Leukämie: Blutkrebs ist behandelbar

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Leukämie ist eine Gruppe von Krebserkrankungen des blutbildenden Systems. Die verschiedenen Arten des Blutkrebses unterscheiden sich hinsichtlich Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Heilungsaussichten stark voneinander.

Leukämie Blutzellen
© iStock.com/Dr_Microbe

Akute Leukämien können in jedem Lebensalter entstehen und zeichnen sich durch das plötzliche Auftreten heftiger Symptome aus. Chronische Leukämien kommen vor allem bei Erwachsenen vor und haben meist einen schleichenden Verlauf.

Verglichen mit anderen Krebsarten kommen Leukämien relativ selten vor. In Deutschland sind etwa 2,7 Prozent der Tumorerkrankungen bei Frauen und 3,1 Prozent der Tumorerkrankungen bei Männern eine Leukämie-Art. Insgesamt erkranken jährlich etwa 14.000 Menschen in Deutschland an Blutkrebs.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was versteht man unter Leukämie?

Der Begriff Leukämie steht für eine ganze Gruppe von Krebserkrankungen, die alle ihren Ursprung in den Zellen des blutbildenden Systems haben. Blutzellen jeder Art stammen von einer gemeinsamen blutbildenden Stammzelle im Knochenmark ab. Bis zur Reife durchlaufen die Blutzellen zahlreiche Vorstufen und in jeder dieser Entwicklungsphasen können sie entarten, also bösartig werden.

Im Wesentlichen unterscheidet man die folgenden vier Leukämiearten:

  • akute myeloische Leukämie (AML)

  • akute lymphatische Leukämie (ALL)

  • chronisch myeloische Leukämie (CML)

  • chronisch lymphatische Leukämie (CLL)

Bei den verschiedenen Arten der Leukämie ist der Reifungsprozess der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gestört, da bestimmte Kontrollmechanismen des Wachstums fehlgeschaltet sind. Anstatt reifer, funktionstüchtiger weißer Blutkörperchen bilden sich unausgereifte und somit nicht richtig funktionsfähige Leukozyten, die dann in den Blutkreislauf ausgeschüttet werden.

Neben dem Funktionsmangel haben diese unreifen Blutzellen die Eigenschaft, sich sehr schnell und unkontrolliert zu vermehren. Die normale Blutbildung im Knochenmark wird zunehmend durch die großen Mengen funktionsunfähiger oder funktionsreduzierter Blutzellen verdrängt und gesunde weiße und rote Blutkörperchen sowie Blutplättchen können nicht mehr im notwendigen Umfang gebildet werden.

Akute und chronische Leukämien unterscheiden sich

Je nachdem, aus welcher Art von Leukozyten die Leukämiezellen hervorgehen, unterscheidet man zwei Typen von Leukämien. Myeloische Leukämien entstehen aus Vorläuferzellen der Granulozyten, lymphatische Leukämien bilden sich aus Vorläuferzellen der Lymphozyten. Von beiden Arten gibt es jeweils akute und chronisch verlaufende Formen. In der Regel entwickeln sich die Symptome der akuten Formen sehr schnell, die Krankheitszeichen sind sehr schwer und eine Behandlung muss unmittelbar begonnen werden. Chronische Leukämien sind dagegen im Allgemeinen langsam fortschreitende Erkrankungen mit geringen Symptomen, die oft über einen längeren Zeitraum unbemerkt bleiben.

Welche Symptome können bei Leukämie auftreten?

Die Anzeichen von Leukämien können anfänglich denen anderer, harmloser Erkrankungen ähneln. Häufig fühlen sich Betroffene müde, abgeschlagen und leistungsvermindert. Weitere sehr unspezifische Symptome sind Blässe, Fieber und Infektanfälligkeit. Hinzu kommen Beschwerden wie ungewollter Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellungen, Hautveränderungen oder Oberbauchschmerzen. Diese führen dann meist dazu, dass eine gezielte Diagnostik durchgeführt wird.

Die typischen Symptome der Leukämie sind:

  • unklares Fieber

  • nächtliche Schweißausbrüche

  • Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust

  • häufige Infekte, da die Immunabwehr nicht voll funktioniert

  • Zeichen von Blutarmut wie Abgeschlagenheit und Leistungsminderung, Blässe, Schwindelgefühl, Herzrasen und Atemnot

  • Lymphknotenschwellung insbesondere am Hals, in den Achselhöhlen und in der Leiste, meist nicht schmerzhaft

  • Hautveränderungen wie Petechien (winzige, punktartige Blutungen) insbesondere an Armen und Beinen, Hautausschlag, Zahnfleischwucherungen

  • Blutungsneigung (Zahnfleisch, Nasenbluten, blaue Flecken); Verletzungen bluten ungewöhnlich lange

