Infektionsgefahr auf Reisen

Tollwut: Impfung schützt vor tödlicher Krankheit

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Tollwut ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Die Viren werden über den Speichel von Tieren auf den Menschen übertragen. Es handelt sich bei Tollwut (Rabies) also um eine Zoonose. Es gibt eine Impfung, die gegen die Viren immunisiert. Wann die Impfung sinnvoll ist, lesen Sie hier.

Hund überträgt Tollwut
© Getty Images/coscaron

Zutrauliche Füchse galten früher als Gefahr für Tollwut, allerdings ist die Tollwut durch Impfung der Tiere bei uns weitestgehend ausgerottet.

Im Überblick:

Sicherheit auf Reisen: Hier lauert Infektionsgefahr

Tollwut: Infektionskrankheit bei Mensch und Tier

Tollwut ist eine lebensbedrohliche Krankheit, die durch Bisse von Tieren auf den Menschen übertragen wird. Damit zählt Tollwut zu den Zoonosen. Ist die Erkrankung ausgebrochen, ist sie nicht heilbar.

Die Tollwut, früher auch Hundswut genannt, geht auf das Lyssavirus zurück, das zur Familie der Rhabdoviren zählt. Die Erreger umfassen bis zu 15 verschiedene Typen. 20 bis 50 Prozent aller Menschen, die von einem Tier mit Tollwut gebissen werden, entwickeln die Krankheit, die auch Rabies heißt. Wird die Tollwut nicht sehr schnell behandelt, ruft sie eine Gehirnentzündung hervor, die tödlich verläuft. Weltweit versterben nach Angaben der WHO jährlich etwa 55.000 Menschen an Tollwut, fast alle davon in den Entwicklungsländern Afrika und Asien. Fachleute rechnen in diesen Gebieten außerdem mit einer hohen Dunkelziffer von Tollwutfällen.

Infektionswege und Formen

Die Tollwutviren gehen meist durch Bisse von Säugetieren auf den Menschen über. Doch auch, wenn kleine Hautverletzungen oder Schleimhäute mit dem Speichel eines infizierten Tiers in Kontakt kommen, ist eine Ansteckung möglich.

Im menschlichen Körper vermehrt sich das Tollwutvirus nach der Infektion zunächst in Muskel- und Nervenzellen nahe der Eintrittsstelle, also meist der Bissverletzung. Von dort gelangt der Tollwut-Erreger entlang der Nervenzellen zum Rückenmark und weiter in das gesamte zentrale Nervensystem (ZNS) bis ins Gehirn. Hier vermehren sich die Lyssaviren und befallen weitere Organe und Drüsen. Letztere scheiden die Tollwut-Erreger durch das jeweilige Drüsensekret (Speichel, Schweiß, Verdauungssekret) mit aus und sind demnach infektiös. Entlang der Nervenbahnen kommt das Tollwutvirus pro Tag etwa fünf bis zehn Zentimeter vorwärts.

Ob und wann es nach der Ansteckung zum Ausbruch der Krankheit kommt, hängt davon ab, wo und wie tief die Viren in den Körper eingedrungen sind und wie stark der Virenbefall ist. Tiefe Bissstellen im Gesicht führen eher zu einer Erkrankung als oberflächliche Bisswunden an der Hand. Je kürzer der Weg der Viren bis zum Gehirn oder Rückenmark ist, desto eher treten in der Regel die Symptome auf.

Je nach Überträger der Viren unterscheiden Fachleute drei Arten von Tollwut:

  • Bei der urbanen Form tragen Haustiere wie Hunde, manchmal auch Katzen, das Tollwut-Virus in sich. Meistens haben diese sich bei einem Fuchs angesteckt. Ungeimpfte Haustiere werden besonders leicht zu Überträgern von Tollwut auf den Menschen, weil häufig sehr enger Kontakt mit ihnen besteht.

  • Bei der sylvatischen Form der Tollwut sind Wildtiere – vor allem Füchse, Stinktiere und Waschbären – Träger der Erkrankung. Hier sind besonders Berufsgruppen gefährdet, die im Wald arbeiten oder Kontakt zu diesen Tieren haben. Vor Ausrottung der Tollwut in Deutschland trugen außerdem Dachse, Marder und Rehe das Virus in sich.

  • Die Fledermaustollwut ist durch blutsaugende Vampir-Fledermäuse vor allem in Süd- und Mittelamerika verbreitet. In den USA gingen die meisten Tollwut-Fälle beim Menschen in den vergangenen Jahre auf Fledermausbisse zurück. Auch in ganz Europa mehren sich die Fälle von Fledermaus-Tollwut, deshalb gilt es, weder lebende noch tote Fledermäuse anzufassen.

