Raucherhusten

Chronische Bronchitis: Symptome und Behandlung

Jeden Morgen Husten mit Auswurf über Wochen und Monate? Der "Raucherhusten" ist ein Warnzeichen für eine chronische Bronchitis, die behandelt werden muss. Alles zu Symptomen, Diagnose und was gegen die chronische Entzündung der Bronchien hilft, lesen Sie hier.

Frau hustet chronische Bronchitis
Anhaltender Husten könnte auf eine chronische Bronchitis hindeuten und sollte deshalb immer beim Arzt abgeklärt werden.
© iStock.com/AaronAmat

Die chronische Bronchitis ist eine anhaltende, von alleine nicht mehr abklingende Entzündung der Bronchien. Es kommt zu chronischem Husten mit typischerweise weißlich-schleimigem Auswurf, der vor allem morgens auftritt. Ein Symptom, das vor allem langjährige Raucher kennen. Man spricht auch vom klassischen "Raucherhusten".

Chronische Bronchitis ist eine der häufigsten Erkrankung der Atemwege. In der Altersgruppe der über 40-Jährigen sind 15 Prozent aller Männer und acht Prozent aller Frauen betroffen, in den höheren Altersgruppen steigen die Zahlen noch deutlich an. Etwa 90 Prozent aller Betroffenen sind aktive oder ehemalige Raucher. Umgekehrt gilt: Über 80 Prozent aller langjährigen starken Raucher entwickeln irgendwann eine chronische Bronchitis.

Angeborene Störungen, häufige Atemwegsinfekte, vor allem in der Kindheit, Luftverschmutzung, Passivrauchen und die langzeitige Exposition von giftigen Dämpfen im Berufsleben können ebenso eine chronische Bronchitis auslösen.

Artikelinhalte im Überblick:

Zehn gute Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören

Was ist eine chronische Bronchitis?

Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO besteht eine chronische Bronchitis, wenn in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mindestens drei Monate lang die Symptome Husten und Auswurf vorliegen.

Die Erkrankung kann mit oder ohne Verengung der Atemwege (Obstruktion) einhergehen. Entsprechend werden zwei Formen unterschieden:

  • Einfache chronische Bronchitis: Die einfache chronischen Bronchitis geht ohne Einschränkung der Lungenfunktion einher. Sie gilt in diesem Stadium grundsätzlich als vollständig heilbar, sofern der Auslöser beseitigt werden kann. Es ist davon auszugehen, dass die Symptome weiter bestehen bleiben – im Normalfall lebenslang – sofern keine entsprechende Behandlung erfolgt.

  • Chronisch-obstruktive Bronchitis: Etwa 20 Prozent aller Patienten mit chronischem Husten entwickeln im Lauf der Zeit eine chronisch-obstruktive Bronchitis. Aufgrund der anhaltenden Entzündung der kleinsten Äste der Bronchien, der Bronchioli, kommt es zu einer Vernarbung des Gewebes (Fibrosierung) und Zerstörung der Flimmerhärchen (Zilien). Dies führt zu einer vermehrten Produktion von zähem Schleim, der jedoch nicht abtransportiert werden kann. Der Betroffene muss deshalb husten. Durch permanentes Husten werden die feinen Lungenbläschen (Alveolen) irgendwann regelrecht "ausgeleiert" und es entsteht ein Lungenemphysem. Das Vollbild dieser Erkrankung wird dann als COPD bezeichnet. Mehr zur Einteilung in die verschiedenen Stadien lesen Sie im Special COPD.

Ursachen einer chronischen Bronchitis

Ausgelöst wird die chronische Form durch eine anhaltende oder immer wiederkehrende Entzündung der Bronchien. Eine chronische Bronchitis ist deshalb nicht ansteckend. Als häufigste Ursachen und Risikofaktoren gelten:

  • (Passiv-) Rauchen: Tabakrauch gilt mit Abstand als häufigste Ursache für alle chronischen Lungenerkrankungen. Das Risiko für die Entwicklung einer chronisch-obstruktiven Bronchitis wird dabei in sogenannten Pack-Years angegeben. Dabei nimmt man die Anzahl der am Tag gerauchten Zigarettenschachteln – man geht von 20 Zigaretten pro Schachtel aus – mal die Zahl der Jahre seit Rauchbeginn. Wer zehn Jahre lang zwei Schachteln pro Tag raucht, kommt entsprechend auf 20 "Packungsjahre". Ab etwa 20 bis 30 Packungsjahren besteht eine Wahrscheinlichkeit von 80 bis 90 Prozent, dass der Raucher eine chronische Bronchitis entwickelt.

