Geschlechtskrankheit

Syphilis

Lues: Symptome, Übertragung und Diagnose der "Lustseuche" Syphilis

Syphilis schien besiegt zu sein. Doch in den vergangenen Jahren steigt die Zahl der Erkrankten rapide an. Symptome, Diagnose, Therapie und Verlauf der Lustseuche.

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Bakterien der Art Treponema pallidum sind Auslöser der Syphilis-Infektion. Übertragen werden die Erreger vor allem – aber nicht nur – beim Sex.
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Am Ende des vergangenen Jahrhunderts gab es nur noch eine verschwindend geringe Anzahl von Syphilis-Fällen in Deutschland. Seit 2009 haben die Neuerkrankungen jedoch extrem zugenommen, vor allem in den Großstädten. Gut 5.000 Fälle im Jahr 2013, Tendenz weiterhin steigend, verzeichnet das Robert-Koch-Institut.

Als Ursache sehen Experten riskantes Sexverhalten vor allem unter Homosexuellen. Häufig tritt Syphilis bei ihnen gemeinsam mit einer HIV-Infektion auf. In Osteuropa und auf dem Balkan, wo die Syphilis-Neuerkrankungen in den 90er Jahren teilweise um das 40-Fache zugenommen hatten, ist die Geschlechtskrankheit stärker unter heterosexuellen Menschen verbreitet.

Syphilis wird bei ungeschütztem Sex übertragen

Syphilis, die Fachbezeichnung lautet Lues venera (lat.: Lustseuche), ist eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit. Auslöser ist das Bakterium Treponema pallidum. Die Ansteckung erfolgt vor allem durch ungeschützte Sexualkontakte, aber auch beim Küssen und Streicheln.

Kleines Hautgeschwür ist erstes Anzeichen von Syphilis

Unbehandelt verläuft die Syphilis in mehreren Krankheitsstadien. Das erste Anzeichen ist ein kleines Geschwür am Eintrittsbereich der Bakterien: An Penis oder Vagina bei vaginalem Verkehr, am Anus bei Analverkehr oder im Mund bei Oralverkehr. Aus dem Ulkus durum, weswegen früher Syphilis auch als „harter Schanker bezeichnet wurde, tritt Flüssigkeit aus, die massenweise Bakterien enthält.

Schreitet die Krankheit voran, führt sie zu schweren Schäden vor allem an Herz, Gehirn, Augen und Knochen. Infizierte Schwangere geben die Infektion meist an ihre ungeborenen Kinder weiter, die dadurch oftmals schwer geschädigt werden. In vielen Fällen führt die Infektion zu Fehlgeburten. Die Krankheit gilt als besonders tückisch, weil zwischen den Schüben oft symptomfreie Jahre vergehen.

Die Therapie mit Antibiotika (Penicillin) greift normalerweise rasch, allerdings ist konsequente Behandlung erforderlich. Dabei muss der Partner mitbehandelt werden.

Syphilis: Diese Symptome kennzeichnen die Krankheit

Die Symptome von Syphilis sind je nach Stadium der Krankheit ganz verscheiden. Sie reichen von einem kleinen Hautgeschwür bis zu zerfressenen Knochen und Psychose.

Nach Einführung von Penicillin im vergangenen Jahrhundert gab es endlich eine Heilungsmöglichkeit für Syphilis, vorher die am meisten gefürchtete Geschlechtskrankheit. Denn nur manchmal heilt Syphilis von selbst wieder ab (Spontanheilungen). Oft nimmt die Syphilis (Lues venera) jedoch einen typischen Verlauf.

Die zehn häufigsten Geschlechtskrankheiten

Die drei Stadien der Syphilis und ihre Anzeichen

Unterschieden werden im Allgemeinen drei Stadien der Syphilis:

  • Stadium I: Zwei bis vier Wochen nach der Infektion entwickelt sich am Ort des Eindringens ein erbsengroßer Knoten oder schmerzloses Geschwür (so genannter Schanker), das nach einigen Wochen von selbst wieder verschwindet. Betroffen sind meist Penis oder Hodensack, Mund oder Darmausgang oder Scheide und Schamlippen. In Stadium I sind die Betroffenen hochinfektiös.

  • Stadium II: Wird die Infektion in Stadium I nicht erkannt und behandelt, treten acht Wochen bis zwei Jahre nach der Rückbildung der ersten Symptome auf: meist Fieber, Schwellungen der Lymphknoten, Muskelschmerzen und nicht juckende masernähnliche Hautausschläge. Im Kopfhaarbereich kann es stellenweise zu starkem Haarausfall kommen, in Mund und Rachen bilden sich oft weißliche Beläge. Auch diese Symptome klingen mit der Zeit meist wieder ab. Zudem sind auch in Stadium II die Betroffenen noch infektiös, allerdings nicht mehr so stark wie in Stadium I.

