Entnahme einer Gewebeprobe

Biopsie: So funktioniert die Diagnosemethode

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Bei einer Biopsie wird eine Gewebeprobe aus dem Körper entnommen und anschließend untersucht. Das medizinische Verfahren hilft dabei, eine genaue Diagnose zu stellen. Wie erfolgt der Eingriff und welche Arten gibt es?

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© GettyImages/ljubaphoto

Kurzübersicht: Häufige Fragen und Antworten

Ist eine Biopsie schmerzhaft? Eine Biopsie ist dank örtlicher Betäubung meist wenig schmerzhaft. Während des Eingriffs ist ein leichter Druck oder ein Ziehen möglich. Nach der Biopsie können leichte Schmerzen und Unwohlsein auftreten.

Welche Arten von Biopsien gibt es? Neben der Nadelbiospie, die sich in Feinnadel- und Stanzbiopsie unterteilt, gibt es die Inzisionsbiopsie, Exzisionsbiopsie, endoskopische Biopsie und die Hautbiopsie.

Welche Risiken sind mit einer Biopsie verbunden? Zu den Risiken einer Biopsie gehören Blutungen an der Einstichstelle, Infektionen, Schmerzen oder Schwellungen und sehr selten Verletzungen benachbarter Strukturen.

Kann eine Biopsie die Ausbreitung von Krebs verursachen? Es ist möglich, dass Tumorzellen durch eine Biopsie in umliegendes Gewebe eintreten oder sich über die Blutbahn verteilen. Diese bilden aber aufgrund fehlender Eigenschaften nur sehr selten neue Tumoren. Auch die Krebsart ist hier entscheidend.

Artikelinhalte im Überblick:

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

Was ist eine Biopsie?

Bei einer Biopsie wird Patient*innen eine Gewebe- oder Flüssigkeitsprobe zur mikroskopischen Untersuchung entnommen. Das Verfahren kann helfen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie genauer einzugrenzen oder den Verlauf von Operationen und Therapien zu kontrollieren.

Zur Diagnose kommt die Methode allerdings meistens erst dann zum Einsatz, wenn sich in vorausgehenden Untersuchungen der Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung ergeben hat. Häufig wird eine Biopsie durchgeführt, um auffallende Gewebewucherungen zu überprüfen und abzuklären, ob es sich möglicherweise um Krebs handelt.

Aber auch bei der Untersuchung vieler anderer Erkrankungen kann eine Biopsie hilfreich sein. In einigen Fällen, zum Beispiel bei der Entfernung von Darmpolypen, hat die Biopsie gleichzeitig einen therapeutischen oder vorbeugenden Nutzen.

Welche Biopsiearten gibt es?

Je nach Organ und Lage des verdächtigen Gewebebereiches kommen unterschiedliche Biopsiearten zum Einsatz. Für die meisten Methoden sind nur kleine Eingriffe nötig. Manchmal kann der*die Arzt*Ärztin Gewebematerial aber nur im Rahmen einer Operation entnehmen.

Es werden verschiedene Arten der Biopsie unterschieden:

  • Inzisionsbiopsie zur Entnahme eines Gewebestücks
  • Exzisionsbiopsie zur Entnahme größerer Gewebebereiche

Daneben gibt es weitere Verfahren, die abhängig vom zu untersuchenden Gewebe Anwendung finden. So kommen in der Gynäkologie unter anderem Abstriche der Gebärmutter oder Punktionen zum Einsatz. Mittels Endoskopie können beispielsweise auch Proben aus dem Darm entnommen werden.

Inzisionsbiopsie

Werden nur kleine Teile eines Gewebes untersucht, kann unter anderem eine Feinnadelpunktion mit einer dünnen Nadel zum Einsatz kommen. Die Feinnadelbiopsie eignet sich zum Beispiel gut, um Flüssigkeiten aus dem Knochenmark bei Verdacht auf Leukämie oder einzelner Zellen der Schilddrüse zu entnehmen.

Bei der Stanzbiopsie werden dickere Kanülen verwendet, um zylinderförmige Proben aus verdächtigem Gewebe zu entnehmen. Sie kommt häufig beim Verdacht auf Karzinome der Prostata (Prostatabiopsie), Leber, Haut oder Brust zur Anwendung.

Die Vakuumbiopsie wiederum ermöglicht es, größere Gewebestücke zu entfernen. Mithilfe von Röntgen, einer Ultraschallkontrolle oder einer MRT werden diese Bereiche durch ein Vakuum in eine circa 3,5 Millimeter dicke Hohlnadel gesaugt. Da größere Mengen des Gewebes bei der Biopsie entnommen werden können, ist eine sicherere Diagnose zu erwarten.

Exzisionsbiopsie

Bei der Exzisionsbiopsie werden mithilfe eines Skalpells oder einer speziellen Schlinge größere Gewebestücke, oft das komplette fragliche Gewebe (zum Beispiel Gewebeknoten, Tumor) herausgeschnitten. Die Exzisionsbiopsie findet unter anderem auch Anwendung bei der Entnahme von Proben aus Muskeln, Haut, Nervengewebe und Blutgefäßen.

Weitere Biopsiearten: Hautbiopsie oder endoskopische Biopsie

Weitere Arten einer Biopsie sind:

  • Hautbiopsie: Bei der Hautbiopsie können verschiedene Biopsiearten angewandt werden – je nachdem, welche Veränderungen es zu untersuchen gilt. Bei kleineren Hautveränderungen ist die Exzisionsbiopsie, also die komplette Entfernung der Hautveränderung sinnvoll. Bei größeren Läsionen ist wiederum die Inzisionsbiopsie die Methode der Wahl.

