Tropenkrankheit "Knochenfieber" in Thailand und auf Bali

Dengue-Fieber: Symptome und Verbreitung

Mücken übertragen diese Virusinfektion. Dengue-Fieber verläuft häufig mild, kann aber manchmal zu lebensgefährlichen inneren Blutungen führen. In den Tropen und Subtropen gibt es große Epidemien. Immer häufiger sind auch Fernreisende betroffen.

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Die Tigermücke mit ihren typischen Streifen überträgt mitunter Viren, die das Dengue-Fieber auslösen.
Getty Images/iStockphoto

Das Dengue-Fieber ist eine Infektionskrankheit. Umgangssprachlich wird es auch als „Knochenbrecher“ bezeichnet, weil es massive Muskel- und Gelenkschmerzen auslösen kann. Wesentlich riskanter ist eine andere Verlaufsform der Tropenkrankheit, die etwa fünf Prozent der Infizierten betrifft: Hohes Fieber und innere Blutungen (hämorrhagisches Fieber) können bei bis zu einem Drittel der Patienten tödlich verlaufen.

Die besten Tipps gegen Mücken

In der Regenzeit ist das Dengue-Risiko groß

Der Ansteckungsweg erfolgt über den Stich bestimmter Mücken. Dabei handelt es sich um die Weibchen von Gelbfieber- sowie asiatischer Tigermücke. Südostasien, Pazifik, tropisches Afrika, Mittelamerika und Karibik – in rund 100 Ländern der Tropen und Subtropen gibt es vor allem während der Regenzeit immer wieder Dengue-Epidemien. In Südostasien und im Pazifik tritt diese Infektionskrankheit sogar häufiger auf als Malaria, die ebenfalls mit einem Stich, allerdings dem der Anophelesmücke, übertragen wird.

Dengue-Infektionen nehmen rasant zu

Eine Studie der Oxford University zeigt, dass die von der WHO bisher angenommenen Infektionszahlen von höchstens 100 Millionen pro Jahr weltweit aktuell rund dreimal so hoch liegen. Damit haben sich die Erkrankungszahlen in den letzten Jahrzehnten verdreißigfacht.

Mücken wandern nach Norden, das Fieber auch

Mit der Klimaerwärmung und der damit verbundenen Ausbreitung der Dengue-Mücken wandert die Infektionskrankheit langsam nach Norden. In Südfrankreich und Kroatien wurden bereits einzelne Fälle beobachtet. Auf Madeira gab es  große Ausbrüche im Jahr 2012. Betroffen ist zunehmend auch Nordamerika. Außerdem kommen immer mehr Reisende mit einer Dengue-Infektion aus den entsprechenden Gebieten zurück.

Sicherheit auf Reisen: Hier lauert Infektionsgefahr

Thailand-Reisende sind besonders gefährdet

Noch 2001 wurden beim Robert-Koch-Institut nur 60 Fälle gemeldet, zehn Jahre später bereits mehr als 600. Gefährdet sind vor allem Thailand-Reisende. Dort häufen sich nämlich in den letzten Jahren Dengue-Infektionen auch außerhalb der Regenzeit. Tropenmediziner bezeichnen das Dengue-Fieber als die häufigste, durch einen Mückenstich übertragene Krankheit.

Impfung gegen Dengue-Fieber ist in der Entwicklung

Weil es beim Dengue-Fieber vier verschiedene Virentypen gibt, bildet sich keine allgemeine Immunität nach überstandener Krankheit. Der Patient ist danach nur gegen den Virustyp immun, mit dem er infiziert war. Vorbeugen gegen das gefährliche Fieber lässt es sich nur mit den bekannten Mückenschutzmaßnahmen, um den Stich zu vermeiden. Eine Impfung gegen Dengue gibt es derzeit noch nicht, ist jedoch in der Entwicklung befindlich. 

Symptome des Dengue-Fiebers: Daran erkennt man die Infektion

Es gibt drei unterschiedliche Formen von Dengue-Fieber mit unterschiedlichen Symptomen: die milde, atypische Form, das klassische Dengue-Fieber und das lebensgefährliche Dengue-hämorrhagische Fieber (DHF).

Die Inkubationszeit beträgt drei bis 14 Tage. Meist dauert es jedoch nur höchstens eine Woche, bis nach dem Mückenstich das Dengue-Fieber auftritt. Je nach Immunantwort des  Körpers sind Anzeichen und Krankheitsverlauf unterschiedlich. Demnach gibt es drei Formen der Dengue-Infektion:

  1. Klassisches Dengue-Fieber
  2. Milde atypische Verlaufsform
  3. Dengue-hämorrhagische Fieber (DHF) mit der Gefahr eines Dengue-Schocksyndrom (DSS).