  • Oberbauchschmerzen durch eine Vergrößerung von Leber und Milz

  • Atemnot, schon bei leichter körperlicher Belastung

  • Knochenschmerzen, durch die Ausbreitung der Leukämiezellen im Knochenmark

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Gefühlsstörungen oder Lähmungen durch einen Befall des zentralen Nervensystems durch Leukämiezellen

Ursachen und Risikofaktoren für Blutkrebs

Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die das Erkrankungsrisiko für Leukämie erhöhen. Eine sichere Ursache für die Entstehung von Blutkrebs konnte man allerdings bisher nicht finden und bei einem großen Anteil an Leukämie-Erkrankungen lässt sich keiner der bekannten Risikofaktoren nachweisen.

Zu den Risikofaktoren zählen:

  • Veranlagung: Traten innerhalb einer Familie schon häufiger bösartige Erkrankungen auf, ist auch das Risiko für die Entstehung von Leukämie erhöht. Dies deutet auf eine gewisse ererbte Veranlagung für Blutkrebs hin. Auch die Tatsache, dass bestimmte genetisch bedingte Erkrankungen das Risiko für Leukämie erhöhen, spricht für eine Rolle der Veranlagung. Beispielsweise haben Menschen mit Down-Syndrom ein 20-fach erhöhtes Risiko, an einer akuten myeloischen Leukämie (AML) zu erkranken.

  • erworbene Chromosomenveränderungen: In den Leukämiezellen lassen sich häufig Veränderungen in den Chromosomen (Träger des Erbmaterials) nachweisen. Am bekanntesten ist das sogenannte Philadelphia-Chromosom, das in einem großen Prozentsatz der veränderten Leukozyten bei chronisch myeloischer Leukämie (CML) zu finden ist. Durch einen Austausch von Genabschnitten resultiert ein Gendefekt, der aus einer gesunden Zelle eine Leukämiezelle macht.

  • radioaktive Strahlen: Die energiereiche Strahlung von radioaktivem Material schädigt insbesondere das Erbgut von Zellen, die eine hohe Teilungsrate haben. Zu diesen Zellen gehören auch die Knochenmarkzellen, die für die Blutbildung zuständig sind.

  • chemische Substanzen: Der direkte Kontakt mit verschiedenen chemischen Substanzen wie Benzol und anderen organischen Lösungsmitteln, Insektiziden (Insektenbekämpfungsmittel) und Herbiziden (Pflanzenschutzmittel) erhöht die Gefahr an Leukämie zu erkranken. Die Anwendung von Medikamenten zur Krebsbehandlung wie Zytostatika und Immunsuppressiva beeinträchtigen die Funktion des Knochenmarks und können langfristig eine Leukämie begünstigen.

  • Rauchen: Schätzungen zufolge sind zehn Prozent aller Leukämiefälle durch das Rauchen von Zigaretten bedingt. Das Erkrankungsrisiko für eine akute myeloische Leukämie (AML) soll bei aktiven Rauchern um 40 Prozent und bei Ex-Rauchern um 25 Prozent erhöht sein.

  • Lebensalter: Mit steigendem Lebensalter erhöht sich das Risiko, an einer chronischen Form der Leukämie oder an einer akuten myeloischen Leukämie zu erkranken.

Wie kann man eine Leukämie nachweisen?

Bei einer gründlichen Anamnese werden die aktuellen Beschwerden, die Vorgeschichte und eventuelle Risikofaktoren erfragt. Eine körperliche Untersuchung kann Hinweise auf Vergrößerungen von Lymphknoten, Milz und Leber geben.

Danach erfolgt eine Blutuntersuchung, die Aussagen darüber treffen kann, ob weiße Blutkörperchen bösartig verändert sind und welche Untergruppen der Leukozyten von dieser Veränderung betroffen sind. Durch moderne Technologien kann man die Zellen hinsichtlich ihres Aussehens beurteilen und Änderungen im Erbgut feststellen. Zusätzlich gibt das Blutbild Hinweise über den Allgemeinzustand des Betroffenen sowie über die Funktionen einzelner Organe.

Außerdem wird bei Verdacht auf eine Leukämie eine Probe des Knochenmarks aus dem Beckenknochen oder Brustbein entnommen (Knochenmarkbiopsie). Das Knochenmark wird auf seine zellulären und feingeweblichen Eigenschaften untersucht. Auch Aussagen zur Prognose der Erkrankung können getroffen werden.

Weitere Untersuchungen dienen dazu, die Ausbreitung der Erkrankung genau zu bestimmen. Dazu werden Ultraschalluntersuchungen, Röntgenaufnahmen, Kernspintomografie (MRT), Computertomografie (CT), Lumbalpunktionen (Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit) und Lymphknotenbiopsien durchgeführt.


