Raucherhusten

Chronische Bronchitis erkennen und behandeln

Jeden Morgen Husten mit Auswurf über Wochen und Monate? Der "Raucherhusten" ist typisches Symptom einer chronischen Bronchitis und gleichzeitig ein Warnzeichen. Denn nur mit einer frühzeitigen Behandlung und etwas Eigeninitiative stehen die Chancen auf vollständige Heilung einer chronischen Bronchitis gut.

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Husten, der länger als acht Wochen anhält, sollte immer beim Arzt abgeklärt werden.
© iStock.com/Alexander Raths

Die chronische Bronchitis ist eine anhaltende, von alleine nicht mehr abklingende Entzündung der Bronchien. Es kommt zu chronischem Husten mit typischerweise weißlich-schleimigem Auswurf, der vor allem morgens auftritt. Ein Symptom, das vor allem langjährige Raucher kennen. Man spricht auch vom klassischen "Raucherhusten".

Chronische Bronchitis ist eine der häufigsten Erkrankung der Atemwege. In der Altersgruppe der über 40-Jährigen sind 15 Prozent aller Männer und acht Prozent aller Frauen betroffen, in den höheren Altersgruppen steigen die Zahlen noch deutlich an. Etwa 90 Prozent aller Betroffenen sind aktive oder ehemalige Raucher. Umgekehrt gilt: Über 80 Prozent aller langjährigen starken Raucher entwickeln irgendwann eine chronische Bronchitis. Nikotin und Zigaretten sind jedoch nicht die einzigen möglichen Verursacher. Angeborene Störungen, häufige Atemwegsinfekte, vor allem in der Kindheit, Luftverschmutzung, Passivrauchen und die langzeitige Exposition von giftigen Dämpfen im Berufsleben können ebenso eine chronische Bronchitis auslösen.

Artikelinhalte im Überblick:

Zehn gute Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören

Wann ist eine Bronchitis chronisch?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt klare Richtlinien vor:

Wer in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mindestens drei Monate lang unter den Symptomen Husten und Auswurf leidet, erfüllt die Voraussetzungen der chronischen Bronchitis.

Die Erkrankung kann mit oder ohne Verengung der Atemwege (Obstruktion) einhergehen. Entsprechend werden zwei grundsätzliche Formen unterschieden:

  • einfache (nicht-obstruktive) chronische Bronchitis
  • chronisch-obstruktive Bronchitis

Einfache chronische Bronchitis

Die einfache, nicht-obstruktive Form der chronischen Bronchitis geht ohne Einschränkung der Lungenfunktion einher. Sie gilt in diesem Stadium grundsätzlich als vollständig heilbar, sofern der Auslöser beseitigt werden kann. Es ist davon auszugehen, dass die Symptome weiter bestehen bleiben – im Normalfall lebenslang – sofern keine entsprechende Behandlung erfolgt. Allerdings kann man mit dieser Form der Bronchitis durchaus alt werden, solange es nicht zu einer Verschlimmerung der Symptomatik kommt und keine Komplikationen auftreten. Häufig ist sie aber die erste Stufe auf dem Wege zu einer irreversiblen Schädigung des Lungengewebes, einer sogenannten COPD (chronic obstructive pulmonary disease). Auf der Skala zur Einteilungen der COPD stellt die einfache chronische Bronchitis entsprechend die erste Stufe dar, das COPD-Stadium 0.

Wie kommt es zu einer chronisch-obstruktiven Bronchitis?

Etwa 20 Prozent aller Patienten mit chronischem Husten entwickeln im Lauf der Zeit eine chronisch-obstruktive Bronchitis. Die Schadstoffe im Zigarettenrauch – oder gegebenenfalls andere eingeatmete Gifte – führen zu einer chronischen Entzündung der kleinsten Äste der Bronchien, der Bronchioli. Aufgrund der anhaltenden Entzündung kommt es zu einer Vernarbung des Gewebes (Fibrosierung) und Zerstörung der Flimmerhärchen (Zilien). Diese winzigen Härchen kleiden die gesamten Atemwege von innen aus wie ein feiner Samtteppich und transportieren den Bronchialschleim und kleinste Fremdpartikel, die in die Lungen geraten sind, durch rhythmische Bewegungen Richtung Rachen wieder hinaus. Gleichzeitig kommt es aufgrund der Entzündung zu einer vermehrten Produktion von zähem Schleim, der jedoch nicht abtransportiert werden kann. Der Betroffene muss auf den "Ersatztransportweg" zurückgreifen: Er muss husten, um den Schleim loszuwerden. Am schlimmsten ist dieser produktive Husten morgens, da sich der Schleim über Nacht in den Bronchien abgesetzt hat. In diesem Stadium sprechen Ärzte von einer chronisch-obstruktiven Bronchitis.

