Vorsicht vor der Lustseuche

Syphilis – Ansteckung, Symptome und Behandlung

Die Syphilis schien dank Entdeckung des Penicillins längst besiegt zu sein. Doch seit ein paar Jahren steigt die Zahl der Syphilis-Infektionen auch bei uns wieder rapide an. Die Geschlechtskrankheit kann sehr unterschiedliche Krankheitszeichen haben. Typisch ist jedoch der Beginn in Form eines kleinen Hautgeschwürs an der Infektionsstelle und der weitere Verlauf in mehreren Krankheitsschüben mit langen, symptomlosen Phasen dazwischen.

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Bakterien der Art Treponema pallidum sind Auslöser der Syphilis-Infektion. Übertragen werden die Erreger vor allem – aber nicht nur – beim Sex.
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Am Ende des letzten Jahrhunderts gab es nur noch eine verschwindend geringe Anzahl von Syphilis-Fällen in Deutschland. Seit 2010 haben die Neuerkrankungen jedoch extrem zugenommen, vor allem in den Großstädten. Im Jahr 2015 hat das Robert-Koch-Institut über 6.800 Syphilis-Infektionen verzeichnet. Damit ist die Zahl erneut um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Ein Trend, der sich auch in anderen Ländern beobachten lässt.

Als Ursache sehen Experten riskantes Sexualverhalten und ungeschützen Geschlechtsverkehr vor allem unter homosexuellen Männern. Häufig tritt Syphilis bei ihnen gemeinsam mit einer HIV-Infektion auf. Allerdings sind 2015 auch erstmals die Syphilis-Infektionen bei Frauen wieder angestiegen, selbst wenn die Infektionszahlen bei ihnen insgesamt wesentlich niedriger liegen als bei Männern.

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Was ist Syphilis?

Syphilis ist eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit, die von dem Bakterium Treponema pallidum ausgelöst wird. Sie gehört zu den Geschlechtskrankheiten (Sexually Transmitted Infections, kurz STI) und ist bereits seit dem frühen 16. Jahrhundert bekannt. Die medizinische Fachbezeichnung lautet Lues venera (lat.: Lustseuche), umgangsprachlich hört man auch noch die alten Bezeichnungen harter Schanker (Schanker = Geschwür) oder Franzosenkrankheit. Seit Entdeckung des Penicillins hat die Syphilis viel von ihrem Schrecken verloren, denn sie ist mit Antibiotika gut behandelbar – vorausgesetzt sie wird rechtzeitig diagnostiziert. Unbehandelt kann die Syphilis zu schweren Schäden am zentralen Nervensystem und an inneren Organen bis hin zum Tod führen.

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Erste Anzeichen und weitere Symptome der Syphilis

Man unterscheidet drei Stadien der Syphilis, die sich anhand von ganz verschiedenen Symptomen äußern. Die Anzeichen reichen von einem kleinen Hautgeschwür über Gelenk- und Muskelschmerzen bis zu zerfressenen Knochen und Psychose.

Stadium I – Ulcus durum/Hautgeschwür:

Zwei bis vier Wochen nach der Infektion entwickelt sich am Ort des Eindringens der Bakterien ein Ulcus durum: Dabei handelt es sich um einen erbsengroßen Knoten oder ein schmerzloses Geschwür, das nach einigen Wochen von selbst wieder verschwindet. Betroffen sind meist Penis oder Hodensack, Lippen, Mund oder Zunge, Darmausgang oder Scheide und Schamlippen. In Stadium I sind die Betroffenen hochgradig ansteckend.

Stadium II Fieber und Hautausschlag:

Wird die Infektion in Stadium I nicht erkannt und behandelt, treten acht Wochen bis zwei Jahre nach der Rückbildung der ersten Symptome auf:

  • Fieber,
  • Schwellungen der Lymphknoten,
  • Muskelschmerzen,
  • nicht juckende masernähnliche Hautausschläge,
  • Haarausfall,
  • weißliche Beläge in Mund und Rachen.

