Sexualhormon

Testosteron: das Geschlechtshormon der Männer

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Obwohl Testosteron als das wichtigste männliche Sexualhormon gilt, spielt es auch im Körper der Frau eine wichtige Rolle. Ist der Testosteronspiegel zu hoch oder zu niedrig, können zahlreiche Erkrankungen dahinterstecken – alles über mögliche Ursachen, Tests und natürliche Gegenmittel.

Testosteron - Test auf Hormonmangel
Ist das Testosteron im Blut zu hoch oder zu niedrig, kann eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken.
© iStock.com/jarun011

Das zentrale männliche Geschlechtshormon ist nicht nur für die männliche Potenz, sondern auch für Muskelwachstum, Knochendichte und Fettstoffwechsel bei Mann und Frau bedeutsam. Bei Männern wird es vor allem in den Hoden, aber auch in der Nebennierenrinde produziert, bei Frauen sind ebenfalls die Nebennierenrinde sowie die Eierstöcke dafür verantwortlich. Veränderte Testosteronwerte können eine normale Alterserscheinung sein, aber auch auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen.

Artikelinhalte im Überblick:

Elf kleine Unterschiede zwischen Mann und Frau

Was ist Testosteron?

Testosteron ist das stärkste Sexualhormon beim Mann. In einer sehr kleinen Menge kommt es auch bei Frauen vor. Bei Männern wird Testosteron in bestimmten Zellen (Leydig-Zellen) im Hoden gebildet, bei Frauen in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde. Die Wirkung von Testosteron ist für folgende Punkte notwendig:

  • Pubertät bei Jungen
  • Stimmbruch
  • Funktion der männlichen Geschlechtsorgane
  • Muskel- und Knochenwachstum
  • Sexualtrieb

Außerdem wird Testosteron missbräuchlich als anaboles Steroid zum Doping im Sport angewendet.

Wann wird der Testosteronwert gemessen?

Der Arzt wird immer dann den Testosteronspiegel bestimmen, wenn sich Symptome einer Störung der Produktion männlicher Geschlechtshormone zeigen. Dazu gehören:

  • Entwicklungsstörungen in der Pubertät

  • Störungen des weiblichen Zyklus

  • Zeichen für Hormonstörungen bei Frauen (beispielsweise Hirsutismus)

  • Erektionsstörungen

  • Unfruchtbarkeit

  • Verdacht auf hormonell aktive Tumore (zum Beispiel Hoden- oder Eierstocktumore)

Wie hoch ist der normale Testosteronwert?

Der Spiegel von Testosteron im Blut ist starken tageszeitlichen Schwankungen unterworfen, wobei am Morgen die höchsten Werte vorliegen. Deshalb wird die für die Bestimmung des Testosteronwerts erforderliche Blutabnahme morgens zwischen 8 und 10 Uhr vorgenommen. Um die natürliche Schwankungsbreite auszugleichen, werden meist drei Blutproben im Abstand von 20 bis 30 Minuten genommen und zusammengeführt. Bei Frauen im gebärfähigen Alter werden die Proben zwischen dem 3. und 7. Zyklustag genommen.

Da der größte Teil des Testosterons sich für den Transport an Eiweiße bindet, wird dabei in den meisten Fällen das sogenannte "Gesamt-Testosteron" gemessen. Bei bestimmten Erkrankungen der Leber, Niere oder Schilddrüse ist die Konzentration der Eiweiße zu gering, was zu Messfehlern bei der Testosteronbestimmung führt. In diesen Fall misst der Arzt das ungebundene, sogenannte "freie Testosteron". Dabei gelten folgende Normwerte:

  Gesamt-Testosteron freies Testosteron
Männer

2,6–10 ng/ml

9–34,7 nmol/l

85–280 pg/ml

295–971 pmol/l

Frauen

0,1–0,86 ng/ml

0,35–3 nmol/l

3–13 pg/ml

10,4–45 pmol/l

Testosteron zu niedrig oder zu hoch? Mögliche Gründe

Für erhöhte Testosteronwerte im Blut kommen die folgenden Ursachen infrage:

Bei Männern:

  • Testosteronzufuhr (durch Medikamente oder Dopingmittel)

  • eine Krebserkrankung der Hoden oder Nebennierenrinde

  • Androgenresistenz

Bei Frauen:

  • vorzeitige Pubertät (Pubertas praecox)