Chronisch-obstruktive Bronchitis mit Atemnot

Der zähe Schleim begünstigt zusätzlich bakterielle Infektionen, die wiederum die Entzündung verstärken. Dadurch schwellen die Schleimhäute an und verengen die Atemwege, was zu einer Einschränkung der Atemfunktion führt – anfangs nur unter Belastung, später auch im Ruhezustand. Aufgrund der erschwerten, druckvollen Ausatmung und des permanenten Hustens werden die feinen Lungenbläschen (Alveolen) irgendwann regelrecht "ausgeleiert" und es entsteht ein Lungenemphysem. Das Vollbild dieser Erkrankung wird dann als COPD bezeichnet.

Fünf wichtige Ursachen von COPD

Chronisch-obstruktive Bronchitis oder COPD – wo ist der Unterschied?

Viele, jedoch bei weitem nicht alle Patienten mit COPD, leiden auch unter den Symptomen einer chronischen Bronchitis. Die COPD gilt als grundsätzlich nicht reversibel und lässt sich auch durch die Gabe von bronchienerweiternden Medikamenten nicht vollständig rückgängig machen, sondern lediglich im Verlauf aufhalten. Sie führt zu massiven Atemproblemen, damit verbundenen Folgeerkrankungen wie Herzinsuffizienz und somit zu einer verkürzten Lebenserwartung. Mehr zur Einteilung in die verschiedenen Stadien lesen Sie im Special COPD.

Ursachen und Risikofaktoren für die Entwicklung einer chronischen Bronchitis

Ausgelöst wird die chronische Form im Gegensatz zur akuten Bronchitis nicht durch Viren oder Bakterien, sondern durch eine anhaltende oder immer wiederkehrende Entzündung der Bronchien. Eine chronische Bronchitis ist deshalb auch nicht ansteckend. Als häufigste Ursachen und Risikofaktoren gelten:

  • Rauchen, Nikotin, Tabak
  • Passivrauchen
  • Luftverschmutzung, Feinstaub, Industriegase
  • häufige Atemwegsinfekte wie akute Bronchitis
  • Sinubronchitis
  • Stauungsbronchitis bei Linksherzinsuffizienz
  • Mukoviszidose
  • Tuberkulose
  • Alpha1-Antitrypsin-Mangel
  • Antikörpermangelsyndrome (IgA-Mangel)
  • angeborene Störung der Flimmerhärchen (primäre Zyliendyskinesie)
  • Störung des Lungenwachstums nach Frühgeburt

Hauptursache für chronische Bronchitis: starkes Rauchen

Tabakrauch gilt mit Abstand als häufigste Ursache für alle chronischen Lungenerkrankungen. Das Risiko für die Entwicklung einer chronisch-obstruktiven Bronchitis wird dabei in sogenannten Pack-Years angegeben. Dabei nimmt man die Anzahl der am Tag gerauchten Zigarettenschachteln – man geht von 20 Zigaretten pro Schachtel aus – mal die Zahl der Jahre seit Rauchbeginn. Wer zehn Jahre lang zwei Schachteln pro Tag raucht, kommt entsprechend auf 20 "Packungsjahre". Ab etwa 20 bis 30 Packungsjahren besteht eine Wahrscheinlichkeit von 80 bis 90 Prozent, dass der Raucher eine chronische Bronchitis entwickelt.

Passivrauchen gilt ebenfalls als möglicher Auslöser. Wie hoch das Risiko dabei wirklich ist, lässt sich bisher nicht abschließend sagen. Fest steht, dass Kinder, die zuhause permanentem Zigarettenrauch ausgesetzt sind, ein erhöhtes Risiko für Asthma, Allergien und chronische Bronchitis haben, ebenso wie Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben.