  • Stadium III: Dieses letzte Stadium der Syphilis kann ein oder mehrere Jahre nach der Infektion auftreten. Es ist vom Übergreifen der Infektion auf die inneren Organe und das Zentralnervensystem gekennzeichnet. In der Folge können das Gehirn, die Organe und die zentrale Reizleitung schwer geschädigt werden. Im schlimmsten Fall führt die Syphilis zum Tod.

Verschwinden die Krankheitsanzeichen zwischen den verschiedenen Stadien, bedeutet das keine Heilung. Die Bakterien schlummern nur. Am besten sollten gefährdete Personen jede Veränderung am Genitalbereich, Mund usw. von einem Arzt abklären lassen, damit die Frühanzeichen von Syphilis nicht übersehen werden. Zu den für Syphilis gefährdeten Menschen zählen alle, die ungeschützen Sex treiben, aber auch Drogensüchtige, die gemeinsam Spritzbestecke benutzen. Denn Syphilis ist auch mit dem Blut übertragbar.

Syphilis: Ursachen der Geschlechtskrankheit

Mit Syphilis kann man sich nicht nur beim Sex anstecken, sondern auch über feuchte Handtücher oder gemeinsam benutzte Spritzen.

Syphilis wird von einem bestimmten  Bakterium ausgelöst. Dieser Erreger heißt Treponema pallidum und kommt nur beim Menschen vor. Außerhalb des Körpers überlebt er nur kurze Zeit. Übertragen wird er vor allem über ungeschützte Sexualkontakte, seltener auch durch die gemeinsame Benutzung von Spritzen. Die Übertragung ist aber auch möglich durch Küssen und Schmusen sowie indirekt über feuchte Handtücher.

Syphilis-Ansteckung übers Handtuch

Safer-Sex
Es gibt noch keine Impfung gegen Syphilis. Safer Sex mit Kondom ist deshalb die effektivste Vorbeugemaßnahmen gegen die Geschlechtskrankheit.
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Dabei kommt es zu einer Infektion, wenn verletzte Haut oder Schleimhaut mit dem Erreger Kontakt hat. Ein Beispiel: Jemand hat im Genitalbereich ein kleines Syphilis-Geschwür, das Flüssigkeit absondert. Diese Flüssigkeit enthält eine Vielzahl von Bakterien. Wäscht er sich und trocknet sich mit einem Handtuch ab, gelangt die Flüssigkeit in den Stoff. Wer nun dieses feuchte Handtuch nach ihm benutzt, kann sich anstecken, etwa, wenn die Flüssigkeit mit den Bakterien über eine winzige Hautverletzung in den Organismus gelangt.

Inkubationszeit von Syphilis beträgt mindestens zwei Wochen

Die Ansteckungsgefahr ist im ersten Stadium der Erkrankung besonders hoch, in dem sich im Bereich der Scheide, Mund oder Anus diese hochinfektiöse, aber schmerzlosen Knoten oder Geschwüre bilden. Der Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Menschen führt in rund einem Drittel aller Fälle zu einer Infektion. Die Zeit zwischen Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome beträgt meist zwei bis vier Wochen, kann sich aber auch bis zu drei Monaten erstrecken.

Eine Syphilis-Infektion erhöht das Risiko, sich auch mit dem HIV-Virus anzustecken. Nicht selten treten beide Infektionen zeitgleich auf.

Syphilis: So läuft der Test zur Diagnose ab

Verschiedene Tests zeigen, ob Syphilis vorliegt. Dazu gehört ein Abstrich vom Geschwür sowie Blutuntersuchungen und die Lumbalpunktion.

Bluttest
In späteren Stadien der Syphilis ist der Antikörpertest aus dem Blut ratsam.
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Ein erfahrener Arzt kann bereits mit einem Blick auf das Ulcus durum, das Geschwür an der Eintrittspforte des Erregers, erkennen, ob womöglich Syphilis vorliegen könnte. Allerdings ist das nur ein Verdacht und noch keine gesicherte Diagnose. Ein Abstrich und ein mikroskopischer Erregernachweis direkt aus dem Knoten bringen dann mehr Gewissheit. Diese Methode fasst natürlich nur während der ersten Phase der Syphilis, in der sich die Hautveränderung bildet.

