Psychische Störung

Psychose: Gefangen zwischen Wahn und Wirklichkeit

Menschen, die an einer Psychose leiden, können zwischen Wahn und Wirklichkeit nicht unterscheiden. Wie kommt es zu einer psychotischen Störung und welche Therapie ist erfolgversprechend?

Frau Depressionen
Ängste, Wahn und Halluzinationen sind typische Symptome einer psychotischen Störung.
© iStock.com/sdominick

Eine Psychose ist eine tiefgehende psychische Störung, gekennzeichnet durch einen beeinträchtigten Selbst- und Realitätsbezug. Betroffene nehmen die eigene Person und die Umwelt nicht mehr realistisch wahr. Sie hören Stimmen oder sehen Dinge, die nicht da sind. Irgendwann fällt es ihnen schwer, zwischen Phantasie und Wirklichkeit zu unterscheiden. Psychosen können verschiedene Formen annehmen und sind nicht zuletzt deshalb schwer zu diagnostizieren. Auch die Ursachen sind vielfältig und reichen vom körperlichen oder seelischen Trauma über Drogenkonsum bis hin zur Stoffwechselstörung.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist eine Psychose?

Psychose ist ein Sammelbegriff für verschiedene schwere Störungen mit psychotischen Symptomen. Betroffene entwickeln zum Teil eine völlig veränderte Wahrnehmung ihrer Umwelt. Gleichzeitig bilden sie sich ein, dass sich die Welt um sie herum und nicht sie selber verändert hätten. Diese Veränderungen äußern sich in wahnhaften Vorstellungen, aber auch in vielen anderen Symptomen. So können Halluzinationen auftreten, aber auch Ängste, Konzentrationsstörungen und Depressionen. Häufig wird der Begriff als Synonym für Schizophrenie verwendet, doch schizophrene Störungen machen genau genommen nur einen Teilbereich psychotischer Störungen aus.

Psychosen: Einer von Hundert ist betroffen

Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben an einer Psychose zu erkranken, weltweit bei etwa ein bis zwei Prozent. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Meistens beginnt die Erkrankung im jungen Erwachsenenalter zwischen Pubertät und 35. Lebensjahr, danach sinkt die Häufigkeit. Erst im höheren Alter treten psychotische Störungen wieder vermehrt auf, verursacht durch altersbedingte Durchblutungsstörungen im Gehirn wie TIA und Schlaganfall oder als Begleiterscheinung von Alzheimer und Demenz. Psychosen im Kindesalter kommen vor, sind aber nicht eher selten.

Wie entsteht es zur Psychose?

Menschen, die zu Psychosen neigen, sind oft sehr kreativ und feinfühlig, reagieren aber auch besonders empfindlich auf eingehende Umgebungsreize und insbesondere auf Stress. Medizinisch beschreibt man diesen Zustand als erhöhte Vulnerabilität.

Das Erleben auf psychischer Ebene wird vor allem durch den Neurotransmitter Dopamin gesteuert. Durch diesen Botenstoff werden sowohl einlaufende Sinnesreize wie auch Emotionen im Gehirn geordnet und gesteuert. Nach vorherrschender wissenschaftlicher Sicht wird eine psychotische Störung durch einen Überschuss an Dopamin verursacht. Neuere Medikamente setzen direkt an der Ursache an, indem sie den Dopaminüberschuss regulieren. Dadurch sind zumindest akute psychotische Störungen heute relativ gut und schnell behandelbar.

Ursachen und Formen von Psychosen

Psychosen kommen in den unterschiedlichsten Formen vor und werden grob unterteilt in Psychosen mit organischer und Psychosen mit nichtorganischer Ursache:

  • Organische Psychosen (auch exogene oder sekundäre Psychosen genannt) entstehen durch eine Veränderung im Körper oder im Gehirn. Sie können akut auftreten oder chronisch verlaufen.

  • Nichtorganische Psychosen (auch endogene, primäre oder funktionelle Psychosen genannt) haben keine erkennbare körperliche Ursache. Die häufigste nichtorganische Psychose ist die Schizophrenie.

Organische (exogene) Psychosen

Bei organischen Psychosen liegt immer ein körperlicher Auslöser wie eine Infektion oder eine Verletzung (Trauma) zugrunde. Ist die Ursache behandelbar, gilt das meist auch für die Psychose.