Asthma-Symptome und Auslöser

Feinstaub und Umweltgifte können Atemwegserkrankungen auslösen

Neben Tabakrauch kommen auch andere Umweltgifte (Noxen) als Auslöser infrage. Insbesondere eine anhaltende starke Belastung im beruflichen Umfeld gilt als gefährlich. Feinstaub, der bei der Holzindustrie oder im Baugewerbe anfällt, kann Bronchitis auslösen, ebenso wie Arbeiten in der Landwirtschaft. Bekannt ist in diesem Zusammenhang die "Bergmannbronchitis" bei Bergarbeitern im Steinkohlebergbau. Selbst Köche haben laut einer norwegischen Studie mit 900 Teilnehmern aus dem Jahr 2010 ein erhöhtes Risiko. Wer regelmäßig mehr als einen halben Arbeitstag damit verbringt, Lebensmittel anzubraten, erhöht die Wahrscheinlichkeit, an einer chronischen Bronchitis zu erkranken, um das Zweieinhalbfache.

Angeborene oder erworbene Störungen der Lungenfunktion

Häufige und immer wiederkehrende Atemwegsinfekte irritieren die zarte Bronchialschleimhaut und können den Fortgang der Erkrankung beschleunigen. Denn bei jedem Infekt gerät das sensible Gleichgewicht der Lunge aus der Balance. Antiproteasen wie das Alpha1-Antitrypsin sorgen normalerweise für einen natürlichen Schutz des Lungengewebes. Durch Entzündungsprozesse sowie durch Giftstoffe im Nikotin werden sie deaktiviert. Fehlen diese komplett, wie es bei einem angeborenen Mangel an Alpha1-Antitrypsin der Fall ist, beginnt die Lunge schlimmstenfalls, sich selbst zu verdauen. Diese erblich bedingte Stoffwechselerkrankung ist sehr selten.

Eine weitere mögliche Ursache ist die ebenfalls angeborene und recht häufige Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Hier kommt es zu zäher Schleimbildung in allen Drüsen des Körpers, entsprechend auch in den Bronchien. Außerdem haben Frühgeborene, deren Lunge zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausgereift war, generell ein erhöhtes Risiko für chronische Lungeninfektionen.

Häufige Ursache für chronischen Husten: Sinubronchitis

Anhaltende Entzündungen in den Nasennebenhöhlen, chronische Sinusitis genannt, können ebenfalls zur chronischen Bronchitis führen. Ärzte sprechen dann von einer Sinubronchitis. Vor allem in der Nacht laufen eitrige Sekrete aus den Nebenhöhlen über den Rachen hinunter ins Bronchialgewebe und führen dort zur Entzündung. Insofern sollte bei chronischem Husten immer eine Sinusitis ausgeschlossen werden.

Chronische Bronchitis bei Kindern

Von einer chronischen Bronchitis im Kindesalter spricht man, wenn die Entzündung der Bronchien über mehr als drei Monate anhält. Die Symptome gleichen einer akuten Bronchitis, halten aber länger an und kommen immer wieder. Manchmal ist es schwierig, die chronische Form von rezidivierenden akuten Atemwegsinfekten abzugrenzen, die gerade im Kindergartenalter während der kalten Jahreszeit sehr häufig auftreten. Unter Umständen liegt als Ursache eine angeborene Schädigung des Lungengewebes vor, etwa ein Alpha1-Antitrypsin-Mangel oder eine noch nicht erkannte Mukoviszidose, eventuell auch eine allergische Veranlagung. Oft sind bei Kindern zudem die Nasennebenhöhlen betroffen. Außerdem sollte man bei kleinen Kindern mit chronischem Husten auch immer an die Möglichkeit denken, dass sie ein Kleinteil eingeatmet haben könnten (Fremdkörperaspiration), das die Entzündung der Bronchien hervorruft.

Chronisch-obstruktive Bronchitis bei Kindern

Vor allem bei Kleinkindern in den ersten drei Lebensjahren kann es zu einer obstruktiven Bronchitis mit Verengung der Atemwege kommen, auch spastische Bronchitis genannt. Sie wird meistens von Erkältungsviren hervorgerufen und tritt entsprechend häufig im Herbst und Winter auf. Durch eine Entzündung der Bronchien und die damit einhergehende starke Schleimbildung kommt es zu einer Verengung der Atemwege sowie erschwerten Ausatmung bis hin zu massiver Atemnot. Betroffene Kinder zeigen ein typisches pfeifendes Geräusch beim Ausatmen, Giemen genannt, ähnlich wie beim Asthma bronchiale. Durch den Druck auf die feine Wand der Bronchien kommt es langfristig zur Schädigung der kleinsten Lungenwege, der Bronchioli. Anfangs leiden die Kinder nur bei Belastung unter Atemnot, später auch zunehmend in Ruhe. Diese Kinder sind anfälliger für Atemwegsinfekte und haben ein erhöhtes Risiko, später Asthma zu entwickeln.

