Anzeichen und Hilfe

Pornosucht: Erkennen und überwinden

Pornosucht ist ein Tabuthema – dabei betrifft sie weltweit immer mehr Menschen. Der Drang nach sexuellen Inhalten kann für Betroffene zu einem hohen Leidensdruck führen und schwere Folgen nach sich ziehen. Ab wann ist der Konsum von pornographischen Inhalten bedenklich und was können Betroffene tun, um ihre Pornosucht zu überwinden?

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© Getty Images/Marcos Calvo (Symbolbild)

Kurzübersicht: Pornosucht

Wann spricht man von Pornosucht? Von einer Sucht sprechen Fachleute, wenn ein Leidensdruck besteht. Hat der Konsum negative Konsequenzen und schafft man es dennoch nicht, das Verhalten zu ändern, besteht eine Abhängigkeit.

Was tun? Wichtig ist zunächst das eigene Verhalten zu reflektieren. Im Rahmen der Behandlung empfiehlt es sich, Unterstützung durch nahestehende Menschen oder Selbsthilfegruppen zu holen und/oder eine Psychotherapie zu machen. Mit professioneller Begleitung fällt es vielen oft leichter, die Ursachen für die Sucht zu verstehen und hilfreiche Strategien und Methoden zu entwickeln.

Artikelinhalte im Überblick:

Sexsucht: Anzeichen und Folgen

Was ist Pornosucht?

Pornosucht war lange eine Randerscheinung, heutzutage ist sie eine ernstzunehmende Erkrankung und weit verbreitet. In Deutschland sind geschätzt 500.000 Personen betroffen. Die Dunkelziffer ist wesentlich höher, denn die Thematik ist bei den meisten mit Scham behaftet. Laut anderen Schätzungen sollen 5 Prozent der Männer in Deutschland pornosüchtig sein. Frauen können jedoch genauso an der Krankheit leiden.

Pornosucht zählt wie Sexsucht zu den sexuellen Störungen und ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 2018 als Krankheit anerkannt.

Ab wann eine Pornosucht vorliegt

43 Prozent der Personen, die das Internet nutzen, schauen sich Pornos an. Für den Großteil gehören Sexfilme sowie pornographische Bilder zum Alltag, ohne dass eine Abhängigkeit vorliegt. Wer Pornos schaut, ist nicht automatisch süchtig.

Eine Sucht besteht erst dann, wenn ein Leidensdruck vorliegt: Abhängige konsumieren sexuelle Inhalte zwanghaft und in immer größeren Mengen. Sie blenden aus, dass ihr Verhalten negative Folgen und Probleme nach sich zieht, oder haben das Gefühl, nicht anders handeln zu können (Kontrollverlust) und leiden oftmals darunter.

Pornosucht: Welche Ursachen hat sie?

Dass immer mehr Männer und Frauen süchtig nach Pornos sind, hat verschiedene Ursachen. Ein Grund ist die Digitalisierung: Noch nie war es einfacher, sexuelle Medien zu konsumieren. 25 bis 30 Prozent der Inhalte im Internet sind pornographisch. Durch das Smartphone sind Pornovideos und sexuelle Bilder zu jeder Zeit und an nahezu jedem Ort verfügbar – auf vielen Seiten kostenlos.

Pornographische Inhalte haben ein großes Potenzial, abhängig zu machen. Aus einem gelegentlichen Konsum kann mitunter schnell eine Gewohnheit und schließlich eine Sucht werden. Das hat sowohl neurologische, psychologische als auch persönliche Gründe:

  • Neurologische Gründe: Pornos aktivieren das Belohnungszentrum im Gehirn. Beim Anschauen der Sexfilme werden Dopamin und andere Neurotransmitter wie Serotonin freigesetzt, die für ein angenehmes Gefühl sorgen. Je häufiger sexuelle Videos und Bilder konsumiert werden, desto schneller wird immer weiteres stimulierendes Material benötigt, um den gleichen Effekt zu erzielen. Fachleute sprechen hier von einer Toleranzentwicklung.

