Tipps bei Schlafproblemen

Rezeptpflichtige Schlaftabletten richtig anwenden

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Patienten sollten verschreibungspflichtige Schlaftabletten grundsätzlich nur unter ärztlicher Aufsicht und über einen begrenzten Zeitraum einnehmen. Beachtet man einige Grundregeln, können die Arzneimittel als effektive Hilfe bei belastenden Schlafproblemen genutzt werden.

Frau nimmt Schlaftabletten ein
© Getty Images/MICROGEN IMAGES/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Rund zehn Prozent der Deutschen leiden an Schlafstörungen. Sie schlafen erst nach Stunden ein, können nicht durchschlafen oder wachen viel zu früh auf. Sind die Schlafstörungen besonders stark und versagen pflanzliche Schlafmittel, können chemische Schlaftabletten verschrieben werden.

Artikelinhalte im Überblick:

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Schlaftabletten – ihre Wirkung im Überblick

Verschreibungspflichtige Schlaftabletten wirken vor allem im Gehirn. Je nach Substanz fördern sie allgemein die Schlafbereitschaft, wirken zügig und nur für wenige Stunden und erleichtern damit das Einschlafen. Oder sie wirken länger und ermöglichen Betroffenen mit Schlafstörungen damit, durchzuschlafen.

Ziel jeder Behandlung mit verschreibungspflichtigen Schlaftabletten sollte in erster Linie erholsamer und somit gesunder Schlaf sein. Daneben ermöglichen diese Medikamente auch, die Angst vor dem Nichteinschlafenkönnen zu nehmen, was viele Menschen mit Schlafstörungen zusätzlich belastet und häufig in einen Teufelskreis führt.

Oft verschriebene Wirkstoffe

Die folgenden Wirkstoff-Gruppen werden bei Schlafstörungen besonders häufig verschrieben.

Benzodiazepine als Schlaftabletten

Benzodiazepine sind Psychopharmaka, die schlaffördernd wirken, die Muskeln entspannen und Ängste nehmen. Die Schlafbereitschaft erhöht sich bereits mit der ersten Tablette. Gegen Schlafstörungen besonders häufig verschrieben werden Benzodiazepine mit diesen Wirkstoffen:

  • Flurazepam
  • Nitrazepam
  • Temazepam
  • Triazolam

Der Wirkstoff Tetrazepam, der ebenfalls zur Gruppe der Benzodiazepine zählt, darf seit 2013 nicht mehr verschrieben werden, weil er starke Nebenwirkungen hervorrufen kann. Zudem bergen Benzodiazepine ein relativ hohes Suchtpotenzial.

Schlaftabletten, die ähnlich wie Benzodiazepin wirken

Dabei handelt es sich um eine neue Substanzgruppe, die zwar ähnlich wie Benzodiazepine wirkt, jedoch ein wesentlich geringeres Abhängigkeitsrisiko aufweist. Sie werden deshalb auch Nicht-Benzodiazepin-Agonisten genannt. Die entsprechenden Wirkstoffe heißen

  • Zolpidem
  • Zopiclon
  • Zaleplon

Diese Schlaftabletten wirken vor allem schlafanstoßend, jedoch weniger gegen Krämpfe und Ängste (wie die echten Benzodiazepine). Nicht-Benzodiazepin-Agonisten gelten als ideal für die Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen.

Neuroleptika als Schlaftabletten

Das sind in erster Linie hochwirksame Medikamente gegen Epilepsie, die jedoch zusätzlich müde machen. Neuroleptika werden nur in Ausnahmefällen gegen Schlafstörungen verschrieben. Sie können starke Nebenwirkungen auslösen, etwa Bewegungsstörungen. Allerdings machen sie im Gegensatz zu Benzodiazepinen nicht abhängig.

Antidepressiva als Schlaftabletten

Manche Mittel gegen Depressionen machen eher fröhlicher, andere dämpfen Ängste, fördern die Entspannung und den Schlaf. Letztere werden auch als Schlafmittel verschrieben. Geeignete Wirkstoffe sind:

Weil bei Antidepressiva so gut wie keine Suchtgefahr besteht, werden diese Medikamente als Schlaftabletten gerne zur langfristigen Behandlung von Schlafstörungen verschrieben.

Antihistaminika als Schlaftabletten

Die erste Generation der Antihistaminika gegen Allergie-Symptome hatte eine typische Nebenwirkung: Sie machten müde. Deshalb raten Ärzt*innen auch bei Schlafstörungen manchmal zu diesen Wirkstoffen. Sie haben den Vorteil, nicht abhängig zu machen. Häufig verwendete Wirkstoffe gegen Schlafstörungen sind hier etwa:

  • Diphenhydramin
  • Doxylamin
  • Meclozin
  • Promethazin

Barbiturate als Schlaftabletten

Diese früher klassischen Schlaf- und Beruhigungsmittel werden wegen ihrer hohen Suchtgefahr bei Schlafstörungen nicht mehr verschrieben. Der Name stammt von der Barbitursäure, die für die Medikamente verwendet wird. Barbiturate werden heute nur noch kurzfristig bei Epilepsie verordnet.

Schlaftabletten – die Nebenwirkungen

Schlaftabletten haben jedoch häufig auch Nebenwirkungen. Je nach Substanz können folgende unerwünschten Effekte auftreten:

Patient*innen, die Schlaftabletten einnehmen, müssen außerdem bedenken: Die Medikamente senken die mentale und körperliche Leistungsfähigkeit. Die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr und im Beruf lässt nach. Es ist also sinnvoll, etwa aufs Autofahren zu verzichten.

Schlaftabletten und Sucht

Die gefährlichste Nebenwirkung ist jedoch die Abhängigkeit. Unter den medikamentenbezogenen Abhängigkeiten steht Schlaftabletten-Sucht sehr weit vorne. Besonders gefährlich in diesem Zusammenhang sind die Benzodiazepine: Länger als ein bis vier Wochen sollten diese hochwirksamen Psychopharmaka nicht eingenommen werden. Zudem gilt es, sich streng an die ärztlich verordnete Dosierung zu halten.

Außerdem büßen Benzodiazepine bei längerer Anwendung etwas von ihrer Wirkung ein. Wenn Patient*innen dann gegen die ärztliche Anweisung die Dosis steigern, ist Abhängigkeit so gut wie garantiert. Am wichtigsten ist es dann, möglichst rasch mit dem*der behandelnden Arzt*Ärztin zu sprechen und einen langsamen Entzug durchzuführen.

Schlaftabletten: Bei Absetzen droht Rebound

Hat man verschreibungspflichtige Schlaftabletten über längere Zeit eingenommen, sollten sie nur unter ärztlicher Aufsicht ganz allmählich abgesetzt werden, um unangenehme Symptome zu vermeiden. Denn lassen die von Schlafstörungen Geplagten das Mittel abrupt weg, ist eine sogenannte Absetz-Schlaflosigkeit möglich. Das heißt, die Schlaflosigkeit tritt sofort nach Absetzen der Tabletten wieder auf, häufig sogar verstärkt. Medizinisch spricht man vom Rebound-Effekt (vom englischen "rebound" für Rückfall).

Patient*innen benötigen etwa ein Zehntel der Einnahmezeit, um das Schlafmittel problemlos abzusetzen. Als grobe Faustregel gilt demnach: nach mehrwöchiger Einnahme langsames Absetzen der Tabletten über Tage, nach monatelanger Einnahme über Wochen und nach jahrelanger Einnahme über Monate.

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