Infektion durch Zecken

Borreliose: Symptome und Behandlung für gute Prognose

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Borreliose ist ein Sammelbegriff für bakterielle Infektionskrankheiten, die häufigste Form ist die Lyme-Borreliose. Die von Zecken übertragenen Borrelien lösen typische Symptome wie die Wanderröte aus. Spätfolgen bei Borreliose können noch Monate bis Jahre nach der Infektion auftreten.

Zecke wird mit Pinzette entfernt
Borreliose wird durch Zecken übertragen.
© iStock.com/JasonOndreicka

Artikelinhalte im Überblick:

Zecken richtig entfernen

Was ist Borreliose?

Borreliose ist ein Sammelbegriff für alle Infektionskrankheiten, die durch ein Bakterium der Gattung Borrelia (Borrelien) hervorgerufen werden. Da die Lyme-Borreliose (Lyme-Krankheit), die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Europa und auch Deutschland ist, wird sie häufig mit Borreliose gleichgesetzt. In Deutschland ereignet sich schätzungsweise bei bis zu sechs Prozent der von Zecken Gestochenen eine Infektion, bei unter zwei Prozent wird eine Erkrankung erkennbar. Borreliose ist nicht ansteckend. Neben Zecken können auch Mücken die Borreliose-Erreger übertragen.

Infektion mit Borreliose: Typische Symptome

Grundsätzlich lässt sich der Krankheitsverlauf von Borreliose in eine Früh- und Spätform unterscheiden. Charakteristisch für Borreliose sind sehr schnell wechselnde Beschwerden, die oft unzusammenhängend erscheinen.

Die Inkubationszeit (Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen) und das Auftreten der Symptome nach dem Zeckenstich können sehr unterschiedlich sein. Stadium I kann sich von Tagen bis Wochen hinziehen, Stadium II Wochen bis Monate und Stadium III Monate bis Jahre.

Borreliose-Symptome im frühen Stadium

  • Wanderröte (Erythema migrans): Erste Zeichen einer Infektion machen sich häufig ein bis zwei Wochen nach erfolgtem Zeckenstich in Form einer schmerzhaften Rötung bemerkbar. Die ringförmige Rötung wandert allmählich nach außen.

  • Symptome einer Grippe: Muskelkaterartige Schmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Müdigkeit, leicht erhöhte Temperatur und Nachtschweiß. Typischerweise kehren sie immer wieder.

  • Lymphozytome (krankhaft vermehrt gebildete lymphatische Zellen) treten meist dann auf, wenn der Stich am Ohr oder der Brustwarze erfolgt ist und zeigen sich in einer hellroten, knotigen Schwellung.

  • Akute Neuroborreliose: Symptome wie Nervenschmerzen, Lähmungen (bei Kindern insbesondere auch von Gesichtsnerven) oder Sensibilitätsstörungen. Sie können in sehr seltenen Fällen zu einer Hirnhautentzündung führen.

  • Herzrhythmusstörung und Herzmuskelentzündung

Verschleppte Borreliose-Symptome und Spätfolgen

Bleibt die Infektion unentdeckt und somit unbehandelt, werden in vielen Fällen Fehldiagnosen gestellt, wie beispielsweise Rheuma. Dabei kann es sich tatsächlich um fortschreitende Gelenkentzündungen handeln (Lyme Arthritis).

Unentdeckt wird die Borreliose im dritten Stadium zur Herxheimer-Krankheit (Acrodermatitis chronica atrophicans): Die Haut, meist an den Innenseiten der Arme und Beine, wird blattdünn und verfärbt sich bläulich. Diese kann selten zu Taubheitsgefühlen und Lähmungen in Armen und Beinen (periphere Neuropathien) und einer chronischen Neuroborreliose führen, die schnell mit den Symptomen einer Multiple Sklerose verwechselt werden können.

Weitere unspezifische Symptome sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Erschöpfung und Muskelschmerzen. Diese werden häufig fälschlicherweise als Depression gedeutet. Bei Erwach­senen kommt es relativ selten zu neurologischen Spätfolgen durch eine Borreliose. Bei Kindern tritt häufiger Hirnhautentzündungen oder Fazialisparesen (Gesichtslähmung) auf.

Test auf Borreliose zur Diagnose

Bei der Verdachtsdiagnose Borreliose erfolgt zunächst immer eine Anamnese und körperliche Untersuchung. Ist die Diagnose der Wanderröte eindeutig, kann auf eine Laboruntersuchung verzichtet werden.

Bei ungenauen Fällen oder wenn keine Wanderröte aufgetreten ist, wird eine Labordiagnostik durchgeführt. Routinemäßig wird das Blutserum auf Borrelien-spezifische-Antikörper untersucht. Besteht der Verdacht auf eine Neuroborreliose, wird der Liquor (Rückenmarksflüssigkeit) untersucht.

Sollte trotz positiver Symptomatik bei negativem Befund auf eine medikamentöse Therapie verzichtet werden, kann dies schnell zum Spätstadium von Borreliose und dann zu chronischen Krankheiten und Beschwerden führen.