Mögliche Auslöser sind:

  • Schädelhirntrauma, schwere Gehirnerschütterung
  • Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Komplikation bei Infektionskrankheiten wie Influenza, Typhus, Pneumonie oder Sepsis (sogenannte Infektpsychose)
  • Hirntumore
  • Epilepsie
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Hormonstörungen
  • Stoffwechselstörungen wie Leber- oder Niereninsuffizienz
  • Störung des Wasserhaushalts, Austrocknung (Exsikkose)
  • Nebenwirkung von Medikamenten, beispielsweise bei Acetylcholinergika
  • Vitaminmangel, vor allem Vitamin B12-Mangel
  • Vergiftung (Intoxikation)
  • Drogenmissbrauch (substanzinduzierte Psychose)

Akute organische Psychose

Die akute organisch bedingte Psychose ist gekennzeichnet durch einen plötzlichen Beginn und schnellen Verlauf. Es kommt zu Störungen von Gefühlsäußerungen (Affekt), Denkprozessen (Kognition) und Psychomotorik. Eine akute Psychose kann mit Bewusstseinsveränderungen wie Verwirrung (Delir) oder Dämmerzustand auftreten. Sie ist meist reversibel und geht bei entsprechender Behandlung zügig zurück.

Eine akute organische Psychose mit Delir tritt beispielsweise nach einem Schädelhirntrauma, bei starker Dehydration, bei sehr hohem Fieber oder bei Vergiftungen auf und ist immer ein Notfall, der eine klinische Versorgung nötig macht. Auch bei einem epileptischen Anfall kann es zu einer vorübergehenden Bewusstseinseintrübung kommen.

Substanzinduzierte Psychose durch Drogen und Alkohol

Eine substanzinduzierte Psychose oder auch Drogenpsychose wird durch psychoaktive Substanzen wie Cannabis, Kokain oder LSD verursacht. Sie kann mit Wahnvorstellungen, Halluzinationen sowie Orientierungs- und Denkstörungen einhergehen. Insbesondere der immer weiter steigende THC-Anteil in Joints wird für eine zunehmende Anzahl von behandlungsbedürftigen Cannabispsychosen verantwortlich gemacht. Darüber hinaus kann auch ein sehr früher Cannabiskonsum bei Jugendlichen unter 14 Jahren zu Veränderungen und Störungen im Gehirn führen.

Gefährlich ist das Kiffen außerdem fürs ungeborene Kind, da es die Hirnentwicklung beeinträchtigen kann. Kinder, deren Mütter Cannabis in der Schwangerschaft geraucht haben, wiesen im Alter von etwa zehn Jahren deutlich gehäuft psychotische Symptome auf. Das fanden Hirnforscher durch eine Studie an über 4.000 Kindern in St. Louis im Jahr 2019 heraus.

Auch Alkoholmissbrauch kann eine Psychose verursachen. Zum einen kann es bei starkem Alkoholkonsum zur Alkoholhalluzination kommen. Zum anderen treten bei Alkoholikern vor allem in der Entzugsphase häufig akustische Halluzinationen auf.

Drogeninduzierte Psychosen oder Alkoholpsychosen sind bei entsprechender Behandlung und Abstinenz meist reversibel, haben aber ein hohes Rezidivrisiko und können bereits bei einmaligem Konsum der Droge erneut auftreten.

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Durchgangssyndrom nach Operationen

Eine Sonderform der Psychosen ist das Durchgangssyndrom, das manchmal nach operativen Eingriffen vor allem bei älteren Menschen auftritt. Es zeichnet sich aus durch Vergesslichkeit, Schwindel und verlangsamte Reaktionsfähigkeit. Bewusstseinseintrübungen und Halluzinationen können dabei auch auftreten. In der Regel verschwinden die Symptome nach einiger Zeit wiedervon alleine.

Chronische Psychose durch organische Störungen

Chronische organische Psychosen sind meist Folge einer irreversiblen Störung im Gehirn oder einer chronischen Erkrankung.

Es kommt zu:

  • Einschränkungen oder Verlust der intellektuellen Fähigkeiten
  • Gedächtnisstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Persönlichkeitsveränderungen

Das Endstadium der chronisch organischen Psychose wird als Demenz bezeichnet.

Eine Sonderform der chronischen Psychose ist das frühkindliche exogene Psychosyndrom, das durch einen frühkindlichen Hirnschaden bedingt ist, der entweder bereits in der Schwangerschaft oder in der frühen Kindheit entstanden ist.

