Affektive Störung

Manie: Übertriebene Super-Laune und Unruhe

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Bei einer Manie sind Betroffene in übersteigerter Hochstimmung und schlafen kaum. Sie fangen 1.000 Dinge an, ohne sie zu beenden. Oft geben sie viel Geld aus und sind sexuell sehr aktiv. Krank fühlen sie sich nicht. Warum manisch erkrankte Menschen für ihr Umfeld eine große Belastung sein können.

Manie: Frau in Hochstimmung

Eine Manie ist eine psychische Erkrankung aus dem Bereich der affektiven Störungen, also eine Störung des Gefühlserlebens.

Artikelinhalte im Überblick:

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Manie ist meistens eine Phase

Eine Manie tritt meist in Phasen auf. Ohne wirklichen Grund fühlen sich Betroffene extrem hochgestimmt, sind rastlos und überaktiv. Sie reden sehr viel und schnell, entwickeln ständig neue Pläne, die sie anschließend wieder vergessen, und schlafen kaum. In solchen Phasen geben Betroffene häufig mehr Geld aus, als ihr Budget hergibt, und verursachen deshalb hohe Schulden. Gleichzeitig haben viele Betroffene während einer manischen Phase ein großes sexuelles Verlangen und fühlen sich überaus attraktiv.

Meist wechselt sich die Manie mit Depressionen ab. Betroffene schwanken zwischen der übermäßigen Hochstimmung der Manie und der Antriebslosigkeit der Depression. Das Krankheitsbild nennt sich bipolare Störung (früher: manisch-depressive Erkrankung). Etwa drei Prozent aller Europäer erleben im Laufe ihres Lebens eine Manie. Eine Hypomanie ist eine leichtere Form der Manie mit weniger auffälligen Symptomen.

Mögliche Ursachen für eine Manie

Warum genau manche Menschen an einer Manie erkranken, ist unklar. Offenbar spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle. Doch auch das soziale Umfeld und Lebenserfahrungen sind entscheidend. Manche Faktoren erhöhen das Risiko, eine Manie zu erleiden:

  • Drogenmissbrauch (etwa Ecstasy, Kokain, Alkohol und Amphetamine)
  • Gehäuftes Vorkommen affektiver Störungen in der Familie
  • Häufige Stimmungsschwankungen
  • Frühes Erkranken an einer Depression
  • Einnehmen von Depressiva
  • Das Zusammenspiel verschiedener Krankheiten und deren Behandlung bei hochbetagten, gebrechlichen Menschen

Uneinig sind sich Experten, ob ADHS in der Kindheit das Risiko erhöht, an einer Manie zu erkranken.

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Symptome: Das passiert in einer manischen Phase

Krank fühlen sich Betroffene in einer manischen Phase nicht, ganz im Gegenteil. Sie erleben eine extreme Hochstimmung, sind sehr erregt und überschätzen sich selbst maßlos (Größenwahn). Das führt häufig dazu, dass Betroffene Risiken nicht mehr erkennen und sich dadurch selbst in Gefahr bringen. Manche Erkrankte glauben sogar, dass sie von einer Brücke oder einem Dach fliegen können.

Manische Menschen verlieren oft das Gefühl für Nähe und Distanz, fühlen sich extrem attraktiv und bekommen dadurch soziale Probleme. Da die Libido gesteigert ist, sind viele Betroffene sexuell sehr aktiv. Erkrankte können keine Minute ruhig sitzenbleiben. Sie verhalten sich rastlos und benötigen kaum Schlaf. Wenn ihnen jemand widerspricht, werden sie schnell aggressiv.

Auf der Höhe einer Manie können Betroffene Wahnideen entwickeln. Sie sprechen schnell und unverständlich und geraten häufig in eine starke Erregung. Diese kann sich auch durch Gewalt äußern. Wenn die Manie besonders ausgeprägt ist, können psychotische Symptome auftreten:

  • Denkstörungen
  • Wahnvorstellungen
  • Halluzinationen (Hören, Sehen oder Fühlen von etwas, das nicht vorhanden ist)

Bei einer Manie sind diese Symptome jedoch kürzer als bei anderen psychischen Erkrankungen. Wenn die manische Phase vorbei ist, erkennen die Betroffenen ihr vorheriges Fehlverhalten. Sie schämen sich furchtbar dafür und versuchen, durch Entschuldigungen oder Wiedergutmachung den Schaden zu beheben.

Sehr häufig geht eine Manie oder bipolare Störung mit einer Angst- oder Zwangsstörung, Substanzmissbrauch, Persönlichkeitsstörung, Essstörung oder Schwierigkeiten bei der Impulskontrolle einher. Gleichzeitig leiden Menschen mit einer Manie überdurchschnittlich oft an Herzkrankheiten, Migräne oder Diabetes mellitus Typ 2.

Da die meisten Betroffenen jedoch nicht finden, dass sie krank sind, meiden sie Arztbesuche. Dadurch dauert es oft viele Jahre, bis die Krankheit diagnostiziert wird und Betroffene Hilfe bekommen. In vielen Fällen nehmen sie ihre Krankheit erst dann als solche wahr, wenn sie große Schulden angehäuft, ihren Arbeitsplatz oder Partner verloren haben oder Angehörige über eine gerichtlich bestimmte Betreuung diskutieren.


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Manie: Diagnose mit verschiedenen Tests

Zuerst wird sich der Arzt in einem ausführlichen Gespräch die Probleme schildern lassen. Mit Tests kontrolliert er, wie stark sich der Erkrankte konzentrieren kann, wie gut Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistung sind. Für die Fähigkeit zu sozialen Interaktionen gibt es ebenfalls standardisierte Tests.

