Traurig oder depressiv?

Traurigkeit und Phasen der Trauer

Traurig ist jeder einmal. Meist gelingt es, das trübe Gefühl mit positiven Erlebnissen zu verscheuchen und die Grundstimmung wieder zu verbessern. Was aber, wenn das nicht klappt und die Traurigkeit bleibt? Sind wir dann schon depressiv?

Traurigkeit Mann sieht traurig aus dem Fenster
Wenn Traurigkeit ohne einen bestimmten Anlass immer wieder auftritt, kann das Ausdruck einer Depression sein.
© iStock.com/Marjan_Apostolovic

Traurigkeit ist wie Freude, Angst oder Wut ein normales Gefühl, das jeder Mensch kennt. Hin und wieder macht es sich im Alltag bemerkbar. Eine traurige Stimmung entsteht meist, wenn ein Mensch ein negatives oder schlimmes Erlebnis hat. Zum Beispiel einen Todesfall, einen Verlust im näheren sozialen Umfeld sowie berufliche Misserfolge oder private Enttäuschungen, etwa durch Zurückweisung. Auch hormonelle Schwankungen, wie im Rahmen des weiblichen Zyklus, können eine negative Grundstimmung fördern. Typisch für die "normale" Niedergeschlagenheit ist, dass das Gefühl nur vorübergehend besteht und mit der Zeit wieder nachlässt. Ein gutes Gespräch mit Freunden oder Verwandten lenkt ab und kann dafür sorgen, dass die Stimmung wieder heiterer wird.

Trauer begleitet von schmerzlichen Gefühlen

Trauer zählt zu den schmerzlichsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Dieser emotionale Zustand und eine ganz normale Reaktion auf einen schweren Verlust oder ein Unglück. Er geht oft einher mit Gefühlen der Niedergeschlagenheit und des Schmerzes. Betroffene ziehen sich außerdem oft zurück.

Der Tod eines geliebten oder nahestehenden Menschen ist ein Schicksalsschlag, der uns wie kaum ein anderes Ereignis im Leben aus der Bahn wirft und entsprechend verarbeitet werden muss. Eine bewusste Phase der Trauer ist natürlich und für die Psyche auch notwendig.

Phasen der Trauer

Nur eine bewusste Trauerarbeit und das Zulassen von Trauer helfen letztendlich, den Schicksalsschlag auch psychisch zu verarbeiten. Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Phasen der Trauer:

In Phase 1 will der Betroffene den Verlust oder Schicksalsschlag nicht wahrhaben und fühlt sich wie erstarrt.

Phase 2 ist gekennzeichnet von heftigen Gefühlsausbrüchen, zum Beispiel Zorn, Schmerz, Schuldgefühlen, der Suche nach einem Schuldigen oder Angst. Alkoholismus, Nikotin oder Tabletten sollen dann oft der Heftigkeit dieser schmerzhaften emotionalen Achterbahn Einhalt gewähren. Es können Schlafstörungen auftreten, die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten steigt, ebenso die Unfallgefahr.

In Phase 3 drehen sich die Gedanken des Trauernden hartnäckig um den erlittenen Schicksalsschlag. Die Person sucht den Rückzug aus dem Alltag, um sich ganz dem eigenen Leid widmen zu können. Dabei kommt es häufig zu Verklärung der Vergangenheit. Die Realität holt den Trauernden schließlich ein und wird langsam akzeptiert.

In Phase 4 öffnet sich der Trauernde wieder der Welt, und geht mit ungewohnter Offenheit auf neue Menschen und Situationen zu. Trotzdem ist diese Phase von Widersprüchen geprägt. Auf der einen Seite soll das Leben nun intensiver und offener gestaltet werden. Andererseits plagen den Trauernden Ängste vor erneuten Enttäuschungen und den damit verbundenen Trauerzuständen.