Von leichter Infektion bis zum lebensgefährlichen Schock

Die Anzeichen vom klassische Dengue-Fieber sind:

Tropenmediziner sprechen in diesem Zusammenhang oft von der „klassischen Dengue-Trias – Fieber, Ausschlag, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen“.

Dengue-Fieber verläuft in zwei Phasen

Nach dieser ersten Krankheitsphase sinkt das Fieber oft genauso rasch, wie es gekommen ist. Ein bis zwei Tage später steigt es jedoch wieder an. Typisch für diese zweite Phase ist das zusätzliche Auftreten von scharlachähnlichem Ausschlag, also kleinen, roten Papeln in großer Anzahl am ganzen Körper – außer im Gesicht. Danach dauert es oft Wochen, bis die Krankheit wieder vollständig ausgeheilt ist.

Bei der milden atypische Verlaufsform von Dengue-Fieber treten diese Symptome ebenfalls auf, allerdings extrem abgeschwächt. Die Krankheitsdauer beträgt höchstens 72 Stunden.

Lebensgefährliches Dengue-hämorrhagisches Fieber (DHF)

Anders sieht es beim Dengue-hämorrhagischen Fieber (DHF) aus. Betroffen sind meist Patienten, die bereits einmal Dengue-Fieber hatten, allerdings hervorgerufen durch einen anderen Virustyp. Daneben sind aber auch Kinder besonders gefährdet für diese schwere Verlaufsform der Infektionskrankheit – auch wenn sie vorher noch niemals Dengue-Fieber hatten. Die Anzeichen für das DHF sind:

  • plötzlich hohes Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Seltener: Stecknadelkopfgröße Einblutungen in die Haut und großflächigere in die Schleimhäute der Verdauungsorgane, weil die Dengueviren das Blutsystem schädigen.

Eine lebensgefährliche Komplikation des DHF ist das Dengue-Schocksyndrom (DSS). Zwei bis sechs Tage nach dem Beginn der Krankheit verschlechtert sich der Allgemeinzustand, die Blutgerinnung ist massiv gestört, sozusagen verblutet der Patient innerlich. Angst tritt auf, Schweißausbrüche und Blutdruckabfall führen zum Schock. DHF und DSS  verlaufen bei sechs bis 30 Prozent der Patienten tödlich.

Dengue-Fieber wird durch Viren verursachen

Mit dem Mückenstich gelangen die Dengue-Viren in den Körper. Dabei handelt es sich um vier unterschiedliche Virentypen. Sie sind verwandt mit Erregern von West-Nil-Fieber, FSME und Gelbfieber.

Die Weibchen von Aedes aegypti (Gelbfiebermücke) und Aedes albopictus (Asiatische Tigermücke) können Dengue-Viren übertragen. Anders als Anophelesmücken, die Malaria übertragen, sind die Dengue-Mücken nicht nur nachts, sondern auch tagsüber aktiv. Beim Stechen gelangen die Erreger mit dem Speichel ins Blutsystem.

Dengue-Viren gehören zu einer gefährlichen Erreger-Familie

Das Dengue-Virus zählt zur Gruppe der Flaviviren, zu denen auch West-Nil-Fieber, FSME, Gelbfieber und Pest zählen. Zum Dengue-Virus gehören vier Untertypen: DENV 1, 2, 3 und 4.  

Harmlose Erstinfektion mit Dengue

Die meisten Erstinfektionen mit Dengue-Viren verlaufen stumm, also ohne Krankheitsanzeichen oder milde. Dann hat sich das Abwehrsystem erfolgreich gegen das Dengue-Virus gewehrt und entsprechende Antikörper gebildet. In Zukunft ist der Betroffene immun gegen DEN1, 2, 3 oder 4 – eben den Dengue-Virus-Typ, der die Krankheit ausgelöst hatte. Wird der Organismus nach diesem ersten, überstandenen Dengue-Fieber jedoch nochmals mit Dengue-Viren infiziert und handelt es sich dabei um einen anderen Virustyp als bei der ersten Erkrankung, wird die Tropeninfektion massiver verlaufen.

Warum eine Zweitinfektion mit Dengue-Viren so gefährlich ist

Die Erklärung: Die bei der Erstinfektion gebildeten Antikörper heften sich an die Oberfläche der Dengue-Viren, können sie jedoch nicht besiegen. Diese Belagerung oder Maskierung macht die Viren jedoch für das Immunsystem als Feind unkenntlich. Die Krankheitserreger können sich dadurch eine Zeitlang ungehindert vermehren. Diese große Virenlast führt dann zu den ausgeprägten Beschwerden und oft dramatischen Krankheitsverläufen.

