Meldepflichtige Virusinfektion

Polio (Poliomyelitis) oder Kinderlähmung

Die Kinderlähmung ist eine hochansteckende meldepflichtige Viruserkrankung, die zu bleibenden Lähmungen und zum Tod führen kann. Aufgrund flächendeckender Impfungen gilt Deutschland wie die gesamte europäische Region seit 2002 offiziell als "poliofrei".

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Vor Fernreisen in Gebiete, in denen Kinderlähmung noch verbreitet ist, sollte man seinen Polioschutz auffrischen oder sich neu impfen lassen.
(c) Photodisc

Poliomyelitis, kurz Polio, ist eine ansteckende und meldepflichtige Viruserkrankung, die früher vor allem im Kindesalter auftrat und in seltenen Fällen zu bleibenden Lähmungen führte. Dies trug der Erkrankung im Volksmund die Bezeichnung Kinderlähmung ein.

Hervorgerufen wird die Kinderlähmung durch das Poliovirus, das in drei verschiedenen Typen auftritt. Übertragen wird die Infektionskrankheit hauptsächlich durch eine sogenannte fäkal-orale Schmierinfektion.

Polio hat eine Inkubationszeit von bis zu 35 Tagen

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion mit dem Virus und Ausbruch der Erkrankung, liegt zwischen drei und 35 Tagen. Der Großteil der Infektionen verläuft symptomlos. Zu einem Angriff auf das zentrale Nervensystem durch die Polioerreger kommt es nur in ein bis zwei Prozent der Erkrankungen, Lähmungen treten in 0,1 bis einem Prozent der Fälle auf.

Die zehn gefährlichsten Infektionskrankheiten

Polio-Impfung dämmte Verbreitung des Virus ein

Polioviren waren früher nahezu auf der ganzen Welt verbreitet. Nach der Entwicklung von Impfstoffen in den 1950ern, wobei der US-amerikanische Immunologe Jonas Edward Salk als federführend gilt, konnte die Verbreitung des Virus zunehmend eingedämmt werden. 1988 setzte es sich die Weltgesundheitsorganisation WHO zum Ziel, die Kinderlähmung bis zum Jahr 2000 auszurotten.

Zwar gelten viele Länder inzwischen als poliofrei – der gesamte amerikanische Kontinent seit 1994, der westpazifische Raum seit dem Jahr 2000, Europa seit 2002 und Südostasien seit März 2014 –, aber Neuerkrankungen selbst in als poliofrei gemeldeten Regionen wie 2010 in Russland oder die Entdeckung von Viren im Abwasser bei Routinekontrollen wie zuletzt während der Fußball-WM 2014 in Brasilien zeigen, dass die Erkrankung noch nicht endgültig besiegt ist und jederzeit wieder aufflammen könnte.

Letzter Polio-Fall in Deutschland 1992

In Deutschland wurden zuletzt 1992 zwei Polio-Infektionen gemeldet. Die Betroffenen hatten das Virus aus in Ägypten und Indien mitgebracht. Der letzte nicht importierte Erkrankungsfall mit Kinderlähmung in Deutschland wurde 1990 registriert.

Polio-Symptome: Typische Anzeichen für Kinderlähmung

In den meisten Fällen verläuft eine Kinderlähmung oder Poliomyelitis symptomlos. Nur zwischen vier bis acht Prozent der Infektionen mit dem Poliovirus machen sich durch Anzeichen bemerkbar, die von grippeartigen Symptomen bis zu Lähmungen reichen können.

Kinderlähmung wird von den meisten Infizierten gar nicht bemerkt, weil sie in über 95 Prozent der Fälle symptomlos beziehungsweise ohne auffällige Krankheitszeichen verläuft. Der Körper bildet währenddessen Antikörper gegen den jeweiligen Virustyp, der die Infektion auslöste – ein Prozess, der auch als "stille Feiung" bezeichnet wird.

Zwischen den drei verschiedenen Typen des Poliovirus besteht keine Kreuzimmunität; das bedeutet, dass eine überstandene Infektion mit einem der drei Virustypen nicht vor der erneuten Polio-Infektion mit einem anderen Erregertyp schützt.

