Allergisches Kontaktekzem

Kontaktallergie: Wenn die Haut auf Stoffe reagiert

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Bei einer Kontaktallergie oder einem allergischen Kontaktekzem zeigt sich nach Kontakt mit einem Allergen eine allergische Reaktion der Haut. Welche Stoffe ein Kontaktekzem auslösen können, wo es häufig auftritt und was dagegen hilft, lesen Sie hier.

kontaktallergie an der hand
© Getty Images/Siriporn Kaenseeya/EyeEm

Eine Kontaktallergie zeigt sich als Hautausschlag (Kontaktekzem) in Form von verschiedenen Symptomen wie Juckreiz, Rötung oder Bläschen. Die Reaktion kann prinzipiell überall am Körper auftreten, häufig sind die Hände betroffen. Auslöser können verschiedenste Stoffe sein. In Deutschland sind etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Laufe des Lebens betroffen. Damit gehört die Kontaktallergie zu den häufigsten Erkrankungen der Haut. Eine bekannte Kontaktallergie ist die Windeldermatitis.

Im Überblick:

Hautausschlag: Welche Krankheit steckt dahinter?

Symptome einer Kontaktallergie

Typisch bei der Kontaktallergie oder dem allergischen Kontaktekzem sind folgende Hautreaktionen:

  • Rötungen (Erythem)
  • starker Juckreiz
  • bei schwereren Formen auch (nässende) Bläschen, Schwellungen, Spannungsgefühl und Schmerzen

Die Symptome entwickeln sich wenige Stunden nach Berührung mit dem Allergen und bilden sich in der Regel schnell zurück. Die Hautreaktionen beschränken sich meist auf die Stellen, an denen die Haut mit dem Auslöser in Kontakt gekommen ist, sie können jedoch auch darüber hinausgehen. Sehr häufig sind die Hände betroffen, da diese in Kontakt mit vielem kommen. Nur sehr selten kommt es zu Komplikationen wie Streuungsreaktionen (über das ursprüngliche Areal hinausgehende Reaktion), Schleimhautreizungen oder sogar Asthmaanfällen.

Das irritative (nichtallergische) Kontaktekzem ist hingegen eher durch ein schnelleres Auftreten der Symptome sowie Schmerz und Brennen gekennzeichnet, zudem beschränken sich die Beschwerden auf die Stelle des Hautkontakts mit dem Stoff.

Wirkt der Auslöser nur kurz ein, heilt die Entzündung in der Regel wieder vollständig ab. Dauert der Kontakt mit dem Allergen als Auslöser jedoch an oder bleiben die Hautbeschwerden auch ohne Einfluss eines Auslösers bestehen, liegt ein chronisches Ekzem vor: Die Haut wird dann trocken-schuppig und rissig, sie verdickt, ihre Struktur vergröbert sich. Die Begrenzung der Hautveränderung verliert an Schärfe, die Entzündung heilt nur noch schwer ab.

Auslöser und Risikofaktoren für eine Kontaktallergie

Im Prinzip kann jeder Stoff eine Kontaktallergie auslösen – einige sind besonders häufig. Beim Entstehen einer Kontaktallergie spielen jedoch mehrere Faktoren eine Rolle: Umweltschadstoffe, eine fettreiche Ernährung, Rauchen, Alkohol, übertriebene Hygiene und die genetische Vorbelastung sind Risikofaktoren.

Häufige Kontaktallergene sind:

  • Metalle (vor allem Nickel in Hosenknöpfen, Reißverschlüssen und Schmuck)
  • Duftstoffe (etwa in Waschmitteln, Kosmetika, Parfüms, Seifen)
  • Konservierungsstoffe
  • Farbstoffe
  • Ätherische Öle
  • Reinigungsmittel
  • Latex (z.B. Kondome, Handschuhe)
  • Medikamente
  • Industriechemikalien (beispielsweise aus der Gummiherstellung)

Immer häufiger werden auch Kontaktallergien bei Henna-Tattoos zum Problem. Der Allergieauslöser ist hierbei nicht das Henna selbst, sondern ein Stoff, der zur Steigerung der Farbintensität und Haltbarkeit zugesetzt wird – Paraphenylendiamin. Die organische Verbindung ist ebenfalls in Haarfärbemitteln enthalten.

Der Kontaktallergie liegt eine allergische Reaktion vom sogenannten Spättyp (Typ IV) zugrunde. Das heißt, die Symptome treten nicht sofort, sondern erst einige Stunden nach dem Kontakt mit dem jeweiligen Allergen auf. Die allergische Reaktion vom Spättyp basiert darauf, dass das Allergen über die Haut in den Körper gelangt und durch bestimmte Abwehrzellen (T-Zellen) fälschlicherweise als gefährlich eingestuft und bekämpft wird. Diese Abwehrzellen setzen Botenstoffe frei, die letztlich die überschießende Immunreaktion in Gang setzen.

