Herz aus dem Takt

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie): Herz aus dem Takt

Herzrhythmusstörungen können verschiedene Ursachen haben – von harmlos bis hin zu gefährlich. Was Herzstolpern auslösen kann, welche Symptome es gibt, wann Sie zum Arzt sollten und welche Behandlungen möglich sind.

Herzrhythmusstörungen
Bei Herzrhythmusstörungen wird ein EKG geschrieben, um die Herzfunktion zu überprüfen.
© iStock.com/Zinkevych

Es werden drei Arten von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) unterschieden:

  • Tachykardie: erhöhte Pulsfrequenz von mehr als 100 Schlägen pro Minute
  • Bradykardie: weniger als 60 Schläge pro Minute
  • Arrhythmie: einzelne Schläge fehlen oder kommen zusätzlich vor

Herzrhythmusstörungen treten sehr häufig auf. In Deutschland werden mehr als 400.000 Menschen jährlich deshalb in ein Krankenhaus eingewiesen. Allerdings müssen Abweichungen von der normalen Schlagfrequenz des Herzens nicht immer krankhaft sein und fast jeder Mensch erlebt sie im Laufe seines Lebens einmal. Ob Herzrhythmusstörungen harmlos oder lebensbedrohlich sind, kann nur ein Arzt (Kardiologe) nach ausführlicher Untersuchung entscheiden.

Mögliche Ursachen von Herzrhythmusstörungen

Dr. Heart / Expertenteam

Symptome bei Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen können sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Die typischen Symptome sind:

  • Herzklopfen (Palpitationen)
  • Herzrasen
  • Herzstolpern

Wie fühlt man sich bei Herzrhythmusstörungen?

Allerdings können die Symptome auch weniger typisch ausfallen. Gerade wenn eine Vorerkrankung wie Herzinsuffizienz oder eine Verengung der Herzkranzgefäße besteht, können auch Schwindel, Anfälle von kurzer Benommenheit oder Bewusstlosigkeit (Synkopen), vorübergehende Seh- und Sprachstörungen sowie Herzschmerzen auftreten. Eine bereits bestehende Herzinsuffizienz kann sich verschlechtern oder auch zu einem Angina pectoris-Anfall führen. Im schlimmsten Fall kann es zum Hirn- oder Herzinfarkt kommen.

Manche Menschen bemerken Herzrhythmusstörungen überhaupt nicht.

Folgen von Herzrhythmusstörungen

Tritt bei Herzrhythmusstörungen Bewusstlosigkeit auf, kann diese zu einem Sturz mit Verletzungen führen.

Zu gefährlichen Folgen und Komplikationen kommt es nur, wenn bereits eine Herzerkrankung vorliegt. Dann können im schlimmsten Fall Kreislaufversagen, Herzstillstand oder Kammerflimmern auftreten. Das Herz schlägt dann so schnell, dass dabei kein Blut mehr durch den Körper gepumpt werden kann, was in einem plötzlichen Herztod enden kann.

Was können Ursachen für Herzrhythmusstörungen sein?

Die Ursachen von Herzrhythmusstörungen sind vielfältig. Sie können in einer vorbestehenden Herzerkrankung liegen oder andere Gründe haben. Mögliche Ursachen können sein:

Manchmal liegt auch keine Ursache für die Herzrhythmusstörungen vor (idiopathisch). Diese harmlosen Herzrhythmusstörungen treten meist bei jungen, gesunden Menschen auf.

Wann zum Arzt? Diagnose der Herzrhythmusstörung

Wer spürt, dass er Herzrhythmusstörungen hat, fühlt sich oft sehr unwohl damit oder bekommt Angst. Gerade Herzstolpern durch zusätzliche Schläge des Herzens (Extrasystolen) kommen oft vor, sind aber meist kein Grund zur Sorge. Tritt dies jedoch häufiger auf, sollte ein Kardiologe zur Abklärung aufgesucht werden.

Bei Vorhofflimmern können die Herzrhythmusstörungen länger anhalten, das Herz rast dann mit bis zu 160 Schlägen pro Minute. Das Vorhofflimmern direkt kann und muss nicht behandelt werden. Betroffene bekommen aber in der Regel Blutverdünner, um Blutgerinnseln und damit einem Schlaganfall vorzubeugen.