  • Umweltgifte: Insbesondere eine anhaltende starke Belastung mit Umweltgiften im beruflichen Umfeld gilt als gefährlich. Feinstaub, der bei der Holzindustrie oder im Baugewerbe anfällt, kann Bronchitis auslösen, ebenso wie Arbeiten in der Landwirtschaft.

  • häufige Atemwegsinfekte wie akute Bronchitis: Häufige und immer wiederkehrende Atemwegsinfekte irritieren die zarte Bronchialschleimhaut und das sensible Gleichgewicht der Lunge gerät aus der Balance.

  • Sinubronchitis: Ärzte sprechen bei anhaltende Entzündungen in den Nasennebenhöhlen von einer Sinubronchitis. Vor allem in der Nacht laufen eitrige Sekrete aus den Nebenhöhlen über den Rachen hinunter ins Bronchialgewebe und führen dort zur Entzündung.

  • Stauungsbronchitis bei Linksherzinsuffizienz

  • Mukoviszidose: Bei der angeborenen Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose kommt es zu zäher Schleimbildung in allen Drüsen des Körpers, entsprechend auch in den Bronchien.

  • Tuberkulose

  • angeborener Alpha1-Antitrypsin-Mangel: Antiproteasen wie das Alpha1-Antitrypsin sorgen normalerweise für einen natürlichen Schutz des Lungengewebes. Fehlen diese, beginnt die Lunge schlimmstenfalls, sich selbst zu verdauen. Diese erblich bedingte Stoffwechselerkrankung ist sehr selten.

  • Antikörpermangelsyndrome (IgA-Mangel)

  • angeborene Störung der Flimmerhärchen (primäre Zyliendyskinesie)

  • Frühgeburt: Frühgeborene, deren Lunge zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausgereift war, generell ein erhöhtes Risiko für chronische Lungeninfektionen.

Symptome der chronischen Bronchitis

Die typischen Symptome einer chronischen Bronchitis sind:

  • chronischer Husten, vor allem morgens
  • weißlich-schleimiger Auswurf
  • häufig begleitet von rezidivierenden Atemwegsinfekten
  • zusätzlich bei chronisch-obstruktiver Bronchitis: Atemnot zunächst nur unter Belastung, später auch in Ruhe (respiratorische Insuffizienz)
Asthma-Symptome und Auslöser

Wann zum Arzt mit chronischem Husten?

Husten, der länger als acht Wochen andauert, gilt als chronisch und spricht für eine zunehmende Schädigung des Lungengewebes, die entsprechend behandelt werden muss.

Möglichst umgehend zum Arzt gehen sollten Personen mit bekannter chronisch-obstruktiver Bronchitis, wenn sich die Symptome plötzlich verschlimmern – einer sogenannten Exazerbation – oder wenn sich der Auswurf in seiner Art plötzlich verändert.

Diagnose der chronischen Bronchitis

Der Haus- oder Lungenarzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese durchführen. Dabei wird er sich nach den Beschwerden erkundigen sowie bei Rauchern nach dem Rauchverhalten. Es folgt eine Inspektion des Körpers, bei der der Arzt nach Anhaltspunkten für eine mangelnde Sauerstoffversorgung, etwa eine Blaufärbung der Haut (Zyanose), forscht. Des Weiteren wird er die Lunge mit den Händen abklopfen (Perkutieren) und mit dem Stethoskop abhören (Auskultieren).

Folgende weitere Untersuchungsmethoden können zur Diagnose einer einfachen oder chronisch-obstruktiven Bronchitis herangezogen werden:

Lungenfunktionsprüfung mit dem Spirometer

Eine Lungenfunktionsprüfung mit dem Spirometer, eine Spirometrie, ist Kern jeder Untersuchung beim Lungenarzt. Sie zeigt Kapazität und Funktionszustand der Atemwege an. Das Spirometer misst sowohl das Luftvolumen, das der Betroffene einatmen kann, als auch die Menge und Geschwindigkeit der Ausatmung. Bei einer Verengung der Atemwege ist die Ausatmung eingeschränkt.

