Störung der Schilddrüse

Morbus Basedow: Hervortretende Augen sind nicht das einzige Symptom

Bei der Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) liegt eine Überfunktion der Schilddrüse mit erhöhter Freisetzung eines Schilddrüsenhormons vor. Die typischerweise hervortretenden Augen, die zwei Drittel der Patienten aufweisen, sind nicht das einzige Anzeichen.

Mann mit stechendem Blick
Nicht bei allen Patienten mit Morbus Basedow tritt eine Augenveränderung auf.
Getty Images/Polka Dot RF

Wer von Morbus Basedow schon einmal gehört hat, assoziiert damit meist ein charakteristisches Aussehen der Kranken mit stark hervortretenden, weit geöffneten Augen.

Diese Augenveränderungen sind jedoch nur ein Nebensymptom der Erkrankung, das bei etwa zwei Drittel der Patienten auftritt. Der eigentliche Schauplatz der Basedow-Krankheit ist die Schilddrüse, die durch körpereigene Antikörper stimuliert wird. Dadurch kommt es zu einer Überfunktion der Schilddrüse mit erhöhter Freisetzung eines Schilddrüsenhormons.

Betroffen sind überwiegend Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, Frauen fünf- bis sechsmal häufiger als Männer. Auch das Auftreten der Erkrankung im Kindesalter ist möglich.

Symptome von Morbus Basedow: Augen quellen hervor

Die Symptome von Morbus Basedow werden durch die überhöhte Wirkung des Schilddrüsenhormons hervorgerufen. Ein Zuviel des Schilddrüsenhormons steigert den Energieumsatz des Körpers. Es kommt zu Nervosität, Hitzegefühl, Unruhe, Muskelzittern, Herzjagen und Gewichtsverlust. In schweren Fällen können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten.

Die charakteristischen Augensymptome der Basedow-Krankheit haben dagegen nichts mit der Schilddrüsenüberfunktion zu tun; sie sind ein eigenständiger Teil der Erkrankung, den man auch als endokrine Orbitopathie bezeichnet. Die endokrine Orbitopathie wird durch eine Vermehrung des Fettgewebes hinter den Augäpfeln hervorgerufen. Dadurch werden die Augen nach vorne aus den Augenhöhlen gedrückt. Dies geschieht in etwa 60 Prozent der Fälle.

Zusätzlich können auch Veränderungen an den Unterschenkeln auftreten. Die Haut wird dabei teigig und grobporig, was als Myxödem bezeichnet wird. Dazu kommt es bei etwa fünf Prozent der Patienten.

Autoimmunerkrankung: Wie entsteht die Morbus Basedow?

Bei der Basedow-Krankheit handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der vor allem der Regelkreis der Schilddrüsenhormone gestört ist. Die Freisetzung des Schilddrüsenhormons (Thyroxin) aus der Schilddrüse wird durch ein Hormon aus der Hirnanhangdrüse, das sogenannte TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) gesteuert. Das TSH heftet sich an spezielle Bindungsstellen auf den Schilddrüsenzellen an, die man auch als TSH-Rezeptoren bezeichnet. Wenn TSH an diesen Bindungsstellen angreift, ist das für die Schilddrüse ein Signal, das Schilddrüsenhormon zu produzieren und freizusetzen. Das Schilddrüsenhormon spielt eine wichtige Rolle in der Regulation des Stoffwechsels.

Zu viel des Schilddrüsenhormons ist dabei ebenso schädlich wie zu wenig; daher wird der korrekte Schilddrüsenhormonspiegel normalerweise durch einen genau eingestellten Regelkreis aufrecht erhalten. Bei Morbus Basedow ist dieser Regelkreis jedoch gestört. Ursache hierfür sind Antikörper, die irrtümlich vom Immunsystem gebildet werden und die sich an die TSH-Rezeptoren heften. Hier stimulieren sie, ebenso wie das TSH, die Freisetzung des Schilddrüsenhormons, jedoch weit über den tatsächlichen Bedarf hinaus. Es kommt daher zur Schilddrüsenüberfunktion, der sogenannten Hyperthyreose.