Bei älteren Menschen wird das Herz manchmal sehr langsam und hat Aussetzer (AV-Block). Handlungsbedarf besteht aber auch beim AV-Block nur, wenn der Betroffene ohnmächtig wird oder der Herzschlag länger als fünf Sekunden aussetzt.

Diagnose beim Arzt

Die Diagnose der Herzrhythmusstörungen erfolgt mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG). Zusätzlich zu einem Ruhe-EKG wird oft ein Belastungs- und Langzeit-EKG durchgeführt. Der Arzt wird sich außerdem in einem ausführlichen Gespräch über die auftretenden Beschwerden informieren (Anamnese), den Puls messen und das Herz abhören.

Zudem kann der Brustkorb geröntgt und eine Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) des Herzens durchgeführt werden. In manchen Fällen ist eine Herzkatheteruntersuchung und/oder elektrophysiologische Untersuchungen notwendig.

Herzrhythmusstörungen erkennen: Diese Untersuchungen sind nötig

Dr. Heart / Expertenteam

Behandlung bei Herzrhythmusstörungen

Bei Menschen mit gesundem Herzen stellen Herzrhythmusstörungen meist keine Bedrohung dar, die behandelt werden muss. Bei den krankhaften Herzrhythmusstörungen ist eine Therapie dringend erforderlich. Erfolgt keine adäquate Behandlung, können sie die Lebensqualität erheblich einschränken und die Lebenszeit verkürzen.

Die Therapie liegt in der Behandlung der Grunderkrankung, welche die Herzrhythmusstörungen verursacht. Erst wenn dies nicht möglich ist oder nur unzureichende Wirkung zeigt, können Medikamente (Antiarrhythmika) eingesetzt werden. Von diesen gibt es vier Arten, die unterschiedlich am Herzen wirken:

  • Natriumkanal-Blocker (IA, IB, IC)

  • Betarezeptoren-Blocker (Betablocker)

  • Kaliumkanal-Blocker

  • Kalzium-Antagonisten

Betroffene können durch eine gesunde Lebensweise dazu beitragen, die Probleme zu verringern. Dazu gehören:

  • gesunde Ernährung

  • regelmäßiger Sport

  • Stress reduzieren

  • Konsum von Kaffee, Alkohol und Nikotin einschränken

Bei Vorhofflimmern werden Gerinnungshemmer verordnet, um der Bildung von Blutgerinnseln und damit einem Schlaganfall vorzubeugen. Wenn bei Patienten trotz der Behandlung mit Medikamenten erhebliche Beschwerden wie Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot, Druckgefühl im Brustkorb, Schwindelgefühl oder Beeinträchtigung der körperlichen Belastbarkeit entstehen, kommt die Katheterablation in Betracht. Diese wird in Spezialkliniken durchgeführt.

In manchen Fällen von Herzrhythmusstörungen wird ein Herzschrittmacher operativ eingesetzt. Bei Kammerflimmern ist die Therapie immer eine Defibrillation mit Elektroschocks und Wiederbelebung.

Psychokardiologie bei Herzrhythmusstörungen

Von der Kardiologie lange vernachlässigt, spielt die Psychokardiologie eine immer wichtigere Rolle für die Behandlung von Menschen mit Herzrhythmusstörungen. Denn Stress und seelische Belastungen können Herzrhythmusstörungen auslösen oder verstärken. Psychokardiologen sind beispielsweise dann wichtig, wenn Patienten unter Depressionen und Ängsten leiden, weil sie die Schockabgaben ihres implantierten Defibrillators oder dessen Ausfall fürchten.

Mit Sport und Ernährung Herzrhythmusstörungen vorbeugen

Zur Vorbeugung von Herzrhythmusstörungen wird ebenso wie bei allen anderen Herzerkrankungen eine gesunde Lebensweise mit regelmäßigem Sport und Bewegung, gesunder Ernährung und geringem Konsum von Alkohol empfohlen.

Der Blutdruck und die Schilddrüse sollten regelmäßig untersucht werden und mögliche Erkrankungen behandelt werden. Außerdem sollten alle Risikofaktoren für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) vermieden werden.

22 Tipps für ein gesundes Herz
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