Auch diese Symptome klingen mit der Zeit meist wieder ab. Zudem sind die Betroffenen auch in Stadium II noch ansteckend, allerdings nicht mehr so stark wie in Stadium I.

Stadium III Organschäden:

Dieses letzte Stadium der Syphilis kann ein oder mehrere Jahre nach der Infektion auftreten. Es ist vom Übergreifen der Infektion auf die inneren Organe und das zentrale Nervensystem gekennzeichnet. In der Folge können das Gehirn, die Organe und die zentrale Reizleitung schwer geschädigt werden. Im schlimmsten Fall führt die Syphilis zum Tod.

Verschwinden die Krankheitsanzeichen zwischen den verschiedenen Stadien, bedeutet das keine Heilung. Die Bakterien schlummern nur. Am besten sollten gefährdete Personen jede Veränderung am Genitalbereich, Mund oder anderen typischen Stellen für Syphilis von einem Arzt abklären lassen, damit die Frühanzeichen von Syphilis nicht übersehen werden.

Häufige Ursachen für Ansteckung mit der Geschlechtskrankheit Syphilis

Die Syphilis wird von einem bestimmten Bakterium ausgelöst. Dieser Erreger heißt Treponema pallidum und kommt nur beim Menschen vor. Außerhalb des Körpers überlebt er nur kurze Zeit. Übertragen wird er vor allem über ungeschützte Geschlechtsverkehr, seltener auch durch die gemeinsame Benutzung von Spritzen. Die Übertragung ist aber auch durch Küssen und intensives Schmusen sowie indirekt über feuchte Handtücher möglich.

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Die häufigsten Übertragungswege sind:

  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr: Die Ansteckung kann sowohl bei Vaginal- wie bei Analverkehr erfolgen, je nachdem ob das Ulkus an den Schleimhäuten von Scheide, Penis oder After zu finden ist.

  • Oralverkehr – Ansteckung ist möglich: Oralverkehr wird bei vielen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) als sicherere Variante gesehen. Nicht so bei Syphilis. Hier ist eine Übertragung auch über die Mundschleimhaut möglich.

  • Übertragung während der Schwangerschaft aufs ungeborene Kind: Die Auslöser der Syphilis sind plazentagängig. Das bedeutet, dass eine Schwangere ihr ungeborenes Baby anstecken kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist umso höher, je kürzer die Infektion zurückliegt. Hat sich die Frau während der Schwangerschaft angesteckt, liegt die Quote sogar bei 100 Prozent. Eine unbehandelte Syphilis-Infektion ist sehr gefährlich für das ungeborene Kind und kann zu Fehlbildungen, Früh- oder Todgeburt führen. Bei der ersten Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft wird deshalb routinemäßig ein Bluttest auf Lues durchgeführt.

  • Ansteckung übers Handtuch selten aber möglich: Dabei kommt es zu einer Infektion, wenn verletzte Haut oder Schleimhaut mit dem Erreger Kontakt hat. Ein Beispiel: Jemand hat im Genitalbereich ein kleines Syphilis-Geschwür, das Flüssigkeit absondert. Diese Flüssigkeit enthält eine Vielzahl von Bakterien. Wäscht er sich und trocknet sich mit einem Handtuch ab, gelangt die Flüssigkeit in den Stoff. Wer nun dieses feuchte Handtuch nach ihm benutzt, kann sich anstecken, etwa, wenn die Flüssigkeit mit den Bakterien über eine winzige Hautverletzung in den Organismus gelangt.

Inkubationszeit von Syphilis beträgt mindestens zwei Wochen

Die Ansteckungsgefahr ist im ersten Stadium der Erkrankung besonders hoch, in dem sich im Bereich von Scheide, Mund oder Anus die hochansteckenden, aber schmerzlosen Knoten oder Geschwüre bilden. Der Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Menschen führt in rund einem Drittel aller Fälle zu einer Infektion. Die Zeit zwischen Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome, die sogenannte Inkubationszeit, beträgt meist zwei bis vier Wochen, kann sich aber auch auf bis zu drei Monaten erstrecken.