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Anzeichen und Symptome der chronischen Bronchitis

Je nach Form der chronischen Bronchitis – obstruktiv oder nicht – kommt es neben dem anhaltenden Husten zu weiteren Anzeichen.

Die typischen Symptome einer chronischen Bronchitis sind:

  • chronischer Husten, vor allem morgens
  • weißlich-schleimiger Auswurf
  • häufig begleitet von rezidivierenden Atemwegsinfekten

Die Leitsymptome der chronisch-obstruktiven Bronchitis können mit dem Kürzel AHA zusammenfasst werden:

  • Auswurf
  • Husten
  • Atemnot

Zu den Symptomen der einfachen chronischen Bronchitis kommt eine plötzlich auftretende Belastungsatemnot hinzu. Unbehandelt verschlimmert sich die Atemnot, sodass sie bald auch bei geringster körperlicher Anstrengung und sogar in Ruhe auftritt. Ärzte sprechen dann von einer respiratorischen Insuffizienz. Dies führt zu einem massiven Sauerstoffmangel im ganzen Körper, der sich unter anderem in blauen Lippen und einer bläulich gefärbten Gesichtshaut zeigt.

Anzeichen der respiratorischen Insuffizienz

  • Atemnot bei körperlicher Anstrengung (Belastungsdyspnoe) und in Ruhe (Ruhedyspnoe)
  • Schnelle, flache Atmung (Tachypnoe)
  • Blaufärbung von Lippen, Schleimhäuten, Gesicht (Zyanose)
  • Aufwölbung der Brustwirbel (Fassthorax)
  • Trommelschlegelfinger und Uhrglasnägel: aufgrund des anhaltenden Sauerstoffmangels vergrößern sich die Fingerkuppen und die Fingernägel nehmen eine runde, gebogene Form an.

Wann zum Arzt mit chronischem Husten?

Husten, der länger als acht Wochen andauert, gilt als chronisch und sollte nicht als harmloser Raucherhusten abgetan werden. Er spricht vielmehr für eine zunehmende Schädigung des Lungengewebes und sollte als wichtiges Warnzeichen ernst genommen und entsprechend behandelt werden. Spätestens jetzt sollten Raucher über eine Rauchentwöhnung nachdenken. Doch auch bei Nichtrauchern sollte länger anhaltender Husten immer zum Anlass genommen werden, den Arzt aufzusuchen, da er Anzeichen und Begleiterscheinung verschiedener ernster Erkrankungen sein kann.

Möglichst umgehend zum Arzt gehen sollten Personen mit bekannter chronisch-obstruktiver Bronchitis, wenn sich die Symptome plötzlich verschlimmern – einer sogenannten Exazerbation – oder wenn sich der Auswurf in seiner Art plötzlich verändert.

Diagnose der chronischen Bronchitis

Der Haus- oder Lungenarzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese durchführen. Dabei wird er sich nach den Beschwerden erkundigen sowie bei Rauchern oder ehemaligen Rauchern nach der Menge der Zigaretten und den Jahren, die geraucht wurde, fragen. Es folgt eine Inspektion des Körpers, bei der der Arzt nach Anhaltspunkten für eine mangelnde Sauerstoffversorgung, etwa eine Blaufärbung der Haut (Zyanose), forscht. Des Weiteren wird er die Lunge mit den Händen abklopfen (Perkutieren) und mit dem Stethoskop abhören (Auskultieren).

Folgende weitere Untersuchungsmethoden können zur Diagnose einer einfachen oder chronisch-obstruktiven Bronchitis herangezogen werden:

Lungenfunktionsprüfung mit dem Spirometer

Eine Lungenfunktionsprüfung mit dem Spirometer, eine Spirometrie, ist Kern jeder Untersuchung beim Lungenarzt. Sie zeigt Kapazität und Funktionszustand der Atemwege an. Das Spirometer misst sowohl das Luftvolumen, das der Betroffene einatmen kann, als auch die Menge und Geschwindigkeit der Ausatmung.

