Schmerzhafte Wassersucht

Ödeme: Wenn der Körper zuviel Wasser einlagert

Ödeme (auch „Wassersucht“ genannt) sind Schwellungen, die entstehen, wenn sich wässrige Flüssigkeit außerhalb der Zellen im Gewebe ansammelt. In gewissem Maße ist dies normal. Sammelt sich jedoch zu viel Körperwasser in den Zellzwischenräumen an, kommt es zur Schwellung bzw. Ödembildung. Die Haut ist angespannt und wölbt sich an den entsprechenden Stellen.

Kompressionsstrümpfe
Bei Beinödemen können Kompressionsstrümpfe Linderung verschaffen.
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Ödeme sind in der Regel „weiche“ Schwellungen. Drückt man mit dem Finger hinein, bleibt typischerweise eine sichtbare Delle in der Haut zurück. Mitunter sind Ödeme aber auch hart, schmerzhaft und druckempfindlich. In Abhängigkeit von der Ursache können sie begrenzt auf nur eine Körperstelle sein (lokale Ödeme), eine ganze Körperregion betreffen, oder am ganzen Körper (generalisiertes Ödem) auftreten. Typisch für bestimmte Erkrankungen sind z.B. Ödeme (Wasseransammlungen) in den Beinen, Armen, Füßen, Händen oder im Gesicht. Es kann aber auch zur Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle kommen (Aszites bzw. „Bauchwassersucht“). Darüber hinaus können auch die Genitalien und innere Organe betroffen sein.

Tipps gegen geschwollene Beine

Lifeline/Wochit

Ödeme sind für Betroffene zumeist ein ästhetisches Problem. Je nach Schwere können sie aber auch zur mehr oder weniger großen Behinderung bei alltäglichen Tätigkeiten werden, wenn beispielsweise Hände, Beine oder Füße sehr stark geschwollen sind. Sind z.B. innere Organe betroffen, können Ödeme auch lebensbedrohlich sein.

Auch bei gesunden Menschen treten mitunter leichte Ödeme auf, z.B. nach langem Stehen in den Beinen oder bei Frauen hormonell bedingt in den Tagen vor der Regel, z.B. an Brüsten, Händen und im Gesicht. Diese Gewebswasseransammlungen bilden sich jedoch jeweils recht schnell wieder zurück.

Was verursacht Ödeme?

Ödeme können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Häufig stehen sie mit bestimmten Grunderkrankungen in Zusammenhang. Dies können z.B. Erkrankungen der Venen, der Lymphgefäße oder des Herzens sein. Dabei  kann sich z.B. Blut oder Lymphflüssigkeit in den Gefäßen stauen, sodass es zur Druckerhöhung und schließlich zum Übertritt der Körperflüssigkeit in das umliegende Gewebe kommt. Aber auch viele andere Ursachen kommen für die vermehrte Ansammlung von Körperwasser im Gewebe in Betracht. Einige Erkrankungen oder Einflüsse können die Gefäßwände durchlässiger machen oder bewirken, dass zu viel Gewebsflüssigkeit gebildet wird.

Im Einzelnen sind z.B. folgende Erkrankungen und Einflüsse als Ursache für Ödeme bekannt:

  • Nierenerkrankungen, z.B. Nierenversagen, Niereninsuffizienz, Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis), Nephrotisches Syndrom

  • Herzerkrankungen, z.B. Herzschwäche (Herzinsuffizienz )

  • Schrumpfleber (Leberzirrhose)

  • Blutgerinnselbildung mit Gefäßverengung/-verschluss, (), z.B. Beinvenenthrombose 

  • Veränderungen der Venenklappen infolge einer Thrombose (postthrombotisches Syndrom)

  • Venenschwäche (chronisch-venöse Insuffizienz), die sich z.B. durch die Bildung von Krampfadern (Varikose) äußert

  • Eiweißmangel (Hypoproteinämie)

  • Allergien

  • Verletzungen

  • Entzündungen und Infektionen

  • Medikamente, z.B. Mittel gegen Bluthochdruck (Diuretika, Kalziumantagonisten), Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika = NSAR), Kortison (Glukokortikosteroide), Antidepressiva, hormonelle, östrogenhaltige Verhütungsmittel, Mittel gegen Diabetes (Glitazone)

  • Hormonelle Ursachen, z.B. Schwangerschaft, prämenstruelles Syndrom (PMS); hormonhaltige Medikamente (s.o.)

  • Erblich bedingte Fehlbildung der Lymphgefäße (= primäres (Link) Lymphödem

  • Störungen des Lymphabflusses infolge von z.B. Tumoren, Operationen, Infektionen (= sekundäres Lymphödem)

In einigen Fällen bleibt die Ursache der Ödembildung auch unbekannt. Man spricht dann von idiopathischen Ödemen. Idiopathische Ödeme kommen vor allem bei Frauen vor.

So diagnostiziert der Arzt Ödeme

Eine genaue Diagnose ist bei Ödemen wichtig, damit der Arzt ernste Erkrankungen ausschließen bzw. erkennen und rechtzeitig behandeln kann. Zudem lassen sich bei Kenntnis der Ursache gezielt Maßnahmen treffen, um die Ödeme zu behandeln und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.

Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Patientengespräch (Anamnese). Dabei wird der Arzt fragen, wann und in welchem Zusammenhang die Beschwerden erstmals aufgetreten sind, ob die Ödeme immer bestehen oder vermehrt bei bestimmten Tätigkeiten oder zu bestimmten Tageszeiten hervortreten. Dies kann bereits wichtige Hinweise auf die mögliche Ursache geben.

