Virusinfektion

Tollwut

Rabies / Lyssa

Tollwut ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Die Viren werden über den Speichel von Tieren auf den Menschen übertragen. Es handelt sich bei Tollwut (Rabies) also um eine Zoonose. Die Überträger-Spezies unterscheidet sich dabei von Land zu Land, in dem die Tollwut auftritt. Es gibt aber eine Impfung, die gegen die tückischen Viren immunisiert.

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Bevor die Tollwut in Deutschland ausgerottet wurde, waren Füchse die hauptsächlichen Überträger der Viren.
Getty Images/Hemera

Die Tollwut, früher auch Hundswut genannt, geht auf Lyssaviren zurück, die zur Familie der Rhabdoviren zählen. Die Erreger umfassen bis zu 15 verschiedene Typen. 20 bis 50 Prozent aller Menschen, die von einem Tier mit Tollwut gebissen werden, entwickeln die Krankheit, die auch Rabies genannt wird. Wird die Tollwut nicht sehr schnell behandelt, ruft sie eine Gehirnentzündung hervor, die tödlich verläuft. Weltweit versterben nach Angaben der WHO jährlich etwa 55.000 Menschen an Tollwut, fast alle davon in Ländern der Dritten Welt. Experten rechnen dort außerdem mit einer hohen Dunkelziffer von Tollwut-Fällen.

Vor Reise in Tollwutgebiet impfen lassen

In Deutschland ist die Fuchs-Tollwut durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen ausgerottet. Das konnte durch eine intensive Schluckimpfung der Füchse mit ausgelegten Impfködern erreicht werden. Neben Deutschland gelten die Schweiz, Finnland, die Niederlande, Italien, Luxemburg, Frankreich, Belgien sowie die Tschechische Republik gelten offiziell als tollwutfrei. Diese Angabe bezieht sich aber nur auf die terrestrische Tollwut, also die Fälle, die durch bodenlebende Tiere ausgelöst werden. Fledermäuse können das Tollwut-Virus jedoch auch in sich tragen.

Die wenigen Fälle von Tollwut, die noch in Deutschland auftreten, betreffen meist Touristen, die sich zum Beispiel in Indien oder China angesteckt haben. Zuletzt litt ein Deutscher 2007 an Tollwut, die er sich im Marokko-Urlaub durch einen Straßenhund zuzog. Oder aber Haustiere, die illegal aus einem Tollwut-Gebiet nach Deutschland gebracht werden. Der letzte Tollwutfall eines Tiers trat in Deutschland 2006 bei einem Fuchs auf. Gerade Füchse wurden hierzulande deshalb bis 2008 weiter oral immunisiert und werden bis heute überwacht, damit die Tollwut nicht wieder ausbricht.

Global gesehen lösen Hundebisse 99 Prozent der Todesfälle durch Tollwut beim Menschen aus. Es können jedoch noch viele weitere Wild- und Haustiere die Tollwut übertragen.

Tollwut-Typ je nach Trägertier

Die Tollwut auslösenden Viren gehen meist durch Tierbisse auf den Menschen über. Doch auch, wenn kleine Hautverletzungen oder Schleimhäute mit dem Speichel eines infizierten Tiers in Kontakt kommen, ist eine Ansteckung möglich. Fachleute unterscheiden je nach Überträger der Viren drei Arten von Tollwut:

• Bei der urbanen Form tragen Haustiere wie Hunde, manchmal auch Katzen, das Tollwut-Virus in sich. Meistens haben diese sich bei einem Fuchs mit Tollwut angesteckt worden. Haustiere werden besonders leicht zu Tollwut-Überträgern auf den Menschen, weil häufig sehr enger Kontakt besteht.

• Bei der sylvatischen Form der Tollwut sind Wildtiere – vor allem Füchse, Stinktiere und Waschbären – Träger der Erkrankung. Hier sind Berufsgruppen besonders gefährdet, die im Wald arbeiten oder Kontakt zu diesen Tieren haben. Vor Ausrottung der Tollwut in Deutschland trugen außerdem Dachse, Marder und Rehe das Virus in sich.

