Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt

Diagnose: So stellt der Arzt eine Depression fest

Jeder von uns ist manchmal in trüber Stimmung, traurig oder niedergeschlagen. Hält die depressive Stimmung mehr als zwei Wochen an, sollten Betroffene spätestens dann einen Arzt aufsuchen. Er stellt im Patientengespräch und mit Untersuchungen fest, ob es sich um eine Depression handelt, wie schwer diese ausgeprägt ist und schließt andere Erkrankungen aus.

Arztgespräch bei Depression
Für die Erstdiagnose bei einer Depression sollte sich der Arzt ausreichend Zeit nehmen und den Betroffenen über alle psychischen und körperlichen Beschwerden reden lassen.
© iStock.com/demaerre

Eine Depression ist für Ärzte mitunter nicht leicht zu erkennen. Es gibt keine Laborwerte, die eindeutige Hinweise auf diese psychische Erkrankung geben. Häufig gestehen sich Betroffene die psychischen Probleme nicht ein und haben Hemmungen, sich Hilfe zu suchen. Eine Depression ist jedoch eine Erkrankung, die ernst genommen werden muss. Aus der Depressionsspirale können sich Betroffene in der Regel nicht alleine befreien.

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Wer länger als zwei Wochen lang unter gedrückter Stimmung und Niedergeschlagenheit leidet und wenn sich die psychischen Beschwerden nicht von allein bessern, sollte spätestens dann zum Arzt gehen. Je früher eine Depression erkannt wird, desto besser kann den Betroffenen geholfen werden. Auch die langfristigen negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und das soziale Leben lassen sich bei einem frühzeitigen Erkennen der Erkrankung mindern. Die genaue Diagnose der Depression und deren Ausprägung ist zudem wichtig, um die bestmöglichen Behandlungsschritte festzulegen.

Wie der Arzt eine Depression diagnostiziert

Häufig ist der Hausarzt unbewusst der erste Anlaufpunkt für Betroffene. Zunächst geht es darum, eine Depression zu erkennen beziehungsweise als Ursache für körperliche und psychische Symptome überhaupt in Betracht zu ziehen.

In die Sprechstunde beim Hausarzt kommen Patienten nicht selten wegen verschiedenen unspezifischen Beschwerden. Sie klagen beispielsweise über erhöhte Müdigkeit, Schlafstörungen, Energieverlust, Verlust der Lebensfreude, Reizbarkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung, Gedächtnisstörungen oder Libidoverlust. Auch körperliche Symptome wie ein häufig beschleunigter Puls, Verdauungsbeschwerden, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Sehstörungen, Muskelverspannungen oder Nervenschmerzen können auf eine Depression hinweisen.

Bei der Schilderung solcher Symptome wird ein erfahrener Hausarzt hellhörig, auch wenn die Betroffenen selbst nicht von dem Verdacht auf eine psychische Erkrankung berichten.

Zwei-Fragen-Test

Mit einem einfachen Test können der Arzt und auch Laien zunächst feststellen, ob ein Mensch aktuell an einer Depression leidet. Dieser „Zwei-Fragen-Test“ wird als erste, grobe Diagnosemethode empfohlen, weil er mit recht hoher Wahrscheinlichkeit depressive von nicht-depressiven Menschen unterscheiden kann.

Die zwei Fragen des Testes lauten:

  1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?
  2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Wenn der Betroffene beide Fragen mit "Ja" beantwortet, so ist mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass eine Depression vorliegt.

Im nächsten Schritt sollte der Arzt entsprechend der aktuellen Leitlinie alle relevanten Haupt- und Nebensymtome einer Depression abfragen. Für die eindeutige Diagnose Depression müssen mindestens zwei Hauptsymptome und zwei Nebensymptome festgestellt werden. Unterschieden wird durch die Fragen auch, ob es sich um eine leichte, eine mittelschwere oder eine schwere Depression handelt.

Behandlung von Depressionen: Hilfen & Tipps

Das Gespräch mit dem Arzt

Um eine Depression richtig diagnostizieren zu können, sollte der Arzt eine gezielte Gesprächs- beziehungsweise Fragetechnik entwickeln und dem Betroffenen ausreichend Zeit geben, sich zu öffnen. Der Arzt stellt gezielte Fragen zu Lebensumständen wie der familiären und partnerschaftlichen Situation, zu seelischen Erkrankungen in der Familie, zu Arbeit und sozialen Aktivitäten und der finanziellen Situation. Und: Er lässt den Patienten sprechen, um herauszufinden, was diesem – auch spontan – wichtig ist und was er zunächst verschweigt.

