Gefährliche Gehirnentzündung

Enzephalitis: Symptome und wie eine Impfung schützen kann

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In den meisten Fällen wird eine Enzephalitis durch Viren ausgelöst. Was die Japanische Enzephalitis ist, welche Symptome bei einer Gehirnentzündung auftreten und wie man einer Infektion vorbeugen kann.

Frau hat Schwindel und Kopfschmerzen
© iStock.com/courtneyk

Kurzübersicht: Enzephalitis (Gehirnentzündung)

Definition: Eine Gehirnentzündung ist eine Infektion des Gehirns durch Krankheitserreger. Im asiatischen Raum ist die Japanische Enzephalitis von Bedeutung.

Ursachen: Meist durch Viren ausgelöst. Betroffen sind vermehrt Kinder, junge Erwachsenen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Fernreisende zählen ebenfalls zur Risikogruppe.

Therapie: Bei rechtzeitiger Gabe von Medikamenten stehen die Heilungschancen gut. Unbehandelt steigt die Wahrscheinlichkeit von Folgeschäden.

Vorbeugen: Schutzimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken oder FSME können die Erkrankung verhindern. Außerdem gibt es gegen die Japanische Enzephalitis eine Impfung, für Reisende ist sie interessant.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist eine Enzephalitis?

Eine Gehirnentzündung wird meist durch eine Infektion mit Viren ausgelöst, seltener durch Bakterien, Einzeller oder Würmer. Ist das Organgewebe des Gehirns betroffen, spricht man von Enzephalitis (auch Encephalitis).

Durch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke wird normalerweise verhindert, dass Krankheitserreger, Giftstoffe oder andere Fremdproteine ins Gehirn eindringen. Manchmal ist diese Blut-Hirn-Schranke nicht ausreichend und es können schädliche Substanzen, Viren, Bakterien oder andere Erreger ins Gehirn gelangen. Rufen sie dort eine Entzündung hervor, schwillt das Gewebe an und einzelne Nervenzellen können dabei absterben. Es können auch großflächige Schäden der Gehirnsubstanz entstehen oder zu einer Hirnblutung kommen.

Gut zu wissen: Meningitis bezeichnet die Hirnhautentzündung. Wenn Gehirn und Hirnhäute betroffen sind, handelt es sich um eine Meningoenzephalitis.

Was ist die Japanische Enzephalitis?

Die Japanische Enzephalitis ist im asiatischen Raum die bedeutendste Virusinfektion des Gehirns. Hauptsächlich betroffen sind China, Indien, Sri Lanka, Nepal, Vietnam, die Philippinen und das nördliche Thailand.

Hauptwirte der Zoonose (Erkrankungen, die von Wirbeltieren auf den Menschen und umgekehrt übertragbar sind) sind Schweine und wildlebende Vögel, seltener auch Pferde, Reptilien und Fledermäuse. Übertragen wird die Japanische Enzephalitis von Stechmücken.

Die Krankheit wird durch das Japanische-Enzephalitis-Virus ausgelöst, das zur Gruppe der Arboviren gehört. In den meisten Fällen verläuft die Infektion mild oder symptomlos, allerdings erkrankt einer von 250 Infizierten an einer schweren Enzephalitis. Rund 30 Prozent der Überlebenden leiden dauerhaft unter Lähmungen, Gangstörungen, Krampfanfällen oder tragen geistige Behinderungen oder Verhaltensstörungen davon.

Japanische Enzephalitis: Impfung ist wirksamster Schutz

Bisher gibt es keine wirksamen Medikamente gegen diese Form der Krankheit. Eine Impfung und der wirksame Schutz vor Mückenstichen können der Japanischen Enzephalitis allerdings vorbeugen. Für eine Immunisierung sind zwei Impfungen im Abstand von 28 Tagen notwendig. Sie ist laut der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin ab einem Lebensalter von zwei Monaten möglich. Die Kosten von rund 100 Euro müssen meist selbst bezahlt werden.

Das Infektionsrisiko für Reisende ist gering und besteht hauptsächlich bei Langzeitaufenthalten in den Endemiegebieten. Ein erhöhtes Risiko für eine Infektion besteht vor allem

  • auf dem Land und am Ende der Regenzeit,
  • ganzjährig in den Tropen,
  • für Kinder und ältere Personen sowie
  • bei Menschen mit Störung der Blut-Liquor-Schranke, Immunschwäche, arterieller Hypertonie, Diabetes mellitus und chronischen Nierenerkrankungen.
Hirnhautentzündung: Welche Symptome sind möglich?