Zeigen sich Symptome, so hängt die Art der Beschwerden davon ab, ob das Zentrale Nervensystem (ZNS) durch die Erkrankung angegriffen wird oder nicht und welche Verlaufsform vorliegt.

Erste Polio-Anzeichen sind grippeartige Beschwerden

Bei der abortiven Poliomyelitis ist das ZNS nicht von der Infektion betroffen. Die Symptome dieser Verlaufsform sind unspezifisch und erinnern an eine Grippe mit Fieber, Übelkeit, Durchfall sowie Hals-, Muskel- und Kopfschmerzenschmerzen. Die Beschwerden setzen sechs bis neun Tage nach der Ansteckung ein und halten nicht lange an; nach einem bis drei Tagen verschwinden die Symptome wieder. Der Anteil der Polio-Infizierten, die diese Form entwickeln, liegt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei vier bis acht Prozent.

Bei einem bis zwei Prozent der Erkrankungen bleibt es nicht bei diesen Symptomen und es kommt zu einer Infektion des ZNS. Hier wird zwischen der nichtparalytischen Poliomyelitis, die auch als aseptische Meningitis bezeichnet wird, und der paralytischen Poliomyelitis unterschieden, der typischen Kinderlähmung und schwersten, aber mit 0,1 bis einem Prozent der Fälle auch seltensten Verlaufsform.

Schwere Polio-Symptome ähneln der Meningitis

Bei der nichtparalytische Poliomyelitis treten etwa nach drei bis sieben Tagen Symptome auf, die einer Hirnhautentzündung (Meningitis) ähneln: Die Patienten bekommen Fieber, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen und Muskelkrämpfe. Weitere typische Anzeichen sind Erbrechen und Lichtempfindlichkleit.

Paralytische Poliomyelitis

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Kommen nach einem oder mehreren Tagen zu diesen Symptomen Lähmungen hinzu, handelt es sich um eine paralytische Poliomyelitis. Zwischen den Phasen kann es zu einer vorübergehenden Besserung der Beschwerden kommen, bevor dann das Fieber wieder ansteigt und die Lähmungen einsetzen.

Letztere treten asymmetrisch auf, am häufigsten an den Beinen. Aber auch für andere Muskelpartien zuständige motorische Nerven können von der Kinderlähmung betroffen sein. So kann es beispielsweise auch zu Beeinträchtigungen der Arm-, Bauch, Brust- oder Augenmuskeln kommen. Sprach- oder Schluckstörungen können ebenfalls zu den Symptomen der Kinderlähmung gehören, sind aber selten. Möglich, aber selten ist zudem die lebensgefährliche Lähmung der zentralen Atemmuskulatur: In diesem Fall ist eine Beatmung durch eine Herz-Lungen-Maschine notwendig.

Da hauptsächlich motorische Nerven, die die Bewegung der Muskeln steuern, von einer paralytischen Poliomyelitis betroffen sind, treten in der Regel keine Empfindungsstörungen auf.

Polio-Viren sind Ursache der Kinderlähmung

Ursache der Poliomyelitis oder Kinderlähmung ist eine Infektion mit Poliomyelitis-Viren, die hauptsächlich über eine Schmierinfektion von Mensch zu Mensch übertragen werden. Schlechte Hygieneverhältnisse begünstigen die Ausbreitung der Erkrankung.

Kinderlähmung wird durch Polioviren ausgelöst, für die der Mensch der einzige Wirt ist. Von dem Virus gibt es drei verschiedene Typen. Typ I, der den Namen Brunhilde trägt, gilt als der gefährlichste, da Lähmungen und eine epidemische Ausbreitung bei diesem Typus am wahrscheinlichsten sind.

Die Polioviren vermehren sich nach einer Ansteckung vor allem im Magen-Darm-Trakt und gelangen über den Darm ins Blut und wandern in das zentrale Nervensystem (ZNS) sowie das Stamm- und Mittelhirn. Sie befallen vor allem die motorischen Vorderhornzellen des Rückenmarks, die für die Anspannung der Muskelzellen verantwortlich sind, und lösen Entzündungsreaktionen aus.

Polioviren zerstören Nervenfasern

Dadurch kann es zur Schädigung und Zerstörung der Nervenfasern kommen mit der Folge, dass Muskeln gelähmt werden, die durch die betroffenen Nervenfasern gesteuert werden – dem typischen Symptom der paralytischen Poliomyelitis.

