Harmlos oder gefährlich?

Herzstolpern: Ursachen von unregelmäßigem Herzschlag

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Herzstolpern kommt häufig vor, etwa bei Stress. Auch Freude kann das Herz kurzzeitig zum Stolpern bringen und Extraschläge auslösen. Diese sogenannten Extrasystolen sind in der Regel harmlos, in seltenen Fällen kann Herzstolpern jedoch auch auf ernstzunehmende Krankheiten hindeuten. Welche Ursachen kommen infrage?

Herzstolpern: Junge Frau hält sich die Brust
© Getty Images/Charday Penn

Kurzübersicht: Herzstolpern

Was ist Herzstolpern? Bei Herzstolpern handelt es sich in der Regel um zu früh einsetzende zusätzliche Herzschläge außerhalb des normalen Herzrhythmus (Extrasystolen). Herzstolpern kommt auch bei gesunden Menschen vor und ist nicht in jedem Fall Symptom einer Erkrankung.

Was hilft bei Herzstolpern? Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, Sport, wenig Kaffee sowie ohne Alkohol und Zigaretten hilft gegen Herzstolpern. Zudem wird mit Betablockern, Antiarrhythmika und Katheterablation behandelt.

Ursachen von Herzstolpern: Wenig Schlaf, Mangelerscheinungen, Kaffee, Alkohol, Nikotin, verschiedene Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern und Schilddrüsenprobleme können als Auslöser infrage kommen.

Im Überblick:
Kaliummangel: Diese Symptome sprechen für eine Hypokaliämie

Was ist Herzstolpern?

Das Gefühl von Herzstolpern kennen die meisten Menschen, auch wenn sie sonst keinerlei Herzprobleme haben. Oft tritt es bei emotionaler Erregung wie Angst, einem kurzen Schreck sowie bei Freude auf. Auch in Ruhe kommt der Herzschlag manchmal aus dem Takt, Betroffene nehmen dies meist besonders deutlich wahr. Nicht immer ist Herzstolpern ein Grund zur Sorge. Tritt es jedoch gehäuft in Ruhe auf, ist ärztliche Abklärung sinnvoll.

Wie funktioniert der Herzschlag?

Das Herz ist selbst sein Taktgeber, beeinflusst wird es jedoch durch das vegetative Nervensystem. So kann es sich an verschiedene Anforderungen anpassen und etwa bei Stress schneller schlagen.

Der Rhythmus wird durch elektrische Impulse am Sinusknoten ausgelöst, welcher am rechten Vorhof (Atrium) sitzt. Das Signal wandert dann weiter zum AV-Knoten, der zwischen der rechten Herzkammer (Ventrikel) und dem rechten Vorhof liegt. Von hier wird das Erregungssignal an die beiden Herzkammern im unteren Teil des Herzens weitergeleitet, welche sich kontrahieren.

Da die Herzmuskelzellen nicht alle gleichzeitig erregt und angespannt werden, kann das Blut die Vorhöfe und Herzkammern nacheinander passieren. Zuerst kontrahieren dabei die beiden Herzvorhöfe, dann die Herzkammern.

Der häufigste Auslöser für das Gefühl von Herzstolpern sind sogenannte Extrasystolen, dabei handelt es sich um zusätzliche elektrische Impulse, die zu früh einsetzen und einen Extraherzschlag verursachen. Extrasystolen können einzeln, als Paar oder als Salven – also als Gruppen mit mindestens drei Schlägen – vorkommen. Oftmals kommt es im Anschluss an Extrasystolen zu einem kurzen Aussetzer des Herzschlags. Diese Pause wird auch als kompensatorische Pause bezeichnet.

Verschiedene Formen von Herzstolpern

Extrasystolen können im Herzvorhof oder der Herzkammer gebildet werden. Fachleute unterscheiden deshalb:

  • Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES): Die Extrasystole entsteht im Vorhof, in der Regel ist diese Form von Extrasystolen eher harmlos.

  • Ventrikuläre Extrasystolen (VES): Die Extrasystole betrifft die Herzkammern, diese Form von Herzstolpern gilt als gefährlicher und hat häufig eine behandlungsbedürftige Ursache.

Ein zusätzlicher Impuls im Herzen führt oftmals dazu, dass Vorhöfe und Kammern des Herzens gleichzeitig kontrahieren und der Blutfluss somit gestört wird. Dieses Stolpern ist wahrnehmbar. Ein Aussetzer hilft dem Herz, wieder in seinen Takt zu finden.

Herzstolpern: Ursachen von Extrasystolen

Herzstolpern hat häufig harmlose Ursachen und kann auch bei jungen, gesunden Menschen vorkommen. In manchen Fällen sind jedoch Erkrankungen Auslöser der Herzaussetzer und Extrasystolen.

