Myokardinfarkt

Herzinfarkt

Der klassische Herzinfarkt (medizinisch: Myokardinfarkt) entsteht bei Verschluss eines Herzkranzgefäßes durch ein Blutgerinnsel. Die im Versorgungsgebiet dieses Gefäßes liegende Herzmuskulatur erhält schlagartig keinen Sauerstoff mehr und geht innerhalb weniger Stunden zugrunde.

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Ein Herzinfarkt lässt sich an der EKG-Kurve, aber auch bestimmten Blutwerten ablesen.
Getty Images/Hemera

Bei einem Herzinfarkt wird die Blutzufuhr zum Herzen plötzlich unterbrochen. Wird das Herz über mehrere Minuten hinweg nicht mit Sauerstoff versorgt, sterben Zellen des Herzmuskels ab (Nekrose). Die abgestorbenen Zellen werden durch eine Narbe aus Bindegewebe ersetzt. Aber auch hochgradige Einengungen und Embolien können zum Herzinfarkt führen, ebenso eine chronische Überlastung des Herzens durch Bluthochdruck und Übergewicht.

Zwölf Tipps für ein gesundes Herz

 

Um zu verstehen, welche Folgen die Verengung der Kranzgefäße und ein daraus resultierender Herzinfarkt hat, hilft es, sich den Aufbau des Herzens zu vergegenwärtigen: Das Herz des Menschen ist ein Hohlmuskel und liegt im vorderen, unteren Bereich des Brustkorbes – zum größeren Teil links der Mittellinie. Das Herz einer Frau wiegt etwa 200 bis 250 Gramm, das eines Mannes zwischen 250 und 300 Gramm. Das Herz eines Erwachsenen besteht aus zwei Hälften, die durch eine Scheidewand getrennt sind.

Das passiert beim Infarkt im Herzen

Jede dieser Hälften besteht aus einem Vorhof und einer Kammer. Die beiden Vorhöfe und Kammern befinden sich ständig in Bewegung: erschlaffen oder ziehen sich gerade zusammen. Der Herzmuskel muss also pausenlos enorme Arbeit leisten. Bekommt er wegen einer Durchblutungsstörung jedoch nicht ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe, ruft dies Probleme und möglicherweise einen Infarkt hervor.

Die Gefäßverengung der Herzkranzarterien kann zudem das Erregungsleitungssystem des Herzens beeinträchtigen, das für den Schlagrhythmus des Herzens verantwortlich ist – dann gerät der Puls aus dem Takt, was auch zu einer Unterversorgung des Herzmuskels führen kann und schließlich zu einem Infarkt.

Auch Jüngere können einen Herzinfarkt erleiden!

Der Herzinfarkt gilt als medizinischer Notfall, der schwere Behinderungen zur Folge haben kann. Im Jahr 2008 starben in Deutschland fast 57.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Knapp 54 Prozent davon waren Männer. Das Hauptrisikoalter für einen Herzinfarkt ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken.

Bei Männern tritt er oft schon vor dem 40. Lebensjahr auf. Frauen sind durch ihr gefäßschützendes Hormon Östrogen meist erst nach den Wechseljahren von einem Herzinfarkt betroffen, da dann dessen Produktion abnimmt.

Herzinfarkt: Typische und weniger bekannte Symptome

Typische Symptome für einen Herzinfarkt sind:

  • Schmerzen im Brustkorb, die länger als fünf Minuten andauern und in die Arme, Schulterblätter, den Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können
  • Angst, Engegefühl, starker Druck im Brustkorb
  • Luftnot, Übelkeit und Erbrechen
  • Schwächeanfall und eventuell Bewusstlosigkeit
  • Blasse Gesichtsfarbe und kalter Schweiß

Treten diese Beschwerden auf, sollte sofort ein Notarzt gerufen werden.

Als Besonderheit bei Frauen können bereits Luftnot, Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen alleinige Anzeichen für einen Herzinfarkt sein. Diese Symptome sollten daher ernst genommen werden.