Übertragung durch Schmier- und Tröpfcheninfektion

Übertragen werden die Polioviren hauptsächlich durch oral-fäkale Schmierinfektionen: Bereits etwa drei Tage nach einer Infektion scheidet eine infizierte Person das Virus über den Stuhl aus. Begünstigt durch mangelnde Hygiene kann das Virus über verunreinigtes Wasser oder kontaminierte Nahrung, aber auch das Berühren infizierter Gegenstände, von anderen Menschen aufgenommen werden und sich verbreiten.

Zu Beginn einer Infektion, etwa ab 36 Stunden nach Kontakt mit dem Virus, ist auch eine Tröpfcheninfektion über den Zeitraum von bis zu einer Woche möglich.

Ansteckungsgefahr bis zu sechs Wochen

Denn anfänglich vermehrt sich das Virus auch in der Rachenschleimhaut des Infizierten und kann so über den Speichel, beispielsweise durch Husten oder Niesen, ausgeschieden und auf andere Menschen übertragen werden. Über den Stuhl infizierter Personen wird das Poliovirus in der Regel bis zu sechs Wochen lang ausgeschieden, bei Menschen mit schwachem Immunsystem auch länger, in Einzelfällen sogar monate- und jahrelang.

Kontrolluntersuchungen nach überstandener Infektion

Solange das Virus ausgeschieden wird, besteht Ansteckungsgefahr. Sollten in Deutschland erneut Fälle von Kinderlähmung auftreten, so dürfen die Betroffenen nach überstandener Infektion Schulen und andere Gemeinschaftseinrichtungen erst wieder besuchen, wenn durch zwei Kontrolluntersuchungen im Abstand von sieben Tagen nachgewiesen wurde, dass sie das Virus nicht mehr ausscheiden.

Polio-Diagnose: Wie der Arzt Kinderlähmung feststellt

Zur Diagnose der Poliomyelitis oder Kinderlähmung fahndet der Arzt entweder nach dem Poliovirus selbst oder nach Antikörpern gegen den Erreger.

Zur Diagnose der Kinderlähmung stehen mehrere Verfahren der Labordiagnostik zur Verfügung. Dabei suchen die Ärzte nach den auslösenden Viren oder nach Antikörpern, die das Immunsystem gegen die Erreger gebildet hat.

Virennachweis in Rachenabstrich oder Stuhlproben

Der einfachste Nachweis der Polioviren besteht in der Untersuchung von Stuhlproben. Damit lässt sich in den ersten zwei Wochen der Erkrankung die Kinderlähmung zu 80 Prozent diagnostizieren. Zu Beginn der Erkrankung ist der Virusnachweis auch durch die Untersuchung eines Rachenabstrichs oder von Gurgelwasser möglich.

Liegen Symptome einer nichtparalytischen oder paralytischen Poliomyelitis vor, kann der Erreger auch in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, dem Liquor, nachgewiesen werden. Dazu ist eine Lumbalpunktion notwendig, um das Nervenwasser zu entnehmen.

Nachweis von Antikörper gegen Polio im Blutserum

Eine weitere Methode zur Diagnostik Kinderlähmung ist der Nachweis von Antikörpern ist eine Blutuntersuchung beziehungsweise eine Untersuchung des Blutserums. Im Blutserum lassen sich die Antikörper gegen das Poliovirus auch nach überstandener Infektion nachweisen. Das ermöglicht auch eine Diagnose im Nachhinein.

Polio-Therapie: So wird Kinderlähmung behandelt

Eine spezifische antivirale Therapie der Kinderlähmung gibt es bis heute nicht. Die Behandlung beschränkt sich daher auf die Linderung der Beschwerden.

Zwar kann durch eine Schutzimpfung erfolgreich vorgebeugt werden. Ist es bereits zu einer Infektion mit den auslösenden Polioviren gekommen, gibt es jedoch keine Möglichkeit, die Erkrankung ursächlich zu therapieren.

Bei Verdacht auf Polio ins Krankenhaus

Die Schmerzen und Beschwerden können jedoch gelindert werden, und dies sollte bei Verdacht auf Poliomyelitis im Krankenhaus erfolgen, um den Betroffenen bestmöglich versorgen zu können, falls es zu einem schweren Verlauf kommt. Auch bietet das Krankenhaus bessere Möglichkeiten, die Ausbreitung der ansteckenden Krankheit zu verhindern.

