Aphasie: Sprachstörung vom Gehirn

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Unter einer Aphasie wird eine erworbene Sprachstörung verstanden, die in den allermeisten Fällen Folge eines Schlaganfalls ist, immer aber eine Schädigung des Gehirns als Ursache hat. Wie sich eine Aphasie äußert, welche Ursachen und Formen es gibt und wie sie behandelt wird.

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© Getty Images/Sylvain Sonnet

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Definition Aphasie

Eine Aphasie ist eine neurologische Störung im Gehirn, genauer gesagt im Sprachzentrum. Es sind dabei alle Fähigkeiten betroffen, die mit Sprache zusammenhängen: sprechen und verstehen, lesen und schreiben, aber auch Gestik und Mimik und Umgang mit Zahlen. Das Denkvermögen selbst ist dabei jedoch nicht betroffen, nur die Sprachverarbeitung. Die Ursachen können unterschiedlich sein, aber 80 Prozent der Patienten und Patientinnen mit einer Aphasie hatten zuvor einen Schlaganfall, bei dem es zu einer Schädigung des Gehirns im Bereich des Sprachzentrums kam.

Die Aphasie kann sich auf verschiedene Arten zeigen:

  • Wortfindungsstörungen
  • falsche Wörter werden benutzt
  • stockende Sprache
  • Vertauschen von Buchstaben oder ganzen Wörtern
  • unverständliche Wörter oder Sätze (beispielsweise flüssige Sprache, die aber keinen Sinn ergibt)

Formen der Aphasie

Die Aphasie wird in vier Formen eingeteilt:

  • Globale Aphasie: Die gesamte Sprachproduktion ist bei der globalen Aphasie stark betroffen und es ist nur wenig oder gar keine sprachliche Kommunikation möglich. Statt Wörtern werden manchmal Silben aneinandergereiht, wie beispielsweise "dodododo".

  • Broca-Aphasie: Die sprachliche Kommunikation ist mittelschwer bis schwer eingeschränkt. Betroffene mit Broca-Aphasie sprechen meist nicht flüssig, versuchen sich oft zu korrigieren und sprechen in kurzen, unvollständigen Sätzen. Das Sprachverständnis ist meistens gut.

  • Wernicke-Aphasie: Bei der Wernicke-Aphasie scheinen Betroffene zwar flüssig zu sprechen, aber das Gesprochene ist oft inhaltsleer, mit vielen Floskeln und neu erfundenen Wörtern. Die sprachliche Kommunikation ist mittelschwer bis schwer beeinträchtigt und das Sprachverständnis stark eingeschränkt.

  • Anamnestische Aphasie: Kennzeichen der anamnestischen Aphasie sind Wortfindungsstörungen mit häufigen Umschreibungen. Der Satzbau ist dabei weniger beeinträchtigt, weshalb die sprachliche Kommunikation insgesamt nur leicht bis mittelschwer beeinträchtigt ist.

Neben diesen vier Formen gibt es Mischformen der verschiedenen Arten von Aphasie, die sich nicht klar einteilen lassen. Von der Aphasie abzugrenzen ist die Dysarthrie, bei der das Sprechen aufgrund einer Funktionsstörung der Muskulatur der Sprechwerkzeuge (Mund, Lippen etc.) eingeschränkt ist.

Ursachen der Aphasie

Die häufigste Ursache für eine Aphasie ist ein Schlaganfall, bei dem das Sprachzentrum betroffen ist, das bei 90 Prozent aller Menschen in der linken Hirnhälfte liegt. Weitere, seltenere Ursachen können sein:

  • Gehirntumor
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Entzündungen des Gehirns
  • Sauerstoffmangel im Gehirn
  • Abbauprozesse des Gehirns
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Behandlung einer Aphasie

Die Therapie der Wahl bei Aphasie ist die Logopädie. Hierbei ist das Ziel, dem Aphasiker wieder eine gute Kommunikation zu ermöglichen. Die Verbesserung der Sprachfähigkeit hat eine hohe Bedeutung, da sich so auch die Lebensqualität erhöht. Menschen mit Aphasie sind häufig sehr frustriert, was oft zu Reizbarkeit und Gefühlsschwankungen führt. Eine medikamentöse Therapie hat sich bei einer Aphasie bisher nicht in Studien bewährt. Hingegen werden durch die Logopädie Sprachprozesse aktiviert und reorganisiert.

Die Logopädie sollte möglichst früh nach einem Schlaganfall beginnen, also bereits in der Akutphase. Sowohl in der Akut- als auch in der Rehabilitationsphase sollte sie drei- bis fünfmal pro Woche durchgeführt werden. Im Anschluss wird empfohlen, zwei- bis viermal in der Woche Logopädie anzuwenden. Ist eine Langzeitbehandlung notwendig, soll die Logopädie ein- bis zweimal pro Woche erfolgen. Die Dauer der Therapie kann sehr unterschiedlich sein und sich von wenigen Wochen bis zu Jahren erstrecken – abhängig von den Sprachfähigkeiten.

Für Angehörige: Umgang und Kommunikation mit Aphasikern

Es gibt einige Tipps für das Umfeld und die Familie, die den Umgang mit Aphasiker*innen erleichtern können. Gerade in der Frühphase einer Aphasie sind die Betroffenen häufig gereizt und wiederholen das Unverständliche ungeduldig. Wichtig ist dabei im Kontakt, sich geduldig und verständnisvoll zu zeigen und dem*der Betroffenen Zeit zu geben, sich zu äußern.

Weitere Tipps für den Umgang mit Aphasiker*innen sind:

  • Das Gegenüber ernst nehmen, auf Augenhöhe kommunizieren und keinesfalls in Babysprache verfallen.

  • Blickkontakt halten und mit dem*der Betroffenen statt über ihn*sie zu sprechen.

  • Andere Kommunikationsformen wie Gestik, Mimik, Schreiben oder Zeichnen einsetzen.

  • Einfache Sätze und Fragen formulieren, die mit ja oder nein zu beantworten sind.

  • Für ruhige Atmosphäre während der Kommunikation sorgen (Radio und Fernsehen ausstellen).

  • Überfordernde Kommunikation vermeiden.

Für Menschen mit Aphasie und deren Angehörige gibt es auch viele Selbsthilfegruppen, die sich über regionale Selbsthilfekontaktstellen finden lassen. Informationen finden sich auch beim Selbsthilfeverband der Aphasiker.

Verlauf und Prognose der Aphasie

Von den Menschen, die nach einem Schlaganfall unter einer Aphasie leiden, haben nach sechs Monaten 44 Prozent keine Aphasie mehr. Oft normalisiert sich die Sprachstörung innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Infarkt. In einer Studie litten nach einem Jahr nur noch 19 Prozent der ursprünglich von Aphasie Betroffenen unter der Sprachstörung.

Entscheidend für den Verlauf und die Besserung der Aphasie ist eine früh und regelmäßig einsetzende Therapie. Außerdem ist für die Prognose wichtig, wie schwer die Aphasie ausgeprägt ist. Je größer die Blutung in der linken Hinhälfte war, desto wahrscheinlicher ist, dass die Aphasie länger bestehen bleibt.

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