Multivitamintabletten & Co.

Nahrungsergänzungsmittel – sinnvoll oder schädlich?

Präparate mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen: Sie vermitteln einem das gute Gefühl, etwas für die Gesundheit zu tun. Doch halten Nahrungsergänzungsmittel wirklich, was die Werbung verspricht? Was steckt in Multivitamintabletten und anderen angeblichen Wundermitteln?

Nahrungsergänzungsmittel
Multivitamintabletten und andere Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine gesunde Ernährung.
© iStock.com/stock_colors

Pillen, Pülverchen und Kapseln mit Vitaminen und Mineralstoffen erfreuen sich größter Beliebtheit. Jeder dritte Deutsche nimmt regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel ein, Tendenz steigend. An erster Stelle stehen dabei Magnesiumpräparate, gefolgt von Produkten mit Kalzium und Eisen. Bei den Vitaminen werden Vitamin A und D am häufigsten eingenommen, außerdem in zunehmender Menge B-Vitamine. Rund 1,3 Milliarden Euro lassen wir uns das jährlich kosten. Aber halten die teuren Präparate wirklich das, was die Werbung verspricht? Häufig ist die gesundheitsfördernde Wirkung medizinisch nicht nachgewiesen. In manchen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel sogar unserer Gesundheit schaden.

Artikelinhalte im Überblick:

Diese Lebensmittel machen fit gegen Erkältung

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel. Sie werden der Gruppe der Lebensmittel zugeordnet und sind grundsätzlich frei verkäuflich. Die Mittel enthalten Vitamine, Mineralstoffe oder andere Nährstoffe in hochdosierter Form. Erhältlich sind sie in der Apotheke genauso wie im Drogerie- und Supermarkt als Einzel- oder Multivitaminpräparate in Form von Tabletten, Kapseln, Dragees, Pulver, Saft oder Tropfen.

Zu Nahrungsergänzungsmitteln zählen Präparate mit:

  • Vitaminen wie beispielsweise Vitamin A, C, D und E, die B-Vitamine, das Provitamin Beta-Carotin und die Folsäure
  • Mineralstoffen wie Eisen, Kalzium, Magnesium und Kalium
  • Spurenelementen wie Zink, Mangan oder Selen
  • Aminosäuren (also Eiweißbestandteile) wie Arginin, Lysin oder Cystein
  • Fettsäuren wie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren
  • Ballaststoffen wie Oligofructose
  • sekundären Pflanzenstoffen wie Flavonoide
  • probiotische Kulturen und Hefen
  • sonstigen pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Algen

Wie werden Nahrungsergänzungsmittel kontrolliert?

Laut EU-Recht sind Nahrungsergänzungsmittel "Lebensmittel, die dazu bestimmt sind, die normale Ernährung zu ergänzen". Nahrungsergänzungsmittel werden entsprechend nicht nach dem strengen deutschen Arzneimittelgesetz überprüft, sondern nach den Bestimmungen für Lebensmittel. Sie müssen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angemeldet und die enthaltenen Inhaltsstoffe deklariert werden. Insofern ist sichergestellt, dass sie keine giftigen Stoffe enthalten.

Außerdem wird eine Obergrenze für die Nährstoffe angegeben, die nicht überschritten werden soll. Diese gilt aber als Richtlinie, die von den Herstellern selbst kontrolliert wird. Eine gesetzlich festgelegte und verbindliche Höchstmenge für die enthaltenen Stoffe, wie sie von Ärzten schon lange gefordert wird, gibt es nicht. Das ist problematisch, denn manche Inhaltsstoffe wie die Vitamine A, D oder E können bei zu hoher Dosierung zu gesundheitlichen Probleme und Schäden führen.

Auch die Überprüfung der Inhaltsstoffe selbst ist nicht so streng wie bei Arzneimitteln. Dadurch ist die Qualität nicht immer ausreichend gesichert. Insbesondere bei Bestellungen im Internet ist deshalb Vorsicht geboten.  

