Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie): Ernährung und Bewegung beugen vor

Fettstoffwechselstörungen sind sehr häufig vorkommende Erkrankungen, bei denen die Blutfette (Cholesterin und Triglyzeride) erhöht sind und sich in den Wänden der Arterien ablagern. Damit begünstigen sie Arteriosklerose und Herzinfarkt. Da sie keine Symptome verursachen, werden sie oft nicht bemerkt. Sind sie bekannt, können sie gut mit entsprechender Ernährung behandelt werden.

Fettstoffwechselstoerung
Einer Fettstoffwechselstörung beugen eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit wenig tierischen Fetten und ausreichend Bewegung vor.
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Sie gelten als ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Arteriosklerose: Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämien). Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland und Europa. Die wichtigsten Blutfette beim Menschen sind Cholesterin und Triglyzeride. In Deutschland haben 55 bis 60 Prozent der Erwachsenen zu hohe Weiterlesen zu Cholesterinwerten: Das sagen LDL-HDL-Quotient, Gesamtcholesterin und Triglyzeride aus. im Blut und rund 15 Prozent erhöhte Triglyzeridwerte – oft, ohne es zu wissen.

Artikelinhalte im Überblick:

Cholesterin natürlich senken: 17 einfache Tipps

Was sind die Ursachen für Dyslipidämien?

Die Ursachen für eine Fettstoffwechselstörung sind in den westlichen Ländern meistens

  • zu wenig Bewegung in Kombination mit
  • ungesunder, zu fettreicher Ernährung

Fettstoffwechselstörungen können in zwei Arten eingeteilt werden:

  • Primäre Fettstoffwechselstörungen: Diese sind genetisch verursacht und seltener.
  • Sekundäre Fettstoffwechselstörungen: Sie werden durch Rauchen, zu hohen Blutdruck (Hypertonie), einen niedrigen HDL-Cholesterinspiegel (< 40 mg/dl), familiär gehäufte koronare Herzerkrankungen, durch ungesunde Ernährung und Übergewicht, Diabetes, Nierenerkrankungen sowie Alkoholmissbrauch begünstigt.

Ist zu viel Cholesterin im Körper, wird dies als Hypercholesterinämie bezeichnet. Der Körper versucht, das überschüssige Cholesterin über die Leber abzubauen und lagert den Rest in den Gefäßwänden der Arterien ein – die Entstehung einer Arteriosklerose wird begünstigt. Im ungünstigsten Fall sammelt sich das Cholesterin in den Herzkranzgefäßen an.

Cholesterin wird in zwei Arten eingeteilt: HDL- und LDL-Cholesterin. HDL-Cholesterin wird auch als „gutes“ Cholesterin bezeichnet, da es die überschüssigen Blutfette zur Leber leitet, damit sie dort abgebaut werden können. LDL-Cholesterin hingegen, welches auch „schlechtes“ Cholesterin genannt wird, transportiert das Fett zu den Zellen, weshalb sie in den Blutgefäßen zirkulieren und sich dort ablagern. Entscheidend ist deshalb das Verhältnis von LDL- zu HDL-Cholesterin: Es sollte je nach Vorschädigung und Gesundheitszustand bei 2,5 bis 3,5 liegen.

Sind zu viele Triglyzeride im Körper, wird dies als Hypertriglyzeridämie bezeichnet. Dazu kommt es in der Regel durch eine zu fetthaltige Ernährung. Triglyzeride selbst sind nicht direkt schädlich, sondern wirken sich indirekt negativ aus, da sie die Produktion des LDL-Cholesterins anregen. Deswegen tritt eine Erhöhung der Triglyzeride nur selten allein auf, sondern meistens in Kombination mit erhöhtem LDL-Cholesterin. Bei alleiniger Erhöhung der Triglyzeridwerte kann dies ein Hinweis auf eine erbliche Fettstoffwechselstörung, Diabetes oder zu hohen Alkoholkonsum sein. Ursachen für die Festtstoffwechselstörung Hypertriglyzeridämie können auch andere Medikamente wie Östrogene, Tamoxifen und bestimmte Betablocker sein.

Wenn sowohl zu hohe Cholesterinwerte als auch zu hohe Triglyzeridwerte vorliegen, wird dies als Hyperlipidämie bezeichnet.

