Geschlechtskrankheit

Syphilis: Ansteckung, Symptome und Behandlung von Lues

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Die Geschlechtskrankheit Syphilis (Lues) kann sehr unterschiedliche Symptome zeigen. Typisch ist jedoch der Beginn in Form eines kleinen Hautgeschwürs an der Infektionsstelle. Der weitere Verlauf zeigt sich in mehreren Krankheitsschüben mit langen, symptomlosen Phasen dazwischen.

Frau hält Kondom in der Hand
© Getty Images/Boyloso

Seit 2010 nehmen die Neuerkrankungen an Syphilis wieder stark zu, vor allem in Großstädten. Ein Trend, der sich auch in anderen Ländern beobachten lässt. Als Ursache gilt ein riskantes Sexualverhalten und ungeschützter Geschlechtsverkehr. Das betrifft zum einen vorrangig homosexuelle Männern, bei ihnen tritt Syphilis häufig gemeinsam mit einer HIV-Infektion auf. Zum anderen steigen auch die Infektionszahlen bei Frauen.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist Syphilis?

Syphilis ist eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit, die von dem Bakterium Treponema pallidum ausgelöst wird. Sie gehört zu den sexuell übertragbaren Infektionen (STI) und ist bereits seit dem frühen 16. Jahrhundert bekannt. Die medizinische Fachbezeichnung lautet Lues venera (lat.: Lustseuche), umgangssprachlich hört man auch die alten Bezeichnungen harter Schanker (Schanker = Geschwür) oder Franzosenkrankheit. Seit Entdeckung von Penicillin hat die Syphilis viel von ihrem Schrecken verloren, denn sie ist mit Antibiotika gut behandelbar – vorausgesetzt sie wird rechtzeitig diagnostiziert. Unbehandelt kann die Syphilis zu schweren Schäden am zentralen Nervensystem und an inneren Organen bis hin zum Tod führen.

Erste Anzeichen und weitere Symptome der Syphilis

Man unterscheidet drei Stadien der Syphilis, die sich anhand von ganz verschiedenen Symptomen äußern. Die Anzeichen reichen von einem kleinen Hautgeschwür über Gelenk- und Muskelschmerzen bis zu zerfressenen Knochen und Psychose.

Stadium I – Ulcus durum/Hautgeschwür: Zwei bis vier Wochen nach der Infektion entwickelt sich am Ort des Eintritts der Bakterien ein Primäraffekt (Ulcus durum): Dabei handelt es sich um ein erbsengroßes Knötchen oder ein schmerzloses Geschwür, das nach einigen Wochen von selbst wieder verschwindet. Betroffen sind meist Penis oder Hodensack, Lippen, Mund oder Zunge, Darmausgang, Scheide oder Schamlippen. In Stadium I sind Patient*innen hochgradig ansteckend.

Stadium II Fieber und Hautausschlag: Wird die Infektion in Stadium I nicht erkannt und behandelt, treten acht Wochen bis zwei Jahre nach der Rückbildung die ersten Symptome auf:

  • Fieber,
  • geschwollene Lymphknoten,
  • Muskelschmerzen,
  • nicht juckende masernähnliche Hautausschläge,
  • Haarausfall,
  • weißliche Beläge in Mund und Rachen.

Auch diese Symptome klingen mit der Zeit meist wieder ab. Zudem sind die Betroffenen auch in Stadium II noch ansteckend, allerdings nicht mehr so stark wie in Stadium I.

Stadium III Organschäden: Dieses letzte Stadium der Syphilis kann ein oder mehrere Jahre nach der Infektion auftreten. Es ist vom Übergreifen der Infektion auf die inneren Organe und das zentrale Nervensystem (Neurosyphilis) gekennzeichnet. In der Folge können das Gehirn, die Organe und die zentrale Reizleitung schwer geschädigt werden. Im schlimmsten Fall führt die Syphilis zum Tod.

Verschwinden die Krankheitsanzeichen zwischen den verschiedenen Stadien, bedeutet das keine Heilung. Die Bakterien schlummern nur. Am besten sollten gefährdete Personen jede Veränderung am Genitalbereich, Mund oder anderen typischen Stellen für Syphilis ärztlich abklären lassen, damit die Frühsyphilis nicht übersehen wird.