Ein besonders wichtiger Wert ist das FEV1 (Forciertes Exspiratorisches Volumen in einer Sekunde), auch Einsekundenkapazität genannt. Bei einer Verengung der Atemwege ist die Ausatmung eingeschränkt, was sich in einem erniedrigten FEV1 zeigt.

Blutwerte und Labor

Folgende Blutwerte geben Aufschluss über die Ursache des chronischen Hustens und das Ausmaß der Atembeeinträchtigung:

  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Hämoglobin (Hb): Erhöhte Werte deuten auf einen Sauerstoffmangel im Körper hin, der die Produktion von roten Blutkörpchen ankurbelt (Polyglobulie).

  • CRP und BSG: Die Entzündungsparameter geben Aufschluss über eine Exazerbation.

  • Alpha1-Antitrypsin: Dieser Wert sollte vor allem bei Kindern und jüngeren Patienten bei der Erstdiagnose bestimmt werden, um einen erblich bedingten Mangel auszuschließen.

  • Blutgasanalyse: Mit Hilfe der Blutgasanalyse wird der Gehalt an Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2) des Blutes gemessen. Dafür wird Blut aus einer Arterie oder dem Ohrläppchen entnommen. Ein niedriger pO2-Wert und ein hoher pCO2 sind Zeichen für eine mangelhafte Sauerstoffversorgung.

Röntgen der Lunge

Die chronische Bronchitis ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, es muss zunächst sichergestellt werden, dass keine andere Erkrankung für die Beschwerden verantwortlich ist. Insbesondere muss ein Lungenkarzinom ausgeschlossen werden, das die gleichen Symptome – Husten mit Auswurf – verursachen kann. Am besten wird das durch eine Röntgenaufnahme der Lunge ersichtlich. Erst dann kann die Diagnose chronische Bronchitis gestellt werden.

Bei unklarem Befund kann ein CT (Computertomografie) oder eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) Klarheit bringen. Außerdem wird der Arzt eventuell einen Allergietest (Prick-Test) durchführen, sofern er eine allergische Veranlagung als Auslöser vermutet.

Therapie der chronischen Bronchitis

Die Therapie einer chronischen Bronchitis richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung sowie nach der zugrundeliegenden Ursache.

Erstes Ziel ist immer, eine mögliche Grunderkrankung zu behandeln oder auslösende Umweltgifte auszuschalten. Dazu gehört bei Rauchern in erster Linie eine Rauchentwöhnung. Des Weiteren kommen bronchienerweiternde, schleimlösende und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Zusätzlich ist es möglich und auch sinnvoll, die medikamentöse Therapie durch geeignete Maßnahmen der Eigenbehandlung und gegebenenfalls durch eine Umstellung des Lebenswandels zu unterstützen.

Medikamentöse Therapie bei chronischer Bronchitis

Die Therapie einer chronischen Bronchitis ähnelt der Behandlung bei Asthma bronchiale. Die Medikamente werden vorzugsweise als Inhalationstherapie verabreicht, da sie so zum einen direkt am geschädigten Gewebe wirken können und zum anderen den Organismus nicht unnötig belasten.

Der Umgang mit einem Inhalator erfordert ein wenig Übung, damit das Aerosol mit dem Wirkstoff nicht im Mund verbleibt, sondern bis in die Bronchien gelangen kann. Die Teilnahme an einer entsprechenden Schulung ist empfehlenswert.

Bronchienerweiternde Mittel

Als Basistherapie werden Bronchodilatatoren gegeben, die bronchienerweiternd wirken. Hier kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz:

  • Beta2-Sympathikomimetika wirken gefäßerweiternd und lösen die Verengung in den Atemwegen. Sie können kurzfristig bei Anfällen von Atemnot oder als Langzeittherapie angewendet werden. Sie werden meist recht gut vertragen, starke Nebenwirkungen wie Herzrasen und Herzrhythmusstörungen sind dennoch möglich.

  • Anticholinerika gehören ebenfalls zu den Bronchodilatatoren. Sie wirken schwächer als Beta2-Mimetika, haben allerdings auch weniger Nebenwirkungen.