Weiterlesen zu Cholesterinwerten: Das sagen LDL-HDL-Quotient, Gesamtcholesterin und Triglyzeride aus. 

Welche Symptome macht eine Fettstoffwechselstörung?

Fettstoffwechselstörungen machen sich lange nicht mit Symptomen bemerkbar. Viele Menschen kennen ihre Werte nicht und so bleiben erhöhte Blutfette oft unbemerkt. Symptome zeigen sich bei einer Fettstoffwechselstörung meist erst, wenn Folgeerkrankungen vorliegen. Nur, wenn der Blutfettspiegel sehr hoch ist, kommt es manchmal – bevor sich Spätfolgen zeigen – zu rötlich-gelben, erhabenen Ablagerungen auf der Haut (Xanthomen) – beispielsweise an den Augenlidern (Xanthelasmen), Ohren, Fingerzwischenräumen, Ellbogen und Knien. Der Körper versucht so, das überschüssige Fett über die Haut auszulagern.

Wie stellt der Arzt Fettstoffwechselstörungen fest?

Nach der Befragung zur Krankengeschichte (Anamnese) wird der Arzt nach Ernährungs- und Lebensgewohnheiten fragen. Dann wird der BMI und der Bauchumfang ermittelt und der Körper auf Hinweise wie Fetteinlagerungen in der Haut inspiziert.

Bei einer Blutuntersuchung im nüchternen Zustand werden zur Diagnose die Blutfettwerte bestimmt: Triglyzeridspiegel, Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin. Auch der Nüchtern-Blutzucker wird gemessen. Da auch andere Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Nierenerkrankungen erhöhte Werte hervorrufen können, müssen diese ausgeschlossen werden.

Therapie von Dyslipidämien

Um Folgeschäden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden, ist eine dauerhafte Senkung der erhöhten Blutfettwerte nötig. Dazu können einerseits Medikamente zum Einsatz kommen, anderseits ist eine Lebensstiländerung sehr wirksam und immer die erste Wahl zur Behandlung der zu hohen Werte. Medikamente werden bei Fettstoffwechselstörungen immer erst verabreicht, wenn die Lebensstiländerung mit einer Ernährungsumstellung ohne positive Auswirkung auf die Blutfettwerte bleibt.

Die wichtigsten Maßnahmen der Lebensstiländerung bei einer Fettstoffwechselstörung sind:

  • normales Körpergewicht anstreben oder halten
  • Steigerung der körperlichen Aktivität (Bewegung)
  • auf das Rauchen verzichten
  • Ernährungsumstellung
  • Alkoholkonsum senken

Ernährung bei erhöhten Blutfetten

Besonders der Ernährungsumstellung kommt eine besondere Bedeutung zu, da hiermit nachweislich eine deutliche Senkung der Blutfettwerte erreicht werden kann. Dabei sollten besonders folgende Punkte beachtet werden:

  • fett- und cholesterinarm: Verzicht auf Fette aus Käse und Wurst; mehr Lebensmittel mit wenig gesättigten Fettsäuren wie Fisch und Geflügel, Pflanzenfette, fettarme Fleisch- und Wurstsorten, fettreduzierte Milchprodukte

  • fettarme Zubereitung von Lebensmitteln: Dünsten ist beispielsweise fettärmer als Braten und Frittieren

  • erhöhte Aufnahme von Ballaststoffen: mehrfach täglich frisches Obst und Gemüse essen, idealerweise auch zum Teil als Rohkost

  • pflanzliche Fette bevorzugen, beispielsweise aus Nüssen, Mandeln und Avocado

  • pflanzliche Sterole (Phytosterole): sie wirken sich nachweislich positiv auf erhöhte Blutfette aus und sind in sogenanntem Functional Food wie spezieller Margarine zur Cholesterinsenkung enthalten, aber auch in Sojamilch. HINWEIS: Mit Phytosterolen angereicherte Lebensmittel sollten nur von Menschen verzehrt werden, die einen nachweislich zu hohen Cholesterinspiegel haben, da sie pharmakologisch wirksam sind wie Medikamente und somit auch Nebenwirkungen haben können.