Die auffälligsten Symptome bei älteren Menschen sind oft Atemlosigkeit und der Verlust der Orientierung. Gelegentlich ähneln die Beschwerden einer Magenverstimmung oder einem Schlaganfall.

Herzinfarkt: Ursachen und Risikofaktoren

Als häufigste Ursache für einen Herzinfarkt gelten die Folgen der Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Durch den Verschluss einer oder mehrerer Herzkranzarterien (Stenose) wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Plötzliche Kraftanstrengungen oder Stresssituationen sind dann oft Auslöser eines Herzinfarkts, da sie neben dem Blutdruck auch den Sauerstoffbedarf des Herzens erhöhen.

Häufig treten Herzinfarkte nachts zwischen zwei und drei Uhr auf, was mit Konzentrationsschwankungen von Blutgerinnungsstoffen und Hormonen zusammenhängt. Weitere Auslöser eines Infarkts können eine Lungenembolie oder ein Kreislaufkollaps sein.

Bei jüngeren Menschen kann eine plötzliche Verkrampfung eines Herzkranzgefäßes (Vasospasmus) die Ursache für einen Herzinfarkt sein.

Das Auftreten eines Infarkts wird durch so genannte Risikofaktoren begünstigt. Sind diese stark ausgeprägt, so steigt die Gefahr. Sind dagegen nur wenig Risikofaktoren bei einem Menschen vorhanden, so steht es um seine Herzgesundheit in der Regel gut.

Die größten Risikofaktoren für Herzinfarkt

Die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt

Dabei ist zwischen nicht beeinflussbaren und beeinflussbaren Risikofaktoren für die Herzgesundheit zu unterscheiden. Zu den nicht beeinflussbaren Faktoren gehören:

Während sich solche Faktoren nicht verändern lassen, gibt es andere Risikofaktoren, die durch den individuellen Lebensstil bestimmt werden und auf die Herzgesundheit wirken:

  • ein höheres Lebensalter
  • das männliche Geschlecht (Männer erleiden in aller Regel früher einen Herzinfarkt als Frauen)
  • eine familiäre Belastung, also ein frühzeitiges oder gehäuftes Auftreten von Herzinfarkten bei nahen Angehörigen und speziell dem Vater oder der Mutter

Vor allem die Kombination von Risikofaktoren ist fatal für die Herzgesundheit

Gefährlich wird es für die Herzgesundheit vor allem, wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig wirksam werden, wenn also zum Beispiel ein Mann, dessen Vater in vergleichsweise jungem Alter einen Herzinfarkt erlitten hat, raucht, übergewichtig ist und einen zu hohen Cholesterinwert aufweist.

Menschen mit einem solchen oder ähnlichen "Risikoprofil" sollten ihre Lebensweise überdenken, raten Experten. Eine gesunde Ernährung und sportliche Aktivität sind diesen Risikopatienten zu empfehlen. Denn wer es schafft, sein Körpergewicht zu reduzieren, bei dem sinken zugleich der Blutdruck und die Blutfettwerte. Wer dann auch noch aufs Rauchen verzichtet, hat mit wenigen Maßnahmen seiner Herzgesundheit schon viel Gutes getan und seine Risikofaktoren erheblich eingeschränkt.

Herzgesundheit beginnt im Kindes- und Jugendalter

Ideal wäre es, wenn schon im Kindesalter damit begonnen wird, Risikofaktoren für Herz und Gefäße zu vermeiden oder abzubauen – sprich: Wenn die Eltern darauf achten, dass ihre Kinder nicht übergewichtig werden und sich viel bewegen. Denn wie es später um die Herzgesundheit bestellt ist, dafür werden bereits im Kindesalter die Weichen gestellt. So erhöhen früh erworbene, herzungesunde Lebensgewohnheiten das Risiko für einen Herzinfarkt im Erwachsenenalter.

Herzinfarkt: So läuft die Diagnose ab

Zur Diagnose eines Herzinfarkts müssen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von den folgenden Kriterien mindestens zwei zutreffen:

  • Plötzlich auftretende Schmerzen in der Brust

Bei Frauen über 50 Jahren und Männern ab etwa 35 Jahren besteht bei starken Brustschmerzen immer der Verdacht auf einen Herzinfarkt. Schmerzen im Brustbereich können allerdings auch andere Ursachen wie beispielsweise eine Lungenentzündung oder eine Verkrampfung der Speiseröhre haben.