Entzündungshemmende Medikamente

Glucocorticoide wie das bekannte Kortison wirken stark entzündungshemmend, allerdings sprechen einige Betroffene nicht darauf an. Kortison kommt bei schweren Fällen und Entzündungsschüben zum Einsatz.

Schleimlösende Mittel

Schleimlösende Mittel (Sekretolytika) helfen, den zähen Schleim zu verflüssigen und Erleichtern das Abhusten. Bekannt sind die Wirkstoffe Acetylcystein oder Ambroxol.

Antibiotika

Antibiotika kommen bei bakteriellen Infektionen zum Einsatz, insbesondere wenn diese der Auslöser für eine Exazerbation sind. Ein grünlich-gelber Auswurf kann als Zeichen für eine bakterielle Infektion gewertet werden. Zur Sicherheit sollte aber eine Untersuchung des Sputums (Auswurf) erfolgen.

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Chronische Bronchitis: Das kann man selber tun

  • Nikotinkarenz und Rauchentwöhnung: In Zigarettenrauch stecken über 250 giftige Substanzen und rund 90 nachweisbar krebserregende Stoffe. Sie schwächen das Immunsystem, schädigen die Zellen und verringern die Selbstreinigungsfähigkeit der Lunge. Das Rauchen aufzuhören ist somit der wichtigste Faktor, den jeder Betroffene selber zur Heilung seiner chronischen Bronchitis beitragen kann. Bereits nach etwa drei bis vier Wochen konsequenter Nikotinkarenz haben sich die geschädigten Flimmerhärchen in den Bronchien meist schon soweit erholt, dass der Schleimabtransport wieder besser funktioniert und der Husten nachlässt.

  • Ausreichend Trinken: Menschen mit chronischer Bronchitis sollten viel trinken, mindestens zwei bis zweieinhalb Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag. Das verflüssigt den zähen Schleim und erleichtert das Abhusten.

  • Lungensport und Atemgymnastik: Die eingeschränkte Funktion der Lungen lässt sich durch Lungensport und Atemgymnastik positiv beeinflussen. Lungensport ist ein gezieltes Training für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen und kann helfen, die Atemmuskelkraft zu verbessern. Für gezielte Atemgymnastik gibt es Atemtrainer, bei denen der Patient gegen einen Widerstand kleine Bälle in Röhrchen in die Höhe pusten muss. Außerdem kann es hilfreich sein, das Abhusten des Schleims durch Klopfmassagen auf dem Brustkorb zu erleichtern.

  • Inhalator und Dampfvernebler: Inhalieren mit Wasserdampf und isotonischer Kochsalzlösung hilft, den Schleim zu lösen und wirkt bronchienerweiternd. Besser als Inhalieren über einer Schüssel mit heißem Wasser wirkt die Dampfinhalation mit einem Vernebler, der den Dampf in winzig-kleine, lungengängige Tröpfchen verkleinert. Vorsicht ist bei ätherischen Ölen wie Eukalyptus oder Thymian geboten, die die chronisch gereizten Bronchien unter Umständen noch zusätzlich irritieren können.

  • Klimakuren im Mittelgebirge oder an der See: Viel Bewegung an der frischen Luft tut den angegriffenen Bronchien gut. Am besten wirkt eine Kur in den Bergen oder an der See, die für Menschen mit chronischer Bronchitis auch von den Krankenkassen übernommen werden kann.

  • Vitamine gegen freie Radikale: Zigarettenrauch und andere Umweltgifte begünstigen die Entstehung von freien Radikalen, die zu entzündlichen Prozessen führen und langfristig krebserregend wirken können. Der Körper hat ein eigenes Schutzsystem vor freien Radikalen: natürliche Antioxidantien wie die Vitamine C und E. Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse hilft, oxidativen Stress für die Zellen zu verringern.

Verlauf, mögliche Komplikationen und Prognose

Der Verlauf einer chronischen Bronchitis ist in den meisten Fällen progredient, das heißt, die Erkrankung verschlechtert sich ohne Behandlung und kann in eine COPD übergehen. Außerdem drohen weitere schwere Komplikationen wie Lungenkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut WHO belegen chronische Atemwegserkrankungen den dritten Platz auf der Rangliste der häufigsten Todesursachen nach Herzinfarkt und Schlaganfall. Im Jahr 2016 starben weltweit drei Millionen Menschen daran – doppelt so viele wie im Straßenverkehr und dreimal so viele wie an AIDS. In Deutschland gelten die chronische Bronchitis und die chronisch-obstruktive Bronchitis darüber hinaus zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit.

