Chronische Schilddrüsenentzündung

Hashimoto-Thyreoiditis: Symptome der Schilddrüsenkrankheit

Die Hashimoto- oder Ord-Thyreoiditis ist eine chronische Schilddrüsenentzündung, bei der sich das Immunsystem aus bislang ungeklärten Gründen gegen körpereigenes Gewebe richtet (Autoimmunkrankheit). Stress und Gene spielen bei der Entstehung von Hashimoto eine Rolle.

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Zur Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis ist ein Schilddrüsen-Ultraschall nötig.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis, umgangssprachlich Hashimoto-Krankheit oder nur Hashimoto genannt, handelt es sich um eine Entzündung der Schilddrüse, die auf eine Autoimmunreaktion zurückgeht. Das heißt, das Abwehrsystem richtet sich irrtümlicherweise gegen den eigenen Körper, das Gewebe der Schilddrüse wird zerstört.

Fakten zur Schilddrüse – das sollten Sie wissen

Hashimoto ist häufigste Ursache der Schilddrüsenunterfunktion

Die Hashimoto-Thyreoiditis wird anhand ihres Verlaufs in zwei Unterformen aufgeteilt, je nachdem, ob es durch die Entzündung zu einer Vergrößerung (hypertrophe Form, Kropfbildung durch Hashimoto) oder Verkleinerung der Schilddrüse (atrophe Form, Ord-Thyreoiditis) kommt. Die Folgen sind entsprechend eine Schilddrüsenüberfunktion, weit häufiger aber eine Unterfunktion des Organs, deren zahlenmäßig häufigste Ursache die Hashimoto-Thyreoiditis stellt.

Frauen bekommen weit öfter eine Hashimoto-Thyreoiditis

Die Hashimoto-Häufigkeit bewegt sich zwischen fünf und zehn Prozent der Bevölkerung, wobei Frauen bis zu fünf Mal häufiger Hashimoto bekommen als Männer. Gerade junge Frauen sind überproportional oft Hashimoto-Patienten.

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Hakaru Hashimoto entdeckte die chronische Form der Schilddrüsenentzündung.
wikimedia commons lizensiert unter cc-pd-mark

Der 1934 verstorbene, japanische Arzt Hakaru Hashimoto verlieh der von ihm entdeckten Schilddrüsenkrankheit ihren Namen. Weil bestimmte weiße Blutkörperchen, der Lymphozyten, an dem Entzündungsprozess und der Zerstörung der Schilddrüse beteiligt sind, heißt die Hashimoto-Thyreoiditis daneben auch lymphozytäre Thyreoiditis.

Symptome des Hashimoto-Syndroms

Aufgrund ihrer zwei Verlaufsformen kann die Hashimoto-Thyreoiditis sowohl Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion () wie auch der (Hypothyreose) hervorrufen.

Symptome der Schilddrüsenüberfunktion bei Hashimoto:

  • Nervosität, Reizbarkeit, Zittern
  • innere Unruhe, Rastlosigkeit
  • Schwitzen und feuchtwarme Haut
  • Schlafstörungen
  • nicht erklärbarer Gewichtsverlust
  • Herzrasen
  • Heißhunger und plötzlicher, starker Durst

Symptome der Schilddrüsenunterfunktion durch Hashimoto:

  • geringe Leistungsfähigkeit, Antriebslosigkeit
  • depressive Verstimmungen
  • schnelle, kaum aufzuhaltende Gewichtszunahme
  • leichtes Frieren, Kälteempfindlichkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Verstopfung
  • Heiserkeit und kratzige oder belegte Stimme
  • Müdigkeit, gesteigertes Schlafbedürfnis
  • Ödeme, Schwellungen an Augen und Händen
  • trockene, schuppende Haut
  • brüchige Nägel und Haare
  • Verdauungsstörungen und Übelkeit
  • langsamer Herzschlag
  • verringerte Libido
  • Zyklusstörungen

Dazu berichten manche Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis von Druck im beziehungsweise am Hals oder einem Gefühl, stranguliert zu werden. Auch ein "Kloß im Hals" gehört zu den typischen Symptomen der chronischen .

So entsteht die Hashimoto-Thyreoiditis

Wieso Hashimoto ausbricht, ist nicht genau geklärt. Sie beginnt wie alle Autoimmunkrankheiten ohne erkennbaren äußeren Auslöser. Eine Rolle spielen könnten aber Stress, eine familiäre Veranlagung sowie Umwelteinflüsse wie eine übermäßige Zufuhr des Spurenelements Jod über die Nahrung.

Virale Infektionen als Trigger für Hashimoto-Thyreoiditis?

Möglicherweise wird die Hashimoto-Thyreoiditis von einer durchgemachten schweren Virusinfektion "befeuert". Zu solchen Infektionen zählen etwa Hepatitis, Pfeiffersches Drüsenfieber oder Herpes zoster (Gürtelrose ). Aber auch in Zusammenhang mit weiteren viralen oder bakteriellen Entzündungen wurde die Hashimoto-Thyreoiditis beobachtet.

