Basiswissen

Herzinfarkt

Myokardinfarkt

Der klassische Herz-Infarkt entsteht bei Verschluss eines Herzkranzgefäßes durch ein Blutgerinnsel. Die im Versorgungsgebiet dieses Gefäßes liegende Herzmuskulatur erhält schlagartig keinen Sauerstoff mehr und geht innerhalb weniger Stunden zugrunde.

Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) wird die Blutzufuhr zum Herzen plötzlich unterbrochen. Wird das Herz über mehrere Minuten hinweg nicht mit Sauerstoff versorgt, sterben Zellen des Herzmuskels ab (sog. Nekrose). Die abgestorbenen Zellen werden durch eine Narbe aus Bindegewebe ersetzt.

Aber auch hochgradige Einengungen und Embolien können zum Herz-Infarkt führen, ebenso eine chronische Überlastung des Herzens durch Bluthochdruck und Übergewicht.

Die Gefäßverengung der Herzkranzarterien kann zudem das Erregungsleitungssystem des Herzens beeinträchtigen, das für den Schlagrhythmus des Herzens verantwortlich ist – dann gerät der Puls aus dem Takt, was auch zu einer Unterversorgung des Herzmuskels führen kann und schließlich zu einem Infarkt.

Der Herzinfarkt gilt als medizinischer Notfall, der schwere Behinderungen zur Folge haben kann.

Im Jahr 2008 starben in Deutschland fast 57.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Knapp 54 Prozent davon waren Männer. Das Hauptrisikoalter für einen Herzinfarkt ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Bei Männern tritt er oft schon vor dem 40. Lebensjahr auf. Frauen sind durch ihr gefäßschützendes Hormon Östrogen meist erst nach den Wechseljahren von einem Herzinfarkt betroffen, da dann dessen Produktion abnimmt.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Symptome

Typische Symptome für einen Herzinfarkt sind:

  • Schmerzen im Brustkorb, die länger als fünf Minuten andauern und in die Arme, Schulterblätter, den Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können
  • Angst, Engegefühl, starker Druck im Brustkorb
  • Luftnot, Übelkeit und Erbrechen
  • Schwächeanfall und eventuell Bewusstlosigkeit
  • Blasse Gesichtsfarbe und kalter Schweiß

Treten diese Beschwerden auf, sollte sofort ein Notarzt gerufen werden.

Als Besonderheit bei Frauen können bereits Luftnot, Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen alleinige Anzeichen für einen Herzinfarkt sein. Diese Symptome sollten daher ernst genommen werden.

Die auffälligsten Symptome bei älteren Menschen sind oft Atemlosigkeit und der Verlust der Orientierung. Gelegentlich ähneln die Beschwerden einer Magenverstimmung oder einem Schlaganfall.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Ursachen

Als häufigste Ursache für einen Herzinfarkt gelten die Folgen der Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Durch den Verschluss einer oder mehrerer Herzkranzarterien (Stenose) wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Plötzliche Kraftanstrengungen oder Stresssituationen sind dann oft Auslöser eines Herzinfarkts, da sie neben dem Blutdruck auch den Sauerstoffbedarf des Herzens erhöhen. Häufig treten Herzinfarkte nachts zwischen zwei und drei Uhr auf, was mit Konzentrationsschwankungen von Blutgerinnungsstoffen und Hormonen zusammenhängt. Weitere Auslöser eines Herzinfarkts können eine Lungenembolie oder ein Kreislaufkollaps sein.

Als Risikofaktoren für einen Herzinfarkt gelten:

  • Fettstoffwechselstörungen (erhöhter Cholesterinspiegel)
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Andauernder Stress

Bei jüngeren Menschen kann eine plötzliche Verkrampfung eines Herzkranzgefäßes (sog. Vasospasmus) die Ursache für einen Herzinfarkt sein.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Diagnose

Zur Diagnose eines Herzinfarkts müssen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von den folgenden Kriterien mindestens zwei zutreffen:

  • Plötzlich auftretende Schmerzen in der Brust

Bei Frauen über 50 Jahren und Männern ab etwa 35 Jahren besteht bei starken Brustschmerzen immer der Verdacht auf einen Herzinfarkt. Schmerzen im Brustbereich können allerdings auch andere Ursachen wie beispielsweise eine Lungenentzündung oder eine Verkrampfung der Speiseröhre haben.

  • Anstieg an herzmuskelspezifischen Enzymen (Eiweiße) im Blut

Wenn der Herzmuskel durch einen Herzinfarkt geschädigt wurde, lassen sich im Blut bestimmte Enzyme nachweisen. Am häufigsten wird der Blutspiegel des Enzyms Kreatinkinase gemessen. Weitere Hinweise auf eine Schädigung des Herzmuskels geben auch die beiden Eiweiße Troponin T und Troponin I.

  • Typische Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG)

Bei einem Herzinfarkt ist das EKG die wichtigste diagnostische Maßnahme. Es kann die Veränderungen, die durch den Herzmuskelschaden verursacht wurden, sofort anzeigen. Ein Herzinfarkt ist dann unwahrscheinlich, wenn das EKG über mehrere Stunden hinweg eine normale Kurve zeigt.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Therapien

Entscheidend bei der Therapie eines Herzinfarkts ist die erste Stunde nach Auftreten der Beschwerden. Weil in dieser Stunde der Sauerstoffmangel am ehesten wieder ausgeglichen werden kann, spricht man auch von der "goldenen ersten Stunde". Die Folgen der gestörten Durchblutung sind nach sechs Stunden bereits kaum noch zu beheben. Je früher also die Behandlung bei einem Herzinfarkt einsetzt, desto höher stehen die Überlebenschancen des Betroffenen.