  • Anstieg an herzmuskelspezifischen Enzymen im Blut

Wenn der Herzmuskel durch einen Herzinfarkt geschädigt wurde, lassen sich im Blut bestimmte Enzyme nachweisen. Am häufigsten wird der Blutspiegel des Enzyms Kreatinkinase gemessen. Weitere Hinweise auf eine Schädigung des Herzmuskels geben auch die beiden Eiweiße Troponin T und Troponin I.

  • Typische Veränderungen im Elektrokardiogramm (EKG)

Bei einem Herzinfarkt ist das EKG die wichtigste diagnostische Maßnahme. Es kann die Veränderungen, die durch den Herzmuskelschaden verursacht wurden, sofort anzeigen. Ein Herzinfarkt ist dann unwahrscheinlich, wenn das EKG über mehrere Stunden hinweg eine normale Kurve zeigt.

Herzinfarkt-Therapie: Behandlungswege im Überblick

Entscheidend bei der Therapie eines Herzinfarkts ist die erste Stunde nach Auftreten der Beschwerden. Weil in dieser Stunde der Sauerstoffmangel am ehesten wieder ausgeglichen werden kann, spricht man auch von der "goldenen ersten Stunde". Die Folgen der gestörten Durchblutung sind nach sechs Stunden bereits kaum noch zu beheben. Je früher also die Behandlung bei einem Herzinfarkt einsetzt, desto höher stehen die Überlebenschancen des Betroffenen.

Um die Ausweitung des Herzinfarktes zu begrenzen, ist es wichtig, die Durchblutung des Herzens schnell wieder herzustellen. Wichtige Erstmaßnahmen bei Eintritt eines Herzinfarkts sind:

  • Den Notarzt alarmieren (Notruf 112 oder die örtliche Notrufnummer des Rettungsdienstes),
  • Ruhelagerung mit erhöhtem Oberkörper,
  • Beruhigen des Betroffenen,
  • Entfernen von beengender Kleidung,
  • Einnehmen von Acetylsalicylsäure (hierdurch kann ein Blutgerinnsel in den Koronararterien verkleinert werden),
  • Durchführen einer Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Herzdruckmassage und Atemspende, falls es zu einem Herzkammerflattern kommt. (Das Herz kann dann keine Pumpleistung mehr erbringen und schlägt unregelmäßig).

Die weitere Behandlung des Herzinfarkts erfolgt auf der Intensivstation und unter ärztlicher Aufsicht. In der medizinischen Akutbehandlung stehen heute verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, um die verschlossene Herzkranzarterie wieder zu öffnen.

Im mechanischen Verfahren wird zunächst ein Herzkatheter in das Gefäß eingeführt und dieses anschließend mittels eines kleinen Ballons (sog. Koronar-Angioplastie) aufgedehnt. Durch die geweitete Arterie kann das Blut daraufhin wieder das Herz mit Sauerstoff versorgen. Mit einem kleinen Draht- oder Plastikrohr (sog. Koronar-Stent) kann die Herzkranzarterie zusätzlich stabilisiert werden. In seltenen Fällen ist eine Notoperation notwendig, um das Leben des Betroffenen zu retten.

Medikamente nach einem Herzinfarkt

Es gibt fünf Arzneimittelgruppen, für die eindeutig bewiesen wurde, dass sie die gesundheitliche Situation nach einem Herzinfarkt eindeutig verbessern. Dazu gehören Wirkstoffe, die das Verklumpen der Blutplättchen hemmen (sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer), wobei meist Acetylsalicylsäure (kurz ASS) in niedriger Dosierung gegeben wird.