Bluttest auf Syphilis bringt Sicherheit

In den späteren Stadien der Syphilis ist der Antikörpertest aus dem Blut ratsam. Zur Verfügung stehen verschiedene Verfahren, etwa der sogenannte TPHA- und der TPPA-Test (Treponema-pallidum-Hämagglutinations- und  Partikelagglutinationstest). Wegen häufiger methodischer Unterschiede wird empfohlen, die Erstbefunde sowie die Verlaufskontrolle stets vom selben Labor durchführen zu lassen. Liegt die Ansteckung schon weiter zurück, muss zur Diagnose Rückenmarksflüssigkeit untersucht werden. Das erfolgt durch eine Lumbalpunktion.

Syphilis-Therapie: Welche Behandlung infrage kommt

Zur Therapie von Syphilis eignen sich ausschließlich Antibiotika. Denn beim Erreger der Geschlechtskrankheit handelt es sich um Bakterien. In allen Stadien der Krankheit wirkt daher ein Antibiotikum am effektivsten.

Obwohl viele Bakterien im Lauf von Jahrzehnten resistent gegen ein ursprünglich wirksames Antibiotikum werden, ist das bei Syphilis nicht der Fall. Treponema pallidum spricht auch nach über 60 Jahren noch immer gut auf Penicillin an.

Syphilis-Behandlung dauert mindestens zwei Wochen

Die Medikamente gegen die Syphilis-Erkrankung müssen allerdings hochdosiert sein. Die Therapie erstreckt sich über mindestens zwei Wochen. Nur so erreicht das Antibiotikum einen gleich hohen Wert im Blut und wirkt ausreichend gegen die Bakterien.

Im Verlauf der Behandlung kann es zu körperlichen Reaktionen kommen, etwa Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen, medizinisch wird von der Herxheimer-Reaktion gesprochen. Die Ursache: Der schnelle Zerfall der Bakterien unter dem Einfluss des Antibiotikums. Diese Reaktion kann so stark ausgeprägt sein, dass mit Kortison dagegen gesteuert werden muss.

Bitte beachten: Bei Syphilis müssen immer alle Sexualpartner mitbehandelt werden!

Syphilis: Verlauf und Heilungschancen

Meistens ist nach zwei Wochen die Syphilis-Behandlung abgeschlossen. Zur Kontrolle wird dann nochmals das Blut untersucht. Nach der Syphilis-Behandlung sind regelmäßige Kontrolle wichtig. In der Regel wird sich dabei zeigen, dass die Antibiotika-Behandlung die Syphilis vollkommen ausgeheilt hat – abgesehen von möglicherweise erlittenen Organschäden.

Kontrolluntersuchungen nach Syphilis

Allgemein wird empfohlen, ein, drei, sechs, neun und zwölf Monate später eine Nachuntersuchung mittels eines Bluttests durchführen zu lassen. Danach sind weitere Kontrollen nötig, allerdings zunächst im halbjährlichen, dann im jährlichen Abstand. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass ein Rezidiv unentdeckt bleibt, die Syphilis-Krankheit wieder ausbricht und sogar weitergegeben werden kann.

Syphilis: So kann man vorbeugen und sich schützen

Es gibt noch keine Impfung gegen Syphilis. Safer Sex lautet also eine der Vorbeugemaßnahmen gegen die Geschlechtskrankheit. Doch sogar Küssen ist riskant.

Da die Syphilis (Lues venera) von Bakterien verursacht wird, ist keine Impfung möglich. Die unter "Safer Sex" bekannten Maßnahmen sind also wichtig. Allerdings kann der Gebrauch von Kondomen das Ansteckungsrisiko nicht restlos aufheben – die Syphilis kann beispielsweise bei oralem Ulcus auch durch Küssen weitergegeben werden –, aber doch deutlich vermindern.

Wie Sie einer Syphilis vorbeugen

Zentral für einen wirksamen Schutz noch nicht infizierter Menschen ist die frühzeitige Behandlung frisch Infizierter. Das setzt voraus, dass sie möglichst umgehend einen Arzt aufsuchen, sobald an Penis, Hodensack, Mund, Darmausgang, Scheide oder Schamlippen ein Knoten oder schmerzloses Geschwür auftritt. Außerdem ist es sinnvoll, dass Menschen, die Sex mit häufig wechselnden Partner haben, regelmäßig einen Syphilis-Test durchführen lassen. Denn in den vergangenen Jahren haben Syphilis-Erkrankungen extrem zugenommen.

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Letzte Aktualisierung:10. Juni 2015
Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: Ach übrigens... - Informationen über sexuell übertragbare Krankheiten. (Stand: 2013); RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Syphilis (Lues). Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 2013)

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