Bakterien als Auslöser

Scharlach: Auch Erwachsene bekommen typische Kinderkrankheit

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, deren Verursacher Bakterien sind. A-Streptokokken lösen die klassische Kinderkrankheit aus. Aber auch Erwachsene können Scharlach bekommen. Typische Symptome sind Halsschmerzen, Fieber, Hautauschlag und die "Himbeerzunge". Ohne Behandlung kann Scharlach ernsthafte Folgen haben.

Ärztin untersucht Kind
Die Zunge ist so rot wie Himbeeren – ein typisches Zeichen von Scharlach.
© iStock.com/monkeybusinessimages

Scharlach ist eine bakterielle Infektionskrankheit, an der vor allem Kinder erkranken. Doch auch Erwachsene können sich anstecken. Die Verursacher sind bestimmte Bakterien, die sogenannten A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes). Die Erreger befinden sich auf den Schleimhäuten von Menschen und verbreiten sich über Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Sprechen. Medizinisch heißt Scharlach auch Scarlatina.

Typisch sind Symptome wie Fieber, Halsschmerzen und Hautausschlag. Im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken gibt es keine Impfung gegen Scharlach. Wer die Infektionskrankheit einmal durchgemacht hat, kann im Erwachsenenalter erneut erkranken, weil es keine lebenslange Immunität gibt. Der Grund ist, dass die Gruppe der Scharlach-Streptokokken mehr als 40 verschiedene Gifte (Toxine) bilden. Ein Immunschutz besteht nur gegenüber jenen Bakterien, die die aktuelle Infektion ausgelöst haben.

Kinderkrankheiten erkennen mit diesen Bildern

Scharlach kommt im Winter häufiger vor

Scharlach ist weltweit verbreitet. Am häufigsten erkranken Kinder in der kalten Jahreszeit von Oktober bis März. Die Krankheit ist höchst ansteckend. Deshalb kommen in Gemeinschaftseinrichtung wie Schulen, Kitas oder Kindergärten gehäuft Infektionen mit Streptococcus pyogenes vor. Meist erkranken Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Etwa jeder vierte Jugendliche hatte in seinem Leben schon mindestens einmal Scharlach. Säuglinge unter sechs Monaten trifft die Erkrankung in der Regel nicht, da sie noch den Immunschutz der Mutter besitzen. Prinzipiell kommt die Infektionskrankheit aber in allen Altersgruppen vor. Scharlach zählt nach dem Infektionsschutzgesetz zu den meldepflichtigen Erkrankungen.

Die Erkrankung ist gut mit Antibiotika behandelbar und heilt meist ohne gesundheitliche Folgen aus. Ohne Behandlung kann Scarlatina ernsthafte gesundheitliche Folgen haben, zum Beispiel Schäden an Herz und Nieren oder das rheumatische Fieber.

Bakterien lösen Scharlach aus

Verursacher von Scharlach sind keine Viren, sondern Bakterien (A-Streptokokken). Menschen stecken sich fast immer über die Tröpfcheninfektion mit Scharlach an: Die Bakterien befinden sich in den feinen Tröpfchen, die ein Mensch beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft schleudert. Das Gegenüber atmet sie ein und steckt sich so mit den Bakterien an. Diese besiedeln die Schleimhäute von Mund, Rachen und Hals. Bis zu 20 Prozent der Bevölkerung tragen die Bakterien in sich, entwickeln aber keine Symptome. Orte, an denen Menschen eng zusammenleben, begünstigen die Ausbreitung des Erregers in jedem Alter. Dazu zählen beispielsweise Schulen, Kasernen oder Pflegeeinrichtungen.

Äußerst selten infizieren sich Personen durch den Kontakt mit verunreinigten Gegenständen (Besteck, Spielzeug) über eine Schmierinfektion oder durch den Konsum von Lebensmitteln und Wasser, die Bakterien enthalten.

Symptome bei Scharlach: typische "Himbeerzunge"

Zwischen der Ansteckung mit den Bakterien und dem Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) vergehen ein bis drei Tage. Dann zeigen sich die ersten Symptome, die individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Verantwortlich für die Beschwerden sind die Toxine der Scharlach-Bakterien.