Symptome der Enzephalitis

Je nachdem, welche Gehirnregion durch die Entzündung befallen ist, sind die Beschwerden einer Enzephalitis sehr unterschiedlich. Bei autoimmunen Erkrankungen oder chronischen Virusinfekten können die Anzeichen sehr schleichend beginnen und nur langsam schlimmer werden.

Typische Symptome:

Bei sehr schweren Formen kommt es zu einer Hirnschwellung, die einen andauernden Krampfanfall (Status epilepticus) oder ein Koma auslösen kann. Diese Symptome deuten auf eine schlechte Prognose hin. Eine akute schwere Gehirnentzündung ist immer lebensbedrohlich und muss unverzüglich behandelt werden.

Eine Enzephalitis bei Säuglingen und kleinen Kindern festzustellen, ist schwierig. Folgende Beschwerden sollten auf alle Fälle durch eine*n Ärztin*Arzt abgeklärt werden:

  • Körpersteifigkeit
  • vermehrtes Schreien, die Kinder lassen sich nicht beruhigen und wird schlimmer, wenn sie hochgenommen werden
  • Nahrungsverweigerung
  • Erbrechen
  • nach außen vorgewölbte Fontanelle
Enzephalitis: Symptome einer Gehirnentzündung

Ursachen der Gehirnentzündung

Nur in den seltensten Fällen ist eine Enzephalitis ansteckend. Immungeschwächte Menschen können sich aber auch direkt bei Erkrankten infizieren.

Eine Gehirnentzündung kann durch Viren ausgelöst werden, die erst durch ein geschwächtes Immunsystem zur Gefahr werden. In Deutschland sind die häufigsten viralen Ursachen für eine Enzephalitis:

  • Herpes-simplex-Virus

  • Varizella-Zoster-Virus (Windpocken-Virus)

  • Epstein-Barr-Virus

  • Zytomegalie

  • Masernvirus

  • Mumpsvirus

  • Rötelnvirus

  • Enterovirus

  • FSME-Virus (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)

Darüberhinaus gibt es weitere Viren, die infrage kommen: Lyssavirus (Tollwut), West-Nil-Virus, Arboviren (Japanische Enzephalitis), Coxackie-Virus (Hand-Fuß-Mund-Krankheit), Poliovirus (Kinderlähmung), Echovirus oder Nipah-Virus.

Bakterien und Parasiten

Auch Bakterien können eine Gehirnentzündung verursachen. Typische Beispiele sind Borrelien, die oft durch Zecken übertragen werden. Auch Bakterien, die Tuberkulose und Syphilis auslösen sowie Streptokokken können ins Gehirn eindringen und dort eine bakterielle Entzündung verursachen.

Parasiten wie Rundwürmer, Toxoplasmose-Erreger oder Pilze können bei immungeschwächten Menschen die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Besonders gefährdet sind Personen mit Aids, schweren chronischen Krankheiten, Krebs oder nach einer Organtransplantation.

Autoimmunreaktionen

Autoimmune Reaktionen können ebenfalls zu einer Hirnentzündung führen. Das Immunsystem des Menschen greift in diesem Fall das eigene Organ an. Dahinterliegende Mechanismen sind noch nicht ausreichend erforscht, mögliche Auslöser können Infekte, Fehlaktivierungen des Immunsystems oder Tumorerkrankungen sein. Auch Multiple Sklerose wird mit solchen autoimmunen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Besteht der Verdacht einer Hirnentzündung, werden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Diese sind:

  • Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte): Informationen zum Allgemeinzustand, viralen Infektionen, Zecken- oder anderen Insektenstichen, kürzlich unternommenen Reisen, Kontakt zu Nutztieren oder Menschen mit Gehirnentzündung. Neben den Patient*innen werden möglichst auch Angehörige befragt.

  • Körperliche und neurologische Untersuchung: Bewusstseinstrübungen, Gehstörungen, Lähmungszeichen, Sprachschwierigkeiten oder Missempfindungen können auf eine Enzephalitis hindeuten.