Blutwerte und Labor

Folgende Blutwerte geben Aufschluss über die Ursache des chronischen Hustens und das Ausmaß der Atembeeinträchtigung:

  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Hämoglobin (Hb): Erhöhte Werte deuten auf einen Sauerstoffmangel im Körper hin, der die Produktion von roten Blutkörpchen ankurbelt (Polyglobulie).

  • CRP und BSG: Die Entzündungsparameter geben Aufschluss über eine Exazerbation.

  • Alpha1-Antitrypsin: Dieser Wert sollte vor allem bei Kindern und jüngeren Patienten bei der Erstdiagnose bestimmt werden, um einen erblich bedingten Mangel auszuschließen.

  • Blutgasanalyse: Mit Hilfe der Blutgasanalyse wird der Gehalt an Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2) des Blutes gemessen. Dafür wird Blut aus einer Arterie oder dem Ohrläppchen entnommen. Ein niedriger pO2-Wert und ein hoher pCO2 sind Zeichen für eine mangelhafte Sauerstoffversorgung.

Röntgen, CT und Lungenspiegelung

Die chronische Bronchitis ist eine Ausschlussdiagnose. Insbesondere muss ein Lungenkarzinom ausgeschlossen werden, das die gleichen Symptome – Husten mit Auswurf – verursachen kann. Am besten wird das durch eine Röntgenaufnahme der Lunge ersichtlich. Erst dann kann die Diagnose chronische Bronchitis gestellt werden.

Bei unklarem Befund kann ein CT (Computertomografie) oder eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) Klarheit bringen.

Außerdem wird der Arzt eventuell einen Allergietest (Prick-Test) durchführen, sofern er eine allergische Veranlagung als Auslöser vermutet.

Fünf wichtige Ursachen von COPD

Behandlung der chronischen Bronchitis

Die Therapie einer chronischen Bronchitis richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung sowie nach der zugrundeliegenden Ursache. Erstes Ziel ist immer, eine mögliche Grunderkrankung zu behandeln oder auslösende Umweltgifte auszuschalten. Des Weiteren kommen bronchienerweiternde, schleimlösende und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz.

Medikamentöse Therapie bei chronischer Bronchitis

Die Therapie einer chronischen Bronchitis ähnelt der Behandlung bei Asthma bronchiale. Die Medikamente werden vorzugsweise als Inhalationstherapie verabreicht, da sie so zum einen direkt am geschädigten Gewebe wirken können und zum anderen den Organismus nicht unnötig belasten.

  • Bronchienerweiternde Mittel: Sie stellen die Basistherapie der chronischen Bronchitis dar und lösen die Verengung in den Atemwegen. Sie können kurzfristig bei Anfällen von Atemnot oder als Langzeittherapie angewendet werden.

  • Entzündungshemmende Medikamente: Glucocorticoide wie Kortison wirken stark entzündungshemmend, allerdings sprechen einige Betroffene nicht darauf an. Kortison kommt bei schweren Fällen und Entzündungsschüben zum Einsatz.

  • Schleimlösende Mittel: Schleimlösende Mittel (Sekretolytika) helfen, den zähen Schleim zu verflüssigen und Erleichtern das Abhusten. Bekannt sind die Wirkstoffe Acetylcystein oder Ambroxol.

  • Antibiotika: Sie kommen zum Einsatz, wenn bakteriellen Infektionen der Auslöser für eine Exazerbation sind. Ein grünlich-gelber Auswurf kann als Zeichen für eine bakterielle Infektion gewertet werden. Zur Sicherheit sollte aber eine Untersuchung des Sputums (Auswurf) erfolgen.

Chronische Bronchitis:Was kann man selber tun?

  • Nikotinkarenz und Rauchentwöhnung: Das Rauchen aufzuhören ist der wichtigste Faktor, den jeder Betroffene selber zur Heilung seiner chronischen Bronchitis beitragen kann. Bereits nach etwa drei bis vier Wochen konsequenter Nikotinkarenz haben sich die geschädigten Flimmerhärchen in den Bronchien meist schon soweit erholt, dass der Schleimabtransport wieder besser funktioniert und der Husten nachlässt.

  • ausreichend Trinken: Menschen mit chronischer Bronchitis sollten viel trinken, mindestens zwei bis zweieinhalb Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag. Das verflüssigt den zähen Schleim und erleichtert das Abhusten.