Eine Syphilis-Infektion erhöht das Risiko, sich auch mit dem HI-Virus anzustecken. Nicht selten treten beide Infektionen zeitgleich auf. Das Problem dabei ist, dass sich beide Krankheiten in ihrem Verlauf negativ beeinflussen.

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Diagnose der Syphilis: Schnelltest, Abstrich oder Bluttest?

Verschiedene Testverfahren beim Arzt zeigen, ob eine Syphilis vorliegt. Dazu gehört ein Abstrich vom Geschwür sowie Blutuntersuchungen und die Lumbalpunktion. Seit einiger Zeit gibt es auch Schnelltests für zuhause auf dem Markt, doch diese liefern nicht immer ein sicheres Ergebnis.

Syphilis-Schnelltest für zuhause

Ein Syphilis-Schnelltest für zuhause scheint auf den ersten Blick nur Vorteile zu bringen. Er verspricht ein rasches Ergebnis, meist innerhalb von 15 bis 30 Minuten, und erspart dem Betroffenen die Peinlichkeit, einen Arzt wegen einer Geschlechtskrankheit aufsuchen zu müssen. Ärzte warnen jedoch vor diesen Schnelltest, da es zu viele mangelhafte Tests auf dem Markt gäbe. Oft führen sie zu einem falsch positiven Ergebnis das heißt sie zeigen eine Syphilis-Infektion an, obwohl keine vorliegt , oder aber sie liefern ein falsch negatives Ergebnis. Der Erkrankte wiegt sich dann fälschlicherweise in Sicherheit und steckt vielleicht unwissentlich andere an. Außerdem kommt es immer wieder zu Anwendungsfehlern.

Aktuell läuft eine Studie, die die Qualität dieser Schnelltests überprüfen soll. Falls man einen solchen Schnelltest verwendet, sollte man unbedingt einen Bluttest erwerben, ein Urin- oder Speicheltest kann nicht zu einem korrekten Ergebnis führen. Auf der sicheren Seite ist, wer den Test beim Arzt durchführen lässt, selbst wenn man dann ein bis zwei Tage auf das Ergebnis warten muss.

Ein weiteres Problem der Schnelltests: So lange im Blut keine Antikörper vorhanden sind, was in der überaus ansteckenden Anfangsphase der Fall ist, lassen sich die Erreger nur über einen Abstrich am Geschwür nachweisen.

So stellt der Arzt die Diagnose Syphilis

Bei Verdacht auf Syphilis geht man am besten zum Hausarzt oder auch zu einem Venerologen, also einem Facharzt für sexuell übertragbare Krankheiten.

Ein erfahrener Arzt kann bereits mit einem Blick auf das Ulkus erkennen, ob womöglich Syphilis vorliegen könnte. Allerdings ist das nur ein Verdacht und noch keine gesicherte Diagnose. Ein Abstrich und ein mikroskopischer Erregernachweis direkt aus dem Knoten bringen dann mehr Gewissheit. Diese Methode funktioniert natürlich nur während der ersten Phase der Syphilis, in der sich die Hautveränderung bildet.

Bluttest auf Syphilis bringt Sicherheit

In den späteren Stadien der Syphilis ist der Antikörpertest aus dem Blut ratsam. Zur Verfügung stehen verschiedene Verfahren, etwa der sogenannte TPHA- und der TPPA-Test (Treponema-pallidum-Hämagglutinations- und  Partikelagglutinationstest). Wegen häufiger methodischer Unterschiede wird empfohlen, die Erstbefunde sowie die Verlaufskontrolle stets vom selben Labor durchführen zu lassen. Liegt die Ansteckung schon weiter zurück, muss zur Diagnose Rückenmarksflüssigkeit untersucht werden. Das erfolgt durch eine Lumbalpunktion.