Der Arzt wird auch nach einer Reihe konkreter psychischer Beschwerden fragen und wie stark sie ausgeprägt sind. Dafür nutzen Ärzte meistens standardisierte Fragebögen, wie beispielsweise den Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D).

Mögliche Fragen, die der Arzt im Patientengespräch stellt, sind zum Beispiel:

  • Haben Sie sich in den letzten zwei Wochen niedergeschlagen oder traurig gefühlt?
  • War Ihre Stimmung manchmal besser oder schlechter?
  • Haben Sie in der letzten Zeit das Interesse oder die Freude an ihrer Arbeit, ihrem Hobby oder an der verloren?
  • Hatten Sie in den letzten zwei Wochen fast ständig das Gefühl, zu nichts mehr Lust zu haben?
  • Fühlen Sie sich ständig müde und abgeschlagen?
  • Fällt es Ihnen schwer, die Aufgaben des Alltags wie gewohnt zu bewerkstelligen?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren?
  • Fühlen Sie sich so selbstsicher wie sonst?
  • Machen Sie sich häufig Selbstvorwürfe?
  • Fühlen Sie sich häufig schuldig für alles, was geschieht?
  • Sehen Sie die Zukunft schwärzer als sonst?
  • Haben Sie versucht, sich etwas anzutun?
  • Schlafen Sie mehr oder weniger als sonst?
  • Haben Sie zu- oder abgenommen?
  • Gibt es belastende Lebenssituationen wie hohen Stress oder den Verlust naher Angehöriger?

Andere Erkrankungen ausschließen

Auch, wenn die Auswertung der Antworten eine Reihe an Anzeichen für eine Depression ergeben hat, muss nicht unbedingt eine Depression vorliegen. Viele organische Erkrankungen können ähnliche Symptome hervorruhen oder depressive Störungen verursachen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Schilddrüsenüberfunktion und -unterfunktion
  • Nebennierenerkrankungen
  • Erkrankungen des Gehirns wie Hirntumore oder Hirnhautentzündungen
  • Morbus Parkinson
  • Multiple Sklerose
  • Migräne
  • Epilepsie

Körperliche Untersuchung

Deshalb sollten, vor allem bei erstmaliger Diagnose einer depressiven Störung, unter anderem die Schilddrüsenhormone, Elektrolyt-, Nieren- und Leberwerte überprüft werden. Falls erforderlich, können darüber hinaus ein EKG, ein EEG, eine Computertomographie (CT) oder eine Kernspintomographie (MRT) durchgeführt werden.

In der Anamnese wird der Arzt zudem nach regelmäßig eingenommenen Medikamenten, nach Alkohol- und Drogenkonsum fragen.

Ausgeschlossen werden sollten zudem andere psychische Störungen – beispielsweise Angststörungen, Schizophrenie, posttraumatische Belastungsstörungen oder Burnout sowie bei älteren Patienten Demenz. Diese treten bei depressiven Störungen häufig als weitere Erkrankungen auf.

Überweisung zum Facharzt

Die Klärung, ob eine Depression vorliegt, erfordert in der Regel einen entsprechend ausgebildeten Facharzt. Das kann ein Facharzt für Psychiatrie, ein Ärztlicher Psychotherapeut oder ein Psychologischer Psychotherapeut sein. Bei Betroffenen, die bereits an mehreren anderen psychischen und körperlichen Erkrankungen leiden oder bei älteren Patienten ist die Diagnose einer depressiven Störung erschwert, da bei ihnen sehr ähnliche Symptome wie bei einer Depression auftreten können.

Die Aufgaben des Spezialisten bestehen darin, körperliche Untersuchungen des Hausarztes und eventuell bestehende körperliche und psychische Begleiterkrankungen zu bewerten und eine weiterführende körperliche und psychiatrische Diagnostik durchzuführen oder zu veranlassen, damit die Depression genauer eingeordnet werden kann. Weitergehende Behandlungsschritte werden vom Facharzt häufig auch in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt geplant.

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