Störung der Schilddrüse

Morbus Basedow: Hervortretende Augen nicht das einzige Symptom

Bei der Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) liegt eine Überfunktion der Schilddrüse mit erhöhter Freisetzung von Schilddrüsenhormon vor. Die typischerweise hervortretenden Augen, die zwei Drittel der Patienten aufweisen, sind nicht das einzige Anzeichen.

Mann mit stechendem Blick
Nicht bei allen Patienten mit Morbus Basedow tritt eine Augenveränderung auf.
Getty Images/Polka Dot RF

Wer von Morbus Basedow schon einmal gehört hat, assoziiert damit meist ein charakteristisches Aussehen der Kranken mit stark hervortretenden, weit geöffneten Augen.

Fakten zur Schilddrüse – das sollten Sie wissen

Diese Augenveränderungen sind jedoch nur ein Nebensymptom der Erkrankung, das bei etwa zwei Drittel der Patienten auftritt. Der eigentliche Schauplatz der Basedow-Krankheit ist die Schilddrüse, die durch körpereigene Antikörper stimuliert wird. Dadurch kommt es zu einer Überfunktion der Schilddrüse mit erhöhter Freisetzung von Schilddrüsenhormon.

Symptome von Morbus Basedow: Augen quellen hervor

Die Basedow-Krankheit führt durch eine zu hohe Menge an Schilddrüsenhormonen zu einem gesteigerten Stoffwechsel mit Nervosität, Herzjagen und Gewichtsverlust.

Die Symptome von Morbus Basedow werden durch die überhöhte Wirkung des Schilddrüsenhormons hervorgerufen. Zu viel Schilddrüsenhormon steigert den Energieumsatz des Körpers. Es kommt zu Nervosität, Hitzegefühl, Unruhe, Muskelzittern, Herzjagen und Gewichtsverlust. In schweren Fällen können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten.

Die charakteristischen Augensymptome der Basedow-Krankheit haben dagegen nichts mit der Schilddrüsenüberfunktion zu tun; sie sind ein eigenständiger Teil der Erkrankung, den man auch als endokrine Orbitopathie bezeichnet. Die endokrine Orbitopathie wird durch eine Vermehrung des Fettgewebes hinter den Augäpfeln hervorgerufen. Dadurch werden die Augen nach vorne aus den Augenhöhlen gedrückt.

Zusätzlich können auch Veränderungen an den Unterschenkeln auftreten. Die Haut wird dabei teigig und grobporig, was als Myxödem bezeichnet wird.

Wie entsteht Morbus Basedow?

Bei Morbus Basedow handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Der Körper richtet sich also gegen sich selbst, ohne dass die genauen Ursachen dafür bekannt wären.

Bei Basedow-Krankheit handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der vor allem der Regelkreis der Schilddrüsenhormone gestört. Die Freisetzung von Schilddrüsenhormon (Thyroxin) aus der Schilddrüse wird durch ein Hormon aus der Hirnanhangdrüse, das sogenannte TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) gesteuert. Das TSH heftet sich an spezielle Bindungsstellen auf den Schilddrüsenzellen an, die man auch als TSH-Rezeptoren bezeichnet. Wenn TSH an diesen Bindungsstellen angreift, ist das für die Schilddrüse ein Signal, Schilddrüsenhormon zu produzieren und freizusetzen. Das Schilddrüsenhormon spielt eine wichtige Rolle in der Regulation des Stoffwechsels. Zu viel Schilddrüsenhormon ist dabei ebenso schädlich wie zu wenig; daher wird der korrekte Schilddrüsenhormonspiegel durch einen genau eingestellten Regelkreis aufrecht erhalten. Bei Morbus Basedow ist dieser Regelkreis jedoch gestört. Ursache hierfür sind Antikörper, die irrtümlich vom Immunsystem gebildet werden und die sich an die TSH-Rezeptoren heften. Hier stimulieren sie, ebenso wie das TSH, die Freisetzung von Schilddrüsenhormon, jedoch weit über den tatsächlichen Bedarf hinaus. Es kommt daher zur Schilddrüsenüberfunktion, der sogenannten Hyperthyreose.

