Infektionskrankheit durch Zeckenstich

Borreliose: Schnelle Behandlung, gute Aussichten

Borreliose ist ein Sammelbegriff für Infektionskrankheiten, die durch Bakterien ausgelöst werden. Die häufigste Form ist die Lyme-Borreliose. Die von Zecken übertragenen Borrelien lösen typische Symptome, wie die Wanderröte aus. Spätfolgen bei Borreliose können noch Monate bis Jahre nach der Infektion auftreten.

Zecke wird mit Pinzette entfernt
Borreliose wird durch Zecken übertragen. Ist die Zecke schnell entfernt, sinkt die Gefahr auf eine Infektion.
© iStock.com/JasonOndreicka

Die Borreliose kommt in Europa, Nordamerika und Asien vor. Sie ist ein Sammelbegriff für alle Infektionskrankheiten, die durch ein Bakterium der Gattung Borrelia (Borrelien) hervorgerufen werden. Da die Lyme-Borreliose (Lyme-Krankheit), die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Europa und auch Deutschland ist, wird sie häufig mit Borreliose gleichgesetzt. In Deutschland ereignet sich schätzungsweise bei bis zu sechs Prozent der von Zecken Gestochenen eine Infektion, bei unter zwei Prozent wird eine Erkrankung erkennbar. Allerdings steigt die Zahl der Erkrankten stetig.

Borreliose ist nicht ansteckend und wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Zecken richtig entfernen

Symptome: Wie erkenne ich, ob ich Borreliose habe?

Zecken können mehrere Arten von Bakterien übertragen, was die Symptome sehr vielfältig ausfallen lassen kann. Grundsätzlich lässt sich der Krankheitsverlauf von Borreliose in Früh- und Spätform unterscheiden. Charakteristisch für Borreliose sind sehr schnell wechselnde Beschwerden, die oft unzusammenhängend erscheinen.

Symptome im frühen Stadium

  • Wanderröte (Erythema migrans): Erste Zeichen einer Infektion machen sich häufig ein bis zwei Wochen nach erfolgtem Zeckenstich in Form einer schmerzhaften Rötung bemerkbar. Die ringförmige Rötung wandert allmählich nach außen. Bleibt die Wanderröte unbehandelt, kommt es in 78 Prozent der Fälle zu späteren Krankheitssymptomen.

  • Das zweite Stadium geht oftmals mit den Symptomen einer Grippe einher: Muskelkaterartige Schmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Müdigkeit, leicht erhöhte Temperatur und Nachtschweiß. Typischerweise kehren sie immer wieder.

  • Lymphozytome (krankhaft vermehrt gebildete lymphatische Zellen) treten meist dann auf, wenn der Stich am Ohr oder der Brustwarze erfolgt ist und zeigen sich in einer hellroten, knotigen Schwellung.

  • Symptome wie Nervenschmerzen, Lähmungen (bei Kindern insbesondere auch von Gesichtsnerven) oder Sensibilitätsstörungen werden in dem Begriff akute Neuroborreliose zusammengefasst und können in sehr seltenen Fällen zu einer Hirnhautentzündung führen.

  • Auch eine durch die Infektion bedingte Herzrhythmusstörung und Herzmuskelentzündung zählen sehr selten zu den Borreliose-Anzeichen.

Symptome im späten Stadium

  • Bleibt die Infektion unentdeckt und somit unbehandelt, werden in vielen Fällen Fehldiagnosen gestellt, wie beispielsweise Rheuma. Dabei kann es sich tatsächlich um fortschreitende Gelenkentzündungen handeln (Lyme Arthritis).

  • Unentdeckt wird die Borreliose im dritten Stadium zur Herxheimer-Krankheit (Acrodermatitis chronica atrophicans): Die Haut, meist an den Innenseiten der Arme und Beine, wird blattdünn und verfärbt sich bläulich. Diese kann selten zu Taubheitsgefühlen und Lähmungen in Armen und Beinen (periphere Neuropathien) und einer chronischen Neuroborreliose führen, die schnell mit den Symptomen einer Multiple Sklerose verwechselt werden können.