• Die Fledermaus-Tollwut ist durch blutsaugende Vampir-Fledermäuse vor allem in Süd- und Mittelamerika verbreitet. In den USA ging das Gros der Tollwut-Fälle beim Menschen in den vergangenen Jahre auf Fledermausbisse zurück. Auch in ganz Europa mehren sich die Fälle von Fledermaus-Tollwut, deshalb gilt es, weder lebende noch tote Tiere anzufassen.

Tollwut: Symptome

Die Tollwut (Rabies, Lyssa) verläuft beim Menschen in drei Stadien, die sich anhand der Symptome der auch Rabies genannten Infektionskrankheit unterscheiden. Die Inkubationszeit der Tollwut beträgt in der Regel zwischen drei und acht Wochen.

Im ersten Tollwut-Stadium, dem sogenannten Prodromalstadium, treten uncharakteristische Beschwerden auf. Das können Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und ein leichter Temperaturanstieg sein. Bei manchen Betroffenen ist die (Biss-)Wunde schmerzempfindlich, brennt oder juckt. Nahe der Eintrittsstelle vermehren sich im Anfangsstadium der Tollwut die dafür verantwortlichen Viren und lösen solche Symptome aus.

Symptome wie Unruhe, Angst und Wut plagen Menschen mit Tollwut

Der zweite Tollwut-Abschnitt heißt akute neurologische Phase (Exzitationsstadium, "rasende Wut"). Hier unterscheiden Experten die paralytische von der enzephalitischen Form. Typische Symptome Letzterer sind starke Erregungszustände mit Krämpfen und Muskelzuckungen. Die Betroffenen sind hochgradig unruhig, müssen sich ständig bewegen und haben Angstgefühle. Sie verhalten sich mal aggressiv und sind dann wieder depressiv.

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Der bloße Gedanke ans Wassertrinken kann bei Tollwut-Patienten Krämpfe auslösen.
Getty Images/Fuse

Ein weiteres Symptome der Tollwut in dieser Phase sind Krämpfe beim Schlucken. Dabei reichen schon das Hören oder Sehen von Wasser oder der bloße Gedanke an den Schluckvorgang aus, um Krämpfe auszulösen (Hydrophobie). Häufig ist ein Speichelfluss aus dem Mund zu beobachten, weil die Betroffenen dadurch vermeiden, schlucken zu müssen. In diesem Stadium tritt während der Erregungsphase in vielen Fällen der Tod ein. Die paralytische Form ("stille Wut") kennzeichnen dagegen eher Lähmungen. Die Muskulatur erschlafft. Der Betroffene wird ruhiger und hat keine Krämpfe mehr.

Unbehandelt führt Tollwut sehr schnell zum Tod

Der an Tollwut Erkrankte fällt schließlich ins Koma und stirbt an Atemlähmung. Bleibt die Tollwut unbehandelt, ist der gesamte Krankheitsverlauf sehr kurz: Von den ersten Symptomen der Tollwut bis zum Tod dauert es meistens eine bis maximal drei Wochen. Bisswunden durch Tiere, zumal in tollwutgefährdeten Reiseländern, müssen deshalb sofort ärztlich behandelt werden, um die Tollwutgefahr zu bannen.

Tollwut: Ursache

Tollwut wird durch Lyssaviren verursacht. Sie gehören zur Familie der Rhabdoviren, weshalb Fachleute die Tollwut auch Lyssa oder Rabies nennen. Die Tollwut auslösenden Viren gelangen meistens durch den Biss eines Tieres mit Tollwut in den menschlichen Körper. Allerdings kann auch der infizierte Speichel des Tieres (oder andere infektiöse Ausscheidungen) für den Menschen ansteckend sein, wenn er in eine offene Wunde, die Schleimhäute oder Tränenflüssigkeit gelangt.

Tollwut-Viren befallen das Nervensystem

Im menschlichen Körper vermehrt sich das Virus zunächst in den Muskel- und Nervenzellen nahe der Eintrittsstelle, also der Bissverletzung. Von dort gelangt der Tollwut-Erreger entlang der Nervenzellen zum Rückenmark und von dort in das gesamte zentrale Nervensystem (ZNS) bis ins Gehirn. Hier vermehrt sich das Virus und befällt weitere Organe und Drüsen. Letztere scheiden die Tollwut-Erreger durch das jeweilige Drüsensekret (Speichel, Schweiß, Verdauungssekret) mit aus und sind demnach infektiös. Entlang der Nervenbahnen kommt das Tollwut-Virus pro Tag etwa fünf bis zehn Zentimeter vorwärts.