Welche Ursachen kommt für Herzstolpern infrage?

Herzstolpern: Wann es gefährlich ist

Herzstolpern wird von einigen Menschen wie ein leichtes Flattern, starkes Herzklopfen oder Springen in der Brust beschrieben. Schmerzhaft ist das Herzstolpern in der Regel nicht. Manchmal kommen jedoch noch weitere Symptome hinzu, wie:

  • Übelkeit
  • Schwindel
  • stechender Schmerz in der Brust
  • Atemnot
  • Bewusstseinsstörungen
  • Herzrasen (Puls über 100 Schläge pro Minute in Ruhe)

Wann ist ärztlicher Rat notwendig?

Zügig ärztlicher Rat eingeholt werden sollte, wenn

  • weitere Beschwerden zum Herzstolpern hinzukommen,
  • das Herzstolpern länger anhält oder
  • es zu mehr als zehn Extrasystolen pro Minute kommt.

Dann liegt der Verdacht auf eine unter Umständen lebensbedrohliche Herzkrankheit nahe. Ist die Ursache für das Herzstolpern zum Beispiel Vorhofflimmern, besteht das Risiko, dass sich ein Gerinnsel im Herzen bildet und ein Gefäß verschließt. Ein Schlaganfall oder andere Durchblutungsstörungen können die Folge sein.

Diagnose: Welche Untersuchungen bei Herzstolpern?

Die erste Anlaufstelle bei häufiger auftretendem Herzstolpern kann eine hausärztliche oder kardiologische Praxis sein. Bei weiteren Symptomen wie Atemnot und starken Schmerzen in der Brust ist akut Hilfe nötig, in diesem Fall ist der Notruf zu wählen.

Nach einem ausführlichen Gespräch über die genauen Beschwerden und etwaige Risikofaktoren für Herzerkrankungen, ordnen Ärzt*innen in der Regel zunächst ein EKG (Elektrokardiogramm) an. Da Herzstolpern oftmals eher sporadisch auftritt, wird es jedoch bei einem Kurzzeit-Ruhe-EKG oftmals nicht festgestellt. Meist werden deshalb auch ein Belastungs- und ein Langzeit-EKG (24-Stunden-EKG) durchgeführt. So lässt sich feststellen, ob das Herz regelmäßig schlägt und die Extraschläge harmlos sind oder ob Rhythmusstörungen vorliegen.

In manchen Fällen ergänzt eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) die Diagnostik.

Wie wird Herzstolpern behandelt?

Herzstolpern bedarf nur selten einer Behandlung. Oftmals genügt eine Umstellung des Lebensstils, etwa durch die Vermeidung von Stress, das Treiben von Sport sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin, um den Herzschlag zu regulieren.

Ist ein Mangel an Kalium oder Magnesium ursächlich für das Herzstolpern, können die Elektrolyte etwa als Nahrungsergänzungsmittel zeitweise zusätzlich eingenommen werden. Steckt eine Erkrankung hinter dem Herzstolpern, muss diese behandelt werden.

Zur medikamentösen Therapie von Extrasystolen kommen beispielsweise sogenannte Antiarrhythmika, etwa Digitalis-Glykoside, zum Einsatz. Sie helfen dem Herz im Takt zu bleiben und stabilisieren den Herzschlag. Manchmal können auch Betablocker, die ebenfalls gegen Bluthochdruck wirken, verschrieben werden. Medikamente bei Herzstolpern müssen dauerhaft eingenommen werden und bringen Nebenwirkungen mit sich. Sie wirken lediglich symptomatisch, beheben also nicht die Ursache.

Katheterablation gegen Extrasystolen

Die Katheterablation stellt eine alternative Therapiemöglichkeit zur Behandlung mit Medikamenten dar. Sie kommt infrage, wenn die zusätzlichen Herzimpulse stets denselben Ursprung im Herzen haben und das Herzstolpern besonders häufig auftritt.

Bei der Katheterablation wird ein Katheter – dabei handelt es sich um einen dünnen Draht – von der Leiste über ein Blutgefäß bis ins Herz vorgeschoben. Dort wird der Ursprungsort der Fehlimpulse punktgenau mithilfe von Hitze verödet. Es bleibt eine dünne Narbe, die kein Signal mehr abgeben und somit keine Extrasystole mehr auslösen kann.

Die Katheterablation ist je nach betroffenen Bereich des Herzens in bis zu 90 Prozent der Fälle erfolgreich. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv, er ist wenig schmerzhaft und risikoarm. Zur Überwachung verbringen Patient*innen nach der Behandlung noch rund zwei bis vier Tage im Krankenhaus.

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