Empfohlene Impfungen und Impfabstände

Tollwut: Impfung vor Auslandreise häufig empfehlenswert

In Deutschland ist die Fuchs-Tollwut durch systematische Bekämpfung ausgerottet. Das konnte durch eine intensive Schluckimpfung von Füchsen mit ausgelegten Impfködern erreicht werden. Neben Deutschland gelten einige Länder als tollwutfrei, darunter:

  • Finnland
  • Schweiz
  • Niederlande
  • Italien
  • Luxemburg
  • Frankreich
  • Belgien
  • Tschechische Republik

Diese Angabe bezieht sich aber nur auf die terrestrische Tollwut, also die Fälle, die durch bodenlebende Tiere ausgelöst werden. Daneben können Fledermäuse das Tollwutvirus in sich tragen. Vorsicht ist deshalb auch bei Höhlenwanderungen geboten.

Impfung gegen Tollwut: Für Haustiere und Risikogruppen

Gegen Tollwut ist ein Impfstoff verfügbar. Die Impfungen wird etwa Menschen empfohlen, die häufig Umgang mit tollwutgefährdeten Tieren haben. Das sind beispielsweise:

  • Tierärzt*innen
  • Förster*innen
  • Waldarbeiter*innen
  • Jäger*innen

Auch für Menschen, die beruflich oder privat mit Fledermäusen zu tun haben, empfiehlt sich eine Impfung. An den Tollwut-Schutz sollte außerdem Laborpersonal denken, das mit dem Tollwut-Erreger arbeitet. Auch Haustiere sollten gegen die Viren geimpft sein, weil sie sich bei Wildtieren anstecken können.

Reiseimpfungen: Tollwut-Schutz wichtig

Fachleute empfehlen außerdem vor Reisen in Tollwutgebiete einen Impfschutz aufzubauen beziehungsweise die Impfung aufzufrischen. Wo Tollwut verbreitet ist, streunenden Tieren besser nicht zu nahe kommen. Das gilt zum Beispiel für Indien und China. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn wilde Tiere plötzlich zutraulich gegenüber Menschen sind. Dieses Verhalten tritt häufig im Anfangsstadium einer Tollwuterkrankung auf.

Nachträgliche Tollwut-Immunisierung möglich

Auch nach Kontakt oder dem Biss eines infizierten Tieres ist noch eine Tollwut-Impfung möglich und sinnvoll. In solchen Fällen ist schnelles Handeln wichtig: Nur die frühzeitige Nachsorge und Immunisierung kann verhindern, dass die Tollwut ausbricht und zum Tod führt.

Tollwut: Symptome beim Menschen

Tollwut verläuft beim Menschen in drei Stadien, die sich anhand der Symptome unterscheiden. Die Inkubationszeit der Tollwut beträgt in der Regel zwischen drei und acht Wochen. In Ausnahmefällen sind es weniger als neun Tage. In Einzelfällen bricht die Erkrankung erst Jahre nach der Ansteckung aus.

Stadium 1: Prodromalstadium

Im ersten Tollwut-Stadium, dem sogenannten Prodromalstadium, treten uncharakteristische Beschwerden auf, darunter:

Bei manchen Betroffenen ist die (Biss-)Wunde schmerzempfindlich, brennt oder juckt. Nahe der Eintrittsstelle vermehren sich im Anfangsstadium der Tollwut die dafür verantwortlichen Viren und lösen solche Symptome aus.

Stadium 2: Exzitationsstadium

Der zweite Tollwut-Abschnitt wird als akute neurologische Phase, Exzitationsstadium oder auch "rasende Wut" bezeichnet. Hier unterscheiden Fachleute die paralytische von der enzephalitischen Form.

Typische Symptome für die enzephalitische Form ist die Hirn- und Nervenentzündung, die etwa mit starken Erregungszuständen, Krämpfen und Muskelzuckungen einhergeht. Die Betroffenen sind hochgradig unruhig, müssen sich ständig bewegen und haben Angstgefühle. Sie verhalten sich mal aggressiv und sind dann wieder depressiv.

Ein weiteres Symptom ist die Angst vor Wasser (Hydrophobie) und in Zuge dessen Angst vor dem Schlucken. Dabei reicht schon das Hören oder Sehen von Wasser aus, um Krämpfe der Schluckmuskulatur auszulösen. Häufig ist ein Speichelfluss aus dem Mund zu beobachten, weil die Betroffenen vermeiden, zu schlucken. Zudem wird mehr Speichel produziert. In diesem Stadium, also der akuten neurologischen Phase mit Erregungszuständen, tritt in vielen Fällen der Tod ein.

Die paralytische Form ("stille Wut") kennzeichnen dagegen eher Lähmungen. Die Muskulatur erschlafft. Betroffene werden ruhiger und haben keine Krämpfe mehr.