Behandlung von Borreliose mit Antibiotika

Je früher die antibiotische Therapie eingeleitet wird, desto erfolgreicher ist sie – in der Frühphase bestehen die besten Chancen auf eine Heilung. Durch die Einnahme von Antibiotika können Komplikationen oder eine chronische Neuroborreliose meist verhindert werden.

Je nach Stadium und Symptomen stehen unterschiedliche Antibiotika zur Verfügung:

  • Stadium I (bei Wanderröte und Lymphozytom): Doxycyclin, Amoxicillin, Cefuroximaxetil, Dauer etwa 14 Tage

  • Stadium II (bei akuter Neuroborreliose): Ceftriaxon, Cefotaxim, Doxycyclin, Penicillin, Dauer etwa 14 Tage

  • Stadium III (bei chronischer Neuroborreliose): Ceftriaxon, Cefotaxim, Doxycyclin, Dauer etwa 14-28 Tage

  • Herxheimer-Krankheit (Acrodermatitis chronica atrophicans): Doxycyclin, Amoxicillin, Cefuroximaxetil, Dauer etwa 21 Tage

  • Karditis (Entzündliche Erkrankung des Herzens): Ceftriaxon, Cefotaxim, Doxycyclin, Penicillin G, Dauer etwa 14 Tage

  • Arthritis (Gelenkentzündungen): Doxycyclin, Amoxicillin, Cefuroximaxetil, Dauer etwa 28 Tage

Kinder unter acht Jahren werden nicht mit Doxycyclin behandelt, da folglich die Zahnschmelzbildung gestört wird. In der Schwangerschaft und während der Stillzeit ist Amoxicillin einzunehmen. Wer einmal an Borreliose erkrankt ist und geheilt wurde, ist nicht immun.

Zecken: Die wichtigsten Fakten!

Wie und wo wird Borreliose übertragen?

Borreliose kann nur über einen Zeckenstich übertragen werden. Die Zecken heften sich an Wildtiere (Nagetiere, Vögel, Hirsche und Rehe beispielsweise), infizieren sich so mit den Bakterien und übertragen sie beim Stich eines Menschen. Durch ihre schraubenförmige Gestalt können Borrelien in das Blut und Gewebe des Wirts vordringen und sich im Körper ausbreiten.

Kontaktmöglichkeiten mit Zecken gibt es viele: Sie sitzen meistens auf hohem Gras und Gebüschen oder Totholz. Streift ein Mensch oder ein Tier diesen Ort, heftet sich die Zecke an. Menschen, die beruflich und privat viel Zeit im Wald, Garten oder Parks verbringen sind deswegen sehr gefährdet. Die meisten Infektionen werden von März bis Oktober gemeldet.

Borreliose vorbeugen heißt Zeckenstiche vermeiden

Um die Gefahr, von einer Zecke gestochen zu werden zu reduzieren, sind folgende Dinge zu beachten:

  • Vor Aufenthalten im Freien, zeckenabweisende Mittel auftragen. Diese bieten aber nur einen Teilschutz.

  • Schützende Kleidung im Wald oder auf Wiesen tragen. Dazu gehören geschlossene Schuhe, lange Hosen, langärmelige Shirts und hohe Socken. Auf heller Kleidung können Zecken schneller entdeckt werden.

  • Hohes Gras, bodentiefe Pflanzen und Kontakt mit Totholz vermeiden.

  • Nach der Gartenarbeit, Wald- und Wiesenspaziergängen, nach dem Kontakt mit Wildtieren oder draußen verweilenden Haustieren: Den Körper jedes Mal gründlich nach Zecken absuchen. Dabei besonders auf weiche Hautstellen wie Achseln, Kniekehlen, Bauchnabel oder Kopfhaut achten.

Gegen Borreliose impfen?

Borrelien grenzen sich zu Erregern der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ab. Gegen FSME gibt es eine Impfung, bei Borreliose ist eine Schutzimpfung zur Prävention nicht möglich.

Von einer Zecke gestochen, was tun?

Um die Gefahr auf eine Infektion so gering wie möglich zu halten, sollte die Zecke nach dem Zeckenstich unmittelbar entfernt werden. Dabei ist es wichtig, dass sie gerade nach oben herausgezogen wird. Dafür eignet sich am besten eine spitz zulaufende Pinzette, die unter die Zecke greift und sie akkurat herauszieht. Sogenannte Zeckenzangen führen häufig zum Platzen oder Zerquetschen des Zeckenleibs und somit zur Freisetzung der Bakterien an der Einstichstelle. Auch Hilfsmittel wie, Wasser, Öl oder Klebstoffe helfen nicht beim Entfernen der Zecke. Im Gegenteil: sie bringen die Zecke in eine Stresssituation, sodass sie schnell ihren Inhalt entleert.

Da der Stachel der Zecke verankert ist, bleibt er auch nach dem sachgemäßen Entfernen hin und wieder stecken. Mit ärztlicher Hilfe kann dieser entfernt werden, sofern er nicht von von alleine rausfällt.

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