Diagnose: Morbus Basedow von anderen Schilddrüsenstörungen abgrenzen

Wenn der Verdacht auf eine Basedow-Krankheit besteht, werden meist zunächst die Schilddrüsenwerte im Blut bestimmt, um so eine Hyperthyreose nachzuweisen oder auszuschließen. Zusätzlich können die schilddrüsenstimulierenden Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Dadurch lässt sich Morbus Basedow von anderen Formen der Schilddrüsenüberfunktion unterscheiden. Für die richtige Therapie und zur Verlaufskontrolle spielt auch die Größe der Schilddrüse eine Rolle. Diese lässt sich leicht mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) erheben und dokumentieren.

Fakten zur Schilddrüse – das sollten Sie wissen

Behandlung: Ist Morbus Basedow heilbar?

Für die Behandlung der Basedow-Krankheit gibt es drei Möglichkeiten: medikamentös, Radiojodtherapie und Operation.

Zunächst wird bei Morbus Basedow die Überproduktion des Schilddrüsenhormons medikamentös gebremst. Dazu werden schilddrüsenhemmende Medikamente, sogenannte Thyreostatika verwendet. Die medikamentöse Behandlung wird meist zunächst für die Dauer von einem Jahr durchgeführt. Bei etwa der Hälfte der Patienten kommt in dieser Zeit der Krankheitsprozess zum Stillstand, sodass das Medikament abgesetzt werden kann und die Schilddrüsenfunktion dann normal bleibt. In manchen Fällen kommt es jedoch – sofort oder erst nach einiger Zeit – nach dem Auslassen des Medikaments erneut zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Dann muss die Schilddrüse operativ oder durch Gabe von radioaktivem Jod verkleinert werden. Das gilt auch, wenn die Schilddrüse stark vergrößert ist und zum Beispiel auf die benachbarte Luftröhre drückt.

Durch die Strahlenwirkung bei einer Radiojodtherapie werden die Zellen, die das radioaktiv aufgeladene Jod 131 speichern, zerstört. Die Strahlung ist insgesamt schwach, sodass umliegendes Gewebe nicht geschädigt wird. Auch eine Gefährdung für andere Menschen ist nicht gegeben. Die Behandlung wird aufgrund der bestehenden deutschen Strahlenschutzvorschriften unter stationären Bedingungen in besonderen Behandlungszentren durchgeführt. Die Aufenthaltsdauer beträgt durchschnittlich eine Woche.

Die Wirkung tritt nach zwei bis drei Wochen ein, der Erfolg der Behandlung ist frühestens nach drei bis sechs Monaten beurteilbar. Hat sich die Funktion der Schilddrüse normalisiert, sind zunächst keine weiteren Medikamente erforderlich. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass es zu einem erneuten Wachstum der Schilddrüse kommt. Nach der Behandlung kann unter Umständen eine Schilddrüsenunterfunktion auftreten. Daher muss die Schilddrüsenfunktion nach einer Radiojodtherapie in halbjährlichen Abständen überprüft werden.

Reicht die Radiojodtherapie nicht aus, kann die Schilddrüse operativ verkleinert werden.

Studien haben gezeigt, dass die Zufuhr des Spurenelements Selen zur Therapie der hervortretenden Augen sinnvoll ist. Da Selen jedoch nur in wenigen Nahrungsmittel enthalten ist, wird es Patienten meist in Tablettenform verabreicht. Darüber hinaus wird Patienten bei Morbus Basedow eine schilddrüsengesunde Ernährung empfohlen.

Morbus Basedow: Folgen vorbeugen

Da es sich bei der Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) um eine Autoimmunerkrankung handelt, deren Ursachen nicht genau bekannt sind, ist eine Vorbeugung nicht möglich. Bei den typischen Symptomen sollten Sie rechtzeitig einen Arzt aufsuchen, um Folgeschäden zu vermeiden.

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