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Mögliche Komplikationen bei chronisch-obstruktiver Bronchitis sind:

  • Übergang in eine COPD
  • Ausbildung eines Lungenemphysems: Irreversible Erweiterung der kleinen Lungenbläschen (Alveolen) mit totaler Überblähung der Lunge
  • Respiratorische Insuffizienz: Das Atemvolumen ist stark eingeschränkt. Dadurch kommt es zu einer Sauerstoffunterversorgung im ganzen Körper mit den typischen Symptomen Atemnot, Blaufärbung (Zyanose), Fassthorax und Uhrglasnägeln.
  • Cor pulmonale: Aufgrund der Lungenerkrankung kommt es zu einer starken Belastung des Herzens und in Folge zur Herzinsuffizienz.
  • Lungenkrebs oder Bronchialkarzinom

Exazerbation: Plötzliche Verschlechterung der Symptome

Eine gefürchtete Komplikation bei chronisch-obstruktiver Bronchitis ist ein sogenannter Verschlechterungsschub, auch Exazerbation genannt. Häufige Ursache ist eine zusätzliche Infektion des gereizten Bronchialgewebes mit Viren oder Bakterien (Sekundärinfektion). Die Exazerbation kann mit verstärkter Atemnot, Husten, Fieber oder einem Engegefühl in der Brust einhergehen. Häufig ändern sich auch die Konsistenz und Verfärbung des Auswurfes, der dann oft eine grünliche oder gelbliche Farbe annimmt. Eine solche Verschlechterung der Symptome ist immer als Warnzeichen zu sehen und macht unter Umständen einen Klinikaufenthalt nötig. Mit jeder Exazerbation verschlechtert sich meist der Allgemeinzustand und somit die Lebenserwartung des Betroffenen.

Ist eine chronische Bronchitis heilbar?

Die Prognose einer chronischen Bronchitis hängt stark vom Verhalten des Betroffenen ab. Bei konsequentem Rauchverzicht ist sie vollkommen heilbar und geht auch nicht mit einer eingeschränkten Lebenserwartung einher. Wenn weiter geraucht wird, geht die Bronchitis bei jedem Fünften in eine chronisch-obstruktive Bronchitis oder eine COPD über.

Eine chronisch-obstruktive Bronchitis ist bereits durch eine Einschränkung der Atemfunktion gekennzeichnet. Sie gilt als nicht vollständig reversibel. Die Lebenserwartung hängt hier in erster Linie vom Ausmaß der Beeinträchtigung der Atmung und von den Schäden am Lungengewebe ab.

Bei COPD im fortgeschrittenen Stadium ist die Lebenserwartung stark erniedrigt. Nur etwa 35 Prozent leben länger als fünf Jahre nach Diagnosestellung. Die COPD ist nicht heilbar, wird jedoch aufs Rauchen verzichtet und die medikamentöse Dauertherapie konsequent durchgeführt, lassen sich zumindest die Beschwerden lindern und die Lebenserwartung erhöht sich.

Chronischer Bronchitis vorbeugen

Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer chronischen Bronchitis ist auslösende Umweltgifte zu meiden. Das schädlichste Gift ist dabei der Zigarettenrauch. Nicht zu rauchen und auch Passivrauchen zu vermeiden ist deshalb die beste und sinnvollste Vorsorgemaßnahme gegen jegliche Art von chronischen Lungenerkrankungen. Außerdem sollte beim Umgang mit giftigen Substanzen, die die Atemwege reizen und schädigen können – sowohl im Berufs-, wie auch im Privatleben – immer eine geeignete Atemmaske getragen werden.

Grippe-Impfung schützt

Ein wichtiger Aspekt zur Vorbeugung ist das Wahrnehmen der Schutzimpfung gegen Grippeviren (Influenza) und Pneumokokken. Diese beiden Erreger gelten als Hauptauslöser von schweren Infektionen der Atemwege, die der Bronchialschleimhaut schaden können und stellen für Menschen mit chronischer Bronchitis ein erhebliches Zusatzrisiko dar. Durch die Impfung kann laut Studien die Sterblichkeit bei chronisch-obstruktiver Bronchitis deutlich gesenkt werden.

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