Nichtorganisch bedingte (endogene) Psychosen

Bei der nichtorganischen Psychose lässt sich im Gegensatz zur organischen keine körperliche Ursache finden.

Mögliche Auslöser können sein:

  • Genetische Veranlagung: Psychosen treten familiär gehäuft auf, was eine eine genetische Veranlagung nahelegt.
  • Störungen von Neurotransmittern
  • Psychosoziale Faktoren wie ein gestörtes familiäres Umfeld oder eine sozial schwache Position

In den meisten Fällen liegt nicht nur ein auslösender Faktor zugrunde. Mediziner sprechen von einem multifaktoriellen Geschehen. 

Endogene Psychosen entwickeln sich meist über Jahre hinweg und kündigen sich häufig durch Frühsymptome an, die aber eher unspezifisch sind und deshalb nicht als solche erkannt werden.

Unterschieden werden folgende Formen nichtorganischer Psychosen, wobei auch Mischformen möglich sind:

  • Schizophrene Psychose (Schizophrenie): mit Symptomen wie Wahn oder Halluzinationen
  • Affektive Psychose: gekennzeichnet durch depressive oder manische Zustände. Hier sind vor allem Stimmung, Motivation und Antrieb beeinträchtigt
  • Schizoaffektive Psychose: es treten sowohl Symptome der schizophrenen wie auch der affektiven Störung auf.
  • Schizotype Störung: Psychose mit Denk- und Wahrnehmungsstörungen aber ohne die Intensität einer Schizophrenie
  • Anhaltende wahnhafte Störung: Der Wahn steht im Vordergrund.
  • Akute vorübergehende psychotische Störung: ausgelöst durch ein traumatisches Ereignis

Traumatische Erlebnisse als Auslöser von Psychosen

Akute traumatische Ereignisse wie Krieg, Vergewaltigung oder der Tod einer nahestehenden Person können eine akute vorübergehende psychotische Störung hervorrufen, die sich meist durch sehr heftige und plötzlich auftretende Symptome äußert. Die Psychose beginnt innerhalb von zwei Wochen, dauert aber normalerweise nicht länger als drei Monate.

Psychosen können außerdem als Folge von lange zurückliegenden traumatischen Erlebnissen auftreten. So können körperliche oder seelische Qualen, denen Kinder ausgesetzt sind, wie Misshandlung, sexueller Missbrauch oder häusliche Gewalt, bei einer grundsätzlichen Neigung eine psychotische Krise hervorrufen. Das ergab eine 2019 veröffentlichte Studie von der Bristol Medical School an 4.433 Kindern.

Wochenbettpsychose (postpartale Psychose)

Ein leichter Baby-Blues nach der Geburt ist völlig normal, einige frischgebackene Mütter entwickeln jedoch eine behandlungsbedürftige Wochenbettpsychose (postpartale Psychose). Die meisten der betroffenen Frauen hatten allerdings schon vor der Schwangerschaft psychische Probleme. Die extreme hormonelle und emotionale Umstellung nach der Geburt ist also nicht die Ursache, kann aber ein möglicher Trigger (Auslöser) bei einer psychotischen Veranlagung sein. Eine Wochenbettpsychose bedeutet große Gefahr für Mutter und Kind und erfordert eine sofortige stationäre Einweisung, wenn möglich in eine interdisziplinäre Klinik mit angeschlossener Psychiatrie.

Symptome und Anzeichen von Psychosen

Meist entwickeln sich Psychosen und psychotische Störungen bereits in jungen Jahren, werden aber häufig erst nach langer Zeit erkannt, manchmal erst nach Jahrzehnten. Das liegt zum Teil an den unspezifischen Anzeichen, die schwer zu deuten sind, zum anderen daran, dass es kaum geeignete Methoden zur Früherkennung gibt. Psychiater fordern deshalb verbesserte Vorsorgemaßnahmen und bessere Aufklärung, um Psychosen möglichst frühzeitig behandeln zu können.

Frühwarnzeichen von Psychosen

Die Symptome einer Psychose können extrem unterschiedlich ausfallen, abhängig von Form und Ursache. Man unterscheidet mögliche Frühwarnzeichen und tatsächliche Symptome einer Psychose.

Erste Symptome und Frühwarnzeichen:

  • Rückzug aus sozialen Bindungen
  • nachlassende Leistungsfähigkeit
  • Gefühl, den Aufgaben nicht mehr gewachsen zu sein
  • verminderte Lebensfreude
  • Ängste
  • Depressionen
  • Nervosität und Unruhe

Erhält der Betroffene in diesem frühen Stadium Hilfe, können schwere Störungen oft vermieden werden. Ansonsten kommt es zu den typischen Anzeichen einer Psychose.