  • Erkrankungen der Nebennierenrinde

  • Androgenitales Syndrom

  • eine Krebserkrankung der Eierstöcke oder Nebennierenrinde

  • polyzystische Ovarien (PCO-Syndrom)

Für erniedrigte Testosteronwerte (Testosteronmangel) im Blut kommen die folgenden Ursachen infrage:

Bei Männern:

  • Hypogonadismus (zum Beispiel Klinefelter-Syndrom)

  • Hodenerkrankungen

  • Einnahme von androgenen Anabolika

Bei Frauen:

  • Erkrankungen der Eierstöcke

  • Nebennierenrindeninsuffizienz

  • Einnahme von Ovulationshemmern, Östrogenen oder Antiandrogenen

Bei beiden Geschlechtern können auch eine Leberzirrhose, Unterernährung oder Drogenabhängigkeit der Grund für die zu niedrigen Testosteronwerte sein.

Mit Hausmitteln den Testosteronspiegel beeinflussen

Steckt eine ernstzunehmenden Erkrankung hinter den veränderten Testosteronwerten, wird der Arzt eine geeignete Therapie einleiten, um das ursächliche Problem zu bekämpfen. In diesem Fall ist der erhöhte oder erniedrigte Testosteronwert lediglich das Symptom einer anderen Krankheit. In manchen Fällen entgleist der Testosteronspiegel jedoch ganz ohne eine dahinterliegende Erkrankungen – so ist ein sinkender Wert eine ganz normale Alterserscheinung bei Männern, bei Frauen ist der Testosteronwert oft nach dem Absetzen der Pille erhöht und führt zu Akne, Haarausfall und Zyklusstörungen. Eine Änderung des Lebensstils kann oft einiges zur Regulation des Hormonhaushaltes beitragen.

So steigern Männer ihren Testosteronwert

Intensives körperliches Training führt zu einem sofortigen Anstieg des Testosteronspiegels im Blut. Die besten Ergebnisse erzielt ein moderates Krafttraining in Kombination mit Ausdauersport. Im Idealfall reduziert sich dadurch auch der Bauchumfang, was ebenfalls einen positiven Einfluss auf den Testosteronwert hat, da das Bauchfett das Hormon Testosteron in das weibliche Hormon Östradiol umwandelt. Je weniger davon da ist, desto weniger Testosteron wird umgewandelt.


Auch die Ernährung kann einen positiven Einfluss auf den Testosteronspiegel haben. Neben der grundsätzlich empfohlenen Reduzierung von Übergewicht kann auch der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, die den Testosteronspiegel senken, hilfreich sein. Die darin enthaltenen Phytoöstrogene funktionieren ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Zu diesen Lebensmitteln gehören:

  • Soja- und Milchprodukte

  • Alkohol (vor allem Bier)

  • Minze

  • glutenhaltiges Brot und Gebäck

  • Transfette

Wer diese Lebensmittel meidet und außerdem für einen niedrigen Stresspegel und ausreichend Schlaf sorgt, kann einen natürlichen Beitrag dazu leisten, das Testosterin im Blut zu erhöhen.

So senken Frauen ihren Testosteronwert

Setzen Frauen hormonelle Verhütungsmittel ab, gerät häufig der Hormonhaushalt durcheinander, Testosteron gewinnt die Überhand. Im Normalfall pendeln sich die Hormone innerhalb eines halben Jahres wieder ein, mit natürlichen Mittel lässt sich dieser Prozess unterstützen.

Einen wichtigen Beitrag leistet dabei die Ernährung. So enthalten Soja- und Milchprodukte sogenannnte Phytoöstrogene, die sich positiv auf die Senkung des Testosteronspiegels auswirken. Sesam und Leinsamen enthalten Lingnane, welche die Produktion von Östrogen stimulieren und das freie Testosteron reduzieren können. Wer seinen Blutzuckerspiegel im Griff behält, leistet ebenfalls einen positiven Beitrag zur Senkung des Testosteronspiegels: Zum Abbau von Zucker wird Insulin benötigt, das einen androgenproduzierenden Effekt auslöst. Je mehr Insulin gebildet wird, umso mehr männliche Hormone werden auch erzeugt. Der Verzicht auf Weißmehlprodukte, raffinierten Zucker, Fast Food und gezuckerte Getränke kann sich hier positiv auswirken.

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