sie ist eine Folge der nachlassenden Herzkraft: Durch die beeinträchtigte Pumpfunktion strömt weniger mit Sauerstoff angereichertes, hellrotes Blut durch die Blutgefäße und stattdessen mehr sauerstoffarmes, eher dunkel gefärbtes Blut. Im Falle einer chronischen Herzmuskelentzündung steht außerdem das Gefühl der Abgeschlagenheit im Vordergrund. Es kommt ebenfalls zur Minderung der Leistungsfähigkeit sowie zu Appetitstörungen und zu Gewichtsabnahme.

Wie wird eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert?

Eine Herzmuskelentzündung ist nicht immer einfach zu erkennen, da sie oft mit Symptomen anderer Herz- und Lungenerkrankungen oder einer einfachen Erkältung einhergeht. Bei Verdacht auf eine Myokarditis stehen dem Arzt folgende Untersuchungen zur Verfügung:

  • Im Elektrokardiogramm (EKG) lassen sich für die Herzmuskelentzündung typische Veränderungen im Herzrhythmus feststellen.

  • Mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) lassen sich Pumpschwächen oder vergrößerte Herzkammern erkennen. Auch ein sogenannter Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) kann im Ultraschall nachgewiesen werden.

  • Auch im Röntgenbild zeigt sich oftmals ein vergrößertes Herz.

  • Blutuntersuchungen und speziell eine Abklärung der Entzündungsfaktoren im Blut können den Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung erhärten. Auch Antikörper gegen Viren, Bakterien oder körpereigene Strukturen lassen sich so nachweisen.

  • Über eine Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich die einzelnen Entzündungsherde aufspüren.

  • Im Zweifelsfall wird eine Biopsie, also eine Gewebeentnahme aus dem Herzmuskel, vorgenommen. Die mithilfe eines Katheters gewonnenen Proben werden auf Entzündungszellen und Krankheitserreger untersucht.

Behandlung einer Herzmuskelentzündung

Die Therapie der Herzmuskelentzündung richtet sich nach der individuellen Situation und hierbei vor allem nach dem Schweregrad. Wenn die Erkrankung hochakut verläuft, dreht sich zunächst alles darum, das Leben des Patienten zu retten. Der Patient muss auf der Intensivstation behandelt und überwacht werden und es muss alles getan werden, um die Pumpfunktion des Herzens zu sichern.

Ist die Situation nicht lebensbedrohlich, so ist eine strenge körperliche Schonung mit absoluter Bettruhe wichtig, damit das Herz nicht zu stark belastet wird. Frühestens nach drei bis sechs Monaten sollte wieder mit körperlicher Belastung – und das nur unter ärztlicher Überwachung – begonnen werden. Zur Entlastung des Herzens wird darüber hinaus mit Medikamenten behandelt, die Flüssigkeit aus dem Körper ausschwemmen (Diuretika).

Gibt es Hinweise auf eine fortbestehende Virusinfektion als Ursache der Myokarditis, so kann versucht werden, die Viren durch eine gezielte antivirale Behandlung in den Griff zu bekommen. Behandelt wird dann zum Beispiel mit Immunglobulinen oder mit Interferon.

Gibt es anderseits Zeichen auf einen immunologischen Prozess als Auslöser der Entzündung, so sind Medikamente hilfreich, die die übersteigerte Aktivität des Immunsystems dämpfen (Immunsuppressiva). Eine solche Behandlung wird allerdings nur gestartet, wenn feststeht, dass die zugrundeliegende Infektion nicht mehr fortbesteht, da die noch vorhandenen Viren sich ansonsten infolge der Immunsuppression praktisch ungestört weiter vermehren könnten.

In den seltenen Fällen, in denen die Erkrankung durch Bakterien, Pilze oder Parasiten hervorgerufen wird und diese noch nachweisbar sind, wird in aller Regel durch eine spezifische Behandlung – also zum Beispiel durch Antibiotika im Falle einer bakteriellen Infektion – versucht, die jeweiligen Erreger zu eliminieren, um so die Erkrankung zu heilen.