  • Psychologische Faktoren: Viele nutzen sexuelle Inhalte als Bewältigungsstrategie für Stress, Angst, Einsamkeit oder Depressionen. Während des Pornokonsums können sie negative Gedanken und Gefühle für einen Moment vergessen beziehungsweise kompensieren. Der Rausch ist allerdings nur von kurzer Dauer und es entwickelt sich ein Suchtzyklus.

  • Persönliche Gründe: Es wird vermutet, dass Männer und Frauen mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen wie einem niedrigen Selbstwertgefühl eher betroffen sind. Andere entwickeln eine Pornosucht, weil sie keine (emotionale) Stabilität in ihrer Beziehung finden oder ihr Sexleben als unbefriedigend erleben. Suchtgefährdet können zudem Menschen sein, die in ihrer Kindheit sexuelle Übergriffe erlebt haben oder deren Eltern an einer Sucht litten. Auch wer seine Sexualität aus religiösen Gründen nicht ausleben darf, kann sich Ersatz in Form von Pornographie suchen und süchtig werden.

Generell handelt es sich um eine sehr komplexe Störung, die von vielen Faktoren abhängig ist und in der Regel aus einer Kombination verschiedener Ursachen entsteht.

Wie lässt sich Pornosucht erkennen?

Die Symptome einer Pornosucht können variieren. Zu den möglichen Anzeichen zählen unter anderem:

  • Sexuelle Fantasien bestimmen den Alltag. Man hat immer weniger Lust, Hobbys oder anderen Interessen nachzugehen.

  • Es besteht ein starkes, andauerndes Verlangen nach Pornographie, das Einfluss auf das tägliche Leben sowie die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Partnerschaft nimmt.

  • Obwohl der Alltag, die Beziehung und/oder die Gesundheit leidet, scheint es unmöglich, den Pornokonsum zu reduzieren beziehungsweise das Verhalten zu kontrollieren.

  • Es liegt eine erhöhte Toleranz gegenüber Pornographie vor. Man muss immer intensivere und/oder ungewöhnlichere sexuelle Inhalte konsumieren, um Befriedigung und/oder Erregung zu erleben.

  • Sexuelle Kontakte mit anderen Personen, etwa der Partnerin oder dem Partner, werden als unbefriedigend erlebt und verlieren an Reiz.

So wie bei anderen Süchten, etwa Alkoholsucht, ist der Übergang von gelegentlichem Konsum und Abhängigkeit fließend. Oftmals handelt es sich um einen jahrelangen Prozess, der häufig verzerrt wahrgenommen und aus Scham verleugnet wird.

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Selbsttest
Pornosucht-Test: Bin ich pornosüchtig?

Pornosucht entwickelt sich in der Regel schleichend. Aus einem gelegentlichen Konsum wird nach und nach eine Gewohnheit und schließlich eine Sucht. Pornos können schnell abhängig machen. In Deutschland sind etwa eine halbe Million Menschen pornosüchtig, die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Glauben Sie, von der Krankheit betroffen zu sein? Machen Sie den Test und finden Sie es heraus!

Auswirkungen und Folgen von Pornosucht

Je häufiger Pornos konsumiert werden, desto mehr können sie das sexuelle Verlangen, das Verhalten und die sexuellen Fantasien einer Person beeinflussen. Bei einigen Frauen und Männern wirkt sich dies auch auf die körperliche und psychische Gesundheit aus. Möglich sind:

Verschiedene Studien zeigte zudem, dass häufiges Konsumieren von Pornographie bei Männern zu Erektionsstörungen und Impotenz führen kann. Auch Frauen, die häufig Pornos schauen, können Sex mit einem anderen Menschen möglicherweise weniger genießen, der Orgasmus verzögert sich oder bleibt aus.

Behandlung: Was tun gegen Pornosucht?