Abgrenzung: Allergisches oder irritatives Kontaktekzem?

Im Gegensatz zum allergischen Kontaktekzem (Kontaktallergie) liegt dem irritativen (nichtallergischen) Ekzem, das direkt durch reizend auf die Haut wirkende Stoffe ausgelöst wird, keine spezifische Erkennung einer Fremdsubstanz zugrunde. Beim irritativen Kontaktekzem handelt es sich vielmehr um die Antwort des Immunsystems auf eine Schädigung der Haut.

Obwohl sich die eigentlichen Ursachen der beiden Kontaktekzemformen demnach stark unterscheiden, ist das Entzündungsgeschehen im Gewebe oft sehr ähnlich, was eine Abgrenzung erschweren kann.

Berufskrankheit Handekzem durch Kontaktallergie

Beruflich bedingte Kontaktekzeme können durch eine Allergie gegen eine Vielzahl von Stoffen ausgelöst werden. Besonders betroffen sind Beschäftigte in der Pflege und im Friseurhandwerk sowie in weiteren Bereichen, in denen viele Kontaktallergene vorkommen:

  • Mechanische Industrie
  • Kunststoffverarbeitung
  • Massage
  • Baugewerbe bei Arbeiten mit Farbe, Beton, Metall oder ähnlichem
  • Nahrungsmittelverarbeitende Industrie
  • Reinigungsfachkräfte
  • Zahntechnik und Zahnarzthelfer*innen

Ist ein beruflicher Zusammenhang wahrscheinlich, so kommen für die Erstattung von Diagnostik, Therapie und Prävention des Handekzems in der Regel die Berufsgenossenschaften auf. Hierfür muss der*die Arzt*Ärztin jedoch ein entsprechendes Verfahren einleiten.

Diagnose der Kontaktallergie: Suche nach dem Allergen

Bei der Diagnose des Kontaktekzems spielen zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) und die Symptome eine zentrale Rolle. Folgende Fragen helfen dem Arzt oder der Ärztin bei der Diagnose:

  • Welcher Beruf wird ausgeübt?
  • Wo am Körper bestehen die Symptome?
  • Seit wann treten die Symptome auf?
  • Kann ein Zusammenhang vom Auftreten der Symptome mit bestimmten Stoffen oder Tätigkeiten hergestellt werden?
  • Sind Allergien bekannt und gibt es weitere Erkrankungen?

Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung, bei der die Hautstellen genau inspiziert werden.

Epikutantest

Die Diagnose einer Kontaktallergie lässt sich in der Regel durch den Nachweis einer Sensibilisierung im Epikutantest absichern. Dabei werden verschiedene Stoffe, die als Allergie-Auslöser infrage kommen, mithilfe von speziellen Pflastern auf die Haut am Rücken jeweils getrennt voneinander aufgebracht. Meistens kommen zwei bis drei Pflaster zum Einsatz, um etwa 25 der allgemein und individuell wichtigsten Allergene zu testen. Besteht eine Überempfindlichkeit gegenüber den Allergenen, entwickelt die Haut an der entsprechenden Stelle innerhalb von Stunden beziehungsweise Tagen eine allergische Reaktion.

Für den Nachweis eines irritativen (nichtallergischen) Kontaktekzems gibt es hingegen derzeit keinen sinnvollen diagnostischen Test. Hier leitet sich die Diagnose vor allem aus der Krankengeschichte, den Symptomen und dem Ausschluss von anderen möglichen Erkrankungen ab.

Zu den Erkrankungen, die beim Kontaktekzem durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen werden sollten, gehören unter anderem Neurodermitis, Hautpilz und spezielle Formen der Schuppenflechte (Psoriais).

Diagnose der beruflichen Kontaktallergie

Die Diagnostik der beruflich bedingten Kontaktallergie stützt sich in der Regel auf spezielle Testreihen im Epikutantest, die für die jeweiligen Berufszweige zur Verfügung stehen. Damit sind zwar die wichtigsten bekannten Allergene abgedeckt, aber es gibt in allen Branchen potenziell allergene Kontaktstoffe, die nicht berücksichtigt werden.

Zudem kommen durch den technischen Fortschritt ständig neue Allergene hinzu. Daher steht das Netzwerk „Kontaktallergien durch Berufsstoffe“, das durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gefördert wird, Kliniken bei der Testung von Berufsstoffen beratend zur Seite und erfasst alle Ergebnisse zentral. Dies soll bundesweit in allen Kliniken standardisierte, hochwertige Untersuchung sicherstellen.