Ebenso sollte nach dem Infarkt ein Betablocker verordnet werden, ein Statin und ein Hemmstoff des Renin-Angiotensin-Systems (ACE-Hemmer oder Sartan). In bestimmten Fällen ist die Behandlung durch einen Wirkstoff zu ergänzen, der die Blutgerinnung herabsetzt (Antikoagulantien) und so die Gefahr der erneuten Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) und damit eines potenziellen Gefäßverschlusses mindert. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn ein Thrombozytenaggregationshemmer nicht vertragen wird oder wenn eine Herzrhythmusstörung wie das Vorhofflimmern besteht oder aber, wenn die Patienten ein besonders hohes Risiko für die Entwicklung einer Thrombose oder Embolie aufweisen.

Herzinfarkt: Verlauf und Prognose

Zwei bis drei Tagen nach einem Herzinfarkt können Betroffene oft von der Intensivstation auf eine internistische Normalstation verlegt werden. Nach dem Krankenhausaufenthalt ist normalerweise eine Anschlussbehandlung notwendig. Hier lernt der Genesende, wie er sein Leben nach dem Infarkt gestalten kann. Nach einem überstandenen Herzinfarkt wird meist eine Therapie mit Medikamenten begonnen (siehe oben). Daneben sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.

Bereits nach einer geringen Schädigung durch einen Herzinfarkt kann das Herz manchmal nicht mehr ausreichend Blut in den Körper pumpen. Es vergrößert sich, um die schwache Pumpleistung auszugleichen. Diese Vergrößerung kann Herzrhythmusstörungen zur Folge haben. Das abgestorbene Gewebe wird allmählich durch Bindegewebe ersetzt, das sich jedoch nicht zusammenziehen und keine Pumpfunktion erfüllen kann. Wird durch den Herzinfarkt mehr als die Hälfte des Herzmuskels geschädigt, führt dies beim Betroffenen sehr wahrscheinlich zu einer schweren Behinderung oder zum Tod.

Beistand fördert Genesung

Nach einem Herzinfarkt ist ein intaktes soziales Umfeld besonders wichtig. Eine US-Studie mit 2.000 Infarktpatienten zeigte: Selbstisolation und Stress führten zu viereinhalb Mal mehr tödlichen Komplikationen innerhalb von drei Jahren, als bei den Patienten, die sich geborgen fühlten. Experten raten Angehörigen und Freunden von Myokardinfarkt-Patienten, sich über die Krankheit zu informieren. Das hilft, die Situation des Infarktpatienten besser zu verstehen und ihn sinnvoll zu unterstützen, etwa bei der richtigen Ernährung oder beim maßvollen Sporttreiben. Gleichzeitig jedoch sollte die Familie ihre Fürsorge nicht übertreiben. Schnell schafft übertriebene Fürsorge ein Gefühl von Isolation. Übermäßige Schonung kann dazu führen, dass sich der Patient wie in einem goldenen Käfig vorkommt.

Herzinfarkt-Patienten müssen auf Sex nicht verzichten

Ein Herzinfarkt bedeutet nicht zwangsläufig eine Krise für die Partnerschaft. Im Gegenteil erleben viele Paare ihr Zusammensein danach als intensiver und reicher. Auch Sex ist nach einem Herzinfarkt oder Infarkt generell nicht tabu. Viele überschätzen die Belastung. Rein körperlich betrachtet entspricht Geschlechtsverkehr jedoch nur einem strammen Spaziergang. Wer sich allerdings unsicher ist, sollte das Thema mit seinem Arzt besprechen.

Im Beruf die Kräfte einteilen

Kehrt der Herzkranke nach dem Infarkt an seinen Arbeitsplatz zurück, sollte er seinen Berufsalltag vorher planen. Das Arbeitspensum muss an den Gesundheitszustand angepasst sein. Nötige Änderungen unbedingt offen mit dem Arbeitgeber besprechen. Wichtig ist, ausreichend Zeit zur Erholung zu reservieren. Sehr hilfreich ist das Erlernen von Techniken zur Entspannung wie Autogenes Training, Yoga oder Meditation. Nach einem Infarkt heißt es vor allem: belastenden Stress vermeiden. Zudem gilt es, weitere individuelle Risikofaktoren zu beheben. Das geschieht beispielsweise durch:

  • fettreduzierte und cholesterinarme Ernährung
  • Gewichtsreduktion
  • zwingenden Verzicht auf Zigaretten
  • moderate Bewegung, eventuell Ausdauertraining unter ärztlicher Überwachung

Herzinfarkt vorbeugen: So schützen Sie Ihr Herz!

