Therapie

Medikamentöse Behandlung der Depression

Insbesondere bei schwereren Fällen kann bei einer Depression die Gabe geeigneter Medikamente sinnvoll sein, um den Patienten zu stabilisieren und so eine günstige Basis für eine begleitende Psychotherapie zu schaffen.

Psychopharmaka - Tabletten für die Seele
Insbesondere bei schwereren Fällen kann bei einer Depression die Gabe geeigneter Medikamente sinnvoll sein.
(c) George Doyle

Keine andere Medikamentengruppe wird so kontrovers und emotional diskutiert wie Psychopharmaka, obwohl diese das Mittel der ersten Wahl bei vielen seelischen Erkrankungen sind. Viele Patienten fürchten sich insbesondere vor Nebenwirkungen, auch die Angst vor Abhängigkeit besteht. Fest steht allerdings: In vielen Fällen können Patienten von geeigneten Medikamenten, die neben stimmungsaufhellenden Effekten zum Beispiel auch angstlösend und antriebssteigernd wirken können, profitieren. Da sehr unterschiedliche Präparate zur Verfügung stehen, kann dabei auch die individuelle Verträglichkeit berücksichtig werden. Nicht zuletzt gibt es auch pflanzliche Wirkstoffe, die für ihren antidepressiven Effekt bekannt sind (z.B. Johanniskraut).

Ein kleiner Rückblick

Lange galten Menschen mit seelischen Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen als schwer therapierbar. Häufig mussten sie langjährige stationäre Behandlungen und drastische Therapien wie Elektroschocks über sich ergehen lassen. Schwere Nebenwirkungen wie Persönlichkeitsveränderungen oder Behinderungen waren keine Seltenheit.

1950 gelang es Forschern erstmals, ein Medikament für Schizophrenie zu entwickeln. Schnell folgten weitere Medikamente, die bei Erregungszuständen und Depressionen eingesetzt werden konnten. Plötzlich konnten Menschen, die gerade noch als hoffnungslose Fälle in psychiatrischen Einrichtungen verwahrt wurden, ein relativ normales Leben führen. Entsprechend groß war die Euphorie, doch schon bald wurden erste kritische Stimmen laut. Die meisten der damals verordneten Psychopharmaka hatten starke Nebenwirkungen, und obwohl bei modernen Präparaten viele der unerwünschten Begleiterscheinungen ausgeräumt werden konnten, bleibt bei vielen Patienten ein Rest Unsicherheit.

Wirkweise auf den Hirnstoffwechsel

Psychopharmaka wirken direkt im Gehirn, nämlich an den dicken Enden der Nervenzellen, den sogenannten Synapsen. Diese enthalten Bläschen mit Botenstoffen, die der Kommunikation zwischen Zellen dienen. Bei vielen psychischen Erkrankungen ist die Weiterleitung dieser Botenstoffe gestört. Psychopharmaka helfen dabei, sie wieder zu normalisieren und können auf diese Weise teils quälende Symptome lindern.

Auf diesem Wege können sie die Lebensqualität der Patienten verbessern und ihnen dabei helfen, einen möglichst normalen Alltag zu leben. Dennoch sollten Nutzen und Risiken aufgrund der möglichen Nebenwirkungen gründlich abgewogen werden.

Nebenwirkungen sind grundsätzlich möglich

Das Spektrum der Nebenwirkungen ist nicht zuletzt deswegen so groß, weil sich Psychopharmaka in unterschiedliche Obergruppen mit speziellem Wirkungsspektrum einteilen lassen. So unterscheiden sich die unerwünschten Nebenwirkungen zwischen Medikamentengruppen wie Antidepressiva, Neuroleptika und Tranquilizern sehr stark, doch auch innerhalb der Gruppen sind große Unterschiede möglich. Häufige Nebenwirkungen sind zum Beispiel Mundtrockenheit oder Müdigkeit. Da heute allerdings sehr viele Präparate zur Verfügung stehen, kann hier ggf. nach einem Therapieversuch auch auf ein anderes, verträglicheres Medikament gewechselt werden, so dass es durchaus die Möglichkeit, das individuell passende Präparat zu finden. In leichteren Fällen können auch gut verträgliche pflanzliche Antidepressiva wie Johanniskraut genutzt werden.

Besteht die Gefahr einer Abhängigkeit?

Antidepressiva müssen in der Regel über einen längeren Zeitraum von mehreren Monaten eingenommen werden. Allerdings besteht hier laut Experten nicht das Risiko einer Abhängigkeit. Wichtig ist allerdings in den meisten Fällen am Ende der Therapie eine schrittweise Reduzierung der Dosis („ausschleichen“), um mögliche Absetzreaktionen gering zu halten. Darüber hinaus ist eine begleitende Psychotherapie grundlegend, da sonst nach Absetzen des Medikaments die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall erhöht ist.

In der Gruppe der Tranquilizer zählen allerdings Benzodiazepine zu den Wirkstoffen, die schon nach wenigen Tagen körperlich und psychisch abhängig machen können. Hier sollte der Einsatz also nur sehr begrenzt und in Absprache mit dem Therapeuten erfolgen. 

Medikamente bei Depression als Hilfestellung

Generell gilt, dass Psychopharmaka Betroffenen ein großes Maß an Lebensqualität schenken können und ihnen dabei helfen, akute Situationen in den Griff zu bekommen. Dennoch sollten sie nicht die einzige Therapieform sein. Mindestens genauso wichtig ist eine begleitende psychotherapeutische Behandlung, um die Patienten dauerhaft zu stabilisieren und ihnen dabei zu helfen, mit schwierigen Situationen im Alltag besser umzugehen. Auch Alternativen wie Sport und Bewegung finden als begleitende Maßnahmen immer mehr Beachtung.

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Letzte Aktualisierung: 27. Januar 2012
Quellen: Stand: 21.12.2011

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