Grundsätzlich muss auf der Verpackung von Nahrungsergänzungsmitteln angegeben werden:

  • die Menge der Inhaltsstoffe,
  • die Dosierung,
  • die empfohlene tägliche Höchstmenge,
  • die Warnung, dass sie eine gesunde Ernährung nicht ersetzen können und
  • der Hinweis, dass sie für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden müssen.

Laut Gesetz dürfen sie keine pharmakologische Wirkung versprechen, also nicht behaupten, Krankheiten heilen oder verhüten zu können. Die Präparate befinden sich gesetzlich in einer Art Grauzone, denn natürlich versprechen sich Menschen von der Einnahme eine gesundmachende oder zumindest gesundheitsfördernde Wirkung.

Die 15 Vitamin-C-reichsten Lebensmittel

Nahrungsergänzungsmittel: sinnvoll oder überflüssig?

Hierzu gibt es von Ernährungswissenschaftlern eine klare Empfehlung: Für alle, die keinen nachgewiesenen Mangel haben, sind Nahrungsergänzungsmittel überflüssig. Die Wirkung, die in der Werbung suggeriert wird, ist in den meisten Fällen nicht wissenschaftlich belegt. Das gilt sogar für Vitamin C, von dem die meisten Menschen annehmen, dass es erwiesenermaßen gut für die Immunabwehr ist. In zahlreichen Studien, unter anderem des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration, wurde allerdings nachgewiesen, dass Vitamin C letztendlich keine abwehrstärkende Wirkung hat und Erkältungsinfekten nicht vorbeugen kann. Auch vor Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können Vitamine und Mineralstoffe nicht schützen. Wer sich ausgewogen und vielseitig mit ausreichend frischen Lebensmitteln ernährt, leidet normalerweise nicht unter Mangelerscheinungen und muss deshalb auch keine Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

Dennoch gibt es Gründe, warum Multivitamintabletten und andere Nahrungsergänzungsmittel in manchen Fällen sinnvoll und wichtig sein können.

Wann sollte man Nahrungsergänzungsmittel einnehmen?

Bei nachgewiesenem Nährstoffmangel sollte man die fehlenden Vitamine oder Mineralstoffe in Absprache mit einem Arzt substituieren. In diesen Situationen kommen Nährstoffmängel gehäuft auf:

  • Frauen mit starker Menstruation leiden häufig unter Eisenmangel und den damit verbundenen Anzeichen von Blutarmut (Anämie) wie Blässe, Müdigkeit und Infektanfälligkeit.
  • Verschiedene Magen-Darm-Erkrankungen wie chronische Gastritis oder Morbus Crohn können zu einer unzureichenden Nährstoffaufnahme führen. Hier kommt es häufig zu einem Mangel an Vitamin B12.
  • Medikamente gegen Sodbrennen, sogenannte Protonenpumpen-Hemmer, reduzieren die Magensäure, die für die Aufnahme von Eisen und anderen Vitalstoffen wichtig ist. Dabei kann es ebenfalls zu Mangelerscheinungen kommen.
  • Vor allem strenge Veganer leiden häufig unter Vitamin-B12-Mangel, da dieses Vitamin als einziges zum aktuellen Zeitpunkt ausschließlich über tierische Lebensmittel in ausreichender Menge zugeführt werden kann. Allerdings ist Vitamin B12 im Körper sehr lange speicherbar, weshalb es erst nach Monaten bis Jahren zum Mangel kommt. Eine lückenlose Supplementation ist dennoch zwingend erforderlich, da ein Mangel zu irreparablen Schäden führen kann. Regelmäßige Kontrollen beim Arzt (durch Blutuntersuchungen) sind unerlässlich.
  • Auch Mischköstlern über 50 wird empfohlen, ihren B-12-Status regelmäßig kontrollieren zu lassen, da mit steigendem Alter die Aufnahmefähigkeit sinkt und so eine ausreichende Versorgung allein über die Nahrung nicht immer gewährleistet ist.
  • Starke Raucher und Alkoholiker haben oft einen gesteigerten Nährstoffbedarf, der über die normale Nahrung nicht ausreichend gedeckt werden kann.
Lebensmittel mit Vitamin B12: Die besten Lieferanten