Therapie: Meiden des Allergens ist wirksamste Behandlung

Es gibt keine Therapie, die eine Kontaktallergie heilen kann. Allergene sollten deshalb möglichst komplett gemieden werden. Doch das ist nicht immer möglich.

Ein akutes Kontaktekzem mit starkem Juckreiz, Schwellung, Rötung, Pickeln und Pusteln kann mit Hautpflegemitteln mit Kortison behandelt werden. Da akute Kontaktekzeme meist feucht sind, sollte hier Gel, Lotion oder Creme zum Einsatz kommen. Bei chronischen Stadien werden kortisonhaltige Salben empfohlen, da die Haut mehr Fett braucht und eher ausgetrocknet ist.

Weitere medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, vor allem beim chronischen Stadium, sind:

  • Calcineurininhibitoren (Tacrolimus und Pimecrolimus als 0,1 %-Salben)
  • Januskinase-Inhibitoren (z. B. Delgocitinib als Salbe oder Creme)
  • Schieferöl (Ammoniumbituminosulfonat)
  • Steinkohleteer
  • Antiseptika als Salben oder Cremes, wenn Keime auf den Wunden sind, die sich weiter entzündet haben

Zusätzlich kommt vor allem beim chronischen Stadium einer Kontaktallergie auch die Phototherapie beziehungsweise Lichttherapie infrage. Studien belegen die Wirksamkeit mit UVB-Breitband und PUVA. Für die PUVA bekommt der*die Betroffene vor der Lichttherapie den Wirkstoff Psoralen als Tablette, Creme oder Gel.

In Einzelfällen kann auch der Einsatz von innerlich wirkenden Medikamenten sinnvoll sein, die das Immunsystem beeinflussen.

Die Prognose einer Kontaktallergie ist gut. Mit der entsprechenden Therapie und dem Meiden des Allergieauslösers gehen die Beschwerden meist schnell zurück. Nur wenn die Allergenen nicht gemieden werden können, kommt es zu einem chronischen Ekzem durch die Kontaktallergie.

Kontaktallergie vorbeugen: Vorsicht vor potenziellen Allergenen

Das Auftreten eines allergischen Kontaktekzems aufgrund einer Kontaktallergie lässt sich am besten verhindern, indem der Allergenkontakt vermieden wird. Dies gilt vor allem für Kinder, weil deren Haut noch empfindlicher reagiert. Potenzielle Allergene verbergen sich zum Beispiel in nickelhaltigem Schmuck, Tattoo-Farben, in Metallspielzeug (Nickel) oder Kosmetika. So sollten auch feuchte Hygieneartikel (z. B. Feuchttücher zum Abwischen) gemieden werden, weil sie Konservierungsmittel enthalten. Generell ist es vor allem bei Kindern und hautsensiblen Menschen ratsam, bei allen auf der Haut angewendeten Präparaten den Gehalt von Konservierungsmitteln auf das Notwendigste zu beschränken und parfümierte Produkte zu meiden.

Um die Entwicklung einer Kontaktallergie nicht zu fördern, sollten Reinigungsmittel so sparsam wie möglich verwendet und auf Desinfektionsmittel, Duftstoffe und andere Haushaltchemikalien so weit wie möglich verzichtet werden. Selbst auf die Rückstände von Waschmittel und Weichspüler in Kleidung können empfindliche Menschen allergisch reagieren.

Hautpflege und Schutzmaßnahmen

Bei Erkrankten spielt neben der Therapie die ergänzende, abgestimmte Hautpflege eine wichtige Rolle, die die Regeneration der Haut fördern und dem Auftreten neuer Ekzeme durch die Kontaktallergie vorbeugen kann. Präparate zur Hautpflege und Kosmetika sollte besonders mild und pH-neutral sein, um gestresste Haut nicht zusätzlich zu reizen.

Beim Handekzem sollten zudem individuell sinnvolle Schutzmaßnahmen ergriffen werden, beispielsweise das Tragen von Handschuhen (ggf. zusätzlich von Baumwollhandschuhen) bei Feuchtarbeiten und/oder Arbeiten mit hautreizenden Substanzen. Bei immer wieder neu auftretenden Kontaktallergien und wenn der Kontakt zu den allergieauslösenden Stoffen nicht hundertprozentig vermieden werden kann, sollten Betroffene darüber nachdenken, den Beruf zu wechseln. Die Kontaktallergie ist für eine ganze Reihe an Berufen als Berufskrankheit anerkannt.

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