Stetige Gewichtszunahme

Binge Eating: Teufelskreis aus Essanfällen und Schuldgefühlen

Menschen, die unter der Essstörung Binge Eating leiden, verzehren innerhalb kurzer Zeit ungewöhnlich große Mengen an Essen. Die Essattacken erscheinen Betroffenen dabei unkontrollierbar, sodass der Leidensdruck groß ist.

Junge Frau sitzt mit Teller voller Backwaren auf dem Sofa
Betroffene Essstörung Binge Eating leiden unter regelmäßigen Essanfällen – ohne Versuche, die Kalorien wieder loszuwerden. Die Folge: Starkes Übergewicht.
© iStock.com/Deagreez

Hauptmerkmal der Essstörung Binge Eating (Binge-Eating-Störung, Binge Eating Disorder) sind wiederkehrende Essattacken. Nichts anderes bedeutet der englische Begriff. In diesen Perioden verspüren Betroffene keinerlei Kontrolle mehr über ihr Handeln: Sie können einfach nicht aufhören zu essen, selbst wenn sie längst satt sind oder der Bauch schmerzt. Solche Attacken treten bei einem sogenannten Binge Eater mindestens ein- bis zweimal wöchentlich auf.

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Essattacken schlagen sich auf der Waage nieder

Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind von der Essstörung betroffen, davon zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Im Gegensatz zu Menschen mit Bulimie versuchen Betroffene einer Binge-Eating-Störung nicht, die hohe Kalorienzufuhr durch Erbrechen, den Missbrauch von Abführmitteln, Fasten oder exzessiven Sport zu kompensieren. Daher schlagen sich die Essanfälle früher oder später auch auf der Waage nieder: Zwischen vier und neun Prozent der stark übergewichtigen (adipösen) Menschen weisen Anzeichen einer Binge-Eating-Störung auf.

Betroffene leiden infolge des Binge Eating oft unter Schuldgefühlen, Ekel gegenüber sich selbst oder Depressionen, die durch die wiederholten Essattacken und die fehlende Kontrolle darüber ausgelöst und verstärkt werden. Ähnlich wie bei Bulimie oder Magersucht ist der Leidensdruck auch bei dieser Essstörung sehr groß.

Symptome und Folgen des Binge Eating

Hauptsymptom der Binge-Eating-Störung sind wiederholte Essattacken, bei denen große Kalorienmengen aufgenommen werden. Dabei erleben Betroffene einen wahren Kontrollverlust – sie haben das Gefühl, nicht mehr mit dem Essen aufhören zu können. Durch den Essanfall nehmen Binge Eater in einer bestimmten Zeit eine solche Menge an Nahrung zu sich, die bedeutend größer ist, als andere Menschen in vergleichbarer Zeit schaffen könnten oder würden. Außerdem essen sie deutlich schneller als normal und hören trotz Völlegefühl oder Übelkeit nicht auf zu essen.

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Durch die stark erhöhte Kalorienzufuhr – bei einem Essanfall können es Tausende bis Zehntausend Kalorien sein – kommt es im Laufe der Erkrankung zu einer fortschreitenden Gewichtszunahme. Als übergewichtig gelten Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 und mehr, von Fettleibigkeit oder spricht man ab einem BMI von 30.

Nach dem Essanfall kommt der Ekel – aber kein Erbrechen

Nach der Essattacke fühlen sich die Betroffenen schuldig oder ekeln sich vor sich selbst und essen daher meistens alleine. Anders als Bulimiker versuchen Menschen mit Binge Eating nicht, die überschüssigen Kalorien durch selbst hervorgerufenes Erbrechen, Abführmittel oder extrem viel Sport wieder auszugleichen.

Zum einen bedeutet Binge Eating eine immense psychische Belastung für Betroffene. Auf der anderen Seite kann das durch die Essanfälle bedingte Übergewicht zu körperlichen Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck führen, wenn die Essstörung nicht frühzeitig erkannt und behandelt wird.

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Ursachen der Binge-Eating-Störung

Im Gegensatz zu anderen Essstörungen sind konkrete Auslöser des Binge Eatings besser bekannt: Man geht davon aus, dass psychologische Faktoren wie Langeweile, Stress oder emotionale Schwierigkeiten die Krankheit verursachen. Menschen mit einer Binge-Eating-Störung versuchen nach Meinung vieler Psychologen, diese unangenehmen emotionalen Zustände durch Essen zu überbrücken.