So wie andere Süchte ist auch die Abhängigkeit von sexuellen Medien eine ernste Angelegenheit, die nicht von heute auf morgen behandelt werden kann, sondern Zeit und Ausdauer braucht. Die Behandlung einer Pornosucht kann je nach Schweregrad und persönlichen Bedürfnissen variieren. Allgemeine Schritte zur Suchtbewältigung sind jedoch:

  • Pornosucht erkennen: Der erste Schritt ist, die Sucht als solche wahrzunehmen. Betroffene sollten sich darüber im Klaren sein, dass ihr Verhalten negative Konsequenzen für sie und ihr Umfeld hat.

  • Informieren: Um die Ursachen für Pornosucht und das eigene Verhalten begreifen zu können, sollte man sich über die Thematik informieren. Inzwischen gibt es zahlreiche Bücher, die sich ausführlich mit Pornosucht auseinandersetzen.

  • Internetzugang einschränken: Wie bei einer Alkoholsucht gilt es auch bei einer Pornoabhängigkeit, das Suchtmittel zu meiden. Manchen Betroffenen hilft es, ihren Internetzugang durch Filter oder Apps einzuschränken, damit sie keinen Zugriff mehr auf pornographische Inhalte haben.

  • Unterstützung suchen: Bei der Bewältigung kann es hilfreich sein, Unterstützung von nahestehenden Menschen oder Selbsthilfegruppen in Anspruch zu nehmen. Das Gefühl, nicht allein mit der Krankheit zu sein, kann trösten und Kraft spenden.

  • Bewältigungsstrategien entwickeln: Im Gespräch mit einer Sexualtherapeutin oder einem Psychotherapeuten können Betroffene den Ursachen ihrer Pornosucht auf den Grund gehen und entsprechende Strategien entwickeln, um ihr Verhalten zu ändern. Viele verspüren in bestimmten Momenten einen besonderen Drang nach Pornographie. Das kann etwa Stress, Langeweile oder das Gefühl von Einsamkeit sein. Derartige Trigger gilt es aufzudecken und alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

  • Selbstwertgefühl steigern: Beim Versuch, die Pornosucht loszuwerden, kann sich zunächst ein Gefühl der Leere einstellen. Dies ist normal und verständlich, denn das Suchtmittel hat lange als einziger Belohnungsfaktor im Alltag funktioniert. In der Abstinenz kann es helfen, sich wieder auf die alten Talente und sozialen Kontakte zu konzentrieren und/oder ganz neue Hobbys zu entdecken, die das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl steigern.

  • Entspannungstechniken erlernen: Pornosucht verursacht häufig Stress und innere Unruhe. Verschiedene Entspannungsverfahren wie Yoga, Meditation, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können dabei helfen, innere Druck abzulassen und zur Ruhe zu kommen.

Fachleuten zufolge ist Pornosucht heilbar, es muss jedoch mit Rückfällen gerechnet werden. Schleichen sich alte Muster wieder ein, sollte man dies nicht als Niederlage, sondern als Lerneffekt begreifen. Der Weg aus der Pornosucht folgt keiner geraden Linie, sondern hat Höhen und Tiefen.

Erste Hilfe gegen die Pornosucht

Obwohl die Erkrankung mehr in den öffentlichen Fokus gerückt ist, scheuen sich die meisten Leute, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ohne Unterstützung ist der Weg aus der Pornosucht allerdings sehr schwer. Viele verleugnen ihr Problem lange und setzen sich dadurch einem hohen Leidensdruck aus, der nicht selten die psychische Gesundheit und die Beziehung gefährdet. Auch Angehörige, etwa die Partnerin oder der Partner, leiden dann mitunter sehr.

Wer sich betroffen fühlt, kann sich zunächst an eine hausärztliche Praxis oder alternativ an jede Suchtberatungsstelle vor Ort wenden. Zudem gibt es zahlreiche Internetseiten, Portale und Foren, in denen sich Süchtige und Angehörige (auch anonym) Hilfe suchen und untereinander austauschen können. Das Gespräch mit anderen kann die Krankheit enttabuisieren und Halt geben.

Hilfe gibt es zum Beispiel hier:

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