Um die Ausweitung des Herzinfarktes zu begrenzen, ist es wichtig, die Durchblutung des Herzens schnell wieder herzustellen. Wichtige Erstmaßnahmen bei Eintritt eines Herzinfarkts sind:

  • Den Notarzt alarmieren (Notruf 112 oder die örtliche Notrufnummer des Rettungsdienstes),
  • Ruhelagerung mit erhöhtem Oberkörper,
  • Beruhigen des Betroffenen,
  • Entfernen von beengender Kleidung,
  • Einnehmen von Acetylsalicylsäure (hierdurch kann ein Blutgerinnsel in den Koronararterien verkleinert werden),
  • Durchführen einer Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Herzdruckmassage und Atemspende, falls es zu einem Herzkammerflattern kommt. (Das Herz kann dann keine Pumpleistung mehr erbringen und schlägt unregelmäßig).

Die weitere Behandlung des Herzinfarkts erfolgt auf der Intensivstation und unter ärztlicher Aufsicht. In der medizinischen Akutbehandlung stehen heute verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, um die verschlossene Herzkranzarterie wieder zu öffnen.

Blutverdünnende Medikamente, die beispielsweise den Wirkstoff Acetylsalicylsäure beinhalten, können Blutgerinnsel auflösen, gesundes Herzgewebe kann erhalten werden.

Im mechanischen Verfahren wird zunächst ein Herzkatheter in das Gefäß eingeführt und dieses anschließend mittels eines kleinen Ballons (sog. Koronar-Angioplastie) aufgedehnt. Durch die geweitete Arterie kann das Blut daraufhin wieder das Herz mit Sauerstoff versorgen. Mit einem kleinen Draht- oder Plastikrohr (sog. Koronar-Stent) kann die Herzkranzarterie zusätzlich stabilisiert werden. In seltenen Fällen ist eine Notoperation notwendig, um das Leben des Betroffenen zu retten.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Verlauf

Zwei bis drei Tagen nach einem Herzinfarkt können Betroffene oft von der Intensivstation auf eine internistische Normalstation verlegt werden. Nach dem Krankenhausaufenthalt ist normalerweise eine Anschlussbehandlung notwendig. Hier lernt der Genesende, wie er sein Leben nach dem Infarkt gestalten kann. Nach einem überstandenen Herzinfarkt wird meist eine Therapie mit Medikamenten begonnen. So wird eine Ernährungsumstellung beispielsweise durch die Gabe von Lipidsenkern begleitet. Daneben sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.

Bereits nach einer geringen Schädigung durch einen Herzinfarkt kann das Herz manchmal nicht mehr ausreichend Blut in den Körper pumpen. Es vergrößert sich, um die schwache Pumpleistung auszugleichen. Diese Vergrößerung kann Herzrhythmusstörungen zur Folge haben. Das abgestorbene Gewebe wird allmählich durch Bindegewebe ersetzt, das sich jedoch nicht zusammenziehen und keine Pumpfunktion erfüllen kann.

Wird durch den Herzinfarkt mehr als die Hälfte des Herzmuskels geschädigt, führt dies beim Betroffenen sehr wahrscheinlich zu einer schweren Behinderung oder zum Tod.

Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Vorbeugen

Einem Herzinfarkt kann durch eine gesunde Lebensführung vorgebeugt werden. Da sich die Risiken für Herzkrankheiten zum Großteil auf den persönlichen Lebensstil zurückführen lassen, können sie von den Betroffenen selbst beeinflusst werden. Dabei ist es wichtig, bereits bei Kindern und Jugendlichen gesunde Lebensgewohnheiten zu etablieren. Doch auch Erwachsene, die wegen ihres Rauchverhaltens, ihres zu hohen Blutdrucks oder einer anderen Vorerkrankung zur Risikogruppe zählen, können noch handeln. Folgende Punkte sollten besonders beachtet werden:

  • eine ausgewogene Ernährung
  • angemessene körperliche Aktivitäten
  • Verzicht auf das Rauchen
  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen

Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben ab dem Alter von 35 Jahren im zweijährigen Turnus Anspruch auf eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung. Ziel dieser Untersuchungen ist es, häufig auftretende Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Denn wenn Risikofaktoren für einen Herzinfarkt beizeiten erkannt werden, kann der behandelnde Arzt rechtzeitig weitere Untersuchungen oder Behandlungen veranlassen. So kann jeder schädliche Folgen für die eigene Gesundheit abwenden oder verringern.

Aber auch nach einem Herzinfarkt können Betroffene noch immer Maßnahmen ergreifen, die einem Zweitinfarkt vorbeugen. Auch hier gilt es insbesondere, die individuellen Risikofaktoren zu beheben. Das geschieht beispielsweise durch:

  • fettreduzierte und cholesterinarme Ernährung
  • Gewichtsreduktion
  • zwingenden Verzicht auf Zigaretten
  • moderate Bewegung, evtl. auch Ausdauertraining unter ärztlicher Überwachung.

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Autor: Jessica Schmid / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 26. Juli 2011
Quellen: Beers, M.H. (Hrsg.).: MSD Manual. Handbuch Gesundheit. Wilhelm Goldmann, München 2005 F.A. Brockhaus Gesundheit (Hrsg.): Der Brockhaus Gesundheit. F.A. Brockhaus Gesundheit, Leipzig 2006 Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gesundheit in Deutschland. Robert Koch-Institut, Berlin 2006 Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Koronare Herzkrankheiten und akuter Myokardinfarkt. Heft 33. Robert Koch-Institut, Berlin 2006 Statistisches Bundesamt (Hrsg.).: Todesursachen in Deutschland 2006. Fachserie 12, Reihe 4. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2007

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