Einem Herzinfarkt kann durch eine gesunde Lebensführung vorgebeugt werden. Da sich die Risiken für Herzkrankheiten zum Großteil auf den persönlichen Lebensstil zurückführen lassen, können sie von den Betroffenen selbst beeinflusst werden. Dabei ist es wichtig, bereits bei Kindern und Jugendlichen gesunde Lebensgewohnheiten zu etablieren. Doch auch Erwachsene, die wegen ihres Rauchverhaltens, ihres zu hohen Blutdrucks oder einer anderen Vorerkrankung zur Risikogruppe zählen, können noch handeln. Folgende Punkte sollten besonders beachtet werden:

  • eine ausgewogene Ernährung
  • angemessene körperliche Aktivitäten
  • Verzicht auf das Rauchen
  • regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
  • anhaltenden Stress vermeiden oder durch Entspannungsübungen und gesunde Lebensführung ausgleichen
Ernährung für ein gesundes Herz: Sieben Tipps!

Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben ab dem Alter von 35 Jahren im zweijährigen Turnus Anspruch auf eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung. Ziel dieser Untersuchungen ist es, häufig auftretende Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Denn wenn Risikofaktoren für einen Herzinfarkt beizeiten erkannt werden, kann der behandelnde Arzt rechtzeitig weitere Untersuchungen oder Behandlungen veranlassen. So kann jeder schädliche Folgen für die eigene Gesundheit abwenden oder verringern.

Wie sollen sich Angehörige verhalten?

Unter einem Herzinfarkt leidet nicht nur der Patient: Der Infarkt wirkt sich auch auf Angehörige und auf Freunde aus. Denn nicht selten verändert ein derart einschneidendes Ereignis den betreffenden Menschen. Dessen möglicherweise ungewohnte neue Verhaltensweisen können den Umgang mit ihm erschweren. Außerdem sind Familienangehörige wie auch Freunde und Bekannte oft unsicher, wie viel sie dem Betroffenen zumuten können. Das kann zur Folge haben, dass es zu einer überstarken Fürsorge kommt, die dem betreffenden Patienten nach dem Infarkt nicht gut tut. Sie kann ihn sogar bremsen, wieder ein aktives selbstbestimmtes Leben aufzunehmen, wie es für seine vollständige Genesung wichtig wäre.

"Über-Fürsorge" vermeiden

Auf Angehörige kommt eine Umstellung zu, denn viele Herzinfarkt-Patienten erreichen zwar wieder ihr früheres körperliches Leistungsniveau, aber bei ihnen stellen sich als Folge des Infarkts Selbstzweifel und Depressionen ein. Das erschwert die Situation für alle Beteiligten. Angehörige versuchen dann oft, das betroffene Familienmitglied aufzumuntern oder ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen und zu erfüllen. Das aber drängt den Herzinfarkt-Patienten in eine passive Rolle, die weder ihn noch die Angehörigen weiterbringt.

Außerdem empfindet der Infarkt-Patient die übermäßige Fürsorge seiner Umgebung oft als negativ. Denn unangebrachte Schonung führt nicht selten zu dem Gefühl, nicht mehr leistungsfähig zu sein. Das kann so weit gehen, dass der Herzinfarkt-Patient zunehmend von Selbstzweifeln geplagt wird, sich nicht mehr als wertvolles Mitglied der Gesellschaft fühlt und sich mehr und mehr sozial isoliert.

Aufgaben in der Familie übernehmen

Besonders gravierend ist die Situation, wenn Betroffene infolge der Herzerkrankung ihren ursprünglichen Beruf nicht mehr ausüben können und nach dem Infarkt berentet werden. Sie fallen durch den Wegfall der Berufstätigkeit und den damit vorgegebenen Lebensrhythmus nicht selten in ein regelrechtes Loch.