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Häufige Ursachen für Ansteckung mit Syphilis

Ausgelöst wird Syphilis vom Erreger Treponema pallidum, der nur beim Menschen vorkommt. Außerhalb des Körpers überlebt er nur kurze Zeit. Übertragen wird er vor allem über ungeschützten Geschlechtsverkehr, seltener auch durch die gemeinsame Benutzung von Spritzen. Die Übertragung ist aber auch durch Küssen und intensives Schmusen sowie indirekt über feuchte Handtücher möglich.

Die häufigsten Übertragungswege sind:

  • Ungeschützter Sex: Die Ansteckung kann bei Vaginal- und Analverkehr erfolgen, je nachdem ob das Ulkus an den Schleimhäuten von Scheide, Penis oder After zu finden ist.

  • Oralverkehr: Er wird bei vielen sexuell übertragbaren Krankheiten als sicherere Variante gesehen. Nicht so bei Syphilis, hier ist eine Übertragung auch über die Mundschleimhaut möglich.

  • Schwangerschaft: Die Erreger der Syphilis sind plazentagängig, sodass eine schwangere Frau ihr ungeborenes Baby (Syphilis connata) anstecken kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist umso höher, je kürzer die Infektion zurückliegt. Hat sich die Frau während der Schwangerschaft angesteckt, liegt die Quote sogar bei 100 Prozent. Eine unbehandelte Syphilis-Infektion ist sehr gefährlich für das ungeborene Kind und kann zu Fehlbildungen, Früh- oder Totgeburt führen. Bei der ersten Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft wird deshalb routinemäßig ein Bluttest auf Lues durchgeführt.

  • Ansteckung über Handtücher: Dabei kommt es zu einer Infektion, wenn verletzte Haut oder Schleimhaut mit dem Erreger Kontakt hat. Besitzt zum Beispiel jemand im Genitalbereich ein kleines Syphilis-Geschwür, das Flüssigkeit absondert, enthält diese eine Vielzahl der Bakterien. Wäscht er sich und trocknet sich mit einem Handtuch ab, gelangt die Flüssigkeit in den Stoff. Wer nun dieses feuchte Handtuch benutzt, kann sich anstecken, etwa, wenn die Flüssigkeit mit den Bakterien über eine winzige Hautverletzung in den Körper gelangt.

Inkubationszeit von Syphilis beträgt mindestens zwei Wochen

Die Ansteckungsgefahr ist im ersten Stadium der Erkrankung besonders hoch, in dem sich im Bereich von Scheide, Mund oder Anus die hochansteckenden, aber schmerzlosen Knoten oder Geschwüre bilden. Der Sexualkontakt mit einem infizierten Menschen führt in rund einem Drittel aller Fälle zu einer Infektion. Die Zeit zwischen Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome, die sogenannte Inkubationszeit, beträgt meist zwei bis vier Wochen, kann sich aber auch auf bis zu drei Monate erstrecken.


Eine Syphilis-Infektion erhöht das Risiko, sich auch mit dem HI-Virus anzustecken. Nicht selten treten beide Infektionen zeitgleich auf. Das Problem dabei ist, dass sich beide Krankheiten in ihrem Verlauf negativ beeinflussen.

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Diagnose der Syphilis: Schnelltest, Abstrich oder Bluttest?

Bei Verdacht auf Syphilis sollten Betroffene zur*m Hausärztin*Hausarzt oder in eine gynäkologische Praxis gehen. Erfahrene Fachleute können bereits mit einem Blick auf das Ulkus erkennen, ob womöglich Syphilis vorliegt. Ein Abstrich vom Geschwür gibt Gewissheit, doch diese Methode funktioniert nur während der ersten Phase der Syphilis, in der sich die Hautveränderung bildet.

In den späteren Stadien der Syphilis ist der Test auf Antikörper aus dem Blut ratsam. Zur Verfügung stehen verschiedene Verfahren, etwa der sogenannte TPHA- und der TPPA-Test (Treponema-pallidum-Hämagglutinations- und  Partikelagglutinationstest). Liegt die Ansteckung schon weiter zurück (Spätsyphilis), muss zur Diagnose Rückenmarksflüssigkeit untersucht werden. Das erfolgt durch eine Lumbalpunktion.