Symptome im weiteren Verlauf

  • Störungen des Affekts: unangemessene Gefühlsreaktionen, depressive oder manische Stimmung
  • Antriebsstörungen
  • kognitive Störung: reduzierte Auffassung oder Konzentration
  • formale Denkstörungen: umständliches, verlangsamtes Denken
  • inhaltliche Denkstörungen: Zwangsgedanken, Phobien
  • Halluzinationen wie Stimmen hören oder "weiße Mäuse sehen"
  • Wahn: Verfolgungswahn, Vergiftungswahn
  • Ich-Störungen: eigene Gedanken oder Handlungen werden als von außen beeinflusst angesehen
  • Störungen der Psychomotorik: Veränderungen von Gestik oder Mimik, Hyperaktivität

Man unterscheidet dabei:

  • Positivsymptome: Störungsmuster, die neu hinzukommen, wie Wahn, Halluzinationen oder Ich-Störungen. Positivsymptome treten in erster Linie bei schizophrenen Störungen auf.
  • Negativsymptome: Einschränkungen wie Antriebsarmut oder Verlust von kognitiven Fähigkeiten treten vor allem bei affektiven Störungen auf.

Häufige Symptome von Psychosen: Halluzination und Wahn

Menschen mit Psychosen werden häufig von Halluzinationen geplagt. Dabei kommt es zu Sinneswahrnehmungen, die nicht real existieren. Betroffene hören Stimmen, die mit ihnen reden und ihnen Anweisungen erteilen (akustische Halluzinationen), insbesondere bei schizophrenen Störungen. Manchmal sehen sie auch Dinge oder Personen, die nicht da sind (optische Halluzinationen) oder riechen, schmecken und fühlen etwas, das nicht real ist.

Von Halluzinationen zu unterscheiden sind Wahnvorstellungen. Ein Wahn ist eine Zwangsvorstellung, bei der der Betroffene zu einer falschen Gewissheit kommt und mit vernünftigen Argumenten nicht vom Gegenteil überzeugt werden kann. Typisch für Schizophrenie ist beispielsweise der Verfolgungswahn.

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Diagnose der psychotischen Störung

Erster Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Psychose ist häufig der Hausarzt. Er überweist den Betroffenen dann an einen entsprechenden psychiatrischen Facharzt oder weist ihn gegebenenfalls auch in eine Klinik für Psychiatrie ein, wo alle weiteren Tests und Untersuchungen durchgeführt werden.

Zur Diagnosestellung dient zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch, bei dem sowohl psychotische Symptome als auch mögliche seelische Ursachen und bekannte Grunderkrankungen ergründet werden. Hierbei werden der Betroffene und die Angehörigen sowie möglicherweise ein bereits behandelnder Therapeut miteinbezogen.

Zum Nachweis oder Ausschluss von organischen Ursachen dienen:

  • Blutbild mit Entzündungs-, Leber-, Blutzucker- und Schilddrüsenwerten sowie Vitamin B12-Status und eventuell weiteren Daten, die eine körperliche Erkrankung bestätigen könnten.
  • Erregernachweis auf Erkrankungen, die psychotische Symptome verursachen können, beispielsweise Borrelien (Lyme-Borreliose) oder Treponemen (Syphilis)
  • EEG bei Verdacht auf Epilepsie
  • Liquorpunktion bei Verdacht auf eine Infektion des zentralen Nervensystems
  • CT oder MRT bei Schädelhirntrauma

Erst wenn eine organische Ursache sicher ausgeschlossen werden kann, sprechen Ärzte von einer primären, nichtorganischen Psychose. Zur genaueren Zuordnung der Form wird dann das klinische Bild herangezogen.

Klinisches Bild als Nachweis nichtorganischer Psychose

Nichtorganische Psychosen werden aufgrund ihrer konkreten Symptomatik wie Wahn, Halluzinationen, Denk- oder Antriebsstörungen diagnostiziert. Für diese Einteilung ist allerdings meist eine Beobachtung des Betroffenen über längere Zeit nötig.

Steht die Diagnose fest, ist es im Sinne der Heilungschancen wichtig, dass der Betroffene sich mit der Form der Psychose auseinandersetzt und möglichst gut über seine Erkrankung informiert. Nachfragen beim Arzt oder Therapeuten sind ausdrücklich erwünscht.

