Herzinfarkt

Herzinfarkt bei Frauen: Andere Symptome, andere Behandlung

Zwischen dem Herz einer Frau und dem eines Mannes bestehen deutliche Unterschiede. So äußert sich auch ein Herzinfarkt bei Frauen anders als bei Männern. Bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Krankheiten werden diese Erkenntnisse jedoch noch zu wenig berücksichtigt.

Herzkranke Frauen brauchen eine andere Behandlung
Für herzkranke Frauen gelten besondere Behandlungs-Regeln
(c) Stockbyte

Kommt es zu einem Herzinfarkt, so macht sich das bei Frauen meist mit etwas anderen Symptomen bemerkbar als bei Männern. Statt dem klassischen, für Männer so typischen Engegefühl und dem Schmerz in der Brust, der bis in den linken Arm hinein ausstrahlt, äußert sich der Infarkt bei Frauen eher durch folgende Anzeichen:

  • Unwohlsein
  • Übelkeit
  • Kurzatmigkeit
  • Oberbauchbeschwerden
  • Druckgefühl statt Schmerzen in der Brust

Solche Beschwerden aber werden oft nicht auf das Herz bezogen und fehlgedeutet.

Herzinfarkt bei Frauen öfter tödlich

Dabei wäre eine rasche Diagnosestellung für herzkranke Frauen noch wichtiger als für die Männer: Denn der Infarkt verläuft bei ihnen oftmals schwerwiegender und hat häufiger als beim Mann fatale Folgen: So verstirbt etwa jede fünfte Frau aber nur jeder zwölfte Mann nach einem Infarkt noch in der Klinik.

So äußert sich ein Herzinfarkt bei Frauen

Lifeline/Wochit

Doch schon bei der Diagnostik gibt es für herzkranke Frauen Probleme und das beginnt bereits bei den grundlegenden Annahmen: So gilt als allgemeine Faustregel, dass die Herzfrequenz bei körperlicher Belastung nicht höher steigen sollte als auf einen Wert von 220 Schlägen pro Minute abzüglich des aktuellen Alters des Betreffenden. Dieser Wert gilt jedoch nur für Männer, er berücksichtigt nicht die bei Frauen etwas geringere Pumpkapazität des Herzens. Daher sind die für Frauen angegebenen Zielwerte deutlich niedriger anzusetzen, wie eine aktuelle Studie ergeben hat. Konkret müsste demnach bei Frauen die Obergrenze der Herzschlagfolge mit 206 Schlägen pro Minute minus 88 Prozent des aktuellen Alters errechnet werden.

Außerdem sind die zur Abklärung einer Herzerkrankung üblichen Untersuchungsmethoden nicht für beide Geschlechter gleichermaßen gut geeignet: So ist zum Beispiel das Belastungs-EKG bei herzkranken Frauen weniger aussagekräftig als bei Männern. Genauere Befunde liefert hingegen eine Untersuchung mittels der sogenannten Stress-Echokardiografie. Dabei steigert der Arzt zunächst mit Medikamenten die Pumpleistung des Herzens und analysiert sie dann mithilfe des Ultraschalls, was insgesamt genauere Befunde liefert.

Allerdings zeigen Untersuchungen, dass auch bei Hinweisen auf eine Koronare Herzerkrankung im Belastungstest bei Frauen seltener als bei Männern eine weiterführende Diagnostik erfolgt. Diese wurde den Erhebungen zufolge bei 62,3 Prozent der Männer, aber nur bei 38 Prozent der Frauen vorgenommen.

Herzinfarkt und Co.: Medikamente wirken bei Frauen anders

Unterschiede finden sich auch bei der Therapie: Herzkranke Frauen werden bei einem Infarkt seltener als Männer so behandelt, wie es die Leitlinien vorgeben. Zwar wird ebenso häufig wie bei Männern versucht, das verschlossene Gefäß wieder zu eröffnen, bei Frauen wird dabei jedoch öfter auf eine Ballondilatation gesetzt und bei Männern häufiger eine Bypass-Operation durchgeführt. Herzkranke Frauen erhalten außerdem nach einem Infarkt weniger Medikamente als Männer.

Herzerkrankungen bei Frauen: Das ist anders

Dr. Heart / Expertenteam

Es wird zudem nicht berücksichtigt, dass es bei Mann und Frau grundsätzlich Unterschiede beim Bedarf von Medikamenten und auch bei deren Verstoffwechselung im Körper gibt. Das liegt schon daran, dass Frauen in aller Regel kleiner und leichter sind als Männer und einen höheren Körperfettanteil besitzen sowie eine geringer ausgeprägte Nierenfunktion. Die für den Arzneimittelstoffwechsel wesentlichen Enzyme (Cytochrom-P450-Familie) sind bei Frauen und Männern unterschiedlich aktiv, was zur Folge hat, dass die eingenommenen Medikamente unterschiedlich abgebaut werden. Werden die geschlechtstypischen Unterschiede nicht berücksichtigt, so kommt es bei vielen Wirkstoffen, die bei Herz-Kreislauferkrankungen verordnet werden, bei Frauen zu Nebenwirkungen. Das ist zum Beispiel häufig bei Digitalis-Präparaten der Fall und ebenso bei Betablockern. Bei ACE-Hemmern werden außerdem Wechselwirkungen mit geschlechtsspezifischen Hormonen der Frau diskutiert.

Doch es gibt auch qualitative, dosierungs-unabhängige Unterschiede der Arzneimittelwirkungen: Beispielweise schützt Acetylsalicylsäure Frauen besser vor einem Schlaganfall und weniger gut vor einem Herzinfarkt, bei Männern ist es genau umgekehrt.

Das alles sind bislang eher Einzelbeobachtungen. Erklären können die Wissenschaftler viele der beobachteten Unterschiede nicht. Daran, dass es sich die Wissenschaft in den vergangenen Jahren zu einfach gemacht hat, indem sie die bei Männern erhobenen Daten einfach auf Frauen übertragen hat, wird aber schon längst nicht mehr gezweifelt. Noch aber fehlt es an systematischer Forschung zu der Frage, inwieweit herzkranke Frauen eine andere Medizin brauchen als herzkranke Männer.

Nach einem Herzinfarkt reagieren Frauen anders

Das Thema reicht bis in die Rehabilitation nach einem Herzinfarkt hinein: Herzkranke Frauen nehmen eindeutig seltener an einer solchen Maßnahme teil. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass die meisten Rehabilitationskonzepte auf jüngere, berufstätige Männer ausgerichtet sind und die speziellen Bedürfnisse von Frauen kaum berücksichtigen. Herzkranke Frauen aber reagieren auf den Infarkt häufiger als Männer mit einer Depression. Sie sind ängstlicher und verarbeiten ihre Erkrankung generell anders als Männer. Dementsprechend wünschen sich Frauen in aller Regel bei der Rehabilitation auch mehr psychische und soziale Unterstützung als Männer.

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