  • Weitere unspezifische Symptome sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Erschöpfung und Muskelschmerzen. Diese werden häufig fälschlicherweise als Depression gedeutet.

  • Bei Erwach­senen kommt es relativ selten zu neurologischen Spätfolgen. Bei Kindern tritt häufiger Hirnhautentzündungen oder Fazialisparesen (Gesichtslähmung) auf.

Wie lange ist die Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit (Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen) und das Auftreten der Symptome nach dem Zeckenstich können sehr unterschiedlich sein. Stadium I kann sich von Tagen bis Wochen hinziehen, Stadium II Wochen bis Monate und Stadium III Monate bis Jahre.

Test auf Borreliose: So diagnostiziert der Arzt

Bei der Verdachtsdiagnose Borreliose erfolgt zunächst immer eine Anamnese und Blickdiagnose (klinische Untersuchung). Ist die Diagnose der Wanderröte eindeutig, kann auf eine Laboruntersuchung verzichtet werden, vor allem wenn der Patient sich an den Stich erinnern kann.

Bei ungenauen Fällen oder wenn keine Wanderröte aufgetreten ist, wird eine Labordiagnostik durchgeführt. Dafür stehen verschiedene Tests zur Verfügung, die Borreliose-Erreger identifizieren. Routinemäßig wird das Blutserum (Flüssiger Teil des Blutes nach der Zentrifugierung) des Betroffenen auf Borrelien-spezifische-Antikörper untersucht. Seltener wird der Liquor (Rückenmarksflüssigkeit) untersucht, nämlich dann, wenn ein Verdacht auf Neuroborreliose besteht.

Die sogenannte Polymeraskettenreaktion (PCR) ist ein Test, der einen direkten Erregernachweise bringen kann. Er wird jedoch nur in den seltensten Fällen durchgeführt, wie bei doppeldeutigen oder unzureichenden klinischen und Bluttest-Befunden. Für die Untersuchung muss zum Beispiel eine Hautprobe, Gelenkflüssigkeit, Hirn- oder Rückenmarksflüssigkeit entnommen werden.

Die Ergebnisse der Laboruntersuchung sollten nicht allein über eine Therapie mit Antibiotika entscheiden. Je eindeutiger die klinischen Symptome wie Wanderröte sind, desto weniger zählen die Laborbefunde. Denn in mehr als 50 Prozent der Untersuchungen fallen diese negativ aus. Sollte trotz positiver Symptomatik bei negativem Befund auf eine medikamentöse Therapie verzichtet werden, kann dies schnell zum Spätstadium von Borreliose und dann zu chronischen Krankheiten und Beschwerden führen.

Schnelle Behandlung von Borreliose für gute Prognose

Die Behandlung von Borreliose erfolgt mit Antibiotika. Je früher die Therapie eingeleitet wird, desto erfolgreicher ist sie – in der Frühphase bestehen die besten Chancen auf Heilung. Die antibiotische Therapie kann den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen und Komplikationen oder eine dauerhafte Erkrankung wie eine chronische Neuroborreliose verhindern.

Je nach Stadium und Symptomatik stehen unterschiedliche Antibiotika für zur Verfügung:

  • Stadium I (bei Wanderröte und Lymphozytom): Doxycyclin, Amoxicillin, Cefuroximaxetil; Dauer etwa 14 Tage

  • Stadium II (bei akuter Neuroborreliose): Ceftriaxon, Cefotaxim, Doxycyclin, Penicillin; Dauer etwa 14 Tage

  • Stadium III (bei chronischer Neuroborreliose): Ceftriaxon, Cefotaxim, Doxycyclin; Dauer etwa 14-28 Tage

  • Herxheimer-Krankheit (Acrodermatitis chronica atrophicans): Doxycyclin, Amoxicillin, Cefuroximaxetil; Dauer etwa 21 Tage

  • Karditis (Entzündliche Erkrankung des Herzens): Ceftriaxon, Cefotaxim, Doxycyclin, Penicillin G; Dauer etwa 14 Tage

  • Arthritis (Gelenkentzündungen): Doxycyclin, Amoxicillin, Cefuroximaxetil; Dauer etwa 28 Tage

Kinder unter acht Jahren werden nicht mit Doxycyclin behandelt, da folglich die Zahnschmelzbildung gestört wird. In der Schwangerschaft und während der Stillzeit ist Amoxicillin einzunehmen. Wer einmal an Borreliose erkrankt ist und geheilt wurde, ist nicht immun.