Von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Beschwerden (Inkubationszeit) vergehen meistens drei bis acht Wochen, vereinzelt auch nur zehn Tage oder sogar mehrere Jahre. Ob und wann es nach der Ansteckung zum Ausbruch der Krankheit kommt, hängt davon ab, wo und wie tief die Viren in den Körper eingedrungen sind und wie stark der Virenbefall ist. Tiefe Bissstellen im Gesicht führen eher zu einer Erkrankung als oberflächliche Bisswunden an der Hand. Je kürzer der Weg der Viren bis zum Gehirn ist, desto eher treten in der Regel die auf. Ohne Impfung oder schnelle Nachsorge führen die Tollwut-Viren schnell zum Tod Infizierter.

Mit Tollwut infizierte Tiere bisweilen besonders zutraulich

Tollwutreservoirs bilden in Europa neben den Füchsen bestimmte Fledermäuse. Früher waren es außerdem Rehe, Marder und Dachse sowie Weidetiere, etwa Schafe, Ziegen und Pferde. Gerade zu Beginn des Tollwutverlaufs verlieren infizierte Tiere die Scheu vor Menschen, die gesunde Artgenossen an den Tag legen. Dadurch steigt das Risiko eines Bisses und damit der Übertragung von Tollwut-Viren auf den Menschen.

Tollwut: Diagnose

Den Verdacht, dass ein Patient an Tollwut (Rabies, Lyssa) leiden könnte, leiten Ärzte zunächst aus der Anamnese ab. Zum Beispiel, wenn ein Patient von einem Tierbiss oder den typischen Symptomen berichtet oder aber kurze Zeit vorher ohne Impfschutz in ein Tollwutgebiet gereist ist. Damit steht eine Tollwut-Infektion aber noch nicht zweifelsfrei fest.

Eindeutige Tollwut-Diagnose erst nach dem Tod

Zusätzlich gibt es Laboruntersuchungen, die der Mediziner zur Diagnose von Tollwut durchführen kann. Zu Lebzeiten des Betroffenen können Antigene beziehungsweise das genetische Material (RNA) des Tollwut-Virus im Speichel, der Hornhaut des Auges, in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit oder einer Gewebeprobe der Nackenhaut nachgewiesen werden. All diese Tests können jedoch falsch-negative Ergebnisse erzeugen (mangelnde Spezifität des Diagnose-Verfahrens).

Der Tollwut-Verdacht lässt sich deshalb erst nach dem Tod des Erkrankten mit Sicherheit bestätigen - etwa, indem das befallene Hirngewebe mit Methoden der Immunfluoreszenz sichtbar gemacht wird.

Tollwut: Therapie

Sind die Symptome einer Tollwut bereits offenbar, ist es für wirksame therapeutische Hilfe zu spät. In diesem Fall beschränkt sich die Behandlung auf die Symptome der Tollwut. Wenn aber ein mit Tollwut infiziertes Tier einen Menschen gebissen hat und noch keine Symptome aufgetreten sind, ist eine Behandlung der Rabies unter intensivmedizinischer Aufsicht möglich.

Die Wunde wird zunächst sorgfältig mit Wasser und Seifenlösung gewaschen und mit Alkohol desinfiziert, um Tollwut-Viren auszuspülen oder ihre Zahl zu verringern. Tiefere Wunden können mit Kathetern ausgespült werden. Ziel ist es, zu verhindern, dass sich die Bisswunde durch Bakterien zusätzlich entzündet (bakterielle Superinfektion). Der Arzt wird die Gliedmaßen ruhigstellen, einen Verband anlegen und gegebenenfalls den Tetanus-Schutz auffrischen, um Wundstarrkrampf einen Riegel vorzuschieben.

Schnelle, nachträgliche Impfung schützt vor Tollwut-Ausbruch

Um einen Ausbruch der Tollwut nach dem Biss eines infizierten Tiers zu vermeiden, wird dem Betroffenen fünf Mal ein inaktives Virus, ein sogenannter Totimpfstoff, gespritzt. Dieser schützt zuverlässig vor der Ausprägung der Krankheit, die praktisch immer mit dem Tod endet. Außerdem bekommt der Patient im Rahmen der sogenannten postexpositionellen Prophylaxe (Vorsorge, nachdem jemand dem Tollwut-Virus ausgesetzt wurde) ein Tollwut-Immunglobulin verabreicht, das passiv gegen die Tollwut immunisiert.