Krampfadern können Ödeme begünstigen

Darüber hinaus sollte der Arzt auch über die Einnahme von Medikamenten informiert werden, da bestimmte Arzneien die Entstehung von Ödemen fördern können (z.B. Mittel gegen Bluthochdruck, Anti-Baby-Pille etc.). Die Frage nach Grunderkrankungen und Faktoren, die zu Ödemen führen bzw. mit Ödemen einhergehen können (etwa Herzkrankheiten, Venenschwäche und Krampfaderleiden, Leberkrankheiten, Krebserkrankungen oder auch Allergien, vorangegangene Thrombosen, Verletzungen oder Operationen) spielt beim Gespräch zwischen Arzt und Patient ebenfalls eine wichtige Rolle.

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung macht sich der Arzt selbst ein Bild vom Krankheitsgeschehen. Dabei schaut er gezielt danach, an welchen Stellen sich Schwellungen befinden und welche Bereiche (z.B. Beine, Zehen, Knöchel, Augenlider, Schleimhäute) jeweils genau einbezogen sind. Daran kann er zumeist bereits erkennen, ob den Ödemen ein Venenleiden, eine Beteiligung des Lymphsystems oder andere Ursachen zugrunde liegen.

Auch die speziellen Verteilungsmuster der Ödeme (z.B. einseitig oder symmetrisch an beiden Beinen) sind interessant. Ebenso überprüft der Arzt den Körper im Hinblick auf weitere Symptome, z.B. Hautverfärbungen, Krampfadern, sowie nach Anzeichen für Herz-, Leber- und weitere Krankheiten, die Ödeme auslösen können. Darüber hinaus wird er die geschwollenen Bereiche gründlich abtasten und Herz und Lunge abhören.

Je nach Ausgangsbefund können weitere Untersuchungen folgen, z.B.

  • Blut- und Urinuntersuchungen
  • Ultraschalluntersuchungen der Gefäße
  • Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung der Venen (Phlebographie)
  • Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung der Lymphgefäße (Lymphographie)
  • Messung der Verteilung des Lymphabstroms nach Gabe einer radioaktiven Substanz (Lymphsequenzszintigraphie)
  • Ableitung der Herzströme (EKG bzw. Elektrokardiographie)
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums
  • Röntgen des Brustkorbs/der Lunge (Röntgen-Thorax)
  • Computertomographie (CT)
  • Magnetresonanztomographie(MRT)

Ödeme richtig behandeln

Die Therapie bei Ödemen erfolgt in Abhängigkeit von der Ursache. Werden die Ödeme durch eine Erkrankung verursacht, steht deren Behandlung an erster Stelle.

Daneben eignen sich oft weitere Maßnahmen, um Ödeme in den Griff zu bekommen. Mitunter können schon das Hochlagern der Beine oder Wechselduschen einen gewissen Effekt bei leichten Ödemen haben. Bei Beinödemen hat sich beispielsweise auch eine Kompressionstherapie mit Kompressionsstrümpfen und speziellen Bandagen bewährt. Dadurch werden die Venen zusammengedrückt. Dies verbessert die Schließfähigkeit der Venenklappen und kann deren Pumpfunktion und damit letztlich die Strömungsgeschwindigkeit in den Venen erhöhen.

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Ebenso kann beim Lymphödem eine sogenannte manuelle Lymphdrainage - das ist eine spezielle Massagetechnik, die in der Regel der Physiotherapeut vornimmt - sowie eine Kompressionstherapie mit medizinischen Druckbandagen angezeigt sein, um den Lymphabfluss zu verbessern.

Mit Nordic Walking und Radfahren gegen Ödeme

Auch eine gezielte medizinische Trainingstherapie beim Sporttherapeuten sowie eine regelmäßige Ausübung bestimmter Sportarten wie Nordic Walking, Radfahren (bzw. Hometrainer), Schwimmen oder Langlauf können den Lymphabfluss fördern und damit der Ödembildung entgegenwirken.

Zudem empfiehlt der Arzt möglicherweise, die tägliche Flüssigkeitsaufnahme zu vermindern und/oder durch eine salzarme Ernährung sowie durch die Einnahme von entwässernden Medikamenten (Diuretika) den Wasser- und Mineralstoffhaushalt zu kontrollieren. Diese Maßnahmen sollen bewirken, dass sich weniger Körperflüssigkeit im Gewebe ansammeln kann.

Manchmal sinnvoll: Medikamente wechseln

Mitunter können auch Operationen, z.B. zur Beseitigung von Krampfadern oder zur Verbesserung des Lymphabflusses, erforderlich sein.

Sollten die Ödeme im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten stehen, die die Wassereinlagerung im Gewebe fördern können, ist unter Umständen das Absetzen des Präparats oder der Wechsel auf ein anderes Medikament der entscheidende Schritt. Hier ist allerdings unbedingt die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erforderlich.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 23. Mai 2017
Durch:
Quellen: Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme. Stuttgart (2010); Herold, G: Innere Medizin. Selbstverlag (2011); Leitlinien der Gesellschaft Deutschsprachiger Lymphologen (GDL) - AWMF-Leitlinienregister Nr. 058/001: Diagnostik und Therapie der Lymphödeme. Stand April 2009. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/058-001_S1_Diagnostik_und_Therapie_der_Lymphoedeme_04-2009_05-2011.pdf (Stand: 24.11.2011); Marshall, M.; Schwahn-Schreiber, C.: „Lymph-, Lip- und Phlebödem – Differenzialdiagnostische Abklärung mittels hochauflösender Duplexsonographie. In: Gefäßchirurgie (3) 2008, S. 204-212; Berufsverband Deutscher Internisten e.V. - Online-Portal „Internisten im Netz“: „Ödeme“. URL: http://www.internisten-im-netz.de/de_was-sind-oedeme_125.html (Stand: 24.11.2011)

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