Für alle diese Gruppen – bis auf Veganer bei Vitamin B12 – gilt jedoch: Nur wenn der Nährstoffmangel vom Arzt anhand einer Blutuntersuchung nachgewiesen wurde, muss der fehlende Vitalstoff mittels Vitamin- oder Nährstoffpräparat ausgeglichen werden. Hier sollte man auch bedenken: Ist eine Aufnahmestörung im Magen-Darm-Trakt für den Mangel verantwortlich, hilft es wenig, die Nährstoffe über Tabletten oder Pulver zuzuführen. In diesem Fall sollten sie vom Arzt per Infusion verabreicht werden.

Vitamin D – wie wichtig ist das Sonnenvitamin?

Bei Vitamin D können wir nur durch ausreichende Lichtexposition in der Haut umwandeln. In Nahrungsmitteln ist es hingegen – außer in fettreichem Meeresfisch – kaum vorhanden. Vitamin D ist wichtig für die Aufnahme von Kalzium und hat damit einen entscheidenden Einfluss auf unsere Knochengesundheit. Außerdem benötigt unser Immunsystem das Sonnenvitamin für die Abwehr von Krankheitserregern. Deshalb fordern manche Ärzte inzwischen, Vitamin D grundsätzlich zu ergänzen. Die Ansicht ist jedoch umstritten, da es in zu hohen Mengen zu einer Belastung von Leber und Nieren führen kann. Empfohlen wird aktuell eine Ergänzung nur für:

  • Säuglinge im ersten Lebensjahr
  • dunkelhäutige Menschen, die aufgrund ihrer starken Hautpigmentierung in unseren sonnenarmen Breiten zu wenig Vitamin D aufnehmen
  • Personen, die wenig bis gar nicht in die Sonne gehen
  • ältere Menschen mit Osteoporose

Folsäure – unverzichtbar für Schwangere

Praktisch das einzige Vitaminpräparat, dessen Einnahme momentan uneingeschränkt empfohlen wird, ist Folsäure in der Schwangerschaft. Folsäure gehört zu den B-Vitaminen und kann bei einem Mangel zu Fehlbildungen beim ungeborenen Kind führen. Die Einnahme wird deshalb für alle Schwangeren und wenn möglich schon vorsorglich bei Kinderwunsch empfohlen. Idealerweise sollte die Einnahme drei bis vier Monate vor einer geplanten Schwangerschaft beginnen, mindestens aber vier Wochen.

Folsäure: In diesen Lebensmitteln steckt besonders viel

Überdosierung von Nährstoffen vermeiden

Gesundheitsschädigende Inhaltsstoffe dürfen in Nahrungsergänzungsmitteln nicht enthalten sein. Einige Vitamine und andere Nahrungsergänzungsstoffe können in zu hoher Dosis jedoch gesundheitliche Schäden verursachen. So können sogenannte Antioxidantien, die freie Radikale einfangen, in hohen Mengen zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Eisenpräparate können Übelkeit und Verstopfung verursachen. Vitamin A und Vitamin C können Juckreiz auslösen. Vitamin D kann zu hoch dosiert sogar das Gegenteil bewirken: Statt Osteoporose entgegenzuwirken, fördert es dann die Knochenentkalkung und macht den Knochen spröde.

Vor allem bei den fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, die in der Leber über lange Zeit gespeichert werden, besteht die Gefahr einer potentiell gesundheitsschädlichen Überdosierung. Bei den wasserlöslichen Vitaminen wie Vitamin C oder B-Vitaminen ist die Gefahr hingegen nicht so groß: In zu hohen Mengen werden sie über Niere und Harn wieder ausgeschieden. Nebenwirkungen sind deshalb eher selten. Sie können allerdings in Übermaßen genossen die Nieren belasten und zu Nierensteinen führen.