Die Dauer der Trauerphase ist so individuell wie der trauernde Mensch selbst. Niemand kann vorhersagen, wie lange die Trauerbewältigung dauert. Der Schmerz stellt sich häufig erst Monate später nach dem dramatischen Erlebnis ein. Ebenso können die einzelnen Trauerphasen immer wieder aufbrechen, wenn sie dann auch kürzer andauern. Bei plötzlichem oder gewaltsamem Tod beispielsweise dauert die Schockphase der Hinterbliebenen meist länger als in anderen Fällen.

Trauer kann Depression auslösen

Wenn die Traurigkeit über längere Zeit bestehen bleibt oder immer wieder ohne einen erkennbaren Anlass in bestimmten Abständen auftritt, ist das ein typisches Anzeichen für eine Depression. Betroffene fühlen sich dann meist nicht nur tieftraurig, sondern verlieren auch das Interesse an Dingen, die Ihnen früher Spaß gemacht haben. Sie sind antriebslos, müde und ohne Energie. Diese negative Grundstimmung lässt sich auch nicht durch positive Einflüsse oder Tätigkeiten mildern oder vertreiben.

Falls Sie unter einer andauernden, lähmenden, traurigen Stimmung leiden, suchen Sie am besten rechtzeitig einen Arzt Ihres Vertrauens auf – möglichst, bevor eine depressive Störung Ihren Alltag und Ihre Lebensqualität zu stark beeinträchtigt. Depressionen sind heute gut mit Medikamenten und anderen Therapien behandelbar.

Die Ursachen von Traurigkeit sind vielfältig

Eine vorübergehende Traurigkeit ist normal und hat in der Regel keinen Krankheitswert. Sie kann viele Ursachen haben. Die meisten Menschen reagieren auf negative Ereignisse mit dem Gefühl von Traurigkeit.

Beispiele sind:

  • Trennung vom Partner
  • Auszug der Kinder
  • Tod einer nahestehenden Person
  • Jobverlust
  • Umzug an einen anderen Wohnort und Verlust des sozialen Umfelds
  • Verlust von Freunden
  • Konflikte und Streit in Beruf und Familie
  • Mangelnde soziale und berufliche Anerkennung
  • unerfüllte Liebe

Daneben können schwerwiegende chronische Krankheiten, etwa Krebs, Multiple Sklerose oder ein Schlaganfall, eine anhaltende Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und sogar eine Depression auslösen. Sie bedeuten meist einen tiefen Einschnitt in das Leben, nach dem nichts mehr so ist, wie es zuvor war.

Tipps gegen Depressionen

Traurigkeit: Die Diagnose kann nur ein Arzt stellen!

Suchen Sie immer einen Arzt auf, wenn Sie grundlos über einen Zeitraum von zwei Wochen oder länger traurig sind und sich das Gefühl nicht durch positive Erlebnisse und aus eigener Kraft bessert. Nur ein Arzt kann feststellen, welche Ursachen der Traurigkeit zugrunde liegen, ob das Gefühl eine normale Reaktion auf belastende Ereignisse ist oder ob Sie unter einer behandlungsbedürftigen Depression leiden.

Traurig oder depressiv? Das fragt der Arzt im Gespräch

Das Arzt-Patienten-Gespräch, bei dem der Arzt Ihnen einige Fragen zu Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte stellt (Anamnese), ist das wichtigste Instrument, um Hinweise zu bekommen, ob das Symptom der Traurigkeit auf eine mögliche depressive Störung hinweist.

Folgende Fragen könnte Ihnen Ihr Arzt stellen:

  • Seit wann besteht das Gefühl der Traurigkeit?

  • Können Sie einen Auslöser benennen, zum Beispiel Konflikte, eine Trennung oder einen Jobverlust?

  • Wie intensiv ist die Traurigkeit?

  • Sind Sie permanent oder nur in bestimmten Situationen traurig?

  • Wie verlief die Traurigkeit in den letzten Wochen: Hat sie sich gebessert oder verschlechtert?

  • Gibt es positive Erlebnisse und Tätigkeiten, welche die Traurigkeit lindern oder vertreiben?