Im weiteren Verlauf der Herzmuskelentzündung werden praktisch deren Folgen behandelt, wie die sich entwickelnde Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Dafür werden Medikamente verordnet, die üblicherweise bei einer Herzschwäche einzunehmen sind und die das Herz entlasten – wie zum Beispiel Wirkstoffe aus der Gruppe der Diuretika, der ACE-Hemmer, der Angiotensin-Antagonisten oder der Betablocker.

Lässt sich die Herzschwäche als Folge der Herzmuskelentzündung durch die üblichen Behandlungsmöglichkeiten nicht in den Griff bekommen, so ist als letzte mögliche Therapieoption eine Herztransplantation zu erwägen.

Verlauf und Komplikationen

Die Herzmuskelentzündung kann einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Es kann bei einer eher milden Erkrankung bleiben, die kaum Symptome verursacht und nach kurzer Zeit völlig ausheilt. Eine Myokarditis kann allerdings auch hochakut ablaufen, sich rasch verschlechtern und das Leben des Betroffenen gefährden. Dies ist bei etwa fünf bis zehn Prozent der Erkrankten der Fall. Ohne schnell einsetzende Behandlung kommt es zu massiven Störungen der Herzfunktion bis hin zum sogenannten kardiogenen Schock mit drohendem Herzversagen.

Bei einer akuten Herzmuskelentzündung können außerdem schwere Herzrhythmusstörungen auftreten und es kann zum plötzlichen Herztod kommen. Ein solcher Verlauf ist nicht selten die Ursache bei plötzlich und unerwartet auftretenden Todesfällen. Zusammenhänge werden insbesondere bei plötzlichen Todesfällen bei Sportlern gesehen. So geht man davon aus, dass bis zu 20 Prozent dieser Ereignisse bei Sportlern durch eine Myokarditis verursacht sind.

Die Herzmuskelentzündung kann aber auch einen chronischen Verlauf nehmen. Die Betroffenen sind dann vor allem auf lange Sicht durch die Erkrankung beeinträchtigt und gesundheitlich gefährdet. Denn während die akut verlaufenden Krankheitsformen folgenlos ausheilen können, bildet sich bei der chronisch verlaufenden Herzmuskelentzündung oft langsam schleichend eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) aus.

Die Übergänge zwischen den verschiedenen Krankheitsformen sind fließend. So kann die zunächst durch eine Infektion bedingte Herzmuskelentzündung in eine chronische Krankheitsform übergehen, bei der die Entzündung durch immunologische Faktoren aufrechterhalten wird. Es kann im weiteren Verlauf zu Störungen der Herzfunktion und zu einer Vergrößerung des Herzens, einer sogenannten dilatativen Kardiomyopathie kommen und damit zu einer chronischen Herzerkrankung. Deshalb müssen Betroffene gut überwacht werden – auch wenn die akute Herzmuskelentzündung bereits abgeklungen ist.

Herzmuskelentzündung vorbeugen

Vorbeugen lässt sich der Herzmuskelentzündung praktisch durch alle Maßnahmen, die der Vorbeugung von Infektionen dienen – von hygienischen Maßnahmen bis hin zu Impfungen wie beispielsweise der Grippeschutzimpfung.

Liegt eine gravierende Infektionskrankheit vor, so sollte diese unbedingt ausgeheilt werden, damit die Viren oder Bakterien nicht auf den Herzmuskel übergehen. Dazu gehört auch, dass man dem Körper Ruhe und Zeit zur Genesung lässt, ehe man sich körperlich wieder stark belastet. Beherzigen sollten dies vor allem Sportler und insbesondere Leistungssportler. Sie sollten nach einer schweren Infektionskrankheit mindestens vier Wochen lang auf sportliche Betätigung verzichten.

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