So können extreme Emotionen wie beispielsweise Frust, Wut und Trauer einen Essanfall triggern. Auch ein zu stark gezügeltes Essverhalten kann die unkontrollierten Heißhungerattacken auslösen. Als weitere Risikofaktoren gelten:

  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Mangelnde soziale Unterstützung
  • Depressive Symptome
  • Sexueller Missbrauch
  • Körperliche Vernachlässigung
  • Durchführen von Diäten
  • Hohe Bedeutsamkeit von Figur und Gewicht
  • Negative Lebensereignisse

Kennzeichen zur Diagnose von Binge Eating

Eine Episode von Essanfällen ist durch die übermäßige Nahrungsaufnahme innerhalb eines bestimmten Zeitraums und den währenddessen erlebten Kontrollverlust gekennzeichnet. An mindestens zwei Tagen pro Woche über einen Zeitraum von mindestens sechs Monate kommt es zu solchen Essattacken. Sie treten gemeinsam mit mindestens drei weiteren Symptome auf, um die Diagnose Binge Eating stellen zu können:

  • Deutlich schneller essen als andere Menschen
  • Essen bis zum Völlegefühl
  • Essen großer Nahrungsmengen, ohne hungrig zu sein
  • Alleine essen aus Scham vor den großen Mengen Nahrung
  • Ekel vor sich selbst
  • Depressive Gedanken oder Schuldgefühle nach Heißhungerattacken

Für die Abgrenzung zur Bulimie wird geprüft, ob der Betroffene Maßnahmen ergreift, um die Essanfälle zu kompensieren – wie es für Bulimiker typisch ist.

Zur Diagnose führt der Arzt oder Psychologe strukturiere Interviews durch. Dabei  wird auf weitere psychische Störungen geachtet: Häufig leiden Binge Eater auch unter Depressionen, Angststörungen, Drogen- und Alkoholsucht oder anderen Persönlichkeitsstörungen.

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Binge Eating: Therapie

Um Binge Eating behandeln zu können, müssen Betroffene sich als erstes selbst eingestehen, dass sie eine Essstörung haben und Hilfe brauchen. Wenn Betroffene selbst Hilfe suchen, stehen die Heilungschancen sehr gut. Direkte Anlaufstellen können Beratungsstellen, der Haus- oder Facharzt sowie auf Essstörungen spezialisierte Kliniken sein.

Bei Esssstörungen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als sehr wirksam erwiesen: Der Therapeut versucht das Essverhalten und Gewicht der Betroffenen zu normalisieren und ihre Körperwahrnehmung und -akzeptanz zu verbessern. Weiterhin werden die der Störung zugrunde liegenden Ursachen psychotherapeutisch bearbeitet, um die Binge-Eating-Störung langfristig zu behandeln.

Kurzfristig gegen die Essattacken ist auch eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva möglich.

Rückfälle bei behandelter Binge-Eating-Störung selten

Die Binge-Eating-Störung ist gut behandelbar: Etwa 80 Prozent der Betroffenen, die sich in eine stationäre Behandlung begeben haben, erleben auch nach etwa sechs Jahren keinen Rückfall.

Vorbeugen ist schwer

Die Ursachen für Binge Eating sind in der Regel komplex und häufig psychischer Natur. Aus diesem Grund ist es schwer, dieser Essstörung konkret vorzubeugen. Wichtig ist es, sich das eigene Hunger- und Sättigungsgefühl zu bewahren. Außerdem sollte Nahrung nicht als Ersatz für Trost bei Kummer und Sorgen oder zur Belohnung angesehen werden. Diese Dinge können bereits Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben und damit ein gesundes Verhältnis zu Essen fördern.

Um den psychischen und vor allem körperlichen Folgen des Binge Eating vorzubeugen, benötigen Betroffene frühzeitig Hilfe. Das Umfeld von Binge Eatern sollte daher aufmerksam sein und dem Freund oder Familienmitglied Hilfe anbieten oder auf ihn einwirken, einen Arzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen.

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