Diagnose: Morbus Basedow von anderen Schilddrüsenstörungen abgrenzen

Für die Diagnose von Morbus Basedow sind Blutuntersuchungen und Ultraschall maßgeblich.

Wenn der Verdacht auf eine Basedow-Krankheit besteht, werden meist zunächst die Schilddrüsenwerte im Blut bestimmt, um so eine Hyperthyreose nachzuweisen oder auszuschließen. Zusätzlich können die schilddrüsenstimulierenden Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Dadurch lässt sich Morbus Basedow von anderen Formen der Schilddrüsenüberfunktion unterscheiden. Für die richtige Therapie und zur Verlaufskontrolle spielt auch die Größe der Schilddrüse eine Rolle. Diese lässt sich leicht mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) erheben und dokumentieren.

Drei Möglichkeiten der Behandlung von Morbus Basedow

Für die Behandlung der Basedow-Krankheit gibt es drei Möglichkeiten: medikamentös, Radiojodtherapie und Operation.

Zunächst wird bei Morbus Basedow die Überproduktion von Schilddrüsenhormon medikamentös gebremst. Dazu werden schilddrüsenhemmende Medikamente, sogenannte Thyreostatika verwendet. Die medikamentöse Behandlung wird meist zunächst für die Dauer von einem Jahr durchgeführt. Bei etwa der Hälfte der Patienten kommt in dieser Zeit der Krankheitsprozess zum Stillstand, sodass das Medikament abgesetzt werden kann und die Schilddrüsenfunktion dann normal bleibt. In manchen Fällen kommt es jedoch – sofort oder erst nach einiger Zeit – nach dem Auslassen des Medikaments erneut zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Dann muss die Schilddrüse operativ oder durch Gabe von radioaktivem Jod verkleinert werden. Das gilt auch, wenn die Schilddrüse stark vergrößert ist und zum Beispiel auf die benachbarte Luftröhre drückt.

Durch die Strahlenwirkung bei einer Radiojodtherapie werden die Zellen, die das radioaktiv aufgeladene Jod 131 speichern, zerstört. Die Strahlung ist insgesamt schwach, sodass umliegendes Gewebe nicht geschädigt wird. Auch eine Gefährdung für andere Menschen ist nicht gegeben. Die Behandlung wird aufgrund der bestehenden deutschen Strahlenschutzvorschriften unter stationären Bedingungen in besonderen Behandlungszentren durchgeführt. Die Aufenthaltsdauer beträgt durchschnittlich eine Woche.

Die Wirkung tritt nach zwei bis drei Wochen ein, der Erfolg der Behandlung ist frühestens nach drei bis sechs Monaten beurteilbar. Hat sich die Funktion der Schilddrüse normalisiert, sind zunächst keine weiteren Medikamente erforderlich. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass es zu einem erneuten Wachstum der Schilddrüse kommt. Nach der Behandlung kann unter Umständen eine Schilddrüsenunterfunktion auftreten. Daher muss nach einer Radiojodtherapie in halbjährlichen Abständen die Schilddrüsenfunktion überprüft werden.

Reicht die Radiojodtherapie nicht aus, kann die Schilddrüse operativ verkleinert werden.

Lediglich Folgeschäden der Basedow-Krankheit lässt sich vorbeugen

Da es sich bei der Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) um einer Autoimmunerkrankung handelt, deren Ursachen nicht genau bekannt sein, ist eine Vorbeugung nicht möglich. Bei den typischen Symptomen sollten Sie rechtzeitig einen Arzt aufsuchen, um Folgeschäden zu vermeiden.

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Letzte Aktualisierung:06. Februar 2017

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