Syphilis-Schnelltest für zu Hause

Ein Syphilis-Schnelltest verspricht ein rasches Ergebnis, meist innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Allerdings gibt es viele mangelhafte Tests auf dem Markt. Oft führen sie zu einem falsch positiven Ergebnis – das heißt sie zeigen eine Syphilis-Infektion an, obwohl keine vorliegt – oder sie liefern ein falsch negatives Ergebnis. Erkrankte wiegen sich dann fälschlicherweise in Sicherheit und stecken vielleicht unwissentlich andere an. Außerdem kommt es immer wieder zu Anwendungsfehlern.

Ein weiteres Problem der Schnelltests: So lange im Blut keine Antikörper vorhanden sind, was in der überaus ansteckenden Anfangsphase der Fall ist, lassen sich die Erreger nur über einen Abstrich am Geschwür nachweisen. Auf der sicheren Seite ist, wer den Antikörper-Test bei der*dem Ärztin*Arzt durchführen lässt, selbst wenn man dann ein bis zwei Tage auf das Ergebnis warten muss.

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Behandlung bei Syphilis erfolgt mit Antibiotika

Zur Therapie von Syphilis eignen sich ausschließlich Antibiotika, die in allen Stadien der Krankheit wirken. Obwohl viele Bakterien im Lauf von Jahrzehnten resistent gegen ein ursprünglich wirksames Antibiotikum werden, ist das bei Syphilis nicht der Fall. Treponema pallidum spricht auch nach über 60 Jahren noch immer gut auf Penicillin an.

Die Medikamente gegen die Syphilis-Erkrankung müssen allerdings hochdosiert sein. Die Therapie erstreckt sich über mindestens zwei Wochen. Nur so erreicht das Antibiotikum einen gleich hohen Wert im Blut und wirkt ausreichend gegen die Bakterien. Bei Syphilis müssen immer alle Sexualpartner*innen mitbehandelt werden.

Im Verlauf der Behandlung kann es zu körperlichen Reaktionen kommen, etwa Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen, medizinisch wird von der Herxheimer-Reaktion (Herx) gesprochen. Die Ursache: Der schnelle Zerfall der Bakterien unter dem Einfluss des Antibiotikums. Diese Reaktion kann so stark ausgeprägt sein, dass mit Kortison gegengesteuert werden muss.

Verlauf und Heilungschancen: Syphilis ist mit Antibiotika gut heilbar

Syphilis ist bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung mit Penicillin vollkommen heilbar. Meistens ist die Antibiotika-Therapie nach zwei Wochen abgeschlossen. Zur Kontrolle wird dann nochmals das Blut untersucht. Nach der Syphilis-Behandlung sind regelmäßige Kontrolle wichtig. In der Regel zeigt sich dabei, ob die Antibiotika-Behandlung die Syphilis vollkommen ausgeheilt hat – abgesehen von möglicherweise erlittenen Organschäden.

Allgemein wird empfohlen, ein, drei, sechs, neun und zwölf Monate später eine Nachuntersuchung mittels Bluttest durchführen zu lassen. Danach sind weitere Kontrollen nötig, allerdings zunächst im halbjährlichen, dann im jährlichen Abstand. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass ein Rezidiv unentdeckt bleibt, die Syphilis-Krankheit wieder ausbricht und sogar weitergegeben werden kann.

So kann man vorbeugen und sich vor Syphilis schützen

Nach wie vor steht keine Impfung gegen Syphilis zur Verfügung. Die unter "Safer Sex" bekannten Maßnahmen, also in erster Linie geschützter Geschlechtsverkehr mit Kondomen, sind also wichtig. Der Gebrauch von Kondomen kann das Ansteckungsrisiko zwar nicht restlos aufheben, aber doch deutlich vermindern.

Zentral für einen wirksamen Schutz noch nicht infizierter Menschen ist die frühzeitige Behandlung frisch Infizierter. Das setzt voraus, dass sie möglichst umgehend eine*n Ärztin*Arzt aufsuchen, sobald sie an intimen Stellen ein verdächtiges Geschwür entdecken. Außerdem ist es sinnvoll, dass Menschen, die Sex mit häufig wechselnden Partner*innen haben, regelmäßig einen Syphilis-Test durchführen lassen. Nach überstandener Infektion besteht keine Immunität, man kann Syphilis also durchaus mehrmals bekommen.

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