Gefürchtete Mangelerscheinungen

Skorbut – was dauerhafter Vitamin-C-Mangel anrichtet

Skorbut war für Seefahrer viele Jahre lang ein Schreckgespenst: Zahnfleischschwund, Nasenbluten, allgemeine Immunschwäche und rote Flecken auf der Haut sind nur einige Symptome der Krankheit, die heute jedoch nur noch in Entwicklungsländern auftritt.

Orangen in Kiste
Zitrusfrüchte, aber auch bestimmte Gemüsesorten wie Kohl enthalten jede Menge Vitamin C.
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Skorbut ist eine der ältesten Vitaminmangelerkrankungen, die bei langfristigem Vitamin-C-Mangel ausbricht. Lange Zeit war sie als Seefahrerkrankheit bekannt, da Matrosen aufgrund der einseitigen Ernährung auf monatelangen Schiffsfahrten besonders häufig vom Vitamin-C-Mangel betroffen waren.

Bei Skorbut kommt es aufgrund eines massiven und langanhaltenden Vitamin-C-Mangels zu einem Abbau der Eiweißstrukturen unseres Bindegewebes. Doch bis die Medizin zu dieser Erkenntnis kam, gingen einige Jahrhunderte ins Land.

Die Symptome von Skorbut

Der größte Feind der Seefahrer und Matrosen war nicht die stürmische See, sondern eine Krankheit, die oft beinahe die gesamte Besatzung eines Schiffes auslöschte. Die ersten Symptome wie Muskelschmerzen, Müdigkeit und verfaultes Zahnfleisch traten meist nach ungefähr drei Monaten auf dem Schiff auf. Begleitet wurden diese Anzeichen meist noch von großen, purpurfarbenen Flecken auf der Haut.

Jacques Cartier, ein Seefahrer, schrieb im Jahr 1542 in sein Logbuch: "Es ist fürchterlich: Ihr Zahnfleisch wurde so faul, dass alles Fleisch bis zu den Wurzeln der Zähne abfiel und diese beinahe alle ausfielen. Die Krankheit breitete sich über unsere drei Schiffe aus, dass Mitte Februar von den 100 Personen, die wir waren, keine zehn mehr gesund waren."

Vitamin-C-Mangel als Skorbut-Auslöser lange unbekannt

Über die Existenz von Nährstoffen und Vitaminen wusste damals noch niemand Bescheid. Lange wurde die "Seefahrerkrankheit" auf mangelnde Hygiene geschoben, jedoch beobachtete man die Regelmäßigkeit beim Krankheitsverlauf: Immer drei bis vier Monate nach dem Ablegen des Schiffes kamen die gleichen Symptome.

Die Erklärung für die rätselhafte Krankheit schlummerte in der Nahrung. Stark gesalzenes Fleisch (um es vor dem Verderben zu bewahren) und hartes Brot, fauliges Wasser und Alkohol – so sah seinerzeit oft über Wochen hinweg der Speiseplan auf einem Schiff aus. Aus heutiger Sicht ist sofort klar: Ein solcher Speiseplan ist sehr einseitig und deshalb ungesund.

Des Rätsels Lösung: Wie James Lind die Seefahrer rettete

Im Jahre 1753 erkannte Dr. James Lind, ein britischer Marine-Arzt, die Problematik und verabreicht versuchsweise einigen an Skorbut erkrankten Matrosen andere Kostformen. Die einen erhielten zusätzlich Apfelwein, die anderen Essig und wieder andere erhielten Zitronen und Orangen. Lind beobachtete die Veränderungen seiner Patienten und stellte fest, dass bei den Probanden, welche die Zitrusfrüchte bekamen, die roten Flecken zurückgingen und das Zahnfleisch nachwuchs.

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    Ascorbinsäure ist das wohl bekannteste Vitamin und ein wahres Multitalent. Diese Nahrungsmittel liefern besonders viel von dem gesunden Stoff

Er setzte das Experiment fort und fand heraus, dass sich auch mit Kräutern, frischen Kartoffeln und vor allem Sauerkraut die Symptome verringerten. Somit erstellte Lind eine Liste von Nahrungsmitteln, die mit an Bord mussten – James Cook befolgte auf seiner Expedition 1776 seine Ratschläge und lagerte große Mengen von Sauerkrautfässern und Zitronen in den Bauch seines Schiff ein. Die Männer blieben von der Krankheit weitgehend verschont.

Die Entdeckung der Ascorbinsäure: Behandlung von Skorbut

Die englischen Seeleute wussten zwar nicht, warum Zitrusfrüchte und Sauerkraut gegen die bedrohliche Krankheit halfen, aber schworen dennoch auf die heilende Wirkung dieser Lebensmittel.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es, dieses "Skorbut bekämpfende Etwas" aus den Früchten zu isolieren, die Substanz wurde mit dem Buchstaben C versehen. Als andere Bezeichnung für Vitamin C ist auch Ascorbinsäure bekannt, was übersetzt so viel heißt wie Säure zur Vermeidung von Skorbut.

Was früher als Rätsel galt, ist heute dank moderner Wissenschaft eindeutig: Skorbut entsteht durch anhaltenden Vitamin-C-Mangel. Wird dem Körper über längere Zeit (drei bis vier Monate) keine Ascorbinsäure zugeführt, kann er kein Kollagen produzieren. Das ist ein Eiweißstoff, der das Bindegewebe des Körpers stützt und ohne welchen feine Äderchen reißen, das Zahnfleisch zurückgeht und die Nase blutet. In weiterer Folge kann dies zu lebensbedrohlichen (inneren) Verletzungen führen.

Gibt es Skorbut noch heute?

Die "Seefahrerkrankheit" gilt als besiegt, denn auf Schiffen gibt es heute immer reichlich frisches Obst und Gemüse sowie für den Notfall Vitamin-C-Tabletten.

Leider tritt Skorbut auch heute manchmal bei langen Hungersnöten auf oder in Regionen, wo sich Menschen ausschließlich von Reis ernähren. Dies kommt vor allem in Entwicklungsländern und Krisengebieten noch immer vor. Hier achten aber zumeist Hilfsorganisationen darauf, die unterernährten Menschen mit ausreichend Vitamin C zu versorgen, um die Entstehung eines dauerhaften Vitamin-C-Mangels und somit Skorbut zu verhindern.

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