Symptomatische Behandlung: Bettruhe, Schmerzmittel, Physiotherapie

Zu den therapeutischen Maßnahmen zählen Bettruhe und entzündungshemmende Schmerzmittel. Bei einem besonders schweren Verlauf mit Lähmungen der Atemmuskulatur muss der Patient intensivmedizinisch betreut und maschinell beatmet werden.

Bei einer paralytischen Poliomyeltis sind physiotherapeutische Maßnahmen notwendig. Diese müssen auch nach überstandener Kinderlähmung fortgesetzt werden, um eine Rückbildung zu unterstützen.

Verlauf und Spätfolgen

Der Verlauf der Poliomyelitis hängt von der Erkrankungsform ab. Gefürchtet sind vor allem bleibende Schäden und das Post-Polio-Syndrom.

In den meisten Fällen bekommen die Betroffenen vom Verlauf der Erkrankung nichts mit, da keine Symptome auftreten, und die Infektion bleibt abgesehen von der Immunisierung gegen den auslösenden Viren-Typ folgenlos. Zumindest nehmen die Betroffenen keine Beschwerden infolge der durchlittenen Infektion wahr.

Allerdings ist jede Form der Kinderlähmung, auch bei asymptomatischem, also beschwerdefreiem Verlauf, mit Nervenschädigungen verbunden. Bei dieser Verlaufsform sind die Schädigungen aber gering und verursachen keine wahrnehmbaren Beschwerden.

Die abortive Poliomyelitis äußert sich durch grippeartige Symptome, die aber nach einem bis drei Tagen wieder verschwinden. Entwickelt sich keine nichtparalytische oder paralytische Poliomyelitis, ist die Erkrankung damit überstanden. Auch die nichtparalytische Poliomyelitis heilt meist ohne Folgen aus.

Polio-Lähmungen bilden sich oft wieder zurück

Die paralytische Poliomyelitis, die klassische Kinderlähmung mit akuten Lähmungserscheinungen, ist die schwerste, aber auch seltenste Verlaufsform. Dabei kommt es zu den typischen Lähmungen, die sich innerhalb eines Zeitraums von bis zu zwei Jahren wieder zurückbilden können. Ist die Atmungsmuskulatur betroffen, kann die Kinderlähmung in seltenen Fällen zum Tode führen.

Etwa 25 Prozent der Betroffenen behalten leichte Beeinträchtigungen zurück, bei weiteren 25 Prozent bestehen starke Lähmungen fort. Hintergrund ist, dass bewegungssteuernde Nervenzellen, die Motoneuronen, durch die Polio-Infektion zerstört werden. Die übriggebliebenen Nervenfasern, die den gleichen Muskel versorgen, können aussprossen und die Steuerung der nicht mehr versorgten Muskelfasern übernehmen. Wie gut dieser Reparaturmechanismus funktioniert, hängt davon ab, in welchem Ausmaß motorische Nervenzellen zerstört wurden und welche Nerven betroffen sind. Eine geeignete Physiotherapie kann zur Rückbildung beitragen.

Mögliche Folgen für das Wachstum

Da die Kinderlähmung, wie der Name schon sagt, hauptsächlich Kinder in der Wachstumsphase betrifft, kann die Erkrankung Folgen für das Wachstum haben. Werden einzelne Gliedmaßen nicht belastet, entwickeln sie sich weniger, sodass unterschiedlich lange Arme oder Beine die Folge sein können. Auch Gelenkdeformationen, Wirbelsäulenverschiebungen und Osteoporose sind mögliche Folgeschäden.

Hohes Risiko für Post-Polio-Syndrom auch Jahrzehnte später

Darüber hinaus besteht bei einer paralytischen Poliomyelitis ein hohes Risiko für Post-Polio-Syndrom als Spätfolge. Das Post-Poliosyndrom tritt Jahrzehnte nach einer überstandenen Polio-Infektion auf, meist im fünften Lebensjahrzehnt, und äußert sich durch eine zunehmende Schwächung bestimmter Muskelpartien. Betroffen sind vor allem Muskelpartien, die in der akuten Phase der Kinderlähmung gelähmt waren und sich wieder gut erholt hatten.