Neue Aufgaben im Haushalt, bei der Gartenarbeit oder auch ein neues Hobby können dann helfen, die entstandene Leere zu überwinden und dem Leben einen neuen Sinn zu geben. Bei dem Prozess, neue Aufgaben im Leben zu finden, können Angehörige und Freunde aktiv unterstützen.

Umfassende Informationen helfen auch den Angehörigen

Zudem ist es eine Hilfe für Freunde und Angehörige von Herzinfarkt-Patienten, wenn sie sich umfassend über die zugrunde liegende Koronare Herzkrankheit informieren. Mit der Erkrankung verbundene Probleme können so besser verstanden und die Unsicherheit im Umgang mit ihrem erkrankten Familienmitglied abgelegt werden.

Sie können dann auch eher ermessen, warum die meist vom Arzt angeratene Umstellung der Lebensweise für den Betreffenden nach dem Infarkt wichtig ist. Warum er liebgewordene Gewohnheiten aufgeben muss und sich eine gesündere Lebensweise aneignen soll. Darin können Angehörige den Herzinfarkt-Patienten unterstützen und so nebenbei auch Gutes für die eigene Gesundheit tun.

Sinnvoll: Ein Erste-Hilfe-Kurs

Nicht selten werden Angehörige von Menschen, die einen Herzinfarkt hinter sich haben, aber auch selbst von Ängsten geplagt. Sie sorgen sich, dass sich ein derart bedrohliches Erlebnis erneut ereignen könnte und fühlen sich hilflos, weil sie nicht wissen, wie sie sich in einer solchen Situation verhalten sollen und wie sie helfen können.

Generell sollten Angehörige stets die Nummer der Rettungsleitstelle, also die 112, im Kopf haben. Sie sollten außerdem in der Lage sein, im Falle eines Falles aktiv helfen zu können. Dazu gehört, dass man weiß, wie Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen sind. Das lernt man unter anderem in einem Erste-Hilfe-Kurs. In solchen Kursen wird vermittelt, welche Maßnahmen im Notfall angezeigt und sinnvoll sind. Erste-Hilfe-Kurse können bei verschiedenen Organisationen wie etwa dem Deutschen Roten Kreuz, dem Malteser-Hilfsdienst und bei den Johannitern belegt werden. Sie tragen nicht nur zur Beruhigung der Angehörigen und zu mehr Sicherheit im Umgang mit dem Herzinfarkt-Patienten bei, sondern sind ganz allgemein hilfreich, wenn es zum Beispiel im Alltag oder im Straßenverkehr zu einem Unfall kommen sollte.

Wenig sinnvoll ist es, nach einem Herzinfarkt einen Heim-Defibrillator anzuschaffen, also ein Gerät, mit dem sich im Falle eines Herzstillstandes der Herzschlag wieder stimulieren lässt. Es ist schwierig, in der Aufregung der Notfallsituation solche Geräte richtig einzusetzen, zumal die Anwendung ohne genaue Einweisung der Angehörigen sinnlos ist. Die Geräte verursachen nicht unerhebliche Kosten, vermitteln lediglich eine "gefühlte Sicherheit" und werden in den meisten Fällen nie zum Einsatz kommen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. Juli 2016
Durch: sw
Quellen: Beers, M.H. (Hrsg.).: MSD Manual. Handbuch Gesundheit. Wilhelm Goldmann, München 2005 F.A. Brockhaus Gesundheit (Hrsg.): Der Brockhaus Gesundheit. F.A. Brockhaus Gesundheit, Leipzig 2006 Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gesundheit in Deutschland. Robert Koch-Institut, Berlin 2006 Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Koronare Herzkrankheiten und akuter Myokardinfarkt. Heft 33. Robert Koch-Institut, Berlin 2006 Statistisches Bundesamt (Hrsg.).: Todesursachen in Deutschland 2006. Fachserie 12, Reihe 4. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2007 www.internisten-im-netz.de Dr. H. Gross, Kardialer Risikopatient: Braucht er zu Hause einen Defibrillator?, MMW-Fortschr.Med. 2008, 20, 6-7

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