  • Blutuntersuchung: Durch sie können Entzündungszeichen nachgewiesen und möglicherweise ein Erreger identifiziert werden.

  • Liquoruntersuchung: Die Lumbalpunktion dient dem Nachweis von Erregern und Entzündungszeichen im Nervenwasser.

  • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT des Schädels mit oder ohne Kontrastmittel kann Veränderungen der normalen Hirnstruktur bildlich darstellen.

  • Computertomographie des Schädels (CT): Ausschluss einer akuten Hirnschwellung.

  • Ableitung der Hirnströme (EEG): Veränderungen der Hirnströme können auf eine erhöhte Krampfanfälligkeit oder andere Veränderungen der elektrischen Energie des Gehirns hinweisen

Eine Hirnbiopsie wird nur durchgeführt, wenn anderweitig keine Diagnose gestellt werden kann.

Behandlung der Enzephalitis

Wurde eine Gehirnentzündung diagnostiziert, muss eine Therapie im Krankenhaus erfolgen. Nur so können die möglicherweise lebensbedrohlichen Komplikationen schnell erkannt werden. Die symptomatische (auf die auftretenden Beschwerden ausgerichtete) Therapie beinhaltet:

  • Bettruhe
  • Fieber senken
  • Verlust von Flüssigkeiten und Elektrolyten ausgleichen
  • Schmerzmittel
  • falls notwendig Gabe von Antiepileptika und Beruhigungsmitteln
  • Atemkontrolle

Bis eine Enzephalitis durch Herpes-Viren ausgeschlossen ist, verordnen Ärzt*innen sofort das antivirale Medikament Aciclovir intravenös, alle acht Stunden. Diese Therapie wird fortgesetzt, bis die Viren als Auslöser ausgeschlossen werden können. Bei Verdacht auf eine bakterielle Entzündung werden zusätzlich Antibiotika verabreicht.

Wurde der Erreger der Gehirnentzündung eindeutig nachgewiesen, kommen spezifisch wirksame Mittel zum Einsatz. Je nach Art des Parasiten können hier Anthelminithika (Wurmmittel) oder Antimykotika (Pilzmittel) angewendet werden. Ist die Enzephalitis durch eine Autoimmunreaktion entstanden, ist Kortison das Mittel der Wahl.

Die Therapie kann durch eine Dialyse und Behandlung mit Antikörpern (Immunglobuline) unterstützt werden.

Die wichtigsten Impfungen

Wie sind die Heilungschancen einer Enzephalitis?

Bei einer Gehirnentzündung hängen die Heilungschancen vom Schweregrad der Erkrankung, Art des Auslösers und vom Zeitpunkt der Diagnose und des Behandlungsbeginns ab. Wird die Enzephalitis schnell erkannt und die Behandlung unverzüglich begonnen, sind die Aussichten auf vollständige Heilung normalerweise gut.

Eine Gehirnentzündung kann unter bestimmten Umständen auch schwere, bleibende Schäden nach sich ziehen oder tödlich verlaufen. Besonders anhaltende Krampfanfälle (Status epilepticus) und Gehirnschwellungen (Hirnödem) können lebensbedrohliche Komplikationen sein.

Bei manchen Betroffenen bleiben chronische Beschwerden über lange Zeit bestehen. Typische Folgeschäden einer Enzephalitis können Schwerhörigkeit bei Kindern und Sehschwäche, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Sprachschwierigkeiten sowie Gleichgewichtsstörungen und Gangunsicherheiten sein.

Erkankung vorbeugen

Vorbeugend kann man sich gegen viele Krankheitserreger impfen lassen. Schutzimpfungen gegen

  • Masern,
  • Mumps,
  • Röteln,
  • Windpocken,
  • Kinderlähmung,
  • Grippe und
  • FSME werden flächendeckend angeboten.

Fernreisende sollten sich gegen die japanische Form impfen lassen, wenn sie eine Reise nach Süd-, Südost- und Ostasien planen.

Außerdem sollte man sich regelmäßig nach Zecken absuchen, nachdem man sich im Wald oder auf Wiesen aufgehalten hat. Durch die frühzeitige, fachmännische Entfernung von Zecken wird das Infektionsrisiko erheblich gesenkt.

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