  • Einschränkung des Alkoholkonsums, idealerweise völliger Verzicht

  • Einnahme von mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, enthalten in fettreichem Meeresfisch wie Lachs, Thunfisch, Aal, Makrele. Zur Behandlung einer Hypertriglyzeridämie sollten 1,5–6,0 g/Tag eingenommen werden, was meist nur in Form von Kapseln möglich ist

  • Reduktion von einfachen Kohlenhydraten wie Brot, Nudeln, Reis; Vollkornvarianten sind zu bevorzugen.

  • Verzicht auf Süßigkeiten

Medikamente bei Fettstoffwechselstörung

Bei erhöhten Blutfettwerten aufgrund einer Fettstoffwechselstörung stehen folgende Medikamente zur Verfügung:

  • Statine: senken das Gesamtcholesterin und das LDL-Cholesterin

  • Ezetimib: Wirkstoff der neuen Klasse von lipidsenkenden Stoffen

  • Austauscherharze: beipielsweise Colestyramin

  • Nikotinsäure: erhöht das gute HDL-Cholesterin

  • Fibrate: Wirkstoff der ersten Wahl bei Hypertriglyzeridämie

  • Niacin: Wirkstoff der zweiten Wahl bei Hypertriglyzeridämie

  • Laropiprant: wird in Kombination mit Niacin gegeben, wenn bei einer Hypertriglyzeridämie noch keine ausreichende Wirkung durch Niacin allein erreicht wurde

Bei Hypertriglyzeridämie können zudem ebenfalls Statine in Kombination mit Nikotinsäure oder Fibraten verordnet werden. Zusätzlich können rezeptfreie Fischölkapseln (Omega-3-Kapseln) eingenommen werden.

Verlauf einer Fettstoffwechselstörung

Werden erhöhte Bluttfettwerte nicht entsprechend gesenkt, kommt es auf Dauer zu einer Gefäßschädigung der Arterien, die nicht wieder behoben werden kann. Besonders hoch ist dieses Risiko, wenn zusätzlich Bluthochdruck oder Diabetes mellitus vorliegt und geraucht wird. Sind die Arterien des Herzens von der Gefäßschädigung betroffen, droht ein Herzinfarkt.

Prävention von Fettstoffwechselstörungen

Einer nicht genetisch bedingten Stoffwechselstörung und daraus resultierenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann vorgebeugt werden, indem eine starke Gewichtszunahme vermieden, für ausreichend Bewegung gesorgt und die richtigen Lebensmittel zur Ernährung ausgewählt werden. Dabei gelten zur Vorbeugung bei der Ernährung dieselben Maßnahmen wie bei der Therapie.

Cholesterinhaltige Lebensmittel aber grundsätzlich zu meiden, ist nicht empfehlenswert, denn die Leber produziert dann selbst Cholesterin. Mit einer gesunden, ausgewogene Ernährung lassen sich Risikofaktoren wie hoher Blutdruck, Übergewicht und Diabetes sehr gut beeinflussen. Auch ein mäßiger Alkoholkonsum spielt eine große Rolle, denn bei zu viel Alkohol kann sich eine Fettleber entwickeln, die den Fettstoffwechsel negativ beeinflusst. Die Ernährungsempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. lautet:

  • bei tierischen Lebensmitteln die fettärmeren Varianten bevorzugen

  • Ausnahme ist Fisch: fetter Fisch wirkt sich positiv auf den Fettstoffwechsel aus

  • pflanzliche Öle wie Raps- und Walnussöl bevorzugen

  • pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse reichlich konsumieren (mindestens fünf Portionen pro Tag)

  • Vollkornprodukte und Kartoffeln

  • Alkohol und Süßigkeiten nur in Maßen

Um Fettstoffwechselstörungen und andere Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Arteriosklerose wie Diabetes und Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen, gibt es den Check-up 35. Das bedeutet, dass alle Menschen über 35 Jahren alle zwei Jahre beim Hausarzt ihre Blutfettwerte überprüfen lassen können. Auch andere Untersuchungen gehören zum Check-up 35, der für alle gesetzlich und privat Versicherten von den Krankenkassen übernommen wird. Je früher die Fettstoffwechselstörung erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden, desto effektiver werden die Gefäße geschont und Folgeerkrankungen vermeiden.

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