Therapie: Wie kommt man aus einer Psychose raus?

Nach Möglichkeit wird bei einer organischen Psychose zunächst die Grunderkrankung behandelt. Die psychotischen Symptome können durch psychoaktive Medikamente, sogenannte Psychopharmaka, behandelt oder gelindert werden.

Die Therapie besteht dabei typischerweise aus drei Säulen:

  • medikamentöse Therapie mit Psychopharmaka
  • psychotherapeutische Behandlungen
  • psychosoziale Maßnahmen zur Stressreduktion und Rückfallprävention

Psychopharmaka: Medikamente gegen Psychosen

Für die medikamentöse Therapie einer Psychose stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Als wirksamste Medikation haben sich Antipsychotika erwiesen. Oft muss deren Wirkung durch andere Psychopharmaka unterstützt oder verstärkt werden. Bei Psychosen kommen zum Einsatz:

  • Antipsychotika: Sie helfen gegen die psychotische Störung, indem sie den Dopaminüberschuss im Gehirn reduzieren. Sie reduzieren Symptome wie Wahn und Halluzinationen.
  • Benzodiazepam: wirksam bei Ängsten und starker Unruhe
  • Antidepressiva: gegen Depressionen bei affektiver Beteiligung
  • Stimmungsstabilisierer wie Lithium: für eine ausgeglichene Gemütslage bei bipolarer Störung

Gerade am Anfang der Therapie können Nebenwirkungen auftreten, die häufig wieder verschwinden. Diesbezüglich ist eine gute Aufklärung vonseiten des Arztes wichtig. Sehr gefährlich kann das eigenmächtige Absätzen von Psychopharmaka sein. Diese Medikamente müssen im Normalfall über lange Zeit ausgeschlichen werden. Bei einem zu abrupten Absetzen erhöht sich das Rückfallrisiko auf etwa 80 Prozent. Auch hierüber sollte der Betroffene ausführlich aufgeklärt werden.

Psychotherapie bei Psychose

Der zweite und sehr bedeutsame Pfeiler einer erfolgreichen Psychose-Therapie sind psychotherapeutische Maßnahmen. Sie helfen bei der Bewältigung der akuten Krankheitsphase und wirken sich auch langfristig positiv auf den Heilungserfolg aus. Hierbei lernt der Betroffene, mit Ängsten und negativen Gedanken umzugehen sowie mögliche Reize zu erkennen und auszuschalten.

Hilfreich können sein:

  • kognitive Verhaltenstherapie
  • Psychoedukation
  • stützende Psychotherapie
  • Ergotherapie
  • Entspannungsverfahren (Autogenes Training, progressive Muskelentspannung)
  • Familientherapie

Psychosoziale Hilfe und Stressreduktion

Der dritte Aspekt ist die Umsetzung der erlernten Maßnahmen im praktischen Leben. Dies entscheidet mit darüber, ob der Betroffene auf lange Sicht beschwerdefrei bleibt. Geeignete Maßnahmen sind

  • Teilnahme an Psychoedukationsgruppen
  • Einüben von Bewältigungsstrategien
  • Erkennen von Stressfaktoren und gezielte Reduktion von Stress

Auch die Mithilfe von Angehörigen, die in die Problematik eingeweiht sind, erhöht die Chancen auf eine langfristige Heilung.

Klinikeinweisung freiwillig oder unter Zwang möglich

In einigen Fällen sollten sich Betroffene ambulant oder stationär in Behandlung begeben. Eine Klinikeinweisung geschieht in vielen Fällen freiwillig und auf ausdrücklichen Wunsch des Erkrankten. Fehlt dem Betroffenen jedoch die Einsicht und stellt er eine Gefahr für sich oder andere dar, gibt es auch die Möglichkeit einer Zwangseinweisung. In diesem Fall darf der Patient allerdings nicht unbeschränkt in der Klinik festgehalten werden, sondern muss innerhalb von 24 Stunden von einem Arzt eingehend untersucht werden. Möchte er daraufhin nicht freiwillig in der Klinik bleiben, muss der Beschluss von einem Gericht bestätigt werden.

Verlauf und Heilungschancen bei Psychosen

Psychosen verlaufen häufig in Phasen. Zeiten mit akuten Beschwerden wechseln sich ab mit symptomfreien. Bei manchen Arten der Psychose kommt es immer wieder zu Rückfällen. Etwa 20 Prozent der Betroffenen erleben nur einmal in ihrem Leben eine Psychose und dann nie wieder.