Dengue-Fieber ist schwierig zu diagnostizieren

Bluttests zeigen, ob tatsächlich Dengue-Fieber vorliegt, oder eine andere, ähnliche Tropenkrankheit. Die Ergebnisse sind oft nicht eindeutig. Eine Differentialdiagnose ist dann wichtig, um andere, ähnliche Tropenkrankheiten auszuschließen.

Wer von einer Fernreise zurückkehrt und sich krank fühlt, sollte am besten in eine Tropenmedizinische Praxis oder Klinik gehen. Oft heißen die entsprechenden Abteilungen im Krankenhaus auch „Klinische Infektiologie, Reise- und Tropenmedizin“. War der Patient in einem der Dengue-Epidemiegebiete und beschreibt er die typischen Beschwerden, wird der Facharzt meist bereits mit diesen Hinweisen den Verdacht auf Dengue-Fieber äußern.

Oft sind viele Bluttests für die Diagnose Dengue-Fieber nötig

Verschiedene Bluttest helfen bei der weiteren Diagnose. Zwischen dem dritten und siebten Krankheitstag lässt sich im Blut das Virus nachweisen. Ab dem achten Tag können auch die Antikörper festgestellt werden. Allerdings schlagen die Tests oft nicht besonders stark an und weitere sind deshalb nötig. So handelt es sich beispielsweise nur dann tatsächlich um Dengue-Fieber, wenn auch beim zweiten Test die Antikörper um ein Vierfaches ansteigen.

Falsch-negative Ergebnisse beim Test auf Dengue

Schwierig wird die Diagnose von Dengue-Fieber auch dadurch, dass vor allem Schnelltests in den ersten Tagen der Erkrankung falsch-negative Ergebnisse liefern können. Das ist etwa der Fall, wenn der Patient gegen Gelbfieber geimpft ist. Sein Blut weist dadurch Antiköprer gegen Flaviviren auf – zu denen auch Gelbfieber- und Dengue-Virus gehören.

Eindeutige Hinweise bei  Dengue-hämorrhagischen Fieber

Beim schweren Verlauf von Dengue-Fieber, dem Dengue-hämorrhagischen Fieber (DHF), ist der Zustand der Kapillaren der wichtigste Hinweis für die Diagnose. Wird ein Kapillarleck nachgewiesen und ist der Hämatokrit-Wert im Blut um mindestens 20 Prozent angestiegen, liegt sicher DHF vor.

Differenzialdiganose bei Dengue-Fieber

In allen anderen Fällen müssen weitere Tests zu einer Differenzialdiagnose herangezogen werden. Das bedeutet, mit weiteren Bluttests forschen die Ärzte, ob es sich nicht doch um eine andere, aber ähnliche Tropenkrankheit handelt oder ob alle anderen ausgeschlossen werden können und letztendlich nur noch Dengue-Fieber als Ursache bleibt. Das sind vor allem:

  • Malaria,
  • Chikungunya-Fieber,
  • Gelbfieber,
  • Japanische Enzephalitis
  • Typhus abdomina
  • Leptospirose,
  • Meningokokken-Erkrankung,
  • Masern und Röteln.

Die exakte Diagnose ist wichtig, um die entsprechende Behandlung zu starten. Übrigens ist Dengue-Fieber meldepflichtig. Steht die Diagnose fest, wird der Arzt das an die entsprechende Behörde weiterleiten.

Behandlung des Dengue-Fiebers

Es gibt kein Medikament gegen Dengue-Fieber. Nur die Symptome lassen sich lindern. Allerdings dürfen Wirkstoffe, die das Blut verdünnen nicht eingenommen werden.

Wie bei den meisten Viruserkrankungen gibt es keinen speziellen Wirkstoff, der sich gegen das Virus richtet, es zerstört oder wenigstens seine Vermehrung verhindert. Die Therapie von Dengue-Fieber ist also rein symptomatisch. Das bedeutet:

  • Bettruhe
  • Fieber senken
  • Schmerzen lindern
  • Flüssigkeits- und Elektrolyausgleich.

Vorsicht bei Acetylsalicylsäure und Ibuprofen!

Gängige Schmerz- und Fiebermittel wie Acetylsalicylsäure und Ibuprofen sind bei Dengue-Fieber ungeeignet. Diese Wirkstoffe verdünnen das Blut. Bei Dengue-Fieber ist die Thrombozytenzahl sowieso schon sehr niedrig und die Blutungsneigung entsprechend groß. Andere Substanzen, wie etwa Paracetamol sind dann sinnvoller.

