Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Statine: Welche Nebenwirkungen hat der Cholesterinsenker?

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Statine werden eingesetzt, um die Cholesterinwerte zu senken. Damit ist der Wirkstoff wichtig zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall – möglich sind jedoch Nebenwirkungen.

Mann hält Tabletten in einer Hand
© iStock.com/PeopleImages

Zu hohe Blutfettwerte gelten als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Neben dem Gesamtcholesterinwert ist es wichtig, wie hoch der Anteil des schädlichen LDL-Cholesterins ausfällt. Bei hohen LDL-Wnwerten werden je nach vorliegenden Risikofaktoren der Betroffenen Statine verordnet – und wenn Maßnahmen zur Senkung des Cholesterinspiegels im Blut wie Sport und Abnehmen nicht greifen.

Artikelinhalte im Überblick:

Cholesterin senken: Mit diesen Lebensmitteln und Tipps klappt es

Was sind Statine?

Statine sind verschreibungspflichtige Medikamente, die bei Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämien) eingesetzt werden. Sie reduzieren die Bildung von Cholesterin in der Leber, indem sie in den Leberzellen das Enzym 3-Hydroxy-3-methylglutaryl-Coenzym A (HMG-CoA)-Reduktase hemmen – dieses spielt eine zentrale Rolle bei der Cholesterinsynthese.

Durch die Hemmung des Enzyms herrscht ein Cholesterinmangel in den Zellen, wodurch sie verstärkt LDL-Cholesterin aus dem Blutplasma aufnehmen. Statine bewirken also, dass die Leber mehr Cholesterin abbauen kann. Laut Studien können sie damit den LDL-Wert im Blut um bis zu 40 Prozent senken.

Bekannte Wirkstoffklassen von Statinen:

  • Atorvastatin
  • Fluvastatin
  • Lovastatin
  • Pravastatin
  • Rosuvastatin
  • Simvastatin

Die Einnahme der Statine erfolgt oral, am besten abends. Denn während der Nacht läuft die Cholesterinsynthese im Körper am stärksten ab. Das beste Ergebnis zur Senkung des LDLs erzielt man mit einer niedrigen Dosis der Medikamente.

Statine sinnvoll bei Angina pectoris, nach Herzinfarkt und Schlaganfall

Vorrangig werden die Wirkstoffe Menschen zur Sekundärprävention verschrieben. Demnach erhalten Patient*innen eine Statintherapie, die an einer Herz-Kreislauf-Krankheit leiden oder bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten. Ebenfalls zu den behandlungsbedürftigen Risikopersonen gehören solche mit diätresistenter primärer Hypercholesterinämie (Fettstoffwechselstörung mit zu hohen Cholesterinwerten), gemischter Hyperlipidämie oder familiärer Hypercholesterinämie. Umstritten ist der Einsatz der Medikamente in der Primärprävention, also wenn noch keine Krankheit vorliegt und nur der Cholesterinwert erhöht ist.

Nebenwirkungen von Statinen

Häufig werden Statine von Patient*innen gut vertragen. Doch genauso wie andere Medikamente können auch die Cholesterinsenker Nebenwirkungen hervorrufen. Möglich sind:

In seltenen Fällen können sich Erkrankungen der Muskeln (Myopathie) entwickeln – eine schwere Form ist das Auflösen der quergestreiften Muskulatur (Rhabdomyolyse). Da sich hierbei die Konzentration der Kreatinkinase (CK) erhöht, ist das Enzym ein geeigneter Laborparameter, wenn entsprechende Symptome dieser Nebenwirkung auftreten.

Durch die Einnahme von Statinen kann sich eine reversible Erhöhung des Enzyms Transaminase ergeben, die in seltenen Fällen zu einer schweren Hepatitis führt. Bei einer langfristigen Statintherapie besteht außerdem das Risiko für eine Trübung der Augenlinse (Katarakt).

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Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen

Da die meisten Statine Substrate des Cytochrom-P450-Systems (CYP) in der Leber sind, besteht die Gefahr von Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen, die dort ebenfalls verstoffwechselt werden. Das gilt vor allem für CYP-Induktoren, welche die Enzymaktivität fördern oder CYP-Inhibitoren, die sie hemmen. Grapefruitsaft beeinflusst ebenfalls CYP sowie andere Enzymsysteme – deshalb dürfen viele Statine nicht mit dem Saft zusammen eingenommen werden.

Werden Statine mit Fibraten kombiniert, kann das Risiko für eine Rhabdomyolyse ansteigen. Auch die gleichzeitige Einnahme von Phenprocoumon wirkt sich ungünstig aus. Es gibt keine nachgewiesenen direkten Wechselwirkungen zwischen Alkohol und Statinen. Da sich Alkohol jedoch auf den Fettstoffwechsel auswirkt, sollten Menschen, die wegen einer Störung behandelt werden, besser verzichten.


Kontraindikationen: Wann Statine nicht verordnet werden

In bestimmten Gesundheitszuständen dürfen Ärzt*innen Statine nicht verschreiben. Dazu zählen Leber- oder Muskelerkrankungen und eine bekannte Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Frauen nicht mit Statinen behandelt werden.

Alternativen zur Einnahme von Statinen

Statine sind Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Störungen des Fettstoffwechsels. Können sie nicht eingesetzt werden, gibt es Wirkstoffe der zweiten Wahl, die ebenfalls die Aufnahme von Cholesterin im Körper hemmen. Dazu zählen zum Beispiel

  • Ezetimib (kann auch ergänzend zu Statinen eingenommen werden)
  • nichtresorbierbare basische Anionenaustauscherharze
  • Phytosterole
  • Fibrate (senken LDL-Konzentration und beeinflussen HDL-Stoffwechsel)
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Zusammenfassung

Was sind Statine? Die verschreibungspflichtigen Medikamente werden bei Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämien) eingesetzt. Sie hemmen die Cholesterinsynthese in den Leberzellen.

Anwendungsgebiete: Sekundärprävention für Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheit oder Patient*innen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten.

Nebenwirkungen: Möglich sind Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Muskelbeschwerden wie Muskelschmerzen.

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