Stadium 3: Tollwut im Endstadium

Tollwut endet meist mit einem Koma, Betroffene sterben an Atemlähmung. Unbehandelt ist der gesamte Krankheitsverlauf sehr kurz: Von den ersten Symptomen der Tollwut bis zum Tod dauert es meistens eine bis maximal drei Wochen. Bisswunden durch Tiere, zumal in tollwutgefährdeten Reiseländern, müssen deshalb sofort ärztlich behandelt werden, um die Tollwutgefahr zu bannen.


Diagnose: Wie wird Tollwut festgestellt?

Der Verdacht auf Tollwut wird meist aus der Anamnese abgeleitet, etwa wenn Betroffene ihre Symptome berichten und zudem Kontakt mit einem Wildtier hatten oder von einem Hund gebissen wurden. Dabei spielen vorangegangene Reisen in Risikogebiete der Tollwut ebenfalls eine zentrale Rolle.

Da auch andere Ursachen hinter den diffusen Symptomen stecken können, müssen weitere Untersuchungen folgen. Nur so können weitere Erkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom sicher ausgeschlossen werden.

Zur Sicherung der Diagnose können Antigene beziehungsweise das genetische Material (RNA) des Tollwut-Virus im Speichel, der Hornhaut des Auges, in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit oder einer Gewebeprobe der Nackenhaut von Betroffenen nachgewiesen werden. Diese Tests können jedoch aufgrund mangelnder Spezifität des Diagnose-Verfahrens falsch-negative Ergebnisse erzeugen.

Der Tollwut-Verdacht lässt sich deshalb erst nach dem Tod mit Sicherheit bestätigen – etwa, indem das befallene Hirngewebe mit Methoden der Immunfluoreszenz sichtbar gemacht wird.

Therapie der Tollwut: Wie erfolgt die Behandlung?

Sind die Symptome einer Tollwut bereits aufgetreten, ist es für wirksame therapeutische Hilfe zu spät, da die Erkrankung nicht heilbar ist und tödlich endet. In diesem Fall beschränkt sich die Behandlung auf die Symptome der Tollwut. Wenn aber ein mit Tollwut infiziertes Tier einen Menschen gebissen hat und noch keine Symptome aufgetreten sind, ist eine Behandlung der Rabies unter intensivmedizinischer Aufsicht möglich.

Sofortmaßnahmen: Nach dem Biss Wunde reinigen!

Die Wunde wird zunächst sorgfältig mit Wasser und Seifenlösung gewaschen und mit Alkohol desinfiziert, um Tollwutviren auszuspülen oder ihre Zahl zu verringern. Tiefere Wunden können mit Kathetern ausgespült werden. Ziel ist es, zu verhindern, dass sich die Bisswunde durch Bakterien zusätzlich entzündet (bakterielle Superinfektion). Die Gliedmaßen werden ruhiggestellt, zudem wird ein Verband angelegt und gegebenenfalls der Tetanus-Schutz aufgefrischt, um einen Wundstarrkrampf zu verhindern.

Schnelle, nachträgliche Impfung schützt vor Tollwut-Ausbruch

Um einen Ausbruch der Tollwut nach dem Biss eines tollwutverdächtigen Tiers zu vermeiden, wird Betroffenen fünf Mal ein inaktives Virus, ein sogenannter Totimpfstoff, gespritzt. Die Tollwut-Impfung schützt zuverlässig vor dem Ausbruch der Krankheit. Außerdem bekommen Patient*innen im Rahmen der sogenannten postexpositionellen Prophylaxe (Vorsorge, nachdem jemand dem Tollwut-Virus ausgesetzt wurde) ein Tollwut-Immunglobulin verabreicht, das passiv gegen die Tollwut immunisiert.

Andere nachträgliche Therapien der Tollwut, zum Beispiel mit Virostatika, die die Vermehrung der Viren bremsen, konnten nur in sehr wenigen Ausnahmefällen das Leben eines Tollwut-Patient*innen retten und sind somit kaum eine Option.

Tollwut: Tipps zum Vorbeugen

Eine Impfung gegen Tollwut schützt zuverlässig vor einer Ansteckung, deshalb sollten sich Menschen, die in ein Endemiegebiet reisen oder aufgrund ihrer Tätigkeit ein erhöhtes Risiko haben, impfen lassen. Auch Haustiere sollten immunisiert werden.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, Abstand zu Wildtieren zu halten und keine lebenden Tiere zu berühren oder zu füttern, auch wenn sie zutraulich sind. Tote Tiere, insbesondere Fledermäuse, sollten nicht angefasst werden. Besondere Achtsamkeit ist bei einer gestörten Hautbarriere und offenen Wunden an der Haut gefragt, da die Viren so leicht in den Körper eindringen können.

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