Prognose und Heilungschancen sind bei Psychosen in erster Linie von der Ursache abhängig. Akute organisch bedingte Psychosen sind meist reversibel. Durch neue Medikationen dauert die Ausheilung heute nur noch einige Wochen bis wenige Monate. Chronische organische Psychosen schreiten hingegen meist voran und sind normalweise nicht vollständig heilbar. Durch geeignete Therapiemaßnahmen können sich die Symptome aber deutlich bessern.

Stadien und Prognose nichtorganischer Psychosen

Unter den nichtorganischen Störungen haben die affektiven Psychosen tendenziell eine bessere Prognose als die Schizophrenien. Der Behandlungserfolg hängt aber vor allem vom Stadium der Erkrankung ab. Je früher der Behandlungsbeginn, desto besser die Heilungschancen.

Unterschieden werden folgende Stadien:

  • Prodromalphase: Phase mit ersten psychischen Veränderungen, die häufig zwei bis fünf Jahre andauert.
  • Phase der unbehandelten Psychose: Auftreten psychotischer Symptome bis zum Behandlungsbeginn.
  • Akutphase: Die Psychose kommt vollständig zum Ausbruch mit akuten Wahnvorstellungen und Denkstörungen.
  • Langzeitphase: Verschwinden akuter Symptome und Stabilisierung. In dieser Phase sind Rückfälle in die Akutphase häufig.

Suizid: gefährlichste Komplikation bei Psychosen  

Menschen mit psychotischen Störungen werden häufig als aggressiv und gefährlich dargestellt. Meistens sind sie jedoch in erster Linie eine Gefahr für sich selber. Eine häufige Komplikation bei psychischen Störungen ist der Selbstmord. Jeder zehnte Suizid geht auf eine zugrundeliegende Psychose zurück. Das ergab eine Studie aus dem Jahr 2012 in Ontario, Kanada, die die Vorgeschichte von Menschen, die sich das Leben nahmen, genauer untersuchte.

Psychose-Rückfall: Frühwarnzeichen erkennen

Es gibt einige Frühwarnzeichen, die insbesondere bei Menschen, die schon einmal wegen einer Psychose in Behandlung waren, auf ein erneutes Auftreten hindeuten können. Je schneller ein Rückfall erkannt und richtig therapiert wird, desto besser ist er in den Griff zu bekommen.

Insbesondere auf folgende Warnzeichen sollten Betroffene und deren Angehörige achten:

  • Nervosität, Unruhe, erhöhte Reizbarkeit
  • geringe Belastbarkeit in Stresssituationen
  • Schlafstörungen, akuter Schlafmangel
  • gesteigerte Sensibilität, Geräusch- oder Lichtempfindlichkeit
  • depressive Verstimmungen
  • starke Stimmungsschwankungen
  • mangelnder Appetit
  • verstärkter Konsum von Alkohol oder Drogen
  • Konzentrationsprobleme
  • Vernachlässigung des eigenen Äußeren
  • sozialer Rückzug, Vernachlässigung von sozialen Kontakten
  • Wahrnehmungen, die andere Menschen nicht bemerken
  • plötzliche Veränderung von Interessen, insbesondere für religiöse und mystische Dinge

Vorbeugen? Psychosen lassen sich kaum vermeiden

Dem erstmaligen Auftreten einer Psychose lässt sich schwer vorbeugen, da sich nicht voraussehen lässt, welche Ursachen oder Ereignisse sie auslösen könnten. Viele Faktoren wie Unfälle oder Lebenskrisen lassen sich zudem nicht vermeiden. Die meisten Menschen wissen außerdem nicht, ob sie eine psychotische Veranlagung haben. Grundsätzlich kann ein maßvoller, gesunder Lebensstil und der Verzicht auf übermäßigen Alkoholgenuss und Drogen aber als sinnvolle Vorsorgemaßnahme für den Erhalt der psychischen Gesundheit angesehen werden.

Besonders aufmerksam sollten Eltern bei ihren Kindern sein, wenn in der Familie Schizophrenie oder andere psychotische Störungen bekannt sind, insbesondere bei nahen Verwandten.

Hilfe und Selbsthilfe

Kompetente Hilfe und Adressen für Selbsthilfegruppen erhalten Betroffene und deren Angehörige hier:

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