Intravenöse Flüssigkeitszufuhr bei Dengue-hämorrhagischen Fieber

Beim schweren Verlauf der Erkrankung, dem Dengue-hämorrhagischen Fieber (DHF), ist ein stationärer Aufenthalt unausweichlich. Je nach Ausprägung der Blutungen ist intensivmedizinische Behandlung nötig. Am wichtigsten ist dann der Flüssigkeitsausgleich, der intravenös erfolgt. Wie sinnvoll diese Maßnahme ist, zeigen Zahlen aus Thailand: Verliefen in den 50er Jahren noch zehn Prozent aller DHF-Fälle tödlich, sind es jetzt nur noch 0,25 Prozent.

Milde Formen von Dengue-Fieber sind oft schon nach einer Woche überstanden. Die schweren Verläufe machen häufig einen wochenlangen Krankenhausaufenthalt nötig. Oft dauert es Monate, bis sich der Patient wieder völlig erholt hat.

Dengue-Fieber vorbeugen: Mückenschutz ist das A und O

Intensiver Mückenschutz ist die beste Vorbeugung gegen Dengue-Fieber. Derzeit wird ein Impfstoff entwickelt. Viele Länder experimentieren mit Möglichkeiten, die Mücken auszurotten.

Zwar verläuft die Erstinfektion mit dem Dengue-Virus meist harmlos. Weil jedoch die zweite lebensgefährlich sein kann, ist es besser, erst gar nicht mit dem Erreger in Kontakt zu kommen. Die Infektion erfolgt bekanntlich über einen Mückenstich und zwar der Gelbfieber- sowie asiatischer Tigermücke – beides tagaktive Blutsauger. Deshalb ist die besten Vorbeugemaßnahme gegen Dengue-Fieber die so genannte Expositionsprophylaxe – das bedeutet sich direkt und indirekt vor den Mücken zu schützen. Dazu gehören:

  • Tragen Sie geschlossene Kleidung – also langärmelige Oberbekleidung und lange Hosen.

  • Benutzen Sie Repellents. Das sind insektenabweisende Hautlotionen und -sprays. Vertrauen Sie dabei nicht auf Hausmittel wie Zitronen- oder Lavendelöl, sondern auf eigens für die Tropen entwickelte Repellents (etwa mit Diethyltoluamid – DEET - oder Icaridin). Sie können damit auch zusätzlich Ihre Kleidung präparieren.

  • Verwenden Sie Insektizide. Diese Insektengifte gibt es als Verstäuber, Verdampfer oder Spray. Die Wirkstsoffe machen Räume sozusagen mückenfrei.

  • Schlafen Sie unter einem Moskitonetz. Behandeln Sie es sicherheitshalber mit einem Insektizid.

  • Nehmen Sie bei einer Reise in gefährdete Gebiete diese Ratschläge ernst. Bedenken Sie: Nach einer Erstinfektion ist jeder weitere Aufenthalt in Thailand, Florida oder Indien für Sie äußerst riskant.

Dengue-Impfung in Entwicklung

In Zukunft könnte jedoch die Dengue-Impfung sicher vor dieser Infektionskrankheit schützen. Die Entwicklung gestaltet sich jedoch als schwierig, weil ein Impfstoff vor allen vier verschiedenen Dengue-Viren-Typen schützen soll. Zur Zeit sind fünf verschiedene Impfstoffe in der Testung. Wann der erste Marktreife erlangt haben wird, ist jedoch noch nicht absehbar.

Länder machen gegen Dengue-Fieber mobil

Bis es so weit ist, versuchen besonders gefährdete Länder, weitere Dengue-Epidemien auf die unterschiedlichsten Weisen zu verhindern:

  • Auf den Philippinen hält das Gesundheitsministerium alle dazu an, täglich um vier Uhr nachmittags in Haus, Hof und Garten nachzusehen, ob sich irgendwo Sammelwasser gebildet hat (in Trögen, alten Autoreifen und anderem mehr). Dieses muss sofort entfernt werden. Auf diese Weise möchte man den Mücken die Brutstätten entziehen.

  • In Malaysia haben Wissenschaftler aggressive Mücken gezüchtet, die asiatische Tigermücken töten sollen.

  • In Singapur wird die Bevölkerung dazu angehalten, über eine App Brutstätten von Mücken zu fotografieren und das Bild ans Gesundheitsministerium zu senden – damit die betreffenden Bereiche ausgetrocknet und mit Insektiziden entschärft werden.

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