Alleinsein macht krank

Ist Einsamkeit so schädlich wie Rauchen?

Der "Deutsche Gesundheitsmonitor" warnt vor gesundheitlichen Folgen des Single-Daseins

Weihnachten und das neue Jahr stehen vor der Tür. Es ist die Zeit der inneren Einkehr und der guten Vorsätze, zum Beispiel mit dem Rauchen aufzuhören. Es ist aber auch die Zeit, in der das Alleinsein viele Menschen in besonderem Maße leiden lässt.

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An Weihnachten wird vielen Singles und Älteren die eigene Einsamkeit besonders bewusst.
iStock

Die gesundheitlichen Folgen des Rauchens sind inzwischen den meisten gut bekannt. Die Gesundheitsgefahren, die durch Einsamkeit drohen, sind dagegen für viele noch immer böhmische Dörfer. Ergebnisse der im Auftrag des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) durchgeführten repräsentativen Studie "Deutscher Gesundheitsmonitor des BAH" belegen jedoch, dass die Frage "Schadet Einsamkeit der Gesundheit mehr als Rauchen?" durchaus berechtigt ist.

Einsamkeit so ungesund wie Rauchen

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An dieser Stelle soll auf keinen Fall der Tabakkonsum verharmlost werden. Der vergleichende Blick auf das Rauchen, das unstreitig als ungesund einzustufen ist, dient allein der Veranschaulichung.

Denn noch nie lebten so viele Menschen alleine. Mittlerweile zählt das Statistische Bundesamt in Deutschland über 16 Millionen Ein-Personen-Haushalte – ein Anstieg um mehr als drei Millionen Haushalte innerhalb von 15 Jahren. Die fortschreitende Urbanisierung lässt die "Alten" auf dem Land zurück und bewirkt insgesamt eine Anonymisierung der Gesellschaft.

Das (Zusammen)-Leben der Menschen verändert sich dadurch radikal. Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der demografischen Entwicklung zeichnet sich ab, dass sich die soziale Integration zu einem bedeutenden Faktor in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in Deutschland entwickelt.

Alleinsein macht nicht nur zur Weihnachtszeit depressiv

Der Deutsche Gesundheitsmonitor des BAH belegt dabei: Tabakkonsum und das Erlangen von Nachbarschaftshilfe zeigen Übereinstimmungen bezüglich der objektivierten Gesundheit (Anzahl der Arztbesuche, Krankheitstage und vieles mehr). Hinsichtlich des subjektiven Gesundheits- und Wohlempfindens lässt sich feststellen, dass Menschen ohne soziale Bindung eine Tendenz zur depressiven Stimmung und eine generelle Lebensunzufriedenheit aufweisen.

Die gleiche Tendenz lässt sich auch bei Rauchern nachvollziehen. Menschen mit mangelnder sozialer Bindung gehen etwa ein Drittel häufiger zum Arzt, sind eher chronisch erkrankt und mehr als doppelt so häufig krank als Menschen, die ein stabiles soziales Umfeld vorweisen können.

Zutaten fürs Lebensglück

Bemerkenswert ist der Unterschied zwischen Rauchern und wenig sozial integrierten Menschen beim subjektiven Gesundheitsempfinden. Hier schneiden die Raucher trotz ihrer objektiven Risiken und Gefahren relativ besser ab als die Gruppe derer mit mangelnder sozialer Bindung. Der objektive Gesundheitszustand von Rauchern ist eindeutig schlecht, gleichzeitig weisen sie aber eine vergleichsweise bessere Lebenszufriedenheit und Stimmung auf. Hingegen nimmt die mangelnde soziale Integration einen größeren negativen Einfluss auf das Gesundheitsempfinden der Menschen.

Die Daten untermauern die berechtigte Annahme, dass Einsamkeit Menschen krank machen kann. Umso mehr hat die individuelle und persönliche Ansprache eines jeden Einzelnen, insbesondere im Alter und bei Krankheit, eine enorme Bedeutung. Soziale Integration ist ein hohes Gut und eine Säule der Gesundheit. Dem ist bei allen Maßnahmen im Gesundheitssystem und der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung Rechnung zu tragen – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Was ist der Deutsche Gesundheitsindex?

Der Deutsche Gesundheitsindex spiegelt regelmäßig die Antworten der deutschen Bevölkerung auf Fragen zu ihrer Gesundheit und ihrem allgemeinen Wohlbefinden wider. Der Deutsche Gesundheitsindex bildet das Kernstück des Deutschen Gesundheitsmonitors des BAH. Neben diesem Index werden im Rahmen dieses Monitors bei der Bevölkerung regelmäßig ihr Vertrauen in die Akteure des Gesundheitswesens sowie ihre Meinungen zu aktuellen Themen abgefragt.

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Autor:
Letzte Aktualisierung:04. Dezember 2014
Durch: sw
Quellen: Deutscher Gesundheitsminitor des BAH (Bundesverbands der Arzneimittelhersteller e.V.) 2014 (https://www.bah-bonn.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=4397&token=8c8d1187c5be9420306d8b4376e09c297ee344c0; Abruf 4.12.2014)

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