Behandlung bei Syphilis erfolgt mit Antibiotika

Zur Therapie von Syphilis eignen sich ausschließlich . Denn beim Erreger der Geschlechtskrankheit handelt es sich um Bakterien. In allen Stadien der Krankheit wirkt daher ein Antibiotikum am effektivsten.

Obwohl viele Bakterien im Lauf von Jahrzehnten resistent gegen ein ursprünglich wirksames Antibiotikum werden, ist das bei Syphilis nicht der Fall. Treponema pallidum spricht auch nach über 60 Jahren noch immer gut auf Penicillin an.

Syphilis-Behandlung dauert mindestens zwei Wochen

Die Medikamente gegen die Syphilis-Erkrankung müssen allerdings hochdosiert sein. Die Therapie erstreckt sich über mindestens zwei Wochen. Nur so erreicht das Antibiotikum einen gleich hohen Wert im Blut und wirkt ausreichend gegen die Bakterien.

Im Verlauf der Behandlung kann es zu körperlichen Reaktionen kommen, etwa Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen, medizinisch wird von der Herxheimer-Reaktion gesprochen oder auch kurz Herx. Die Ursache: Der schnelle Zerfall der Bakterien unter dem Einfluss des Antibiotikums. Diese Reaktion kann so stark ausgeprägt sein, dass mit Kortison dagegen gesteuert werden muss.

Bitte beachten: Bei Syphilis müssen immer alle Sexualpartner mitbehandelt werden!

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Verlauf und Heilungschancen: Syphilis ist mit Antibiotika gut heilbar

Syphilis ist bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung mit Penicillin vollkommen heilbar. Meistens ist die Antibiotika-Therapie nach zwei Wochen abgeschlossen. Zur Kontrolle wird dann nochmals das Blut untersucht. Nach der Syphilis-Behandlung sind regelmäßige Kontrolle wichtig. In der Regel wird sich dabei zeigen, dass die Antibiotika-Behandlung die Syphilis vollkommen ausgeheilt hat – abgesehen von möglicherweise erlittenen Organschäden.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und Bluttests nach Syphilis

Allgemein wird empfohlen, ein, drei, sechs, neun und zwölf Monate später eine Nachuntersuchung mittels eines Bluttests durchführen zu lassen. Danach sind weitere Kontrollen nötig, allerdings zunächst im halbjährlichen, dann im jährlichen Abstand. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass ein Rezidiv unentdeckt bleibt, die Syphilis-Krankheit wieder ausbricht und sogar weitergegeben werden kann.

So kann man vorbeugen und sich vor Syphilis schützen

Nach wie vor steht keine Impfung gegen Syphilis zur Verfügung. Die unter bekannten Maßnahmen also in erster Linie geschützter Geschlechtsverkehr mit Kondomen sind also wichtig. Der Gebrauch von Kondomen kann das Ansteckungsrisiko zwar nicht restlos aufheben, aber doch deutlich vermindern.

Wie Sie einer Syphilis vorbeugen

Zentral für einen wirksamen Schutz noch nicht infizierter Menschen ist die frühzeitige Behandlung frisch Infizierter. Das setzt voraus, dass sie möglichst umgehend einen Arzt aufsuchen, sobald an intimen Stellen ein verdächtiges Geschwür entdecken. Außerdem ist es sinnvoll, dass Menschen, die Sex mit häufig wechselnden Partner haben, regelmäßig einen Syphilis-Test durchführen lassen.

Wichtig ist hier auch: Nach überstandener Infektion besteht keine Immunität, man kann die Syphilis also durchaus mehrmals bekommen. Konsequente Behandlung und geschützter Sexualverkehr bleiben also weiter die einzigen Möglichkeiten, sich vor einer Neuinfektion zu schützen.

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