Anzeichen erkennen

Symptome der unipolaren Depression

Die Symptome von Depressionen

Die unipolare Depression ist die häufigste Form der Depression – die Betroffenen fühlen sich wie gefangen in einem tiefen, dunklen Loch. Typische Anzeichen sind zum Beispiel Interessenlosigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder auch starke Selbstzweifel.

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Das häufigste Symptom bei Depressionen sind Schlafstörungen.
(c) Getty Images/iStockphoto

Hinweis: Dieser Text dient lediglich dazu, dass Sie sich oder einen Betroffenen besser einschätzen können und bei einem Gespräch mit einem Psychologen oder Psychiater die richtigen Worte finden. Sie können eine unipolare Depression auf keinen Fall selbst diagnostizieren. Suchen Sie bei Verdacht einen Psychologen oder Psychiater auf!

Bei einer Depression bestehen annähernd jeden Tag Gefühle der Traurig- und Trostlosigkeit, der Hoffnungs- und Hilflosigkeit. Sie überdauern mindestens zwei Wochen und das Interesse an allen gewohnten Aktivitäten erlischt. Interessenverlust ist ein Kernaspekt für die Diagnosestellung der unipolaren Depression und in nahezu allen Fällen vorhanden. Er tritt nicht ausschließlich auf sondern wird von weiteren typischen Symptomen begleitet. Häufig treten die negativen Gedanken und Gefühle vor allem am Morgen auf („Morgentief“).

Gedanken und Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld

Negative Denkmuster überwiegen. Depressiv Erkrankte üben permanent Selbstkritik. Sie entwickeln in vielen Fällen eine pessimistische Einstellung gegenüber sich selbst, den eigenen Fähigkeiten, dem eigenen Aussehen und der Zukunft verbunden mit starker Neigung zum Grübeln, Minderwertigkeitsgefühlen und dem Gedanken, selbst Schuld am eigenen Zustand zu sein. Nach dem Motto „Ich bin nichts, ich kann nichts, niemand mag mich und schuld daran bin ich selbst. Manche Patienten entwickeln Wahnvorstellungen. Beispiele: Verarmungsideen, hypochondrische Fixierung auf körperliche Symptome („Ich bin unheilbar krank), paranoide Fehldeutungen (Angst vor Tuscheleien und übler Nachrede, Misstrauen).

Appetit- und Gewichtsveränderungen

Der Appetit ist vermindert. Die meisten Depressiven berichten, dass sie sich zum Essen regelrecht zwingen müssen. Gelegentlich kommt es auch zu einem gesteigerten Appetit mit einseitiger Zufuhr von Kohlenhydraten.

Müdigkeit und Energieverlust

Depressive sind meist müde ohne sich angestrengt zu haben. Selbst kleinste Aufgaben mutieren zu unüberwindbaren Hindernissen. Z.B. klagen viele darüber, dass sie für die Morgentoilette doppelt so viel Zeit benötigen wie üblich. Andere vernachlässigen Körperpflege und Kleidung. Zudem können sie sich zu bestimmten Vorhaben nicht aufraffen, sind unproduktiv, können nicht sagen, ob Aufgaben erledigt werden. Aussagen wie „ich kann einfach nicht mehr“ sind häufig.

Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus

Schlafstörungen sind ein Bestandteil depressiver Störungen. 90 Prozent der Betroffenen klagen über langes Wachliegen vor dem Einschlafen, nächtliche Wachphasen sowie Früherwachen zwischen drei und vier Uhr morgens mit Schwierigkeiten beim erneuten Einschlafen. In schweren Fällen besteht Unruhe während der ganzen Nacht.

Apathie oder Unruhe - das Sissi-Syndrom

Ein vorher aktiver Mensch präsentiert sich ruhig bis einsilbig, zurückgezogen und bewegungsarm, die Reaktionsfähigkeit ist verlangsamt bis aufgehoben. Bisweilen äußern Depressive auch die Unfähigkeit, überhaupt noch fühlen zu können („Ich bin wie versteinert). Manche sind abnorm ruhig. Sie sprechen nur sehr zögernd, antworten nicht auf gestellte Fragen und Gestik und Mimik wirken starr (= Stupor, entsprechend dem lateinischen Begriff für „Erstarrung).

Schwieriger wird es, Symptome zu erkennen, die auf den ersten Blick alles andere als depressiv wirken. Es gibt Menschen, die wirken nervös, angespannt und innerlich getrieben. Sie können nicht still sitzen, spielen mit den Händen, ziehen an ihrer Kleidung herum.

Andere sind überaus aktiv, verfolgen nahezu fanatisch berufliche, sportliche oder kulturelle Interessen. Geben sich bei allem, was sie tun, locker und fröhlich empfinden aber keine Freude. Solche Strategien sollen von den Ängsten, Selbstzweifeln und depressiven Verstimmungen ablenken. Denn diese Menschen erleben stärker als jene mit klassischen Symptomen eine Depression nicht als Krankheit, sondern als persönliches Versagen. Bei dieser Variante spricht man von einer Smiling-Depression bzw. vom Sissi-Syndrom, so benannt nach der Kaiserin Elisabeth von Österreich (18371898), kurz Sissi. Obwohl Elisabeth von ihrer Umgebung immer als besonders aktiv und belastungsfähig eingeschätzt wurde, hat sie zeitlebens verzweifelt gegen ihre Todessehnsucht, Ängste und Unruhe angekämpft, die in Ess- und Schlafstörungen sowie diversen körperlichen Leiden einen Ausdruck fanden.

Denk- und Konzentrationsstörungen

Das Denken kreist nur um wenige Themen, ist zähflüssig, zwanghaft, arm an Ideen. Besonders quälend für geistig normalerweise hochaktive Menschen sind Merk- und Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, „diese Leere im Kopf, mangelnde Entscheidungsfähigkeit und Wankelmütigkeit". Bei depressiven Kindern können die Schulleistungen sinken, einfachste Aufgaben werden unlösbar.

Symptome bei Depressionen gehen bis zu Todesgedanken

Viele depressive Menschen denken an Selbsttötung (Suizid) und machen entsprechende Pläne oder Versuche. Die Intensität und Häufigkeit solcher Gedanken und Handlungen kann sehr stark variieren. Die Symptome von Depressionen sind also sehr weit gefächert.

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Letzte Aktualisierung: 25. Juni 2013

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