Leipziger Life-Studie

Mehr Kinder mit Depressionen

Leipziger Forscher schlagen Alarm: Depressionen bei Kindern und Jugendlichen sind auf dem Vormarsch. Das ergab die sogenannte Life-Studie über Zivilisatonskrankheiten. Außerdem grassieren Vitamin-D-Mangel und Übergewicht, warnen die Wissenschaftler.

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Fast jedes zehnte Kind zwischen acht und 14 Jahren leidet an Depressionen.
iStock

Zunehmend junge Menschen haben psychische Probleme. „Bei Kindern und Jugendlichen sind Depressionen ein unterschätztes Problem“, schreiben die Wissenschaftler vom Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen (Life). Sie veröffentlichten kürzlich den zweiten Zwischenbericht der groß angelegten Studie, die seit 2011 läuft. Knapp zehn Prozent der bisher rund 500 untersuchten 8- bis 14-Jährigen wiesen demnach alle Kriterien einer aktuellen depressiven Störung auf.

Meist leben sie in einem sozial schwierigen Umfeld, bei einem Drittel sind etwa die Eltern depressiv. Auch Abhängigkeiten eines oder beider Elternteile belasten Kinder schwer. Bei den meisten Kindern und Jugendlichen stellten die Wissenschaftler zudem fest, dass die Blutkonzentration vom für den Knochenaufbau bedeutenden Vitamin D nach dem zweiten Lebensjahr deutlich unter den Empfehlungen liegt. Eine Ursache davon: Der Nachwuchs verbringt zu viel Freizeit am Computer und zu wenig an der frischen Luft.

Alterserkrankungen beginnen schon in den besten Jahren

Was die untersuchten Erwachsenen (etwa 4.200) angeht, leiden rund sechs Prozent von ihnen an Depressionen. Zugleich fanden die Forscher heraus, dass einige vermeintliche Altersleiden schon viel früher beginnen als angenommen. So wurden bei Probanden unter 50 Jahren nachweisbare Gefäßveränderungen (Plaques) gefunden, die als Vorboten einer späteren Koronaren Herzkrankheit gelten.

Zudem entdeckten die Life-Forscher an ihnen Netzhautveränderungen (Makuladegeneration), die bisher als reine Alterserkrankung galten. Erst vor kurzem kam eine andere Studie zu dem Schluss, dass Alzheimer schon rund 20 Jahre vor Ausbruch der Demenz Gehirnveränderungen hervorruft. Darüber hinaus stellten die Leipziger Wissenschaftler eine Zunahme von Allergien fest, vor allem durch die aus Amerika stammende Ambrosia.

Übergewicht: im Alter apfelförmig

Erstmals legten die Life-Forscher mit dem Zwischenbericht eine Untersuchung zum Schlafverhalten vor. Sie bestätigt die Theorie vom Schönheitsschlaf beim "schwachen Geschlecht": Männer schlafen netto sechs Stunden, Frauen 30 Minuten länger. Eine Auswertung des Essverhaltens zeigte ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Jede vierte Frau, aber nur halb so viele Männer regulieren die Nahrungsaufnahme, um ihr Gewicht zu halten.

Krankhaftes Übergewicht und Adipositas nehmen dennoch epidemische Ausmaße an. Mit zunehmendem Alter wächst der Anteil Übergewichtiger auf 80 Prozent und der fettsüchtiger Menschen auf fast ein Drittel. Im Laufe des Lebens verlagere sich das Fett, schreiben die Forscher: Die Figurform wandelt sich dann „von Birne zu Apfel“. Über ein Drittel der Studienteilnehmer bewegt sich laut dem Zwischenbericht zu wenig - dabei kann gerade Sport zahlreichen Zivilisationkrankheiten vorbeugen.

Die besten Tipps bei Depressionen

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Letzte Aktualisierung: 25. September 2013
Quellen: Mitteilung der Uni Leipzig zur Life-Studie: http://www.zv.uni-leipzig.de/service/presse/pressemeldungen.html?ifab_modus=detail&ifab_uid=4275f8974420130925160007&ifab_id=5135

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Kinder- und Jugendmedizin
    Kinder-Depressionen?
    02.01.2001 | 05:01 Uhr

    Mein Kind wird im Januar 7 Jahre alt und ich mache mir Sorgen, da sie in der letzten Zeit...   mehr...

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