Erste Anzeichen bei Scharlach sind:

Nach ein bis zwei Tagen kommen weitere Beschwerden hinzu:

  • knötchenartiger Hautausschlag (Papeln), der sich vom Oberkörper über die Achseln, Brust und Leisten auf den gesamten Körper ausbreitet – mit Ausnahme der Handinnenflächen und Fußsohlen; der Hautausschlag juckt nicht und bildet sich nach sechs bis neun Tagen zurück.

  • "Himbeerzunge": Erst ist sie weiß belegt, dann nimmt sie die Farbe einer Himbeere an; die Papillen auf der Zunge sind vergrößert, später schält sie sich.

  • Blässe um den Mund herum, gerötete Wangen

  • Einige Tage nach dem Abklingen des Hautauschlags schuppt und schält sich die Haut, besonders an den Innenflächen der Hände und den Fußsohlen.

Zunge: Was Belag und Farbe bedeuten

Begleitend können eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Mittelohrentzündung (Otitis media) oder eine Lungenentzündung (Pneumonie) hinzukommen. Die wichtigste Komplikation ist ein Abszess der Gaumenmandeln (Peritonsillarabszess).

Wie lange ist ein Mensch ansteckend?

Scharlach behandeln Ärzte mit Antibiotika. 24 Stunden nach der ersten Einnahme sind Erkrankte nicht mehr ansteckend für andere. Ohne diese Medikamente sieht es allerdings anders aus: Bis zu drei Wochen nach den ersten Symptomen können sie noch andere Menschen infizieren.

Diagnose Scharlach ist meist schnell gestellt

Wenn Sie oder Ihr Kind plötzlich Fieber und Halsschmerzen entwickeln, suchen Sie immer sofort einen Arzt auf. Er wird die Beschwerden und die  Krankengeschichte in einem Gespräch erfragen (Anamnese).

Wichtig für die Diagnose sind beispielsweise folgende Punkte:

  • Unter welchen Beschwerden leiden Sie genau?
  • Wann sind diese zum ersten Mal aufgetreten?
  • Als wie stark würden Sie diese beschreiben?
  • Besuchen Sie oder Ihr Kind Gemeinschaftseinrichtungen wie Heime, eine Kaserne, den Kindergarten, die Schule oder eine Kita?
  • Hatten Sie mit einer Person Kontakt, die an Scharlach erkrankt ist?

Meist erkennt der Arzt die Infektionskrankheit schon auf den ersten Blick anhand der typischen Scharlach-Symptome, zum Beispiel der Himbeerzunge, Entzündungen im Rachenraum, Fieber, Halsschmerzen oder dem flächendeckenden Hautausschlag.

Scharlach-Schnelltest mittels Abstrich

Beim Verdacht auf Scharlach führt der Arzt meist einen Schnelltest durch, um die Streptokokken nachzuweisen. Mit einem Wattestäbchen entnimmt er vorsichtig einen Abstrich von den Rachenmandeln. Das Ergebnis liegt in wenigen Minuten vor, ist aber nicht immer aussagekräftig. Ein positives Testergebnis bedeutet, dass eine Infektion mit A-Streptokokken besteht. Ein negatives oder nicht eindeutiges Resultat heißt aber nicht, dass eine Streptokokkeninfektion ausgeschlossen ist. Dann folgt eine genauere Untersuchung des Rachenabstrichs auf Streptokokken im Labor. Bis das Ergebnis vorliegt, vergehen aber einige Tage, weil Labormediziner die Bakterien erst anzüchten und vermehren müssen.

Blutuntersuchung auf Antikörper

Der Nachweis von Antikörpern im Blut ist nur sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine Folgeerkrankung aufgrund der Streptokokkeninfektion besteht. Die Werte für bestimmte Antikörper sind erhöht, wenn eine Infektion mit diesen Bakterien vorausgegangen ist.