Wie kann man eine Leukämie behandeln?

Die Therapie des Blutkrebses hängt vom Allgemeinzustand des Betroffenen und der Art der Leukämie ab. Zentrale Behandlung bei allen akuten Leukämien ist die Chemotherapie. Durch den Einsatz von zellwachstumshemmenden Medikamenten (Zytostatika) sollen die Leukämiezellen im ganzen Körper vollständig zerstört oder zumindest weitestgehend zurückgedrängt werden.

Die Behandlung akuter Leukämien erfolgt in mehreren Phasen. Zuerst verabreicht man die sogenannte Induktionstherapie, die die entarteten Blutzellen zerstört. Darauf folgt eine Konsolidierungstherapie und im Fall einer ALL auch noch eine Erhaltungstherapie. Beide sollen verhindern, dass im Knochenmark wieder veränderte Zellen entstehen.

Insbesondere bei chronischen Leukämien kann die Chemotherapie gegebenenfalls durch Antikörpertherapien, Interferontherapien und Bestrahlungen ergänzt werden.

Therapie der Leukämie mit Stammzellen

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung von Leukämien ist die Stammzelltransplantation. Das erkrankte Knochenmark des Betroffenen soll durch gesunde Stammzellen ersetzt werden. Diese stammen von einem passenden Spender oder seltener vom Patienten selbst.

Betroffene können sich Stammzellen selbst spenden, man nennt dies autologe Stammzelltransplantation. Dies ist aber nur möglich, wenn die Krebszellen im Knochenmark durch eine Behandlung vorübergehend zurückgedrängt wurden. Da der Nutzen einer autologen Transplantation für die verschiedenen Leukämieformen nicht zweifelsfrei feststeht, erhalten Leukämiepatienten heute daher meist Stammzellen von einem gesunden Verwandten oder fremden Spender. Dies nennt man allogene Stammzelltransplantation. Um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger möglichst identisch sein.

Es gibt drei Möglichkeiten, Blutstammzellen für eine allogene Stammzelltransplantation zu gewinnen:

  • Stammzellen aus Knochenmark: Werden die Blutstammzellen aus dem Knochenmark des Beckenknochens entnommen, sind für den Spender eine Vollnarkose und ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

  • Stammzellen aus peripherem Blut: Für die Verwendung peripheren Blutes aus der Armvene ist eine besondere Form der Blutentnahme nötig. Beim Spender ist dazu eine mehrtägige Vorbehandlung mit einem Wachstumsfaktor notwendig, damit möglichst viele Blutstammzellen aus dem Knochenmark ins Blut wandern.

  • Stammzellen aus Nabelschnurblut: Eine weitere Quelle für Stammzellen ist Nabelschnurblut gesunder Neugeborener. Es enthält viele Blutstammzellen, ist einfach zu gewinnen und kann bei geringerer Übereinstimmung der Gewebemerkmale eingesetzt werden.

Eine Stammzelltransplantation kommt bei Betroffenen mit akuter Leukämie und chronisch myeloischer Leukämie infrage, wenn die übliche Behandlung nicht den gewünschten Erfolg brachte oder das Rückfallrisiko sehr hoch ist.

Verlauf und Prognose bei Blutkrebs

Dank moderner Therapien sind die Heilungs- und Überlebenschancen von Menschen mit Leukämie deutlich gestiegen. Selbst bei fortgeschrittenen Erkrankungen können passende Behandlungen die Überlebenszeit verlängern. Allerdings hängt der Behandlungserfolg stark davon ab, wann und in welchem Krankheitsstadium die Leukämie diagnostiziert wurde und die Behandlung begann. Selbst bei frühzeitiger Diagnose ist der Verlauf der Erkrankung nicht genau vorhersehbar.

Die chronischen Formen der Leukämie sind in den seltensten Fällen heilbar, die besten Heilungsaussichten bestehen durch eine Stammzelltransplantation. Da sich die Krebszellen im Allgemeinen bei chronischem Blutkrebs aber nur langsam vermehren und die Symptome nur schleichend schlimmer werden, kann ein Voranschreiten der chronischen Leukämie meist gebremst werden. Die notwendige Therapie ist weniger aggressiv als bei akuten Formen, muss aber auf lange Dauer weitergeführt werden.

Bei akuten Leukämieformen ist eine Heilung möglich. Je früher die Therapie beginnt und je jünger die Betroffenen sind, desto größer ist die Lebenserwartung. Unbehandelt leben die Erkrankten meist nur durchschnittlich drei Monate. In allen Fällen verschlechtert ein erneutes Auftreten der Erkrankung (Rezidiv) die Heilungschancen deutlich.

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