Grundsätzlich besteht außerdem immer die Gefahr einer Allergie auf einen der Inhaltsstoffe. Insbesondere Beta-Carotin gilt als häufiger Allergieauslöser. Bei Multivitaminpräparaten sollte man vorsichtig sein und sich immer an die vorgegebene Dosierungsempfehlung halten.

Vorsicht bei Multivitaminpräparaten für Kinder

Laut einer aktuellen Studie sind 85 Prozent der Multivitaminpräparate, die explizit für Kinder gedacht sind, für die Kleinen eigentlich überdosiert. Fast in jedem getesteten Nahrungsergänzungsmittel liegt mindestens einer der enthaltenen Inhaltstoff über der für Kinder empfohlenen Tagesmenge. Eltern meinen es zwar gut, können ihrem Nachwuchs aber schlimmstenfalls sogar schaden.

Vitamine und Mineralstoffe über die Nahrung abdecken

Sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene gilt die Empfehlung, den Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen soweit möglich über Vitalstoffe aus frischen Nahrungsmitteln abzudecken. Denn in der Zusammensetzung, wie sie in natürlichen Lebensmitteln vorhanden sind, kann unser Körper die Nährstoffe wesentlich besser verstoffwechseln. Darüber hinaus besteht bei Gemüse und Obst nicht die Gefahr einer Nährstoffüberdosierung. Während Vitamine und Mineralstoffe isoliert und in zu hoher Dosis eingenommen schädliche Nebenwirkungen haben können, ist es praktisch unmöglich, über Nahrungsmittel eine bedenkliche Menge an Nährstoffen aufzunehmen.

Grundregeln für einen gesunden Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln

  • Der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen sollte möglichst über die Nahrungsaufnahme gedeckt werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel sollten grundsätzlich nicht dazu dienen, eine unausgewogene und einseitige Ernährung zu rechtfertigen.
  • Multivitaminpräparate und Mineralstoffe sollte man nur bei einem nachgewiesenen Nährstoffmangel einnehmen. Diesen sollte man vorher durch einen Bluttest bestimmen lassen. Ausnahme: Vitamin B 12 bei veganer Ernährung.
  • Die angegebenen Höchstmengen sollte man nicht überschreiten, indem man eigenmächtig die Dosis steigert. Vorsicht ist geboten, wenn man mehrere Mittel gleichzeitig einnimmt.
  • Vor der Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels sollte man sich fragen, ob das Präparat wirklich den von der Werbung versprochenen Nutzen bringt. Kann man die Frage nicht sicher mit Ja beantworten, sollte man lieber darauf verzichten.
Ernährungsregeln: So essen Sie sich gesund und fit
Meistgelesen in dieser Rubrik
Abführende Lebensmittel: Dieses Essen fördert die Verdauung
Gesunde Ernährung

Bestimmte Lebensmittel wirken Verstopfung entgegen, indem sie die Darmtätigkeit sanft anregen. Wir stellen natürliche Abführmittel vor mehr...

Purinhaltige Lebensmittel
Gesunde Ernährung

Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten, etwa Gichtpatienten, sollten purinhaltige Lebensmittel meiden mehr...

Das Who is Who der Ungeziefer im Haus
Gesunde Ernährung

Auf einen Blick: Lebensmittelmotte, Milbe, Bettwanze, Silberfischchen & Co. mehr...

Aktuelle Artikel Ernährung & Fitness
Unsere Empfehlung
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Ursache, Symptome und BehandlungGürtelrose

    Gürtelrose ist mehr als Herpes – oft bleiben danach chronische Schmerzen! mehr...

  • Drehen Sie das Glücksrad!Drehen Sie das Glücksrad!

    Vielleicht ist das Glück heute auf Ihrer Seite. Mit der Teilnahme an unseren interaktiven Gewinnspielen haben Sie die Chance auf hochwertige Preise. mehr...

Body-Mass-Index: BMI schnell und einfach berechnen!

Wie hoch ist Ihr Body-Mass-Index? Finden Sie es heraus!

mehr...
Expertenrat: Gesunde Ernährung

Stellen Sie uns Ihre Fragen zur gesunden Ernährung

Zum Expertenrat
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Zum Seitenanfang