Scharlach-Therapie mit Antibiotika

Scharlach behandeln Ärzte mit Antibiotika. Die Medikamente wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Das Antibiotikum der ersten Wahl ist Penicillin, das Patienten über zehn Tage als Tabletten oder über eine Infusion erhalten. Für Kinder gibt es Antibiotika als Saft. Bei einer kürzeren Antibiotikatherapie erhöht sich die Gefahr für einen Rückfall. Besteht eine Allergie gegenüber Penicillin, sind Cephalosporine oder das Antibiotikum Erythromycin und andere Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide eine Alternative. Allerdings wirken diese nicht bei jedem Patienten.

Antibiotika hemmen die Ansteckungsgefahr schnell. Schon 24 Stunden nach der ersten Einnahme eines Antibiotikums sind Erkrankte nicht mehr infektiös und keine Ansteckung mehr möglich. Ohne Behandlung können sie die Bakterien noch bis zu drei Wochen an andere weitergeben. Wichtig ist es, die Antibiotikatherapie nicht abzubrechen, sondern sie bis zum Ende weiterzuführen. Sonst besteht die Gefahr eines Rückfalls und die Krankheit flammt erneut auf.

Scharlach-Symptome lindern – das können Sie selbst tun!

Die Infektionskrankheit geht mit einigen unangenehmen Symptomen einher, zum Beispiel Fieber und Halsschmerzen. Folgende Maßnahmen helfen:

  • Halsschmerzen: Gurgeln mit Salbei- und Eibischtee oder desinfizierenden Lösungen; warme Halswickel; kalte Getränke oder Eis; Lutschtabletten, Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol

  • Schluckbeschwerden: weiche und flüssige Nahrungsmittel (Brei, Suppe) statt hartes Brot oder schwer zu kauende Lebensmittel

  • Fieber: ausreichend trinken, zum Beispiel Kräutertee, verdünnte Säfte oder Wasser; fiebersenkende Medikamente

  • Antibiotika beseitigen nicht nur krankmachende Bakterien, sondern auch "gute" Keime im Darm; die Darmflora lässt sich durch den regelmäßigen Verzehr von Joghurt, die gesunde Bakterien enthalten, wieder aufbauen.

Hausmittel gegen Halsschmerzen

Scharlach ohne Therapie kann dramatische Folgen haben

Mit der Einnahme von Antibiotika heilt Scharlach meist innerhalb von zehn Tagen wieder aus. Ohne Behandlung oder wenn Sie die Antibiotikatherapie abbrechen, zieht sich die Infektionskrankheit über Wochen hin. Es kann zu gefährlichen Komplikationen und Spätfolgen mit bleibenden Schäden kommen.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  • eitrige Mandelentzündung
  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Nierenentzündung
  • gefürchtet, aber selten: rheumatisches Fieber mit Entzündungen der großen Gelenke, des Herzmuskels, Herzbeutels und der Herzklappen

Besprechen Sie sich immer mit Ihrem behandelnden Arzt, wann Sie oder Ihr Kind wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen dürfen. Nach überstandener Erkrankung besteht keine sichere Immunität. Menschen können also mehrmals im Lauf ihres Lebens an Scharlach erkranken.

Scharlach vorbeugen – die besten Tipps

Im Gegensatz zu anderen "klassischen" Kinderkrankheiten wie Windpocken oder Masern gibt es keine Impfung gegen Scharlach. Das Kind darf während der Erkrankung nicht in den Kindergarten oder die Schule, um eine Ansteckung der anderen Kinder zu vermeiden. Das gilt auch für erkrankte Erwachsene, die in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern, Senioren- oder Pflegeheimen arbeiten.

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Vorbeugen können Sie nicht wirklich. Aber es gibt allgemeine Hygienemaßnahmen, die Sie grundsätzlich besser vor Bakterien und Viren schützen. Beispiele sind:

  • Waschen Sie sich häufig und gründlich die Hände mit Seife und heißem Wasser.

  • Halten Sie Abstand oder wenden Sie sich ab, wenn andere husten oder niesen (auch umgekehrt!).

  • Husten und niesen Sie nicht in die Handfläche, sondern in ein Einwegtaschentuch oder notfalls in die Ellenbeuge; entsorgen Sie Taschentücher direkt in einen Abfalleimer mit Deckel.

  • Schütteln Sie anderen Menschen so wenig wie möglich die Hände.

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