  • Leiden Sie unter weiteren Symptomen, zum Beispiel Antriebslosigkeit, einem Gefühl von Wertlosigkeit, Interessensverlust, Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, erhöhtem Schlafbedürfnis (auch am Tag) oder Konzentrationsstörungen? Diese Symptome deuten auf eine Depression hin.

  • Wird die Traurigkeit auch von euphorischen Phasen unterbrochen? Das ist ein Hinweis auf eine bipolare Störung (manisch-depressive Störung).

  • Gab es kürzlich oder in der Kindheit traumatische Erlebnisse?

  • Wie viel Alkohol und andere Drogen konsumieren Sie?

  • Leiden Sie unter einer schweren chronischen Krankheit, zum Beispiel Krebs, Multiple Sklerose, einer chronischen Schmerzkrankheit oder einer schweren Allergie?

  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Wenn ja: Welche?

  • zum Test

    Sie haben den Verdacht, an einer Depression zu leiden? Oder Sie machen sich Sorgen um einen Angehörigen? Der Selbsttest bringt mehr Klarheit.

Es sollten in jedem Fall weitere Untersuchungen folgen, zum Beispiel eine Blutuntersuchung und/oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um mögliche körperliche Ursachen, etwa eine Fehlfunktion der Schilddrüse, auszuschließen.

Eine Therapie hellt das Gemüt auf

Bei "normaler" Traurigkeit und seelischen Verstimmungen hellt häufig schon ein gutes, konstruktives Gespräch mit Freunden die trübe Stimmung auf. Den meisten geht es viel besser, wenn Sie anderen mitteilen, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Hilfreich ist es, wenn Sie gemeinsam Lösungen für das Problem erarbeiten, welches zu der traurigen Stimmung führt. Auch Ablenkung durch sportliche Betätigung wie Schwimmen, Wandern, Joggen oder ein Besuch im Fitnessstudio sind gut fürs Gemüt und können die dunklen Wolken bei normaler Traurigkeit vertreiben. 

Trauernde unterstützen

Menschen, die nach dem Verlust einer nahestehenden Person in tiefer Trauer stecken, sollten unterstützt werden. Dennoch ist es wichtig, einen emotionalen Sicherheitsabstand zum Trauernden zu wahren. Das bedeutet: Mitgefühl zeigen, sich aber nicht selbst vom Trauerzustand einnehmen lassen.

Ratschläge wie "Gönnen Sie sich doch mal wieder was Gutes!" oder "Das wird schon wieder!", sollten unterlassen werden. Dem Trauernden die Trauer ausreden zu wollen, hemmt den Trauerprozess und dient meist nur der eigenen Entlastung. Trauernde sollten nicht unter dem Druck stehen, möglichst schnell wieder auf die Beine kommen zu müssen.

Und wie in vielen anderen Lebensbereichen gilt auch in der Unterstützung der Trauernden: Taten sagen mehr als große Worte. Durch kleine Aufmerksamkeiten wie regelmäßige Anrufe oder Besuche signalisieren sie Verbundenheit und Anteilnahme.

Stellen Sie klar, dass es nicht Ihre Absicht ist, den Trauerprozess durch irgendeine Art von Einflussnahme beschleunigen zu wollen. Ebenso sind Trauernde für die stumme Zuwendung oder bloße Anwesenheit einer Vertrauensperson dankbar. Auch Ratgeberbücher zu diesem Thema oder der Kontakt zu Menschen mit Trauererfahrung können im Trauerprozess unterstützend wirken.

Pflanzliche Mittel bei Traurigkeit

Bei Traurigkeit, leichten depressiven Verstimmungen und Niedergeschlagenheit können auch pflanzliche Mittel eingesetzt werden. Johanniskraut besitzt zum Beispiel einen stimmungsaufhellenden Effekt. Nehmen Sie pflanzliche Mittel aber nicht auf eigene Faust ein, sondern besprechen Sie sich mit Ihrem Arzt, auch zur Dosierung. Auch pflanzliche Medikamente können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Johanniskrautpräparate können beispielsweise die Wirksamkeit der Anti-Baby-Pille und bestimmter Asthma-Medikamente herabsetzen.

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