Experten raten von einer prophylaktischen Einnahme von Antibiotika wie Doxycyclin nach einem Zeckenstich ab, da die Gefahr der Nebenwirkungen zu groß ist.

Vorbeugen: Zeckenstiche vermeiden

Um die Gefahr von einer Zecke gestochen zu werden zu reduzieren, sind folgende Dinge zu beachten:

  • Vor Aufenthalten im Freien, zeckenabweisende Mittel auftragen. Diese bieten aber nur einen Teilschutz.

  • Verhalten im Freien: Schützende Kleidung im Wald oder auf Wiesen tragen. Dazu gehören geschlossene Schuhe, lange Hosen, langärmelige Shirts und hohe Socken. Auf heller Kleidung können Zecken schneller entdeckt werden.

  • Hohes Gras, bodentiefe Pflanzen und Kontakt mit Totholz vermeiden.

  • Nach der Gartenarbeit, Wald- und Wiesenspaziergängen, nach dem Kontakt mit Wildtieren oder draußen verweilenden Haustieren: Den Körper jedes Mal gründlich nach Zecken absuchen. Dabei besonders auf weiche Hautstellen wie Achseln, Kniekehlen, Bauchnabel oder Kopfhaut achten.

Die besten Tipps gegen Zecken

Gegen Borreliose impfen?

Borrelien grenzen sich zu Erregern der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ab. Die FSME wird durch Viren verursacht und kann somit durch einen Impfstoff vorgebeugt werden. Bei Borreliose ist eine Schutzimpfung zur Prävention beim Menschen nicht möglich.

Von einer Zecke gestochen, was tun?

Um die Gefahr auf eine Infektion so gering wie möglich zu halten, sollte die Zecke nach dem Zeckenstich unmittelbar entfernt werden. Dabei ist es wichtig, dass sie gerade nach oben herausgezogen wird. Dafür eignet sich am besten eine spitz zulaufende Pinzette, die unter die Zecke greift und sie akkurat herauszieht. Sogenannte Zeckenzangen führen häufig zum Platzen oder Zerquetschen des Zeckenleibs und somit zur Freisetzung der Bakterien an der Einstichstelle. Auch Hilfsmittel wie, Wasser, Öl oder Klebstoffe helfen nicht beim Entfernen der Zecke. Im Gegenteil: sie bringen die Zecke in eine Stresssituation, sodass sie schnell ihren Inhalt entleert.

Da der Stachel der Zecke verankert ist, bleibt er auch nach dem sachgemäßen Entfernen hin und wieder stecken. Hier kann ein Arzt helfen diesen zu entfernen. In vielen Fällen fällt der Stachel der Zecke jedoch von alleine raus.

Wie und wo wird Borreliose übertragen?

Borreliose kann nur über einen Zeckenstich übertragen werden. Die Zecken heften sich an Wildtiere (Nagetiere, Vögel, Hirsche und Rehe beispielsweise), infizieren sich so mit den Bakterien und bewahren sie im Magen-Darm-Trakt auf. Sobald sie sich an die Haut von anderen Tieren oder Menschen heften, werden die Bakterien wiederum in diesen Organismus übertragen. Durch ihre schraubenförmige Gestalt können Borrelien in das Blut und Gewebe des Wirts vordringen, um sich im Körper auszubreiten.

Kontaktmöglichkeiten mit Zecken gibt es viele: Sie sitzen meistens auf hohem Gras und Gebüschen oder Totholz. Streift ein Mensch oder ein Tier diesen Ort, heftet sich die Zecke an. Menschen, die beruflich und privat viel Zeit im Wald, Garten oder Parks verbringen sind deswegen sehr gefährdet. Die meisten Infektionen werden von März bis Oktober gemeldet.

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