Hashimoto-Thyreoiditis wird oft recht spät erkannt

Selten stößt ein Arzt schon auf die Hashimoto-Thyreoiditis, wenn sie noch Symptome einer Überfunktion der Schilddrüse auslöst. Meist befinden sich Hashimoto-Patienten bei der Diagnose schon im Spätstadium, zeigen also die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion.

Ultraschalluntersuchung zur Schilddrüsen-Diagnostik

Zur Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis kommen neben dem Gespräch zwischen Patient und Arzt verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Dazu gehören etwa ein Tastbefund der Schilddrüse auf Kropfbildung sowie eine Ultraschalluntersuchung (Sonogramm).

Bekommt der behandelnde Arzt dabei ein inhomogenes (ungleichmäßiges) und echoarmes Signal, deutet das auf eine Hashimoto-Thyreoiditis hin. Meist zeigt sich auf dem Ultraschallbild außerdem eine verstärkte Durchblutung der Schilddrüse.

Schilddrüsen-Blutwerte liefern Hinweise auf Hashimoto

Auch im Blut verstecken sich Hinweise, die zur Diagnose Hashimoto führen können. Dazu gehören die Werte der freien Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (L-Thyroxin) sowie des Schilddrüse stimulierenden Hormons TSH.

Eine Diagnose allein mittels dem TSH-Wert eignet sich nicht zur Diagnose einer Hashimoto-Thyreoiditis, weshalb die Labordiagnostik zusätzlich den Anteil bestimmter Antikörper im Blut berücksichtigt.

Um die Hashimoto-Thyreoiditis von anderen chronischen Schilddrüsenleiden wie Morbus Basedow abzugrenzen, bedient sich der Arzt bei der Diagnose bisweilen einer Szintigrafie der Schilddrüse.

Hashimoto-Verlauf ist chronisch

Im Anfangsstadium der Hashimoto-Thyreoiditis leiden Patienten infolge der Zerstörung von Schilddrüsengewebe häufig an Schüben, die von den Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) gekennzeichnet sind. Dazu kann Kropfbildung kommen, im Extremfall eine lebensbedrohliche Vergiftung mit Schilddrüsenhormonen (Hashitoxikose).

Spätere Schilddrüsenunterfunktion typisch für Hashimoto

Im weiteren Hashimoto-Verlauf lösen Beschwerden der bestehenden Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) diese Schübe ab, die Schilddrüse wird durch die anhaltende Gewebezersetzung kleiner.

Die Basedowsche Krankheit kann ähnlich wie zunächst Hashimoto zu Schüben einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Außerdem berichtet die Fachliteratur von fließenden Übergängen zwischen der Hashimoto- und der Postpartum-Thyreoiditis. Letztere bezeichnet eine Schilddrüsenentzündung nach der Schwangerschaft und wir bisweilen auch als Unterform von Hashimoto angesehen.

Medikamente gegen Hashimoto sorgen für Beschwerdefreiheit

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist als Autoimmunkrankheit weder heilbar noch kausal behandelbar. Gut eingestellte Patienten haben aber nicht mehr den Symptomen der Symptomen der Schilddrüsenentzündung zu kämpfen. Ihre Lebenserwartung und -qualität ist normal.

Therapie des Hashimoto-Syndroms mit Hormonen

Als chronische Autoimmunkrankheit gibt es gegen die Hashimoto-Thyreoiditis keine kausale, sprich die Ursachen beseitigende Therapie. Die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion lassen sich aber durch die tägliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen bessern.

Hashimoto-Patienten werden auf persönliche Hormonmenge eingestellt

Sie erfolgt langsam einschleichend und ersetzt den natürlicherweise zu wenig produzierten Botenstoff der Schilddrüse T4 (L-Thyroxin). Manchmal ist bei Hashimoto-Thyreoiditis eine kombinierte Medikation mit T3 nötig.

Um die richtige Hormondosis zu bestimmen, wird ein Hashimoto-Patient nach der Diagnose zunächst mittels mehrerer aufeinanderfolgender Blutuntersuchungen medikamentös eingestellt. Den Erfolg der Therapie überwacht der behandelnde Arzt im (halb-)jährlichen Abstand mit Ultraschalluntersuchungen (Sonogrammen).

Therapie der Hashimoto-Thyreoiditis: täglich Tabletten schlucken

Die Hormontabletten müssen Hashimoto-Patienten täglich einnehmen und dürfen sie nicht eigenmächtig absetzen oder die Dosis verändern. Die Verschreibung von Jod-Supplementen empfiehlt sich für die Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis nicht – wohl aber für andere Formen der Schilddrüsenunterfunktion .

Das zum Beispiel in Seefisch und Algen enthaltene Jod ist bei normalen Essgewohnheiten für Hashimoto-Patienten ungefährlich, eine Zufuhr des Spurenelements über Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel aber steht im Verdacht, das Leiden zu verschlimmern oder erst auszulösen.

Autor:
Letzte Aktualisierung:27. März 2014
Quellen: Comberg, Klimm: Intensivkurs Allgemeinmedizin, 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Innere Medizin
    Hashimoto
    08.01.2014 | 13:46 Uhr

    Guten Tag, ich habe folgende Werte: TSH 1,57 (0,3 < 4,2) FT4 1,06 (0,9 < 1,7) FT3 2,42...   mehr...

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