Andere nachträgliche Therapien der Tollwut, zum Beispiel mit Virostatika, die die Vermehrung der Viren bremsen, konnten nur in sehr wenigen Ausnahmefällen das Leben eines Tollwut-Patienten retten.

Tollwut: Verlauf

Tollwut ist eine von Tieren übertragene Virusinfektion und verläuft in drei Phasen (siehe Symptome der Tollwut). Bis die Tollwut (Rabies, Lyssa) nach einem Tierbiss ausbricht, vergehen drei bis acht Wochen. In Ausnahmefällen sind es weniger als neun Tage. In Einzelfällen ist sogar noch Jahre nach der Ansteckung die Krankheit ausgebrochen.

Eine Chance auf Heilung besteht nur, wenn ein Mensch sich sofort nach einer möglichen Infektion mit Tollwut (zum Beispiel einem Tierbiss im Tollwutgebiet) ärztlich behandeln lässt. Erhärtet sich der Tollwut-Verdacht, erfolgt meist eine stationäre Aufnahme und eine intensivmedizinische Betreuung. Es findet zum Beispiel eine nachträgliche Fünffach-Immunisierung gegen den Tollwut-Erreger statt, die allerdings nur in der ersten Phase der Tollwut-Infektion Wirkung zeigt.

Unbehandelt verläuft Tollwut tödlich

Sobald die ersten Symptome auftreten, ist Tollwut jedoch nicht mehr heilbar. Der Tod tritt in der Regel binnen einer Woche ein. Erst einmal (2005) wurde von einem Fall in den USA berichtet, in dem eine 15-Jährige eine Tollwuterkrankung nach einer experimentellen virostatischen Behandlung und mehrwöchiger Intensivtherapie mit Absenkung des Stoffwechsels überlebt hat. Andere Patienten überlebten eine solche Behandlung nur mit schweren Hirnschäden.

Tollwut: Vorbeugen

In Deutschland ist die Tollwut dank der flächendeckenden Schluckimpfung für Füchse ausgerottet. Für Menschen, die häufig Umgang mit tollwutgefährdeten Tieren haben, ist eine Tollwut-Impfung dennoch sinnvoll. Das sind beispielsweise Tierärzte, Förster, Waldarbeiter und Jäger sowie Menschen, die beruflich oder privat mit Fledermäusen zu tun haben. An ihren Tollwut-Schutz sollten außerdem Mitarbeiter von Laboren denken, die mit dem Tollwut-Erreger arbeiten. Auch Haustiere sollten gegen die Viren geimpft sein, weil sie sich an Wildtieren anstecken können.

Bei Reiseimpfungen an Tollwut-Schutz denken

Experten empfehlen außerdem, vor Reisen in Tollwutgebiete einen Impfschutz aufzubauen beziehungsweise aufzufrischen. Wo Tollwut verbreitet ist, streunenden Tieren besser nicht zu nahe kommen. Das gilt zum Beispiel für Indien und China. Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn wilde Tiere plötzlich zutraulich gegenüber Menschen sind. Dieses Verhalten tritt häufig im Anfangsstadium einer Tollwuterkrankung auf.

Nachträgliche Tollwut-Immunisierung möglich

Werden Sie in einem solchen Reiseland von einem Tier gebissen, heißt es: Ab zum Arzt! Denn nur eine schnelle Nachsorge und Immunisierung können verhindern, dass die Tollwut ausbricht und schnell zum Tod führt.

Autor:
Letzte Aktualisierung:14. Oktober 2015
Durch: es
Quellen: Baenkler, H-W., et al.: Kurzlehrbuch innere Medizin. Thieme, Stuttgart Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Tollwut (Rabies, Lyssa). Robert Koch-Institut, Berlin (letzter Aufruf: 9. Dezember 2013); Merkblatt des Auswärtigen Amts zu Tollwut: http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/333360/publicationFile/

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Infektions- und Reisemedizin
    Auffrischung Tollwut-Impfung
    27.06.2013 | 11:12 Uhr

    Sehr geehrter Dr. Leidel, ich habe aufgrund eines beruflichen Projektes vor 6 Jahren eine...   mehr...

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