Das Post-Poliosyndrom kann sich aber auch auf Muskeln auswirken, an denen zuvor keine Beschwerden aufgetreten waren. Typisch ist der schleichende Verlauf des Post-Polio-Syndroms: Die Betroffenen bemerken anfänglich ein Nachlassen der Ausdauer und eine zunehmende Schwäche betroffener Muskeln, die allmählich in einer Lähmung mündet. Begleitend können Erschöpfungszustände, Schmerzen und Muskelkrämpfe auftreten.

Das Risiko, ein Post-Polio-Syndrom zu entwickeln, wird für die paralytische Poliomyelitis mit bis zu 70 Prozent angegeben. Für die nichtparalytische Poliomyelitis liegt es bei 40 Prozent, für abortive Poliomyelitis bei 20 Prozent.

Geschwächte Muskeln schonen

Eine mögliche Erklärung für das Post-Polio-Syndrom besteht darin, dass die ausgesprossten motorischen Nerven, die Aufgaben untergegangener Motoneuronen übernehmen, dauerhaft überlastet sind und dadurch langfristig zerstört werden. Entsprechend besteht die Therapie in erster Linie darin, geschwächte Muskeln nicht mehr schwer zu belasten, sowie in einer muskelerhaltenden Krankengymnastik.

Polio vorbeugen: Impfung bietet Schutz vor Kinderlähmung

Eine Schutzimpfung ist die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung von Poliomyelitis oder Kinderlähmung. Sie wird von der Ständigen Impfkommission weiterhin empfohlen.

Obwohl in Deutschland seit etwa 25 Jahren kein Fall von Kinderlähmung bekannt geworden ist, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) weiterhin die Polio-Schutzimpfung als wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung. Dies geschieht, um einem erneuten Aufflammen der Infektionskrankheit vorzubeugen. Denn noch ist das Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Kinderlähmung weltweit auszurotten, nicht erreicht.

Grundimmunisiert gegen Polio mit zwei bis drei Injektionen

Eine Grundimmunisierung besteht aus zwei bis vier Injektionen mit dem Impfstoff im Abstand von vier Wochen bis zu sechs Monaten. Sie sollte im Kindesalter erfolgen, kann aber auch jederzeit im Erwachsenenalter nachgeholt werden. Es stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, mit denen sich neben Poliomyelitis gleichzeitig Tetanus, Diphtherie und bei Bedarf Keuchhusten vorbeugen lässt.

Kinder sollten die erste Impfung laut Stiko-Empfehlung ab dem dem vollendeten zweiten Lebensmonat erhalten, die zweite Impfung mit vollendetem dritten Lebensmonat, die dritte Impfung ab dem vollendeten vierten Lebensmonat und die vierte Impfung mit zehn bis 14 Monaten.

Die Impfung ist gut verträglich, zumal heute keine Impfstoffe mit lebenden, aber abgeschächten Viren vorgenommen werden, wie dies bei der bis 1998 noch eingesetzten Schluckimpfung der Fall war. Durch die Schutzimpfung wird eine Immunität gegen alle drei Virentypen erreicht.

Auffrischimpfungen bei erhöhter Ansteckungsgefahr

Wer ein erhöhtes Ansteckungsrisiko hat, weil er beispielsweise berufsbedingt in Kontakt mit infizierten Personen kommen könnte oder Länder bereist, die nicht als poliofrei gelten, dem empfiehlt die Stiko eine Auffrischimpfung ab dem 18. Lebensjahr. Nach Kontakt mit Erkrankten sollte immer eine Auffrischimpfung vorgenommen werden, um einer Ansteckung sicher vorzubeugen.

Die wichtigsten Impfungen

 

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Letzte Aktualisierung:31. März 2016
Letzte Änderung durch: es

Quellen: RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Poliomyelitis. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 20.12.2013); Kinderlähmung (Poliomyelitis), Informationen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (kinderaerzte-im-netz.de); Prof. Dr. med. Kai Paschen, Was man als Arzt/Physiotherapeut über das Post-Polio-Syndrom wissen sollte, Polio Info Ratgeber der Polio Initiative Europa e.V., 20.03.2009; Polio-Impfung bei Kindern, Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Stand 2014

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