  • Lungensport und Atemgymnastik: Die eingeschränkte Funktion der Lungen lässt sich durch Lungensport und Atemgymnastik positiv beeinflussen. Lungensport ist ein gezieltes Training für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen und kann helfen, die Atemmuskelkraft zu verbessern. Für gezielte Atemgymnastik gibt es Atemtrainer, bei denen der Patient gegen einen Widerstand kleine Bälle in Röhrchen in die Höhe pusten muss. Außerdem kann es hilfreich sein, das Abhusten des Schleims durch Klopfmassagen auf dem Brustkorb zu erleichtern.

  • Inhalator und Dampfvernebler: Inhalieren mit Wasserdampf und isotonischer Kochsalzlösung hilft, den Schleim zu lösen und wirkt bronchienerweiternd. Besser als Inhalieren über einer Schüssel mit heißem Wasser wirkt die Dampfinhalation mit einem Vernebler. Vorsicht ist bei ätherischen Ölen wie Eukalyptus oder Thymian geboten, die die chronisch gereizten Bronchien unter Umständen noch zusätzlich irritieren können.

  • Klimakuren im Mittelgebirge oder an der See: Viel Bewegung an der frischen Luft tut den angegriffenen Bronchien gut. Am besten wirkt eine Kur in den Bergen oder an der See, die für Menschen mit chronischer Bronchitis auch von den Krankenkassen übernommen werden kann.

Verlauf und Prognose der chronischen Bronchitis

Der Verlauf einer chronischen Bronchitis ist in den meisten Fällen progredient, das heißt, die Erkrankung verschlechtert sich ohne Behandlung und kann in eine COPD übergehen. Außerdem drohen weitere schwere Komplikationen wie Lungenkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Mögliche Komplikationen bei chronisch-obstruktiver Bronchitis:

  • Übergang in eine COPD
  • Ausbildung eines Lungenemphysems: Irreversible Erweiterung der kleinen Lungenbläschen (Alveolen) mit totaler Überblähung der Lunge.
  • Respiratorische Insuffizienz: Das Atemvolumen ist stark eingeschränkt. Dadurch kommt es zu einer Sauerstoffunterversorgung im ganzen Körper mit den typischen Symptomen Atemnot, Blaufärbung (Zyanose), Fassthorax und Uhrglasnägeln.
  • Cor pulmonale: Aufgrund der Lungenerkrankung kommt es zu einer starken Belastung des Herzens und in Folge zur Herzinsuffizienz.
  • Lungenkrebs oder Bronchialkarzinom

Exazerbation: Plötzliche Verschlechterung der Symptome

Eine gefürchtete Komplikation bei chronisch-obstruktiver Bronchitis ist ein sogenannter Verschlechterungsschub, auch Exazerbation genannt. Häufige Ursache ist eine zusätzliche Infektion des gereizten Bronchialgewebes mit Viren oder Bakterien (Sekundärinfektion).

Die Exazerbation kann mit verstärkter Atemnot, Husten, Fieber oder einem Engegefühl in der Brust einhergehen. Häufig ändern sich auch die Konsistenz und Verfärbung des Auswurfes, der dann oft eine grünliche oder gelbliche Farbe annimmt. Eine solche Verschlechterung macht unter Umständen einen Klinikaufenthalt nötig. Mit jeder Exazerbation verschlechtert sich meist der Allgemeinzustand und somit die Lebenserwartung des Betroffenen.

Ist eine chronische Bronchitis heilbar?

Die Prognose bei chronischer Bronchitis hängt stark vom Verhalten des Betroffenen ab. Bei konsequentem Rauchverzicht ist sie vollkommen heilbar und geht auch nicht mit einer eingeschränkten Lebenserwartung einher. Wenn weiter geraucht wird, geht die Bronchitis bei jedem Fünften in eine chronisch-obstruktive Bronchitis oder COPD über.

Eine chronisch-obstruktive Bronchitis gilt als nicht vollständig reversibel. Die Lebenserwartung hängt hier in erster Linie vom Ausmaß der Beeinträchtigung der Atmung und von den Schäden am Lungengewebe ab.

Chronischer Bronchitis vorbeugen

Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer chronischen Bronchitis ist auslösende Umweltgifte zu meiden. Das schädlichste Gift ist dabei der Zigarettenrauch. Außerdem sollte beim Umgang mit giftigen Substanzen, die die Atemwege reizen und schädigen können – sowohl im Berufs-, wie auch im Privatleben – immer eine geeignete Atemmaske getragen werden.

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