  • endoskopische Biopsie: Bei dieser Methode können zusammen mit einem Sichtgerät (Endoskop) Instrumente wie Zangen zum Ort der Gewebeentnahme gebracht werden. Die endoskopische Biopsie kommt häufig bei der Darmspiegelung (Koloskopie) zum Einsatz, Darmpolypen können dabei gleich entfernt werden. Weitere mögliche Anwendungsgebiete sind Gewebeentnahmen aus Speiseröhre, Magen oder Lunge.

  • Schnellschnittuntersuchung (Schnellschnitt): Eine schnellere Auswertungsmethode ist die Schnellschnittuntersuchung. Sie wird während Operationen vorgenommen und kann innerhalb weniger Minuten Ergebnisse liefern und es somit Ärzt*innen ermöglichen, im Zuge eines Eingriffs sofort entsprechende Maßnahmen zu treffen. Zwar ist die Methode nicht besonders exakt, kann aber dazu beitragen, zusätzliche Operationen zu vermeiden. Meistens werden die so entnommenen Gewebeproben später noch genauer analysiert

  • Punktion: Auch die Punktion gilt als wichtiges medizinisches Verfahren zur Entfernung von Körpermaterial. Sie dient unter anderem der Entnahme von Bauchwasser (Aszitespunktion), Urin (Blasenpunktion), Fruchtwasser (Amniozentese) oder Nabelschnurblut (Nabelschnurpunktion).

  • Chorionzottenbiopsie: Die Plazenta kann bei einer Schwangeren bereits im frühen Stadium untersucht werden. Mit dieser Chorionzottenbiopsie können erblich bedingte Erkrankungen wie Trisomie 21 und andere genetische Fehlbildungen diagnostiziert werden. Eine Chorionzottenbiopsie können Schwangere in der Regel zwischen der 11. und 13. Schwangerschaftswoche durchführen lassen.

Zellabstrich als Biopsie-Methode

Für die Diagnose einiger Erkrankungen gibt es spezielle Sonderformen der Biopsie. Ein gynäkologischer Abstrich ist Teil der Krebsfrüherkennung bei Frauen. Dabei wird in einem in der Regel schmerzlosen Eingriff mit einer kleinen Bürste ein Zellabstrich am Gebärmutterhals entnommen und im Labor auf Gewebeveränderungen untersucht.

Bei der Kürettage, die unter anderem dazu dient, bösartige Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut auszuschließen, erfolgt eine behutsame Ausschabung der Gebärmutter unter Kurznarkose. Das entnommene Material kann anschließend im Labor auf Veränderungen untersucht werden.

Ablauf einer Biopsie

Eine Biopsie wird in der Regel ambulant und bei örtlicher Betäubung durchgeführt, daher ist meistens keine Vorbereitung von Seiten der Betroffenen nötig. In einigen Fällen ist jedoch eine Kurznarkose notwendig, die eine*ein Anästhesistin*Anästhesist vorher mit Betroffenen bespricht. Für Biopsien, die im Zuge einer endoskopischen Untersuchung wie beispielsweise eine Magenspiegelung stattfinden, müssen die entsprechenden Vorbereitungen getroffen werden.

Vor vielen Biopsien sind außerdem Blutuntersuchungen wichtig, um festzustellen, ob die Blutgerinnung einer Person gestört ist und ob der allgemeine Gesundheitszustand den Eingriff zulässt. Wenn bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie zur Kontrolle des Einstichs zum Einsatz kommen, muss gegebenenfalls zuvor ein Kontrastmittel gespritzt oder geschluckt werden.

Pathologische Analyse

Die entnommenen Gewebeproben werden mithilfe unterschiedlicher Verfahren von Fachleuten der Pathologie untersucht. Zum Teil reicht eine Analyse einzelner Zellen aus, in anderen Fällen müssen größere Gewebestücke für eine mikroskopische Untersuchung bearbeitet werden.

Der Befund liegt im Durchschnitt vier bis fünf Tage nach dem Eingriff vor, dies ist jedoch abhängig von der Zellart und den jeweiligen Verfahren zur Analyse der Probe. Bestehen Zweifel an der Richtigkeit, kommt es erneut zu einer Entnahme, um zum Beispiel festzustellen, ob es sich um Tumorzellen handelt. Ein Problem ist, dass es auch unter Zuhilfenahme bildgebender Verfahren nicht immer einfach ist, die Gewebeprobe auch tatsächlich aus dem gewünschten Bereich zu entnehmen.

Risiken einer Biopsie

Meist ist eine Gewebeprobenentnahme ein kleiner Eingriff und bringt in der Regel nur selten Komplikationen mit sich. Mögliche Folgen einer Biopsie sind:

  • kurzzeitige Blutungen
  • Entzündungen
  • Narben (bei Vakuumbiopsie)

Sehr gering, wenn auch nicht ausgeschlossen, ist das Risiko einer Tumorzellverschleppung in andere Bereiche, zum Beispiel durch das Herausziehen der Biopsienadel. Verschiedene Maßnahmen, wie der Einsatz von Führungsnadeln, tragen dazu bei, dieses ohnehin geringe Risiko weiter zu minimieren. Zudem sind die Tumorzellen in der Regel nicht in der Lage, neue Tumoren zu bilden. Ihnen fehlen dafür notwendige Eigenschaften.

Ebenso ausschlaggebend für das Risiko einer Tumorzellverschleppung ist die Krebsart. Bei Brustkrebs und Prostatakrebs gibt es beispielsweise keine wissenschaftlichen Daten, dass der Krankheitsverlauf durch eine Biopsie negativ beeinflusst wird. Bei Weichteilsarkomen wiederum ist es möglich, dass sich Metastasen im Einstichkanal bilden können. Genaue Informationen über die Risiken können die behandelnden Ärzt*innen geben.

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