Gleichzeitig muss der Arzt ausschließen, dass die Symptome von anderen Erkrankungen herrühren, etwa von Epilepsie, multipler Sklerose oder einer HIV-Infektion. Auch Schilddrüsenerkrankungen können zu einer übermäßig gesteigerten Stimmung führen. Deshalb lässt der Arzt ein Differenentialblutbild erstellen, unter anderem mit den Werten für TSH (Hormone der Schilddrüse) und CRP (Eiweißkörper, die bei Entzündungen erhöht sind).

Außerdem sind folgende Werte wichtig:

Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT sowie ein EEG können weitere organisch bedingte Ursachen für eine Manie ausschließen.

Um die Krankheit möglichst sicher einschätzen zu können, bittet der Arzt den Betroffenen, ein Stimmungstagebuch zu führen. Dort soll er jeden Abend eintragen, wie er sich fühlt, wie gut er geschlafen hat, was er an diesem Tag gemacht hat, ob er Medikamente genommen hat und ob ihn etwas gestresst hat. Das kann entweder auf Papier oder über eine App am Computer oder Smartphone erfolgen. Gleichzeitig soll der Betroffene dadurch lernen, sich selbst besser einzuschätzen und auf erste Krankheitszeichen frühzeitig zu reagieren.

Manie mit Medikamenten und Psychotherapie behandeln

Um die Manie zu behandeln, kombiniert der Arzt in der Regel Medikamente mit einer Psychotherapie. Auch eine Lichttherapie oder eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) können eingesetzt werden. Kurzfristig gilt es, die akuten Symptome in den Griff zu bekommen. Vor allem soll der Erkrankte in der Lage sein, seinen Alltag zu bewältigen und ohne Probleme mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren. Langfristig ist das Ziel, weitere manische Anfälle zu verhindern. Diese Ziele werden gemeinsam von Arzt und Erkranktem im Detail festgelegt. Wichtig ist, dass der Erkrankte Vertrauen zu seinem Arzt entwickelt.

Oft werden auch Angehörige oder enge Bezugspersonen in die Behandlung einbezogen. Je nach Schwere der Symptome und sozialem Umfeld kann eine Behandlung stationär in einer psychiatrischen Einrichtung, teilstationär (also nur tagsüber) oder ambulant an einzelnen Terminen erfolgen. Selbsthilfegruppen können oft langfristig helfen. Künstlerische Therapien, Sport oder Ergotherapie bieten Erkrankten die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln und Selbstbewusstsein aufzubauen.

Als Medikamente werden eingesetzt:

  • Antidepressiva
  • Neuroleptika
  • Lithium
  • Antiepileptika

Teilweise haben die Medikamente jedoch Nebenwirkungen wie Gewichtsveränderungen oder Veränderungen des Blutbilds oder Hormonhaushalts. Auch Funktionseinschränkungen der Nieren oder Herzprobleme können auftreten. Deshalb ist eine engmaschige ärztliche Überwachung nötig.

Bei der Psychotherapie geht es um die Einsicht in die Krankheit und das Erlernen und Möglichkeiten, frühzeitig auf Symptome zu reagieren. Gleichzeitig hilft Betroffenen eine feste Tagesstruktur, etwa durch einen Tages- und Wochenplan. Entspannungstechniken können dazu beitragen, in belastenden Situationen ruhig zu bleiben und Stress abzubauen. Positiv empfinden viele Betroffene feste Regeln wie beispielsweise: vor einem Kauf 24 Stunden abzuwarten.

Wie lange dauert eine Manie?

Eine Manie entwickelt sich meistens langsam über mehrere Tage hinweg und hält unterschiedlich lange an. Wie schnell ein Erkrankter auf die Behandlung reagiert und ob die Phasen nur abgemildert oder ganz gestoppt werden, hängt von vielen Faktoren ab. Je früher sich jemand Hilfe sucht, desto besser sind die Heilungschancen. Auch das Umfeld spielt eine wichtige Rolle: Wird ein Erkrankter von einem verständnisvollen Umfeld aufgefangen und unterstützt, verleiht ihm das Stabilität. Weitere psychische oder körperliche Krankheiten erschweren die Therapie.

Wer an einer Manie leidet, hat ein hohes Rückfallrisiko. Besonders groß ist die Gefahr eines Rückfalls, wenn die verschiedenen Phasen einer bipolaren Störung rasch aufeinander folgen. Auch wenn die Krankheit sehr früh auftritt, etwa schon im jugendlichen Alter, steigt das Risiko eines chronischen Verlaufs. Kommen belastende Ereignisse dazu, kann das die Heilungschancen verringern. Manche Erkrankte leiden für den Rest ihres Lebens immer wieder unter manischen Phasen. Andere führen nach der Therapie ein beschwerdefreies Leben.

Manie: So kann man ihr vorbeugen

Ein regelmäßiger Lebenswandel mit ausreichend Schlaf und viel Bewegung hilft, psychische Erkrankungen zu vermeiden. Kinder, deren Eltern an psychischen Erkrankungen leiden, sollten bei der Behandlung mit einbezogen werden. Denn die Gefahr, dass sie selbst eine psychische Krankheit entwickeln, ist groß.

Wer bereits in seiner Jugend über einen längeren Zeitraum hinweg sehr schlecht schläft, sollte sich ebenfalls Hilfe holen. Übergroße Ängste können Zeichen einer psychischen Erkrankung sein. Eltern können mit einem zugewandten und wertschätzenden Umgang viel Positives bewirken. Kindern und Jugendlichen hilft es auch, über Gefühle zu sprechen und dadurch zu lernen, mit verschiedenen Gefühlen umzugehen.

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